Helmut Dietl: Schtonk!
mit Uwe Ochsenknecht, Götz George, Veronica Ferres u.a.
      Kritik:
"Schtonk!" ist eine funkensprühende Posse von Helmut Dietl über die Veröffentlichung angeblicher Hitler-Tagebücher 1983 im "Stern". Filmkritik
 

Schtonk!

 
  Inhalt:
Der erfolglose Maler Fritz Knobel verkauft Anfang der Achtzigerjahre einem alten Nazi einen gefälschten, angeblich von Adolf Hitler gemalten Akt Eva Brauns. Als er einem Reporter erzählt, er habe die geheimen und bis dahin unbekannten Tagebücher Adolf Hitlers entdeckt, glaubt dieser an eine Sensation. Knobel kann die Kladden gar nicht schnell genug vollschreiben! Inhaltsangabe, Handlung
Originaltitel: Schtonk! - Regie: Helmut Dietl - Drehbuch: Helmut Dietl und Ulrich Limmer - Kamera: Xaver Schwarzenberger - Musik: Konstantin Wecker - Darsteller: Uwe Ochsenknecht, Götz George, Veronica Ferres, Christiane Hörbiger, Dagmar Manzel, Harald Juhnke, Rolf Hoppe, Rosemarie Fendel, Karl Schönböck, Ulrich Mühe, Martin Benrath, Hermann Lause, Martin Feifel u.a. - 1992; 105 Minuten
   


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Helmut Dietl: Schtonk!

Inhaltsangabe:

Der erfolglose Maler Fritz Knobel (Uwe Ochsenknecht) gibt sich Anfang der Achtzigerjahre als Kunstsammler aus und verkauft dem Fabrikanten Karl Lentz, einem unverbesserlichen Nazi, einen gefälschten, angeblich von Adolf Hitler gemalten Akt Eva Brauns. Ein wichtigtuerischer Kunstsachverständiger namens Strasser (Karl Schönböck) bestätigt die Echtheit des Gemäldes und behauptet, dabei gewesen zu sein, als Hitler das Bild auf dem Berghof malte. Es habe seit einem Flugzeugabsturz über Börnerdorf bei Dresden zusammen mit Tagebüchern und anderen Gegenständen als verschollen gegolten.

Das bringt Knobel auf die Idee, ein angebliches Tagebuch Hitlers herzustellen und Lentz zum Kauf anzubieten. Nach der feierlichen Öffnung des versiegelten Buches im Beisein alter Kameraden zitiert der Käufer ergriffen daraus, hat jedoch Schwierigkeiten, die Schrift zu lesen und liest statt "Gott sei Dank" "Kotze schtonk".

Der "HH-Press"-Reporter Hermann Willié (Götz George), der Zeuge dieser Szene wird, wittert eine Sensation und setzt sich mit Knobel in Verbindung. Der Maler tut so, als könne er möglicherweise unter großen Schwierigkeiten weitere Tagebücher Hitlers beschaffen. Eifrig redet Willié mit seinem Vorgesetzten (Harald Juhnke) und dem Verlagersleiter Dr. Wieland (Ulrich Mühe), um sich die erforderlichen Ausgaben genehmigen zu lassen. Dann bittet er Knobel, ihm die verfügbaren Tagebücher zu verkaufen, für 40.000 D-Mark das Stück. Da beginnt Knobel in tage- und nächtelanger Arbeit frei erfundene Texte in alte Schulkladden aus der DDR zu schreiben: "Die ständigen Anstrengungen der letzten Wochen verursachen mir Blähungen, und Eva sagt, ich habe Mundgeruch."

Drei Gutachter, die von der "HH-Press-Redaktion" zu Rate gezogen werden, vergleichen die Schrift in den Tagebüchern mit einem angeblichen Brief Hitlers an Ferdinand Porsche, den allerdings auch Knobel gefälscht hat, und kommen zu dem Ergebnis, es handele sich um denselben Schreiber.

Den Scoop feiert Willié auf der "Carin II", der ehemaligen Yacht Hermann Görings, die er von einer Nichte des Reichsmarschalls (Christiane Hörbiger) erworben hatte. Aber die Freude ist nicht von langer Dauer, denn das Bundeskriminalamt stellt fest, dass es sich bei den angeblichen Hitler-Tagebüchern um Fälschungen handelt. Knobel setzt sich ins Ausland ab. Willié droht verhaftet zu werden.

Filmkritik:

In dieser funkensprühenden Posse nimmt Helmut Dietl den Skandal um die 1983 im "Stern" veröffentlichten angeblichen Hitler-Tagebücher aufs Korn, prangert unsere Leichtgläubigkeit an und zeigt, dass der Hitler-Kult auch heute noch noch viele fasziniert. Uwe Ochsenknecht brilliert in der Rolle des Fälschers Knobel, und Götz George beweist in der tragikomischen Rolle des Reporters Willié seine schauspielerische Vielseitigkeit.

"Schtonk!" wurde in der Kategorie "Bester fremdsprachiger Film" für einen
"Oscar" nominiert,.

Der "Stern" präsentierte die angeblichen Hitler-Tagebücher am 25. April 1983 auf einer Pressekonferenz und begann drei Tage später mit der Veröffentlichung von Auszügen aus den 62 Kladden. Der Fälscher Konrad Kujau war dem "Stern"-Reporter Gerd Heidemann tatsächlich bei einem Industriellen namens Fritz Stiefel begegnet, den er mit echten oder gefälschten NS-Devotionalien beliefert hatte. Vorbild der Rolle des Kunstprofessors Strasser war wohl August Priesack, der für Hitler herumgereist war und nach Exponaten für deutsche Museen gesucht hatte. Bücher von Dieter Wunderlich Ihn zog Stiefel allerdings nicht wegen eines angeblich von Hitler gemalten Akts zu Rate, sondern wegen des Tagebuchs, das ihm Kujau besorgt hatte.

Heidemann erwarb in der Tat die Yacht, die einmal Hermann Görings gehört hatte. Die "Carin II" war von den Briten beschlagnahmt, in "Prince Charles" umgetauft, aufgrund eines Gerichtsurteils jedoch 1960 an Görings Witwe Emmy zurückgegeben worden. Emmy Göring hatte sie einem Bonner Druckereibesitzer verkauft, von dem Heidemann sie 1973 für 160.000 D-Mark erhielt.

Mit der Rolle des Dr. Wieland spielt Helmut Dietl auf den Chef des Verlags Gruner & Jahr an. Das war zur Zeit der Veröffentlichung der gefälschten Hitler-Tagebücher Gerd Schulte-Hillen.

Die Echtheit der Aufzeichnungen ließ der "Stern" sich vor dem Abdruck von dem Graphologen Hans Booms vom Bundesarchiv in Koblenz bestätigen. Auch das Landeskriminalamt Rheinland-Pfalz kam zu dem Schluss, dass die Tagebücher echt seien. Doch Anfang Mai deckte der "Spiegel" mit Hilfe des Bundeskriminalamts auf, dass es sich um plumpe Fälschungen handelte.

Zwei der drei "Stern"-Chefredakteure – Peter Koch und Felix Schmidt (im Film: Kurt Glück und Uwe Esser) – traten daraufhin zurück; der Reporter Gerd Heidemann wurde entlassen und am 26. Mai unter Betrugsverdacht festgenommen. Der bereits am 14. Mai verhaftete Stuttgarter Militaria-Händler Konrad Kujau gestand schließlich, die Tagebücher gefälscht zu haben, doch während Heidemann ihm 9,34 Millionen D-Mark dafür gezahlt haben wollte, behauptete Kujau, lediglich 2,5 Millionen erhalten zu haben. Sie wurden beide zu jahrelangen Freiheitsstrafen verurteilt. [mehr dazu]

Inhaltsangabe

Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2002/2003

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Die gefälschten Hitler-Tagebücher im "Stern"

Götz George (Kurzbiografie)

Helmut Dietl (Kurzbiografie)
Helmut Dietl: Kir Royal
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Helmut Dietl: Late Show
Helmut Dietl: Vom Suchen und Finden der Liebe

Kino- und Fernsehfilme über das "Dritte Reich"



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