Joseph Conrad

Joseph Conrad wurde 1857 in einer damals zum Zarenreich (heute zur Ukraine) gehörenden polnischen Kleinstadt geboren und trug den bürgerlichen Namen Józef Teodor Konrad Korzeniowski. Beide Eltern stammten aus Adelsfamilien. Der gegen die russische Herrschaft protestierende Schriftsteller Apollo Korzeniowski wurde 1861 verhaftet und im Jahr darauf an einen Ort nördlich von Moskau verbannt. Seine Frau Ewelina, eine geborene Bobrowska, begleitete ihn mit dem Sohn Józef. Sie starb dort 1865. Der Witwer folgte ihr vier Jahre später ins Grab.

Das Sorgerecht für den Waisenjungen bekam sein Onkel Tadeusz Bobrowski, aber im Alter von 16 Jahren wollte Józef nicht länger bei den Verwandten in Polen bleiben und reiste nach Marseille, um auf einem Schiff anzuheuern. 1878 kam der Seemann erstmals nach Großbritannien. Er lernte Englisch und erwarb 1886 außer der britischen Staatsangehörigkeit das Kapitänspatent.

1888/89 war Joseph Conrad Kapitän auf einem Frachtsegler im Indischen Ozean. Zurück in London, ließ er sich von seiner in Brüssel lebenden Tante Marguerite Poradowska 1890 eine Anstellung vermitteln, und zwar bei der Société Anonyme Belge pour le Commerce du Haut-Congo, einer Filiale der Compagnie du Congo pour le Commerce et l’Industrie. Mit einer Reise zu einem damals noch weißen Fleck auf der Weltkarte erfüllte sich Joseph Conrad einen Wunsch aus der Kindheit – aber die meisten Erlebnisse waren anders als zuvor erträumt.

Die Anreise nach Afrika erfolgte auf dem französischen Schiff „Ville de Maceio“. Von der Kongomündung brachte ihn ein Flussdampfer ins Landesinnere. Dann marschierte Joseph Conrad weiter am Kongo entlang bis zu einer Station der Handelsgesellschaft, aus der später Leopoldsville bzw. Kinshasa entstand. Der Flussdampfer „Florida“, den er dort übernehmen sollte, weil der dänische Kapitän Freiesleben (in „Herz der Finsternis“: Fresleven) von Afrikanern totgeschlagen worden war, lag allerdings leckgeschlagen im Wasser.

Während seines Aufenthalts in der Handelsstation freundete sich Joseph Conrad mit dem 26-jährigen Iren Roger David Casements (irisch: Ruairí Dáithí Mac Easmainn) an, der später (1895) als britischer Konsul nach Afrika (Maputo) zurückkam und 1904 einen kritischen Bericht über die belgische Kolonialpolitik veröffentlichte. (1916 wurde Roger Casements wegen seiner Beteiligung am irischen Unabhängigkeitskampf hingerichtet.)

Joseph Conrad übernahm statt der „Florida“ einen anderen Flussdampfer mit Namen „Roi des Belges“ und holte unterhalb der Stromschnellen am Oberlauf des Kongo (Boyomafälle, früher: Stanleyfälle) einen schwer kranken Handelsagenten namens Klein an Bord, der allerdings nicht gerettet werden konnte, sondern während der Fahrt stromabwärts starb. (Mit der Romanfigur Kurtz soll dieser Klein keine Ähnlichkeit gehabt haben.) Kapitän Joseph Conrad selbst erkrankte an einem schweren Fieber und erholte sich zeitlebens nicht mehr ganz davon.

Nach seiner Rückkehr wurde Joseph Conrad Schriftsteller. Er schrieb englisch, in der Sprache, die er erst als junger Mann erlernt hatte. 1895 erschien sein Debütroman „Almayer’s Folly. A Story of an Eastern River“ / „Almayers Wahn“. Den Durchbruch erzielte er 1913 mit „Chance“ / „Spiel des Zufalls“. Inzwischen zählt Joseph Conrad zu den bedeutendsten Schriftstellern des 20. Jahrhunderts.

Joseph Conrad starb am 3. August 1924 in Bishopsbourne/Kent, wo er mit seiner Frau Jessie und den beiden Söhnen gelebt hatte.

© Dieter Wunderlich 2020

Joseph Conrad: Herz der Finsternis

Franz Werfel - Eine blassblaue Frauenschrift
Die Novelle "Eine blassblaue Frauenschrift" ist in ihrer traditionellen Erzählweise insofern lesenswert, als es immer wieder Passagen mit einfallsreich geschilderten Beobachtungen gibt. Die Handlung spielt sich an einem Tag ab, und durch unvermutete Wendungen bleibt sie spannend.
Eine blassblaue Frauenschrift