Extrablatt

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Extrablatt / Das Extrablatt – Originaltitel: The Front Page – Regie: Billy Wilder – Drehbuch: Billy Wilder, I. A. L. Diamond, nach dem Theaterstück "The Front Page" von Ben Hecht und Charles MacArthur – Kamera: Jordan Cronenweth – Schnitt: Ralph E. Winters – Musik: Billy May – Darsteller: Jack Lemmon, Walter Matthau, Susan Sarandon, Vincent Gardenia, David Wayne, Alan Garfield, Austin Pendleton, Charles Durning, Carol Burnett, Harold Gould, Cliff Osmond, Dick O'Neill, John Furlong u.a. – 1974; 105 Minuten

Inhaltsangabe

Walter Burns, der Chefredakteur des Boulevardblatts "Chicago Examiner", erwartet von einer groß aufgemachten Titelstory über die anstehende Hinrichtung von Earl Williams einen Anstieg der Auflage. Umso aufgebrachter ist er, als Hildy Johnson, sein bester Reporter, am Tag davor fristlos kündigt, weil er noch am Abend nach Philadelphia fahren und dort heiraten will. Vergeblich versucht Burns die geplante Eheschließung mit einer Intrige zu hintertreiben. Aber dann bricht der zum Tod Verurteilte aus und trifft ausgerechnet auf Hildy Johnson ...
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Kritik

Bei "Extrablatt", Billy Wilders Verfilmung des Theaterstück "The Front Page" von Ben Hecht und Charles MacArthur, handelt es sich um eine turbulente Satire auf die Yellow Press. Aber auch Politik, Justiz, Polizei und die Kommu­nisten-Phobie in den USA werden aufs Korn genommen.
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Hildebrand („Hildy“) Johnson (Jack Lemmon) kündigt am 6. Juni 1929 fristlos als Reporter bei der Boulevardzeitung „Chicago Examiner“, denn er will noch am selben Abend mit seiner Verlobten Peggy Grant (Susan Sarandon) in den Nachtzug nach Philadelphia einsteigen, dort heiraten und als Werbetexter bei einem Onkel der Braut anfangen. Der Chefredakteur Walter Burns (Walter Matthau) gerät außer sich, denn am nächsten Morgen soll Earl Williams (Austin Pendleton) hingerichtet werden – der Galgen im Hof des Kriminalgerichts wird bereits gezimmert –, und darüber hätte Johnson die Titelstory schreiben sollen. Burns hat sogar eine Kamera besorgt, die sich unter dem Hosenbein verstecken lässt. Damit sollte Johnson im Augenblick der Hinrichtung heimlich und verbotenerweise ein Foto für die Titelseite des „Examiner“ schießen.

Um die geplante Abreise und Eheschließung seines besten Reporters zu verhindern, sucht Walter Burns die in einem Kino Hammond-Orgel spielende Peggy Grant in ihrer Künstlergarderobe auf, gibt sich als besorgter Bewährungshelfer Otto Fishbine aus und behauptet, Hildebrand Johnson dürfe Chicago nicht verlassen, bis er sich wegen Exhibitionismus vor Gericht verantwortet habe. Peggy, deren erster Ehemann in einem Bugati verbrannte, glaubt schon, sie sei auf einen Perversen hereingefallen, aber zufällig ruft ihr Bräutigam in diesem Augenblick an, durchschaut die Intrige seines Chefredakteurs und kann Peggy davon überzeugen, dass er kein Exhibitionist ist.

Johnson bringt seinen im Presseraum des Kriminalgerichts Karten spielenden Kollegen anderer Zeitungen ein paar Flaschen Whisky, um sich von ihnen zu verabschieden. Das Eis für die Getränke besorgt die Putzfrau Jennie (Doro Merande) in der Leichenhalle. Da taucht ein junger Mann namens Rudy Keppler (Jon Korkes) auf, der erklärt, er sei als Ersatz für Hildy Johnson eingestellt worden. (Burns hat bewusst einen unerfahrenen Tölpel zum Kriminalgericht geschickt, weil er hofft, dass Johnson es für nötig hält, wenigstens noch den Artikel über die Hinrichtung Earl Williams‘ selbst zu schreiben.)

Währenddessen wird der zum Tod Verurteilte ins Büro des Sheriffs Pete Hartmann (Vincent Gardenia) gebracht, wo ihn der österreichische Psychiater Dr. Max Eggelhofer (Martin Gabel) auf seinen Geisteszustand untersucht und dabei auch nachstellen möchte, unter welchen Umständen Williams einen Polizisten erschoss. Zu diesem Zweck lässt Eggelhofer sich vom Sheriff die Dienstwaffe geben, drückt sie dem debilen Häftling in die Hand und übernimmt selbst die Rolle des Polizisten.

Kurz darauf hören die Reporter im Presseraum Schüsse. Sofort rennen sie los. Earl Williams ist entkommen! Mit einem riesigen Polizeiaufgebot wird nach ihm gefahndet.

Johnson, der allein zurückgeblieben ist, erfährt von Jennie, dass Williams von dem Wiener Psychiater ausdrücklich aufgefordert wurde, mit dem Revolver des Sheriffs nachzustellen, wie er den Polizisten erschossen hatte. Daraufhin verletzte der Geisteskranke den Psychiater durch einen Schuss und floh. Trotz seiner Kündigung gibt Johnson die Neuigkeit dem Chefredakteur telefonisch durch. Burns erwartet, dass Johnson nun doch noch wenigstens einen Tag für den „Examiner“ weiterarbeitet, aber Johnson stellt klar, dass Peggy ihn in einer Viertelstunde abholen werde, um vor der Abfahrt des Zugs noch mit ihm in einem Restaurant zu essen.

Kurz nachdem gemeldet wird, dass der Ausbrecher in einem bestimmten Gebäude vermutet wird, taucht ein Kurier des Gouverneurs auf. Plunkett (Paul Benedict) überbringt einen Beschluss über die Aufschiebung der Hinrichtung Williams‘. Davon will der Bürgermeister (Harold Gould) nichts hören. Dass der von der Polizei provozierte Earl Williams einen afroamerikanischen Polizisten erschoss, kam ihm vor der anstehenden nächsten Wahl gerade recht. Deshalb sorgten er und der Sheriff dafür, dass in der Öffentlichkeit das Bild eines eiskalten Mörders und kommunistischen Überzeugungstäters verbreitet wurde, nicht das eines Geisteskranken. Die Hinrichtung, so erwartet der Bürgermeister, werde ihm viele Stimmen bringen. Das will er sich weder durch den Ausbruch des Häftlings noch durch einen Aufschub der Hinrichtung kaputtmachen lassen. Also fordert er den Sheriff auf, zu veranlassen, dass Williams in dem inzwischen von der Polizei umstellten Gebäude nicht verhaftet, sondern erschossen wird.

Allerdings befindet Earl Williams sich nicht in dem Gebäude, sondern noch im Kriminalgericht. Als Johnson, der bereits bei Peggy im Taxi saß, noch einmal zurückkehrt, um die Trauringe zu holen, die er im Presseraum liegen ließ, trifft er dort auf den Ausbrecher. Gleich darauf taucht auch die Prostituierte Mollie Malloy (Carol Burnett) auf, die nach ihrem Freund Earl Williams sucht. Nachdem Mollie seinen durch einen Schuss verletzten Arm verbunden hat, verstecken sie und Johnson den Gesuchten im Aktenschrank des schwulen Reporters Roy Bensinger (David Wayne). Bald darauf kommen die anderen Journalisten zurück und es ist zu befürchten, dass sie Williams entdecken. Um sie abzulenken, springt Mollie aus dem Fenster. (Glücklicherweise überlebt sie den Aufprall auf dem Straßenpflaster leicht verletzt.)

Während die anderen Reporter hinunterlaufen, um über den versuchten Suizid berichten zu können, betritt Burns den Presseraum. Er macht ein Foto von Williams im Aktenschrank und beauftragt eine Spedition, das Möbelstück so schnell wie möglich durchs Fenster wegzuschaffen. Peggy kommt herauf und drängt zur Abfahrt, aber Johnson schlägt ihr vor, schon mal die Koffer zu holen und dann wiederzukommen. Er meint, sie hätten noch genügend Zeit bis zur Abfahrt des Zuges und beginnt, eifrig eine Sensationsstory zu tippen.

Als Peggy zurückkommt, schickt Johnson sie zum Bahnhof und sagt, sie könne schon mal vorausfahren und das Gepäck aufgeben. Stattdessen lässt Peggy seine Koffer vom Taxi nach oben bringen, bevor sie weiterfährt.

Die anderen Reporter kommen mit dem Sheriff und dem Bürgermeister in den Presseraum – und entdecken Williams im Aktenschrank. Daraufhin lässt Hartmann auch Burns und Johnson in Handschellen abführen.

Noch in der Nacht werden die Mädchen aus einem Bordell ins Gefängnis gebracht, weil der Bürgermeister der Ansicht ist, dass das seiner Wiederwahl förderlich sein könnte. Von Plunkett, der mit den Prostituierten zusammen verhaftet wurde, erhalten Burns und Johnson den schriftlichen Beschluss des Gouverneurs über die Aufschiebung der Hinrichtung. Als sie den Bürgermeister damit konfrontieren, lässt dieser die beiden Journalisten sofort frei und mit Polizeieskorte zum Bahnhof bringen. Zugleich ordnet er an, dass der Zug nach Philadelphia erst abfahren darf, wenn Johnson eingestiegen ist.

Am Bahnsteig erhält Johnson von Burns eine Uhr als Abschiedsgeschenk. Das Brautpaar ist gerührt. Aber als der Zug abgefahren ist, wendet Burns sich an den Stationsvorsteher und behauptet, einer der Reisenden habe ihm gerade die Armbanduhr gestohlen. Der Zug wird deshalb am nächsten Bahnhof angehalten und von der Polizei durchsucht …

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Die Filmkomödie „Extrablatt“ (DVD: „Das Extrablatt“) von Billy Wilder basiert auf dem am 14. August 1928 im Times Square Theater in New York uraufgeführten Bühnenstück „The Front Page“ von Ben Hecht und Charles MacArthur, das auch von Lewis Milestone (1931), Howard Hawks (1940) und Ted Kotcheff (1988) verfilmt wurde.

Originaltitel: The Front Page – Regie: Lewis Milestone – Drehbuch: Bartlett Cormack, Charles Lederer, nach dem Theaterstück „The Front Page“ von Ben Hecht und Charles MacArthur – Kamera: Glen MacWilliams – Schnitt: W. Duncan Mansfield – Darsteller: Pat O’Brien, Adolphe Menjou, Mary Brian u.a. – 1931; 100 Minuten

His Girl Friday. Sein Mädchen für besondere Fälle – Originaltitel: His Girl Friday – Regie: Howard Hawks – Drehbuch: Charles Lederer, Ben Hecht, Morrie Ryskind, nach dem Theaterstück „The Front Page“ von Ben Hecht und Charles MacArthur – Kamera: Joseph Walker – Schnitt: Gene Havlick – Musik: Sidney Cutner, Felix Mills – Darsteller: Cary Grant, Rosalind Russell u.a. – 1940; 90 Minuten

Eine Frau steht ihren Mann – Originaltitel: Switching Channels – Regie: Ted Kotcheff – Drehbuch: Jonathan Reynolds, nach dem Theaterstück „The Front Page“ von Ben Hecht und Charles MacArthur – Kamera: François Protat – Schnitt: Thom Noble – Musik: Michel Legrand – Darsteller: Kathleen Turner, Burt Reynolds u.a. – 1988; 105 Minuten

Bei Billy Wilders Verfilmung „Extrablatt“ handelt es sich um eine turbulente Satire auf die ebenso sensationsgierige wie skrupellose Yellow Press, aber auch die Kommunisten-Phobie in den USA, die Instrumentalisierung der Justiz und der Polizei durch korrupte Politiker und andere gesellschaftliche Missstände. Billy Wilder schreckt nicht vor Klamauk zurück; „Extrablatt“ ist ein mit Slapstick-Szenen gespicktes, sehr unterhaltsames Spektakel.

Deutschsprachige Synchronisation (Regie: Dietmar Behnke, Buch: Lutz Arenz): Georg Thomalla (Hildy Johnson), Martin Hirthe (Walter Burns), Ute Meinhardt (Peggy Grant), Klaus Havenstein (Sheriff Pete Hartmann), Leo Bardischewski (Roy Bensinger), Klaus Miedel (Dr. Max Eggelhofer), Christian Rode (Earl Williams), Wolfgang Spier (Plunkett), Heinz Petruo (Bürgermeister), Barbara Ratthey (Mollie Malloy), Andreas Mannkopff (Rudy Keppler), Ursula Krieg (Jennie) u. a.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2015

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