Christian Karl Gerhartsreiter alias Clark Rockefeller


Christian Karl Gerhartsreiter wurde wahrscheinlich am 21. Februar 1961 in Siegsdorf bei Traunstein geboren, und zwar als Sohn des Malers Simon Gerhartsreiter und dessen Ehefrau Irmgard, einer Schneiderin. (Er selbst gab später den 29. Februar 1960 als Geburtsdatum an.)

Im Alter von 17 Jahren lernte er den amerikanischen Zahnarzt Elmer Kelln und dessen Ehefrau Jean kennen. Noch im selben Jahr (1978) flog Christian Karl Gerhartsreiter in die USA, log bei der Einreise, das Ehepaar Kelln habe ihn eingeladen und gab sich als Austauschstudent aus.

Er nannte sich Christopher („Chris“) Chichester, wurde von einem Ehepaar namens Savio in Berlin/Connecticut aufgenommen und besuchte dort ab 1979 die Highschool. Nach etwa einem Jahr überwarf er sich mit den Gastgebern und fuhr weiter nach Westen. Unter dem Namen Chris Gerhart immatrikulierte er sich an der University of Wisconsin-Milwaukee. Um eine Green Card zu erhalten, überredete Christian Karl Gerhartsreiter 1981 die 22-jährige Amy Jersild Duhnke in Madison/Wisconsin zur Heirat. Als sie elf Jahre später die Scheidung einreichte, gab sie an, dass er sie unmittelbar nach der Eheschließung verlassen habe.

Wieder unter dem Namen Chris Chichester, diesmal als angeblicher Filmstudent, wohnte Christian Karl Gerhartsreiter im Gartenhaus von Ruth („Didi“) Sohus, ihrem Adoptivsohn John und dessen Ehefrau Linda in San Marino im Los Angeles County. 1985 verschwanden zunächst John und Linda Sohus, dann auch Karl Gerhartsreiter alias Chris Chichester.

In der zweiten Hälfte der Achtzigerjahre arbeitete Christian Karl Gerhartsreiter als Börsenmakler an der Wall Street.

1994 heiratete er unter dem Namen Clark Rockefeller die aus einer reichen Familie stammende, bei McKinsey beschäftigte Harvard-Absolventin Sandra Boss. Sie lebten in Cornish/New Hampshire. Weil Sandra schließlich die Angaben über seine Identität, Vergangenheit und sein angebliches Unternehmen in Kanada bezweifelte, beauftragte sie 2006 einen Privatdetektiv mit Nachforschungen und ließ sich 2007 scheiden. Das Gericht sprach ihr das Sorgerecht für die gemeinsame Tochter zu, die sechs Jahre alte Reigh Storrow, die von ihrem Vater daraufhin entführt wurde.

Während Christian Karl Gerhartsreiter deshalb noch eine Haftstrafe verbüßte, wurde er im März 2011 beschuldigt, John Sohus ermordet zu haben. Dessen zerstückelte, im Garten des Hauses in San Marino vergrabene Leiche hatte man zwar 1994 entdeckt, aber sie konnte erst 2010 durch einen DNA-Vergleich zweifelsfrei identifiziert werden. Linda Sohus galt weiterhin als vermisst. Am 10. April 2013 befand das zuständige Gericht den Angeklagten für schuldig, und im August 2013 wurde er zu einer 27 Jahre bis lebenslang dauernden Haftstrafe verurteilt.


Mikael Salomon – ein amerikanischer Filmregisseur, Kameramann, Produzent und Visual Effects-Artist dänischer Herkunft – drehte über Christian Karl Gerhartsreiter 2009 den Fernsehfilm „Who is Clark Rockefeller?“ / „Wer ist Clark Rockefeller?“

Wer ist Clark Rockefeller? – Originaltitel: Who is Clark Rockefeller? – Regie: Mikael Salomon – Drehbuch: Edithe Swensen – Kamera: John Dyer – Schnitt: Michael D. Ornstein – Musik: Jeff Toyne – Darsteller: Eric McCormack, Sherry Stringfield, Emily Alyn Lind, Stephen McHattie, Regina Taylor, Ted Atherton, Krista Bridges, Mark Taylor, Philip Akin, Art Hindle, Janet Porter, Jeffrey R. Smith, Jack Grinhaus, Carleigh Beverly u.a. – 2010; 95 Minuten

Der amerikanische Journalist Mark Seal veröffentlichte 2011 das Buch „The Man in the Rockefeller Suit. The Astonishing Rise And Spectacular Fall of a Serial Imposter“ („Der Mann, der Rockefeller war. Aufstieg und Fall eines bayerischen Hochstaplers“, Übersetzung: Ingo Wagener, btb, München 2011, 447 Seiten, ISBN 978-3-442-75354-3).

Die amerikanische Schriftstellerin Amity Gaige ließ sich von dem Fall möglicherweise zu dem Roman „Schroder“ / „Schroders Schweigen“ anregen.

© Dieter Wunderlich 2015

Amity Gaige: Schroders Schweigen

William Trevor - Turgenjews Schatten
Melancholisch und ohne Effekt­hascherei, aber im Wechsel zwischen zwei Zeitebenen, erzählt der irische Schriftsteller William Trevor in "Turgenjews Schatten" von Illusio­nen, unerfüllbarer Liebe, Verlust, Schmerz, Morbidität und Einsamkeit.
Turgenjews Schatten

William Trevor

Turgenjews Schatten

Meine vor 18 Jahren selbstgestrickte Website wurde im Juli durch einen professionellen Neubau ersetzt. Aber das Informationsangebot bleibt kostenlos und werbefrei.