Same Same But Different

Same Same But Different

Same Same But Different

Same Same But Different – Originaltitel: Same Same But Different – Regie: Detlev Buck – Drehbuch: Ruth Toma, Michael Ostrowski, Detlev Buck, nach dem Buch "Same Same But Different" von Benjamin Prüfer – Kamera: Jana Marsik – Schnitt: Dirk Grau – Musik: Konstantin Gropper – Darsteller: David Kross, Apinya Sakuljaroensuk, Stefan Konarske, Jens Harzer, Anne Müller, Michael Ostrowski, Marie Jung, Lucile Charlemagne, Wanda Badwal, Julia Primus, Constanze Becker, Olli Dittrich, Gilla Cremer, Ok Sokha, Em Boun Nat, Anatole Taubman, Charly Hübner, Mario Adorf u.a. – 2009; 105 Minuten

Inhaltsangabe

Während der Abiturient Ben als Rucksacktourist in Kambodscha unterwegs ist, verliebt er sich in die junge Prostituierte Sreykeo und verlängert seinen Aufenthalt in Phnom Penh deshalb um sechs Wochen. Zurück in Hamburg, erfährt er bei einem seiner Telefonate mit ihr, dass sie HIV positiv getestet wurde. Nachdem er sich vergewissert hat, dass er selbst nicht infiziert ist, fliegt er erneut nach Kambodscha, um ihr zu einer adäquaten medizinischen Behandlung zu verhelfen ...
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Kritik

Unaufgeregt erzählt Detlev Buck von einem sorglosen Abiturienten, der sich entwickelt und Verantwortung für eine Frau aus einer anderen Kultur übernimmt, als Vertreter einer verhältnismäßig reichen Gesellschaft ebenso wie als Liebender.
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Der Abiturient Ben Heitmann (David Kross) reist mit dem befreundeten Medizinstudenten Ed (Stefan Konarske), mit dem er sich in Hamburg eine Wohnung teilt, als Backpacker nach Kambodscha. Verglichen mit der Masse der kambodschanischen Bevölkerung, sind die Touristen reich und können sich deshalb ohne weiteres Alkohol, Kokain und bezahlten Sex leisten. Das nutzt vor allem ein österreichischer Rucksacktourist namens Alex (Michael Ostrowski) aus, mit dem Ben und Ed ebenso Bekanntschaft schließen wie mit den Tramperinnen Regula (Marie Jung) und Marie (Lucile Charlemagne).

Die beiden Freunde halten sich bereits ein paar Wochen lang in Kambodscha auf, als sich in einer Diskothek in Phnom Penh eine junge, deutsch und englisch radebrechende Kambodschanerin an Ben heranmacht und ihm erklärt, dass ihr Name Sreykeo (Apinya Sakuljaroensuk) „Frau aus Glas“ bedeutet. Er nimmt sie mit in sein Hotelzimmer und schläft mit ihr. Erst als sie am nächsten Morgen um Geld bittet, begreift er, dass sie sich prostituiert.

Bald darauf bringt sie ihm das Hemd zurück, das er ihr lieh, und von da an verbringen sie viel Zeit miteinander. Während Ed nach Deutschland zurückkehrt, bleibt Ben noch sechs Wochen bei Sreykeo in Phnom Penh und wohnt in dieser Zeit mit ihrer Mutter (Ok Sokha), ihren jüngeren Geschwistern und einem von der Mutter gekauften kleinen Mädchen in einer Bauruine. Die Geldbeträge, um die Sreykeo ihren Freund als Gegenleistung für Essen und Schlafen bittet, vergeudet ihre Mutter beim Kartenspiel.

Weil Sreykeo von einem Husten geplagt wird, bringt Ben sie zu einem Arzt. Für Sreykeo ist es der erste Besuch bei einem Arzt überhaupt. Die Diagnose lautet: Mandelentzündung. Dagegen verschreibt der Mediziner Tabletten.

Als Ben nach Hamburg zurückkommt, liegt Ed mit einer neuen Freundin im Bett: Lilli (Wanda Badwal).

Ben beginnt ein Praktikum in der Zeitungsredaktion, in der sein älterer Bruder Henry (Jens Harzer) für den Verlagsleiter (Mario Adorf) arbeitet. Obwohl Henry ihn warnt und meint, die Kambodschanerin wolle ihn nur ausnutzen („die kann sich Liebe doch gar nicht leisten“), schickt Ben Sreykeo regelmäßig Geld nach Kambodscha und telefoniert mit ihr.

In einem Skype-Gespräch teilt sie Ben mit, dass sie inzwischen HIV-positiv getestet worden sei. Die Mandelentzündung und der Husten sind eine Folge des geschwächten Immunsystems. Ben ist entsetzt. Hat sie ihn infiziert? Sofort lässt er sein Blut untersuchen. Zum Glück ist das Ergebnis negativ.

Nachdem Ben sich über seinen eigenen Gesundheitszustand Gewissheit verschafft hat, fliegt er erneut nach Kambodscha, reist zunächst mit ihr zu einer eingehenden Untersuchung eigens nach Bangkok und bringt sie dann in einem Krankenhaus in Phnom Penh unter. Ed erklärt ihm am Telefon, dass die dort eingesetzten Medikamente veraltet sind und wegen ihrer Nebenwirkungen in der westlichen Welt nicht mehr verwendet werden. Indem Ben vortäuscht, Repräsentant einer Hilfsorganisation zu sein, gelingt es ihm, an die von Ed empfohlenen Arzneimittel zu kommen.

Sreykeo fährt mit ihm zu ihrem Vater (Em Boun Nat) und anderen Verwandten aufs Land. Ihr Vater erwartet von Ben, dass er ein Haus für die Großfamilie baue. Fassungslos geht Ben vor die Tür. Sreykeo folgt ihm und fragt ihn, ob er sie heiraten werde. Daraufhin antwortet er, nein, er sei zu jung. Am nächsten Tag hilft er in der Landwirtschaft mit, aber ein Durchfall zwingt ihn mehrmals zum Aussetzen – worauf die kambodschanischen Frauen ihn verächtlich ansehen.

Zurück in Hamburg, stellt Ben fest, dass Ed nun statt mit Lilli mit Vanessa (Julia Primus) zusammen ist. Der Medizinstudent weist ihn darauf hin, dass Sreykeo im besten Fall eine Lebenserwartung von 25 Jahren habe.

Während Ben seine Eltern (Olli Dittrich, Gilla Cremer) besucht, ruft Sreykeo an und bittet um zusätzliches Geld für ihren Bruder (Phich Bun Ly), einen buddhistischen Mönch. Da wird es Ben zu viel. Er stöhnt, er sei kein reicher Amerikaner und könne nicht noch mehr Geld schicken. Barsch beendet er die Beziehung und drückt das Gespräch weg.

Sreykeo bleibt nichts anderes übrig, als sich erneut zu prostituieren. Aber mit der Lüge, ein Deutscher habe sie mit einem Kind sitzen lassen, bekommt sie von dem Touristen Hajo Schober (Charly Hübner) Geld, ohne mit ihm ins Bett zu müssen.

Henrys Kollegin und Geliebte Claudia (Anne Müller) meint, dass Ben die Kambodschanerin nicht auf diese Weise abservieren könne. Daraufhin erneuert Henry seinen Vorschlag, Ben auf Redaktionskosten zu einer Hotelbesichtigung nach Kuala Lumpur zu schicken. Dort soll er sich mit Sreykeo treffen und nicht nur einen positiven Artikel über das Hotel, sondern auch einen Bericht über seine Erlebnisse mit ihr für die Zeitung schreiben. Henry verspricht sich davon eine publikumswirksame Geschichte.

Ben schickt Sreykeo das Geld für den Flug nach Malaysia und verabredet sich im Gästehaus des neu eröffneten Luxushotels mit ihr. Sie taucht jedoch in der Hotelhalle auf und wird von der Hotelsekretärin, die gerade eine Gruppe von Reportern – darunter auch Ben – durchs Haus führt, zum gemeinsamen Abendessen eingeladen. Als jemand fragt, ob sie und Ben ein Paar seien, steht Sreykeo auf und erklärt, sie sei HIV positiv und Ben habe ihr lediglich Medizin besorgt. Als sie weggeht, eilt Ben ihr nach. Ein Hotelangestellter, der Sreykeo für eine Prostituierte hält, will sie hinauswerfen, aber Ben gibt sie gegenüber dem Hotelmanager (Anatole Taubman) als seine Verlobte aus und darf sie deshalb mit in sein Zimmer nehmen. Im Bett fragt Sreykeo, was „Verlobung“ bedeute. Ben erklärt es ihr und fragt sie, ob sie seine Frau werden wolle.

Am nächsten Tag bricht Ben den Aufenthalt in Kuala Lumpur vorzeitig ab und fliegt mit Sreykeo nach Phnom Penh.

Als er einige Zeit später nach Hamburg zurückkommt, erfährt er, dass sich das Hotel in Malaysia über ihn beschwerte. Ben macht es nichts aus, den Job bei der Zeitung zu verlieren. „Dann arbeite ich eben in Kambodscha“, sagt er, reist erneut nach Phnom Penh und lässt sich in einer buddhistischen Zeremonie mit Sreykeo verheiraten.

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Als Vorlage für seinen ersten im Ausland gedrehten Kinofilm wählte Detlev Buck das 2007 von Benjamin Prüfer veröffentlichte Buch „Wohin Du auch gehst. Die Geschichte einer fast unmöglichen Liebe“ (Scherz, Frankfurt/M 2007, ISBN 3502150885, neuer Titel: „Same Same But Different“).

Der 23-jährige deutsche Journalist Benjamin Prüfer (* 1979) verliebte sich während eines Urlaubs 2003 in Kambodscha in eine Prostituierte namens Sreykeo, und obwohl sie HIV positiv war, heiratete er sie in Phnom Penh. Inzwischen hat das Paar ein gesundes eigenes Kind und ein Adoptivkind. Über seine Erlebnisse berichtete Benjamin Prüfer 2006 in der Illustrierten „Neon“ und im Jahr darauf in dem Buch „Wohin du auch gehst“ bzw. „Same Same But Different“.

Beim Filmtitel (und dem fürs Buch dann übernommenen Titel) handelt es sich um eine thai-englische Redewendung (gleich und doch anders).

Eine HIV-Infektion spielt zwar in „Same Same But Different“ eine entscheidende Rolle, aber der Film ist kein Aids-Drama. Es geht vor allem um die Entwicklung eines sorglosen Abiturienten zu einem Mann, der Verantwortung für eine Frau aus einer anderen Kultur übernimmt, als Vertreter einer verhältnismäßig reichen Gesellschaft ebenso wie als Liebender. Die Handlung spielt in einer globalisierten Welt und vor dem Hintergrund eines neuen Kolonialismus durch Sextouristen.

Die Geschichte, die Detlev Buck in „Same Same But Different“ erzählt, trägt das Siegel „nach einer wahren Begebenheit“. Dennoch wirkt sie beinahe märchenhaft, und Bens anfängliche Naivität ebenso wie seine „Läuterung“ sind nicht ohne weiteres nachvollziehbar.

Den clash of cultures betont Detlev Buck durch die Farbregie: Während er Kambodscha in warmen Farbtönen zeigt, herrschen in Deutschland kalte Farben vor, und eine Filmfigur wie die Hamburger Verlagspraktikantin Claudia hebt sich mit ihrer exaltierten Gestik von der Natürlichkeit der Asiaten ab. Das ist ein wenig plakativ.

„Same Same But Different“ beginnt mit dem Skype-Telefonat, in dem Sreykeo mitteilt, dass sie HIV positiv getestet wurde. Dann springt Detlev Buck zeitlich zurück und entwickelt die Handlung chronologisch bis zu diesem Telefongespräch und darüber hinaus. Dabei lässt er sich Zeit, geht ruhig und lakonisch vor und vermeidet Erläuterungen.

Mario Adorf (als Verlagsdirektor), Olli Dittrich (als Bens Vater), Antole Taubmann (als Hotelmanager) und Michael Glawogger (als Hotelgast) sind in Cameo-Auftritten zu sehen.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2014

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