Wambo

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Originaltitel: Wambo - Regie: Jo Baier - Drehbuch: Jo Baier - Musik: Thomas Osterhoff - Darsteller: Jürgen Tarrach, Bettina Redlich, Ruth Drexel, Alexander Lutz, Paulus Manker, Jan Niklas, Christian Doermer, Florian Lukas, Steffen Wink, Justus von Dohnanyi, Anne Bennent, Heribert Sasse, Rosemarie Gerstenberg, David Scheller, Ivan Zingariello u.a. - 2001; 100 Minuten

Inhaltsangabe

Der Münchner Volksschauspieler Herbert Stieglmeier (Jürgen Tarrach) wird von sadomasochistisch-homosexuellen Obsessionen gepeinigt. Kaum jemand ahnt etwas von der Einsamkeit und Zerrissenheit des populären Künstlers. Umso entsetzter reagiert die Öffentlichkeit, als Herbert Stieglmeier unter entwürdigenden Umständen bestialisch ermordet wird.

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Kritik

In "Wambo" geht es weniger um eine dokumentarische Biografie über Walter Sedlmayr, dessen Leiche am 15. Juli 1990 gefunden wurde, sondern um ein exemplarisches Drama über einen ehrgeizigen Menschen, der auf ein für seinen Erfolg entscheidendes Image achtet, obwohl er ein ganz Anderer ist.
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Der dicke Junge Herbert („Wambo“) Stieglmeier wird von seinem tyrannischen Vater immer wieder gedemütigt und einmal sogar gezwungen, vor seiner entsetzten Mutter auf das Kruzifix zu spucken.

Später versucht sich Herbert Stieglmeier (Jürgen Tarrach) in seiner Heimatstadt München als Bühnenschauspieler.

Seine Verlobte, die Schauspielerin Amalie (Bettina Redlich), schleppt er in Rom von einer Kirche zur anderen, weil er Angst davor hat, allein mit ihr im Hotelzimmer zu sein und sich seiner von katholischen Märtyrerbildern beeinflussten sadomasochistisch-homosexuellen Neigung bewusst wird. Damit seine verwitwete Mutter (Ruth Drexel), mit der er sich die Wohnung teilt, nichts von seiner Perversion erfährt, gibt er vor, Theaterszenen zu proben, wenn er sich mit Strichjungen in sein Zimmer zurückzieht.

Sein Erfolg auf der Bühne stellt sich ein, als er grantelnde bayrische Polizisten und schlitzohrige Bauern spielt. Beim Starkbieranstich auf dem Nockherberg zieht Herbert Stieglmeier die politische Prominenz auf. Eine Brauerei zahlt ihm Millionen für Werbespots, in denen er den gemütlichen Münchner mimt, der mit dem Dackel auf dem Schoß im Biergarten ein Weißbier genießt. Kaum jemand ahnt etwas von der Einsamkeit und Zerrissenheit des populären Schauspielers. Umso entsetzter reagiert die Öffentlichkeit, als Herbert Stieglmeier unter entwürdigenden Umständen bestialisch ermordet wird.


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In „Wambo“ geht es – auch nach Aussage des Produzenten Helmut Dietl – weniger um eine dokumentarische Biografie über Walter Sedlmayr, dessen Leiche am 15. Juli 1990 gefunden wurde, sondern um ein exemplarisches Drama über einen ehrgeizigen Menschen, der auf ein für seinen Erfolg entscheidendes Image achtet, obwohl er ein ganz Anderer ist, von seinen Obsessionen gepeinigt wird und an seiner Zerrissenheit verzweifelt.

Ja, auch da geht es natürlich um einen Menschen, der in Bayern, der in München geprägt wurde, der aber auch gelitten hat unter diesem Bayernklischee, das er selbst auch noch bedient hat. Es ist ja kurios, dass man als Salonbayer, als Vorzeigebayer schlechthin ein Klischee bedient – und in Wirklichkeit diesem Klischee gar nicht entspricht. Genau das hat ihn mir dann aber wieder sympathisch gemacht, weil ich mir dachte: „Siehst du, die Bayern haben auch durchaus zwei Seiten.“ Selbst dann, wenn sich jemand einen Trachtenjanker anzieht, einen Hut mit Gamsbart auf dem Kopf trägt, den Dackel Gassi führt und für bayerisches Bier Reklame macht, selbst dann also, wenn jemand alle Klischees bedient, die man den Bayern andichten kann, kann man bei genauem Hinsehen erkennen, dass dahinter noch eine ganz andere, eine brüchige, eine gespaltene Persönlichkeit steckt. (Jo Baier im Interview mit Carlos Gerstenhauer, 13. Februar 2009)

Trotz der sprachlichen Hürden verkörpert der Rheinländer Jürgen Tarrach diese tragische Figur eines Münchner Volksschauspielers mit außergewöhnlicher Intensität und Glaubwürdigkeit.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2002

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