Der Aufenthalt

Der Aufenthalt

Der Aufenthalt

Originaltitel: Der Aufenthalt - Regie: Frank Beyer - Drehbuch: Wolfgang Kohlhaase, nach dem Roman "Der Aufenthalt" von Hermann Kant - Kamera: Eberhard Geick - Musik: Günther Fischer - Darsteller: Sylvester Groth, Fred Düren, Matthias Günther, Klaus Piontek, Alexander van Heteren, Hans-Uwe Bauer, Horst Hiemer, Günter Junghans, Gustaw Lutkiewicz, Zygmunt Maciejewski, Andrzej Pieczynski u.a. - 1982; 95 Minuten

Inhaltsangabe

Ein 19-jähriger deutscher Kriegsgefangener wird in Polen irrtümlich für einen SS-Mörder gehalten. Mark Niebuhr erfährt nicht, warum er von einem Gefangenentransport ausgesondert, monatelang in eine Einzelzelle gesperrt und immer wieder verhört wird. Ohnmächtig muss er sich den Anweisungen des Wachpersonals fügen und den Hass polnischer Mithäftlinge ertragen.
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Kritik

Frank Beyer setzt bei der Verfilmung des Romans "Der Aufenthalt" von Hermann Kant zu Recht ganz auf den Hauptdarsteller Sylvester Groth, dem es gelingt, die Veränderung im Denken und Fühlen außergewöhnlich suggestiv darzustellen.
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Herbst 1945 auf einem Bahnhof in Warschau. Eine Polin, die auf ihren Zug wartet, glaubt in einem Haufen deutscher Kriegsgefangener auf einem anderen Bahnsteig den SS-Mann zu erkennen, der ihre Tochter bei einer Razzia in Lublin erschoss. Der 19-jährige Grenadier Mark Niebuhr (Sylvester Groth) beobachtet, wie sie mit einem der Bewacher spricht und auf ihn deutet. Was sie sagt, versteht er nicht. Deshalb weiß er auch nicht, warum er in ein Gefängnis gebracht und in eine Einzelzelle gesperrt wird.

Man befiehlt ihm, seinen Lebenslauf zu schreiben, aber der polnische Offizier, der ihn verhört, zerreißt das Blatt Papier und lässt den Häftling neu anfangen, immer wieder, wohl in der Hoffnung, er werde irgendwann aufhören zu behaupten, ein einfacher Grenadier namens Mark Niebuhr zu sein. Niemand verrät Mark Niebuhr, warum er monatelang festgehalten und immer wieder verhört wird. Ohnmächtig muss er sich den Anweisungen des Wachpersonals fügen und den Hass polnischer Mithäftlinge ertragen. Schließlich wird er aus seiner Einzelzelle geholt und zu einem Dutzend tatsächlicher deutscher Kriegsverbrecher gesperrt.

Am Ende stellt sich heraus, dass Mark Niebuhrs Angaben richtig sind, aber die Polin sich irrte. Daraufhin wird er aus der Zelle geholt.

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In einem schmerzvollen Lernprozess erfährt Mark Niebuhr nicht nur die Ohnmacht des Einzelnen gegenüber einer staatlichen Organisation, sondern begreift auch, welche Schuld die Deutschen unter dem NS-Regime auf sich geladen haben.

„Der Aufenthalt“ ist eine anspruchsvolle und beklemmende Studie. Frank Beyer setzt bei der zurückhaltenden Verfilmung des 1977 veröffentlichten dritten Romans von Hermann Kant zu Recht ganz auf den Hauptdarsteller Sylvester Groth, dem es gelingt, die Veränderung im Denken und Fühlen außergewöhnlich suggestiv darzustellen.

Hermann Kant (*1926) war selbst von 1945 bis 1949 in polnischer Kriegsgefangenschaft. Danach engagierte er sich in der DDR für den Aufbau einer sozialistischen Gesellschaftsordnung und wurde 1969 Vizepräsident, 1978 Vorsitzender des Schriftstellerverbands der DDR.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2003

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