Leopold Tyrmand

Leopold Tyrmand wurde am 16. Mai 1920 in Warschau als Sohn einer assimilierten jüdischen Familie geboren. Der Vater betrieb einen Pelzgroßhandel. Nach dem Abitur begann Leopold Tyrmand an der École nationale supérieure des beaux-arts de Paris Architektur zu studieren.

Als die Deutschen am 1. September 1939 Polen überfielen, floh er von Warschau, wo er sich zu diesem Zeitpunkt aufhielt, nach Vilnius und arbeitete dort ab 1940 als Journalist. Weil sich Leopold Tyrmand in polnischen Untergrunds-Gruppen engagierte (Oszmania-Armee), sperrte ihn die Sowjetunion 1941 in einen Gulag, aus dem er nach dem Angriff Deutschlands gegen die UdSSR fliehen konnte.

Mit einem gefälschten Ausweis gab er sich als in Warschau geborener staatenloser Franzose aus und machte sich 1942 auf den Weg nach Frankreich. Immerhin sprach er nicht nur polnisch, sondern auch deutsch und französisch. Aber er strandete im Rhein-Main-Gebiet. Zunächst in Mainz, dann in Frankfurt/M schlug er sich als Dolmetscher, Gleisarbeiter, Kellner und Bibliotheksangestellter durch.

Weil Leopold Tyrmand keine Chance mehr sah, nach Frankreich zu gelangen, setzte er sich nach Wien ab und arbeitete als Schuhputzer und Reinigungskraft in einem Hotel, bevor er Ende 1944 in Danzig als Steward auf einem Frachtschiff anheuerte und hoffte, sich auf diese Weise ins neutrale Schweden retten zu können. Das Schiff legte allerdings in der norwegischen Hafenstadt Stavanger an, und Leopold Tyrmand wurde festgenommen, bevor er Schweden auf dem Landweg hätte erreichen können. Das Ende des Zweiten Weltkriegs erlebte er im Polizeihäftlingslager Grini in Bærum, südwestlich von Oslo.

Seine Eltern waren von den Deutschen abgeholt worden. Mieczysław Tyrmand kam vermutlich in Majdanek bei Lublin um. Maryla Tyrmand überlebte mehrere KZs und das Warschauer Ghetto. Die Witwe heiratete ein zweites Mal und zog zunächst nach Paris, später nach Tel Aviv.

Nach dem Krieg arbeitete Leopold Tyrmand als Journalist in Kopenhagen, bevor er 1946 nach Warschau zurückkehrte und dort für mehrere Zeitungen und Zeitschriften schrieb. 1947 erschienen unter dem Titel „Hotel Ansgar“ Erzählungen über seine Erlebnisse im Zweiten Weltkrieg. Weitere Bücher folgten. Aber wegen seiner kritischen Haltung gegenüber dem polnischen Regime und der UdSSR erhielt er 1953 ein Berufsverbot.

Bereits während des Studiums in Paris hatte sich Leopold Tyrmand für Jazz begeistert. Am 30. Mai 1947 veranstaltete er in Warschau ein erstes öffentliches Jazz-Konzert, und 1954 fungierte er als Schirmherr des ersten polnischen Jazz-Festivals in Krakau, obwohl die Kulturbehörden der Partei (Polska Zjednoczona Partia Robotnicza) Jazz als dekadent und schädlich ablehnten.

1966 emigrierte Leopold Tyrmand nach New York, wo er wieder als Journalist arbeiten konnte.

Während eines Urlaubs in Florida erlag Leopold Tyrmand am 19. März 1985 in Fort Myers einem Herzinfarkt.

Leopold Tyrmands autofiktionaler Roman „Filip“ erschien 1961 in Warschau. Die deutschsprachige Übersetzung stammt von Peter Oliver Loew und wurde 2021 von der Frankfurter Verlagsanstalt  veröffentlicht: „Filip“.

Emmanuel Bove - Menschen und Masken
Emmanuel Bove entlarvt die wahren Gedanken hinter den Fassaden der freundlichen Gesichter und schmeichlerischen Worte. "Menschen und Masken" veranschaulicht, dass auf die "gute" Gesellschaft kein Verlass ist.
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