Liesl Karlstadt und Karl Valentin

Liesl Karlstadt und Karl Valentin

Liesl Karlstadt und Karl Valentin

Originaltitel: Liesl Karlstadt und Karl Valentin – Regie: Jo Baier – Drehbuch: Ruth Toma – Kamera: Gunnar Fuss – Schnitt: Clara Fabry – Musik: Konstantin Wecker – Darsteller: Johannes Herrschmann, Hannah Herzsprung, Bettina Redlich, Gisela Schneeberger, Axel Prahl, Michael Vogtmann, Ulla Geiger, Stefan Merki, Isabella Jantz, Jürgen Tarrach u.a. – 2008; 90 Minuten

Inhaltsangabe

Im Mittelpunkt des Films "Liesl Karlstadt und Karl Valentin" steht die schwierige Beziehung zwischen dem hypochondrischen Exzentriker und seiner lebenstüchtigen, kongenialen Bühnenpartnerin, die auch seine Geliebte war. Es wird deutlich, dass Liesl Karlstadt nicht nur als Stichwortgeberin Karl Valentins fungierte, sondern maßgeblich zum Erfolg des Komikerduos beitrug.
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Kritik

Ruth Toma und Jo Baier ist es gut gelungen, Leben und Kunst von Liesl Karlstadt und Karl Valentin zu verknüpfen. Sie erzählen die Geschichte aus der Perspektive von Liesl Karlstadt, die im ersten Teil von Hannah Herzsprung facettenreich dargestellt wird.
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1911: Bei einem Auftritt im „Frankfurter Hof“ wird die achtzehnjährige Soubrette Elisabeth Wellano (Hannah Herzsprung) von dem zehn Jahre älteren Alleinunterhalter Karl Valentin (Johannes Herrschmann) entdeckt, aber nicht als Sängerin, sondern als Komikerin: „Sie, Fräulein, Sie sind als Soubrette aufgetreten. Des is nix. A Soubrette darf nicht brav sein. Und Ihr Busen ist viel zu klein. Sie müssen sich aufs Komische verlegen.“

Karl Valentin schreibt Elisabeth Wellano ein Couplet, und sie gehen zusammen in einen Biergarten. Als er sie nach Hause bringt, küsst und sagt, dass er sie wiedersehen wolle, schlägt Elisabeth den folgenden Tag fürs nächste Rendezvous vor. „Da passt es mir gar nicht“, antwortet Karl Valentin, „denn da ist meine Hochzeit.“

Tatsächlich heiratet Valentin Ludwig Fey – so sein bürgerlicher Name – am nächsten Tag seine langjährige Lebensgefährtin Gisela Royes (Gisela Schneeberger), mit der er bereits zwei Töchter hat: Gisela und Bertl (Eva König, Theresa Schuierer). Das hält ihn allerdings nicht davon ab, mit Elisabeth Wellano ein Liebesverhältnis anzufangen. Im Bett mit ihr meint er, als seine Bühnenpartnerin müsse sie einen Künstlernamen haben, und sie denken sich „Liesl Karlstadt“ aus. Bald stehen sie zum ersten Mal miteinander auf der Bühne und tragen ein „Alpensängerterzett“ vor. Liesl Karlstadt ist weit mehr als eine Stichwortgeberin für Karl Valentin; tatsächlich stammen viele Ideen von der kongenialen Komikerin. Außerdem organisiert sie die gemeinsame Bühnenkarriere und ermutigt ihren schwierigen Partner, wenn er sich aufgrund seines Asthmas oder seiner Hypochondrie nicht in der Lage fühlt, aufzutreten.

1922: Gisela Fey durchschaut, dass Liesl Karlstadt nicht nur auf der Bühne eine Partnerin ihres Mannes ist. Nach einem heftigen Streit der beiden Rivalinnen versucht Karl Valentin, seine Frau zu besänftigen und ihr zu erklären, dass er sie ebenso liebe wie Liesl Karlstadt. Und er kauft das von ihr gewünschte Haus in Planegg.

Eifersüchtig beobachtet Karl Valentin, dass Liesl Karlstadt sich auf eine Affäre mit dem Chauffeur Josef Kolb (Gerald Alexander Held) einlässt und die beiden sich schließlich sogar verloben. Er will ihr den Umgang mit Josef Kolb verbieten, aber sie hört nicht auf ihn. Allerdings hält sie ihren Verlobten in Bezug auf den Hochzeitstermin hin – bis dieser von ihr verlangt, sich zwischen ihm und Karl Valentin zu entscheiden. Als sie nichts darauf antwortet, verlässt er sie.

Der Berliner Regisseur Erich Engels (Axel Prahl) dreht mit Karl Valentin und Liesl Karlstadt den Stummfilm „Mysterien eines Frisiersalons“.

1933: Mit Eduard Hammer (Jürgen Tarrach) zusammen plant Karl Valentin die Eröffnung eines „Panoptikums“, einer Grusel- und Kuriositätenschau in einem Kellergewölbe. Obwohl Liesl Karlstadt nichts von der Idee hält, lässt sie sich überreden, ihre Ersparnisse zu investieren – und verliert sie durch den Bankrott des „Panoptikums“. Zur gleichen Zeit beobachtet sie, wie Karl Valentin sich um die junge Schauspielerin Annemarie Fischer bemüht. In ihrer Verzweiflung stürzt sie sich in die Isar, aber der Suizidversuch misslingt: Liesl Karlstadt (ab jetzt: Bettina Redlich) wird gerettet und in die psychiatrische Klinik in der Nußbaumstraße gebracht.

Karl Valentin schreibt ihr Briefe und besucht sie am Krankenbett. Sie versöhnen sich. Nach ihrer Entlassung aus dem Krankenhaus steht Liesl Karlstadt wieder mit Karl Valentin auf der Bühne, und Erich Engels dreht in Berlin den Film „Der Firmling“ mit ihnen. Doch während der Dreharbeiten bricht Liesl Karlstadt erneut mit einem Weinkrampf zusammen.

Kurz darauf erfährt sie, dass Josef Kolb gestorben ist.

1943: Um auf andere Gedanken zu kommen und sich zu erholen, reist sie mit ihrer Schwester Amalie (Kathrin von Steinburg) in die Berge. Dort bleibt sie zwei Jahre lang als Muli-Führerin bei einer Gebirgsjägereinheit, wobei man den Kompaniechef glauben lässt, sie sei ein Mann („Gustl“).

Karl Valentin ist nach dem Krieg nicht mehr gefragt. Beim Rundfunk ist man zu feig, es ihm ins Gesicht zu sagen; stattdessen erhält er die Absage in einem Brief.

1947: In einem Münchner Biergarten sehen sich Karl Valentin und Liesl Karlstadt zufällig wieder. In der Stadt wurde er ausgebombt; er lebt jetzt mit seiner Familie in seinem Haus in Planegg. Seine krebskranke Frau musste sich gerade eine Brust amputieren lassen.

Noch einmal treten Karl Valentin und Liesl Karlstadt miteinander auf und spielen u. a. den Sketch „Ententraum“. Nach der Vorstellung wird Karl Valentin versehentlich eingeschlossen und muss in der ungeheizten Garderobe übernachten. Dabei zieht er sich eine Erkältung zu.

Von Karl Valentins Tochter Bertl (Julia Heinze) erfährt Liesl Karlstadt, dass er an einer Lungenentzündung erkrankt ist. Kurz darauf stirbt er. Am Grab geht Liesl Karlstadt auf Gisela Fey zu, um ihr zu kondolieren. Nach kurzem Zögern nimmt die Witwe die Hand ihrer früheren Rivalin und sagt mitfühlend: „Ihnen auch.“

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Ruth Toma (Drehbuch) und Jo Baier (Regie) ist es gut gelungen, Leben und Kunst des Münchner Komikerduos Karl Valentin und Liesl Karlstadt zu verknüpfen. Im Mittelpunkt des Films „Liesl Karlstadt und Karl Valentin“ steht die schwierige Beziehung zwischen dem hypochondrischen Exzentriker und seiner lebenstüchtigen, kongenialen Bühnenpartnerin, die auch seine Geliebte war. Es wird deutlich, dass Liesl Karlstadt – aus deren Perspektive die Geschichte erzählt wird – nicht nur als Stichwortgeberin Karl Valentins fungierte, sondern maßgeblich zum Erfolg des Paares beitrug.

Jo Baier hatte bereits 1982 anlässlich des 100. Geburtstags von Karl Valentin eine Dokumentation über den Münchner Sprachkünstler gedreht.

Ursprünglich war Olli Dittrich für die Rolle des Karl Valentin im Gespräch. Erst ein paar Tage vor dem Beginn der Dreharbeiten soll die Entscheidung für den Landshuter Schauspieler Johannes Herrschmann (* 1959) gefallen sein. Herrschmann spielt die Rolle der Privatperson Karl Valentin durchaus überzeugend, und wenn er als Karl Valentin auf der Bühne steht, versucht er erst gar nicht, das Original zu karikieren, sondern bleibt auf Distanz. Bettina Redlich, die Liesl Karlstadt ab dem Suizidversuch im April 1935 spielt, macht es ähnlich. Eine besonders eindrucksvolle und facettenreiche schauspielerische Leistung gelingt Hannah Herzsprung in der Rolle der jüngeren Liesl Karlstadt.

Störend in „Liesl Karlstadt und Karl Valentin“ ist nur die kitschige Musikuntermalung von Konstantin Wecker.

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Inhaltsangabe und Filmkritik: © Dieter Wunderlich 2008

Liesl Karlstadt (Kurzbiografie)
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Reinhard Kaiser-Mühlecker - Wiedersehen in Fiumicino
"Wiedersehen in Fiumicino" handelt von Entwurzelten in einer globa­li­sier­ten Welt. Reinhard Kaiser-Mühlecker springt nicht nur zeitlich hin und her, sondern wechselt auch alle paar Seiten zwischen den Ich-Erzählern. Diese Mehrstimmigkeit nutzt er, um Themen zu umkreisen.
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