Die Ausgebufften

Die Ausgebufften

Die Ausgebufften

Die Ausgebufften - Originaltitel: Les valseuses - Regie: Bertrand Blier - Drehbuch: Bertrand Blier und Philippe Dumarcay, nach einem Roman von Bertrand Blier - Kamera: Bruno Nuytten - Schnitt: Kénout Peltier - Musik: Stéphane Grappelli - Darsteller: Gérard Depardieu, Patrick Dewaere, Miou-Miou, Isabelle Huppert, Jeanne Moreau u.a. - 1973; 115 Minuten

Inhaltsangabe

Die beiden 28 bzw. 25 Jahre alten Freunde Jean-Claude und Pierrot treiben sich herum und wollen einfach ihren Spaß haben. Wenn sie Geld benötigen, rauben sie einer Frau die Handtasche oder zwingen einen Arzt, ihnen ein paar Scheine zu überlassen. Sie teilen sich alles, auch die stets etwas gelangweilte, sanftmütige Marie-Ange.
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Kritik

"Die Ausgebufften" ist eine anarchische Komödie. Eine straffe Handlung gibt es nicht; stattdessen reiht Bertrand Blier in seinem Debütfilm eine groteske Episode an die andere.
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Handlung:

Die beiden 28 bzw. 25 Jahre alten Freunde Jean-Claude (Gérard Depardieu) und Pierrot (Patrick Dewaere) treiben sich herum und wollen einfach ihren Spaß haben. Sie folgen einer verängstigten Frau und machen sich lustig über sie, bevor sie ihr die Handtasche rauben. Anschließend entdecken sie einen teuren Citroën, schließen ihn kurz und bringen ihn nach einer Spritztour spätabends wieder zurück. Da wartet jedoch bereits der Besitzer auf sie, hält sie mit einer Pistole in Schach und ruft die Polizei. Bevor die Beamten zur Stelle sind, packen Jean-Claude und Pierrot die junge Frau, die der aufgebrachte Autobesitzer „Schnulli“ genannt hat, springen mit ihr in den Citroën und flüchten. Pierrot wurde allerdings durch einen Schuss in der Leiste verletzt. Die Blondine, die sich nicht gegen ihre Entführung wehrt, heißt Marie-Ange (Miou-Miou), arbeitet als Friseuse und ist die Geliebte ihres Chefs, dem der Wagen gehört. Jean-Claude und Pierrot lassen den Citroën bei einem befreundeten Autohändler stehen und borgen sich ein unauffälligeres Fahrzeug. Als „Bezahlung“ lassen sie Marie-Ange da, während sie sich auf die Suche nach Erster Hilfe machen. Sie läuten einen Arzt heraus und zwingen ihn, Pierrot zu verbinden – bevor sie ihm auch noch das Geld abknöpfen, das er bei sich hat.

Als sie zu dem Autohändler zurückkommen, beschwert dieser sich über Marie-Ange, weil sie, ohne zu kratzen und zu beißen die Beine breit machte und es einfach hinnahm, dass er sich sein Ding wund rubbelte. Die Männer fordern das Mädchen auf, sich anzuziehen und zu verschwinden. Sie lästern darüber, dass Marie-Ange keine Unterwäsche trägt.

Um sich an dem Autobesitzer zu rächen, parken Jean-Claude und Pierrot den Citroën mit angesägter Vorderradaufhängung in Sichtweite des Friseursalons und malen sich aus, wie er damit verunglückt.

Auf einem Getreideacker schneiden sie das Stoffdach eines 2CV auf. Während Pierrot an den Kabeln herumreißt, nähert sich der Bauer schreiend auf seinem Mähdrescher und droht, sie samt dem Auto zu zermalmen. In letzter Minute gelingt es ihnen, loszufahren.

Der Anblick von zwei Polizisten auf Motorrädern veranlasst sie, den Wagen neben einer Bahnstation stehen zu lassen und mit einem bereitstehenden Zug weiterzufahren. In dem Waggon befindet sich außer ihnen nur noch eine junge Mutter mit ihrem Säugling, den sie gerade stillt. Jean-Claude und Pierrot setzen sich vor sie hin und sehen dabei unverhohlen zu. Peinlich berührt, nimmt sie das Kind von der Brust, aber Jean-Claude deutet auf den schreienden Säugling und meint, sie müsse ihn schon stillen, bis er satt sei. Widerstrebend kommt die junge Frau der Aufforderung nach und nimmt es hin, dass die beiden Männer sie dabei anstarren und sich anerkennend über die Form ihrer Brüste äußern. Sobald der Säugling satt ist und friedlich in seinem Tragekorb schläft, steht sie auf und will in einen anderen Waggon gehen, aber da ist keine Verbindung. Jean-Claude und Pierrot setzen sich neben sie. Sie fahre zu ihrem Mann, erzählt sie, den sie seit drei Monaten nicht gesehen habe, weil er seinen Militärdienst ableiste. Jean-Claude bringt sie dazu, seinen Freund an ihrer Brust saugen zu lassen. Das erregt sie so, dass sie die Bahnstation, an der sie von ihrem Mann erwartet wird, beinahe übersieht. Sie springt auf und wird nur durch einen Hinweis Pierrots davor bewahrt, mit offener Bluse auszusteigen. Auf dem Bahnsteig wird sie von ihrem Mann umarmt.

Die beiden unbekümmerten, unternehmungslustigen Freunde landen in einem ausgestorbenen Kaff und brechen in ein Haus ein, um wieder einmal baden und in einem guten Bett schlafen zu können. Die Bewohner sind offenbar verreist. In einem der Zimmer finden die Einbrecher die Unterwäsche eines jungen Mädchens namens Jacqueline und beschnüffeln sie aufgeregt.

Weil Pierrot sich Sorgen macht, ob er nach der Schussverletzung noch zu einer Erektion fähig ist, fahren sie auf einem gestohlenen Motorrad zu Marie-Ange. Von ihr erfahren sie, dass der Friseur seinen Wagen wieder gefunden und gleich verkauft hat. Gelangweilt liegt sie auf dem Rücken, während sich die beiden Männer wechselweise abmühen. „Wenn du dich dabei langweilst“, meint Jean-Claude, „dann sag’s.“ Marie-Ange erwidert, sie habe einfach keinen Spaß daran, aber es mache ihr nichts aus.

In der Nacht sperrt Marie-Ange den Friseursalon auf, gibt dem Hund etwas Vergiftetes zu fressen und lässt ihre beiden Freunde herein. Sie will von ihnen endlich auch einmal geküsst werden. „Alles zu seiner Zeit!“, mahnt Pierrot. „Man muss Arbeit und Privatleben unterscheiden können.“ Da wird sie zornig und verwüstet den Salon, bis die Männer sie auf einen Stuhl fesseln, damit sie ungestört die Kasse ausrauben können. Von dem erbeuteten Geld kaufen sie sich feine Anzüge.

Jean-Claude rät seinem besorgten Freund, seine Potenz mit einer Frau zu testen, die lange keinen Sex hatte und deshalb Nachholbedarf hat. Sie warten vor einem Frauengefängnis, bis eine der Insassinnen entlassen wird. Jeanne Pirolle (Jeanne-Moreau) versteht nicht, was die beiden Männer von ihr wollen, steigt aber schließlich in ihren Wagen, nimmt das angebotene Geld, um sich neu einzukleiden, lässt sich von ihnen zu einem opulenten Abendessen einladen und geht anschließend mit ihnen in ein teures Hotel. Erregt lässt Jeanne sich mit beiden Männern gleichzeitig ein. Als sie neben ihr eingeschlafen sind, steht sie vorsichtig auf und legt sich auf das Bett im Nebenzimmer, schiebt sich ihre Pistole in die Vagina und drückt ab. Jean-Claude und Pierrot nehmen die blutverschmierte Pistole mit und flüchten, um nicht mit dem Tod der Frau in Verbindung gebracht zu werden.

Sie quartieren sich bei Marie-Ange ein. Als Jacques Pirolle, der Sohn der Selbstmörderin, aus dem Gefängnis entlassen wird, holen Jean-Claude und Pierrot ihn ab, behaupten, seine Mutter sei mit einem Kumpel von ihnen nach Portugal gereist und nehmen ihn mit zu Marie-Ange. Sie haben es inzwischen aufgegeben, das sanftmütige Mädchen zu erregen und machen sich einen Spaß daraus, den verklemmten Jacques und und ihre Freundin ins Haus zu schicken. Als sie deren Lustschreie hören, können sie es zuerst kaum glauben, aber dann kommt Marie-Ange begeistert ins Freie gelaufen und verkündet jubelnd, dass sie endlich einen Orgasmus erlebt habe. Neugierig fragen die beiden Männer nach der Jacques besonderer Technik, aber Marie-Ange erklärt ihnen, er habe gar nichts getan und stattdessen geweint. Während sie ihn tröstete, sei es dann passiert. Viermal nacheinander.

Jacques borgt sich die Pistole und überredet sie zu einem Überfall. Es handele sich um einen reichen Rentner, behauptet er. Der Mann redet Jacques mit Namen an, kennt ihn also offensichtlich. Jacques erschießt ihn. Jean-Claude und Pierrot rennen zu dem Auto, in dem Marie-Ange auf sie wartet. Sie rasen los, ohne sich nach Jacques umzusehen. „Warum hat der Idiot das gemacht?“, fragt Marie-Ange. Jean-Claude erwidert: „Es hat keinen Zweck, Leute verstehen zu wollen.“ Zwei Tage später finden sie in der Zeitung Fotos von Jacques, Jean-Claude und Pierrot: Sie werden als Mörder eines Gefängniswärters gesucht!

Vor einem Hotel stehlen sie einen teuren Oldtimer, aber nach einigen Kilometern bleiben sie mit einer Motorpanne liegen. Am anderen Ufer sehen sie einen großen Citroën. Der gehört offenbar einer Familie, die am Flussufer picknickt. Ohne sich um die Leute zu kümmern, waten Jean-Claude und Pierrot durch das Wasser und gehen zu dem Wagen. Die Frau schimpft ihren Mann, weil dieser nichts unternimmt. Die halbwüchsige Tochter Jacqueline (Isabelle Huppert) – es handelt sich um die Besitzerin des von Jean-Claude und Pierrot beschnüffelten Höschens – freut sich über die Abwechslung. Sie ist von der Schule geflogen und will nun mit den Räubern wegfahren. „Ich ersticke in der bürgerlichen Scheiße!“, stöhnt sie. Vor dem Einsteigen macht Jacqueline ihre drei neuen Freunde darauf aufmerksam, dass in der Handtasche ihrer Mutter 6000 Francs sind.

Unterwegs lässt sich Jacqueline von Jean-Claude und Pierrot im Auto deflorieren, bevor sie sich verabschiedet und an den Straßenrand stellt, um per Anhalterin weiterzufahren.

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Kritik:

Bei „Die Ausgebufften“ handelt es sich um eine anarchische Komödie. Mit dieser Verfilmung seines Romans „Les valseuses“ porträtiert Bertrand Blier die rebellische Jugend der Achtundsechziger-Generation, aber er setzt sich nicht ernsthaft damit auseinander, sondern reiht eine groteske Episode an die andere. Eine straffe Handlung gibt es in „Bertrand Bliers rüde[m] Halbstarken- und Unterleib-Klamauk“ („Der Spiegel“ 32/1974, 5. August 1974) nicht. Respektlos und freizügig: das traf Mitte der Siebzigerjahre offenbar einen Nerv der Zeit, denn „Die Ausgebufften“ war sehr erfolgreich. Gérard Depardieu, Patrick Delwaere und Miou-Miou wurden durch „Die Ausgebufften“ berühmt. Sie zeigen sich aber auch in bester Spiellaune. Witzig und komisch sind nicht nur die Abenteuer der beiden von Gérard Depardieu und Patrick Delwaere gespielten Herumtreiber Jean-Claude und Pierrot, sondern auch ihre lockeren Sprüche.

Jeanne Moreau und Isabelle Huppert sind in Nebenrollen zu sehen.

Bei Bertrand Blier (* 1939), der sowohl die Romanvorlage als auch das Drehbuch schrieb und in „Die Ausgebufften“ Regie führte, handelt es sich übrigens um den Sohn des großen französischen Filmschauspielers Bernard Blier (1916 – 1989).

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2003

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