Vertraute Angst

Vertraute Angst

Vertraute Angst

Originaltitel: Vertraute Angst – Regie: Christiane Balthasar – Drehbuch: Wolf Jakoby – Kamera: Michael Bertl – Schnitt: Christine Boock – Musik: Johannes Kobilke, Stefan Ziethen – Darsteller: Johanna Gastdorf, Matthias Brandt, Andreas Schlager, Michael Hanemann, Gabriella Gasser u.a. – 2008; 90 Minuten

Inhaltsangabe

Nachdem Thomas Wegener sein Haus in Brand gesteckt hat, wird er in die Psychiatrie gebracht. Seine Frau Anja und die beiden Kinder kommen mit dem Schrecken davon. Nach 4 Jahren, als Anja sich gerade auf eine neue Liebesbeziehung eingelassen hat, kehrt Thomas zurück. Anja trennt sich von ihrem Geliebten, bereut es aber bald, denn das Verhalten ihres Mannes kommt ihr so seltsam vor, dass sie bezweifelt, ob er wirklich geheilt ist und befürchtet, er könne ihr oder den Kindern etwas antun ...
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Kritik

Die Frage, ob Thomas geheilt ist oder erneut in einen schizoiden Wahn verfällt, bleibt in dem Psychothriller "Vertraute Angst" bis zum Schluss offen. Diese Unsicherheit hält die Spannung aufrecht.
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Thomas Wegener (Matthias Brandt), der Inhaber eines Einrichtungsgeschäftes, lebt mit seiner Ehefrau Anja (Johanna Gastdorf) und den beiden Kindern in einem schönen Eigenheim. Es geht ihnen gut. Dass Anjas Vater Rupert Strelau (Michael Hanemann) seinen Schwiegersohn nicht leiden kann, beeinträchtigt das Familienglück nicht weiter. Das wird stattdessen mit einem Schlag zerstört, als Thomas eines Abends ausrastet und mit dem Schürhaken die lodernden Holzscheite aus dem offenen Kamin fegt.

Der Feuerwehr gelingt es rasch, den Brand zu löschen. Thomas wird in eine psychiatrische Anstalt eingeliefert. Anja und die Kinder bleiben äußerlich unverletzt. Die Nachbarn kommen mit dem Schrecken davon.

Nach zwei Jahren hört Anja auf, Thomas zu besuchen, aber es dauert noch weitere zwei Jahre, bis sie sich für eine neue Beziehung öffnet und sich auf ein Liebesverhältnis mit dem Rechtsanwalt Frank Lennert (Andreas Schlager) einlässt.

Einen Tag, nachdem sie zum ersten Mal mit Frank geschlafen hat, wird sie gebeten, in die psychiatrische Klinik zu kommen. Ein Arzt erklärt ihr, Thomas habe sich intensiv mit den Ursachen seiner Verhaltensstörung vor vier Jahren beschäftigt und über sich und seine Familie nachgedacht. Inzwischen nehme er kaum noch Psychopharmaka und gelte als geheilt. Er könne wieder zu Hause wohnen. Reflexartig versichert Anja, sie werde ihren Ehemann wieder aufnehmen und ihm dabei helfen, sich im Leben außerhalb der Klinik zurechtzufinden.

Anja, die seit vier Jahren erfolgreich das auf ihren Mann eingetragene Einrichtungsgeschäft führt und sich an ein selbstständiges Leben gewöhnt hat, holt Thomas ab, aber der Gedanke, ihn wieder im Haus zu haben, beunruhigt sie. Unter dem Vorwand, die Kinder auf die neue Situation vorbereiten zu wollen, bittet sie ihn, sich für die ersten Nächte ein Hotelzimmer zu nehmen. Und sie verschweigt nicht, dass sie eine Liebesbeziehung mit einem anderen Mann angefangen hat, die sie nicht aufgeben möchte. Thomas zeigt Verständnis und versichert, nichts durcheinander bringen zu wollen.

Während des Tages schlendert Thomas vor dem Geschäft herum. Als Anja heimkommt, warnt eine Nachbarin sie: Ihr Mann habe die Kinder vor dem Haus abgepasst und sei mit ihnen hineingegangen. Er sitzt mit dem Sohn und der Tochter auf dem Fußboden und spielt mit ihnen. Nach ein paar Tagen lässt er sich nicht davon abhalten, in das ihm und Anja gemeinsam gehörende Haus zurückzukehren und richtet sich in seinem früheren Arbeitszimmer ein. Er schluckt gewissenhaft morgens und abends je eine Tablette, gibt sich stets ruhig, friedlich und verständnisvoll, widmet sich den Kindern und bleibt sogar freundlich, als Frank einen Blumenstrauß für Anja vorbeibringt und er von seinem Schwiegervater bei einem Besuch barsch angegangen wird. Rupert Strelau, der in der Stadt viel Einfluss hat, bietet ihm schließlich die Vermittlung einer gut bezahlten Stelle an, aber Thomas durchschaut, dass er damit nur aus dem eigenen Geschäft ferngehalten werden soll und lehnt höflich ab.

Anja fühlt sich hin- und hergerissen von ihren Gefühlen für Frank und Thomas. Zunächst hält sie es nur für ihre Pflicht, dem Ehemann bei der Wiedereingliederung zu helfen, doch allmählich kehrt ihre Liebe zu ihm zurück; sie hofft auf einen Neuanfang in der Familie und beschließt, sich von Frank zu trennen. Kurze Zeit später bedauert sie diesen Schritt und beginnt, ihren Mann argwöhnisch zu beobachten. Der Psychiater versichert ihr zwar noch einmal, Thomas sei geheilt, aber sein Verhalten kommt ihr so seltsam vor, dass sie befürchtet, er könne erneut ausrasten und ihr oder den Kindern etwas antun. Die Sorge verstärkt sich, als sie in seinen Sachen herumschnüffelt und verdächtige Briefe findet.

Wenn Sie noch nicht erfahren möchten, wie es weitergeht,
überspringen Sie bitte vorerst den Rest der Inhaltsangabe.

Rat suchend wendet Anja sich an ihre Eltern. Ihr Vater hat bereits alles für eine zwangsweise Einlieferung seines Schwiegersohnes in eine geschlossene psychiatrische Anstalt vorbereitet. Ein mit ihm befreundeter Amtsarzt wird alles Nötige veranlassen. Rupert legt Anja einen ausgefüllten Antrag vor, den sie wie in Trance unterschreibt.

Verzweifelt fährt sie zu Frank. Weil er gerade unterwegs ist, wartet sie in seinem Büro auf ihn. Dabei fällt ihr auf, dass er das gleiche Schreibpapier verwendet wie der Absender der Briefe, die sie bei Thomas‘ Sachen fand. Irritiert öffnet sie eine Schublade – und findet drei Röhrchen mit Tabletten. Von dem Psychiater, der Thomas in der Klinik behandelte, erfährt sie am Telefon, dass es sich um ein starkes Medikament handelt, das akute schizoide Syndrome auslösen kann. Im nächsten Augenblick kommt Frank zurück. Er ist nicht allein: Rupert ist bei ihm. Da begreift Anja, dass die beiden Männer gemeinsam versucht haben, Thomas aus dem Weg zu räumen. Offenbar schrieb Frank die Briefe, und ihr Vater vertauschte unbemerkt die Tabletten, die Thomas jeden Morgen und Abend einnahm.

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In einer Zeit, in der viel über die Verunsicherung der Mittelschicht in Deutschland diskutiert wird, kann man den Fernsehfilm „Vertraute Angst“ als Stimmungsbarometer auffassen. – Eine mittelständische Familienidylle wird jäh zerstört, als der Vater ausrastet. Mit der Frage nach dem Warum halten sich Wolf Jakoby (Drehbuch) und Christiane Balthasar (Regie) nicht lang auf. Man kann Zusammenhänge mit Überforderung und dem Burn-out-Syndrom vermuten, aber in „Vertraute Angst“ geht es nicht um die psychologischen Ursachen der Krise, sondern um die Folgen: Ist Thomas wirklich geheilt, als er nach vier Jahren aus der Psychiatrie nach Hause kommt? Oder wird er in einem schizoiden Wahn seiner Frau oder den Kindern etwas antun? Wir wissen es nicht. Die Spannung bleibt hoch. – Schade ist es, dass Wolf Jakoby und Christiane Balthasar die feine Ziselierung des Psychothrillers nicht bis ganz zum Schluss durchhalten, sondern die Zuschauer in den letzten Minuten mit einer plumpen Auflösung abspeisen.

Gedreht wurde vom 10. Oktober bis 12. November 2006 in Osnabrück und Umgebung.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2008

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