Blue Steel

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Blue Steel

Blue Steel – Originaltitel: Blue Steel – Regie: Kathryn Bigelow – Drehbuch: Kathryn Bigelow und Eric Reed – Kamera: Amir Mokri – Schnitt: Lee Percy – Musik: Brad Fiedel – Darsteller: Jamie Lee Curtis, Ron Silver, Clancy Brown, Elizabeth Peña, Louise Fletcher, Philip Bosco, Kevin Dunn, Richard Jenkins u.a. - 1990; 100 Minuten

Inhaltsangabe

Gleich beim ersten Einsatz erschießt die junge Polizistin Megan Turner einen Supermarkträuber, der sie mit einem Revolver bedroht. Weil außer Megans Dienstpistole keine Schusswaffe gefunden wird, die Zeugen aussagen, dass die einzigen Schüsse von der Polizistin abgefeuert worden seien und selbst der Kassierer meint, der Verbrecher könne auch ein Messer in der Hand gehabt haben, wird Megan unterstellt, sie habe überreagiert und sich die Waffe in der Hand des Gauners nur eingebildet ...
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Kritik

Die Spannung entsteht durch den Wissens­vorsprung der Zuschauer gegen­über den Figuren, v. a. der Polizistin, die sich ahnungslos auf eine Affäre mit dem Mörder einlässt. Sehenswert ist der Cop-Thriller "Blue Steel" auch wegen der brillanten Optik und Jamie Lee Curtis' schau­spiele­rischer Leistung.
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Megan Turner (Jamie Lee Curtis) hat die Polizeischule absolviert, den Diensteid abgelegt und fährt nun zum ersten Mal Streife in New York. Als ihr Partner eine Toilette aufsucht und Megan sich einen Becher Kaffee kauft, beobachtet sie durch die Schaufenster einen Überfall im Supermarkt auf der anderen Straßenseite. Sie rennt hinüber, schleicht sich durch einen Hintereingang in den Laden und nähert sich dem Ganoven (Tom Sizemore), der den Kassierer (Andrew Hubatsek) mit einem Revolver bedroht und das Geld verlangt. Als die Polizistin ihn auffordert, die Waffe fallen zu lassen, nimmt er sie nicht ernst und zielt auf sie, aber Megan drückt ab, in der Aufregung nicht nur einmal, sondern bis das Magazin ihrer Dienstpistole leer ist. Gleich bei ihrem ersten Einsatz hat sie einen Menschen getötet.

Als Zuschauer beobachteten wir, wie der Revolver des erschossenen Gangsters zu einem Kunden schlitterte, der sich flach auf den Boden geworfen hatte. Der gut angezogene Mann nahm die Waffe unbemerkt an sich und verschwand noch vor der Zeugenbefragung. Später erfahren wir, dass es sich bei ihm um den Börsenmakler Eugene Hunt (Ron Silver) handelt.

Weil außer Megans Dienstpistole keine Schusswaffe gefunden wird, die Zeugen aussagen, dass die einzigen Schüsse von der Polizistin abgefeuert worden seien und selbst der Kassierer am Ende der zermürbenden Vernehmung meint, der Ganove könne auch ein Messer in der Hand gehabt haben, unterstellt Stanley Hoyt (Kevin Dunn) seiner Untergebenen Megan Turner, sie habe in ihrer Unerfahrenheit überreagiert und sich eingebildet, der Verbrecher ziele mit einem Revolver auf sie. Ein Indiz für ihre Überforderung durch die Situation ist auch, dass sie das ganze Magazin verschoss. Hoyt versetzt Megan deshalb in den Innendienst.

Eugen Hunt passt die frustrierte junge Frau im strömenden Regen auf der Straße ab und nimmt sie im Taxi mit. Als sie wegen der Rush Hour nicht weiterkommen, lädt er sie zum Essen in ein teures Restaurant ein und bestellt Champagner. Charmant macht er ihr den Hof, und Megan, die keinen Freund hat und von den Kollegen schief angesehen wird, lässt sich darauf ein. Als sie bei einer Verabredung sagt, sie fühle sich wie über den Wolken schwebend, startet Eugen Hunt spontan mit ihr zu einem nächtlichen Hubschrauber-Rundflug über Manhattan.

Kurz darauf wird auf der Straße die Leiche eines Mannes gefunden. In das Projektil, das ihn tötete, hat jemand den Namen „Megan Turner“ graviert. Daraufhin beabsichtigt Stanley Hoyt, die Polizistin ganz vom Dienst zu suspendieren, aber Detective Nicolas („Nick“) Mann (Clancy Brown), der die Ermittlungen in dem Mordfall leitet, hofft, durch sie an den Täter heranzukommen und möchte sie deshalb während der Arbeit in seiner Nähe haben.

Wieder wissen wir als Zuschauer mehr: Wir haben gesehen, wie Eugen Hunt auf der regennassen Straße stolperte und hinfiel. Ein Passant wollte ihm aufhelfen, aber der Psychopath stand grinsend auf und erschoss den Mann.

Als Nächstes tötet Hunt einen Bauarbeiter und eine Prostituierte. Bei den Opfern werden wieder Projektile mit Megans eingraviertem Namen gefunden.

Megan geht weiter ahnungslos mit Eugen Hunt aus. Eines Abends will sie in seinem Apartment den Holster mit der Dienstwaffe ablegen und sich ausziehen. Aber er fordert sie auf, mit der Pistole auf ihn zu zielen. Das erregt ihn sichtlich, und er schwärmt davon, wie sie den Räuber im Supermarkt erschoss. Da beginnt Megan zu ahnen, dass er dort war, den Revolver unbemerkt an sich nahm und damit verschwand, bevor die Polizei begann, die Personalien der Zeugen aufzunehmen. Ist er auch der gesuchte Serienmörder, der die Patronen mit ihrem Namen graviert? Sie nimmt ihn fest und fordert übers Telefon Verstärkung an. Hilfsbereit nennt Hunt die Etage und die Apartment-Nummer.

Noch am selben Abend erreicht Hunts Anwalt Mel Dawson (Richard Jenkins), dass sein Mandant freigelassen wird. Außer der Aussage einer augenscheinlich hysterischen und längst unglaubwürdigen Frau hat die Polizei nichts gegen den ebenso erfolgreichen wie unbescholtenen Börsenmakler in der Hand.


Wenn Sie noch nicht erfahren möchten, wie es weitergeht,
überspringen Sie bitte vorerst den Rest der Inhaltsangabe.


Tracy Perez (Elizabeth Peña) steht ihrer Freundin Megan bei. Nachts bringt Megan die Besucherin im Treppenhaus nach unten zur Tür. Da taucht plötzlich Eugen Hunt auf, schlägt Megan von hinten nieder und erschießt Tracy.

Weil Megan aussagt, Hunt habe sie von hinten gepackt, weist Mel Dawson darauf hin, dass sie ihn nicht gesehen haben könne, und sie muss das zugeben. Also kann Nick Mann, der Megan zu glauben beginnt, Eugen Hunt nicht verhaften.

Bei einem Besuch ihrer Eltern bemerkt Megan Hämatome am Arm ihrer Mutter Shirley (Louise Fletcher) und stellt fest, dass ihr Vater Frank (Philip Bosco) zum wiederholten Mal ausgerastet ist. Sie nimmt Frank fest, legt ihm Handschellen an und fährt mit ihm los. Unterwegs klingt ihr Zorn ab, und sie bringt ihren Vater wieder nach Hause. Shirley empfängt sie gutgelaunt mit der Nachricht, ihr Freund sei da. Im Wohnzimmer sitzt Eugen Hunt. Selbstsicher mimt er den Freund, der die Eltern seiner Freundin kennenlernen möchte. Shirley und Frank Turner finden ihn charmant und halten ihn für eine gute Partie. Um sie nicht zu beunruhigen, spielt Megan mit.

Um den Serienmörder zu überführen, observieren Nick und Megan ihn. Sie folgen ihm zu einem Waldstück, wo er mit bloßen Händen im Boden wühlt, vermutlich nach dem im Supermarkt erbeuteten Revolver. Aber bevor er etwas findet, versucht Megan ihn zu einem Angriff zu provozieren, damit sie ihn erschießen kann, ohne mit einer Mordanklage rechnen zu müssen. Hunt flieht.

In der Annahme, dass der Verbrecher nachts zurückkommen werde, warten Nick und Megan in der Nähe im Streifenwagen. Als im Wald das Licht einer Taschenlampe aufblitzt, kettet Megan ihren Partner blitzschnell mit Handschellen im Auto fest und rennt los. Während sie auf eine alte Frau stößt, die von Hunt losgeschickt wurde, taucht der Psychopath neben dem Streifenwagen auf und will den Detective erschießen.

Gerade noch rechtzeitig kommt Megan zurück. Bei dem Schusswechsel wird Hunt am Arm getroffen. Die Cops bleiben unverletzt.

Nick nimmt Megan mit in sein Apartment. Dort schlafen sie miteinander. Als Nick danach ins Bad geht, wird er von dem dort lauernden Serienmörder niedergeschossen. Danach stürzt sich der Psychopath auf Megan, aber sie wehrt sich, und er flieht durchs Fenster.

Megan ist zwar nicht ernsthaft verletzt, wird jedoch wegen ihres Zustands nach dem Kampf ins Krankenhaus gebracht. Dort erfährt sie von ihrem Chef, dass Nick Mann überleben wird. Stanley Hoyt entschuldigt sich bei ihr, weil er sie zunächst für eine Hysterikerin hielt. Um ihre Sicherheit besorgt, postiert er einen Polizisten bei ihr. Den schlägt Megan nachts nieder. Sie zieht seine Uniform an, nimmt seine Dienstwaffe an sich, verlässt das Krankenhaus und sucht nach Hunt.

Bei einem Schusswechsel an einer U-Bahn-Station werden beide getroffen. Hunt flieht nach oben. Hinter geparkten Autos Deckung suchend, schießen sie weiter aufeinander. Schließlich gelingt es Megan, einen PKW-Fahrer anzuhalten. Mit dessen Wagen überfährt sie den Serienmörder. Hunt wird durch die Luft geschleudert, verliert jedoch nicht einmal seinen Revolver und zielt erneut auf Megan. Aber es klickt nur: Ihm ist die Munition ausgegangen. Mit drei Schüssen tötet Megan ihn.

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Der von Kathryn Bigelow inszenierte Cop-Thriller „Blue Steel“ dreht sich um das Duell einer unerfahrenen, aber nervenstarken New Yorker Polizistin und eines Serienmörders, der seine Allmachtfantasien auszuleben versucht. Es handelt sich also um den Topos vom Kampf zwischen Gut und Böse. Nebenbei tangiert Kathryn Bigelow das Thema häusliche Gewalt und beklagt die Stellung der Frau in der von Männern dominierten Gesellschaft.

Die düstere Atmosphäre ist dicht, und die Spannung entsteht in „Blue Steel“ nicht zuletzt durch den anfänglichen Wissensvorsprung der Zuschauer gegenüber der Polizei im Allgemeinen und Megan Turner im Besonderen. Ahnungslos lässt sich die junge Polizistin auf eine Affäre mit dem psychopathischen Serienmörder ein, der erfolgreich als Börsenmakler an der Wall Street tätig ist und sich als charmanter Gesprächspartner gibt. Bei manchen Plottwists überschreiten Kathryn Bigelow und Eric Reed das Plausible, und im Showdown steht der von mehreren Geschossen getroffene und vom Auto durch die Luft geschleuderte Böse gleich wieder mit dem Revolver in der Hand neben Megan Turner und zielt auf sie.

Sehenswert ist „Blue Steel“ vor allem auch wegen der außergewöhnlichen Optik. Amir Mokri beeindruckt mit brillanten Bildern. Dabei kontrastiert das Blau des Waffenstahls – „Blue Steel“ (!) – mit warmen Brauntönen.

Getragen wird „Blue Steel“ von zwei hervorragenden Hauptdarstellern: Ron Silver und vor allem Jamie Lee Curtis.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2002 / 2016

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