The American

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The American – Originaltitel: The American – Regie: Anton Corbijn – Drehbuch: Rowan Joffe nach dem Roman "A Very Private Gentleman" / "The American" von Martin Booth – Kamera: Martin Ruhe – Schnitt: Andrew Hulme – Musik: Herbert Grönemeyer – Darsteller: George Clooney, Violante Placido, Thekla Reuten, Paolo Bonacelli, Johan Leysen, Irina Björklund, Filippo Timi u.a. – 2010; 100 Minuten

Inhaltsangabe

Ein Auftragsmörder und Waffentechniker wird in Dalarna von zwei Profikillern angegriffen. Ohne zu zögern, tötet er außer den beiden Männern auch seine Begleiterin, obwohl sie seine Geliebte ist, denn als Zeugin wäre sie ein Risiko für ihn. Sein Auftraggeber schickt ihn in ein Abruzzendorf. Dort soll er für eine Profikillerin ein Spezialgewehr anfertigen. Während er daran arbeitet, verliebt er sich in eine Prostituierte. Der Einsamkeit überdrüssig möchte er mit ihr zusammen ein neues Leben anfangen ...
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Kritik

Bei der Verfilmung des Romans "The American" von Martin Booth setzt Anton Corbijn weniger auf eine spannende, aktionsreiche Handlung als auf eine schwermütige, auch von der Getragenheit der Erzählung evozierte Atmosphäre.
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Ein Auftragsmörder und Waffentechniker, der sich Jack nennt (George Clooney) hat sich mit seiner Geliebten Ingrid (Irina Björklund) in eine abgelegene Hütte in der tief verschneiten schwedischen Provinz Dalarna zurückgezogen. Bei einer Wanderung fallen ihnen die Fußspuren einer einzelnen Person auf. Ingrid wundert sich darüber, denn Jäger sind hier nie allein unterwegs. Jack begreift sofort, was es bedeutet: Er rennt mit Ingrid los, sucht Deckung und holt zur Verwunderung der jungen Frau eine Pistole heraus. Schon werden sie beschossen, aber Jack gelingt es, den auf ihn angesetzten Killer (Lars Hjelm) zu erschießen. Er fordert Ingrid auf, zur Hütte zurückzulaufen und die Polizei zu verständigen, doch als sie sich umdreht, tötet er sie mit einem Kopfschuss. Dabei zögert er nicht, denn wenn er überleben will, darf er keine Zeugen hinterlassen. Kurz darauf erschießt er auch einen weiteren Schweden (Björn Granath), der am Auto auf seinen Begleiter wartet, ohne zu wissen, dass dieser bereits tot ist.

Jack verlässt Schweden und fährt mit dem Zug über München nach Rom. Dort ruft er seinen Auftraggeber Pavel (Johan Leysen) an. Sie treffen sich in einem Café nahe der Stazione di Roma Termini. Pavel hat bereits von den drei Toten in Dalarna gehört. „Wer war die Frau?“, fragt er. Die Antwort lautet: „Eine Freundin.“ Jack möchte wissen, wer die beiden Schweden waren und wer sie auf ihn angesetzt hatte. Er versuche das noch herauszufinden, sagt Pavel. Dann gibt er Jack Autoschlüssel. Mit einem um die Ecke geparkten Auto soll Jack in das Abruzzendorf Castelvecchio fahren und dort auf weitere Anweisungen warten. „Schließ nicht wieder Freundschaften“, rät Pavel ihm.

In Castelvecchio schaut Jack sich nur kurz um. Statt dort zu bleiben, fährt er nach Castel del Monte und wirft unterwegs das Handy, das Pavel ihm mitgab, aus dem Wagenfenster. Er nennt sich jetzt Edward, bestätigt, dass er Amerikaner sei und mietet ein Haus. Als ihn der Dorfgeistliche Benedetto (Paolo Bonacelli) auszufragen versucht, gibt er sich als Architektur- und Landschaftsfotograf aus.

Von einer Telefonzelle aus ruft er Pavel an und erhält den Auftrag, ein Präzisionsgewehr nach den Vorgaben einer Profikillerin herzustellen. Mathilde (Thekla Reuten), so nennt sie sich, trifft sich mit Edward auf dem Marktplatz von Sulmona und spezifiziert ihre Vorstellungen von der Waffe.

Edward lässt sich mit der Post ein Präzisionsgewehr schicken. In einer Autowerkstatt, die Benedettos unehelichem Sohn Fabio (Filippo Timi) gehört, besorgt er sich weitere Teile, die er benötigt, um die Waffe umzubauen.

Der Pfarrer lädt ihn auf ein Glas Cognac ein, und an einem anderen Abend kocht er für sich und den Amerikaner. Er lässt sich nichts vormachen. Von Anfang an glaubte er nicht, dass es sich bei dem Fremden um einen Fotografen handelt, zumal ihm dessen Handwerker-Hände aufgefallen sind. Er ahnt, dass sein Besucher sehr viel Schuld auf sich geladen hat.

Im Bordell lernt Edward die schöne junge Prostituierte Clara (Violante Placido) kennen. Er geht wiederholt zu ihr, und wenn sie nicht da ist, kehrt er wieder um. Unversehens verlieben sie sich in einander. Clara nennt ihn Mr Farfalle, weil auf seinem Rücken ein Schmetterling tätowiert ist. Einmal überrascht sie ihn mit ihrer Freundin Anna (Anna Foglietta) in einem Café und verabredet sich mit ihm zum Essen in einem Restaurant. Dadurch wird ihre Beziehung privat.

Als Edward die Waffe so gut wie fertig hat, holt er Mathilde in Sulmona vom Zug ab und fährt mit ihr in den Wald, um das Gewehr auszuprobieren. Sie ist zufrieden mit der Zeit, in der sich die Teile zusammenschrauben lassen, mit Reichweite, Treffsicherheit und Schalldämpfung. Die Teile werden in einem Aktenkoffer Platz haben, den Edward noch besorgen muss. Mathilde will in einer Woche alles einschließlich 40 präparierter Patronen abholen.

In einer der Gassen von Castel del Monte wird Edward von einem Mann mit einer Pistole verfolgt. Er drückt sich in einen Seitengang, zieht die Schuhe aus, läuft durch eine andere Gasse im Bogen herum und schleicht sich von hinten an den Killer heran. Da wird dieser durch die Fehlzündung einer Vespa erschreckt, und er erschießt reflexartig den Fahrer (Giorgio Gobbi). Edward hebt die Vespa auf und verfolgt den Mann, der ihn töten wollte und nun mit einem Auto flieht. Erst nachdem Edward einige Schüsse abgegeben hat, schleudert der Wagen in die Leitplanken. Edward vergewissert sich, dass der Fahrer tot ist.

Während Clara duscht, durchsucht Edward ihre Handtasche und findet darin eine Pistole. Wurde sie auf ihn angesetzt? Als er sie bei einem Picknick am Fluss danach fragt, erklärt sie, sie habe eine Waffe bei sich, um sich verteidigen zu können, denn in letzter Zeit wurden zwei Prostituierte in der Gegend ermordet.

Bei seinem nächsten Telefongespräch mit Pavel stellt Edward klar, dass er nach der Erledigung des laufenden Auftrags aussteigen werde, und Pavel erwidert: „Okay, du bist draußen.“ Gleich darauf ruft Pavel Mathilde an und beauftragt sie, Edward zu töten.

Edward trifft sich mit Mathilde in einer Taverne und übergibt ihr sowohl den Aktenkoffer mit der Waffe als auch eine Bonbondose mit Patronen. Als sie ihn auf dem Parkplatz mit ihrer Pistole erschießen will, hält zufällig gerade ein Bus. Wegen der vielen Zeugen fährt sie los, ohne ihren Auftrag erfüllt zu haben. Kurz darauf telefoniert sie mit Pavel. Der weiß offenbar bereits, dass Edward noch lebt, denn er fragt: „Was ist passiert?“ „Keine Gelegenheit“, antwortet Mathilde. „Dann finde eine.“ „Ich folge ihm bereits.“


Wenn Sie noch nicht erfahren möchten, wie es weitergeht,
überspringen Sie bitte vorerst den Rest der Inhaltsangabe.


Edward ist mit Clara bei einer Prozession verabredet. Er schlägt ihr vor, gemeinsam fortzugehen und ein neues Leben anzufangen. Clara stimmt begeistert zu. Da hören sie einen Knall. Mathilde steht auf einem Hausdach und hat soeben mit dem Spezialgewehr auf Edward geschossen. Aber er hat die Waffe so manipuliert, dass sie nach hinten losging. Mathilde stürzt vom Dach und prallt aufs Straßenpflaster. Edward fordert Clara auf, wegzurennen und am Fluss auf ihn zu warten. Dann beugt er sich über Mathilde und fragt die Sterbende, wer sie beauftragt habe, ihn zu töten. „Der Mann, für den wir beide gearbeitet haben“, flüstert sie.

In den Gassen umschleichen sich Edward und Pavel. Als sie aufeinandertreffen, kommt es zu einem kurzen Schusswechsel. Pavel bricht tot zusammen.

Anschließend fährt Edward los. Als er im Auto nach einer schmerzenden Stelle an seinem Bauch greift, ist seine Hand voll Blut. Pavel hat ihn also auch getroffen. Trotz des Blutverlustes schafft er es noch bis zum Fluss, wo Clara bereits auf ihn wartet. Aber vor ihren Augen bricht er über dem Lenkrad zusammen.

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Rowan Joffe (Drehbuch) und Anton Corbijn (Regie) adaptierten den 1990 von Martin Booth veröffentlichten Roman „A Very Private Gentleman“ fürs Kino. Die deutsche Ausgabe des Buches erschien unter dem Titel „The American“ (Übersetzung: Giovanni und Ditte Bandini, Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek 2010, 396 Seiten, ISBN 978-3-499-25515-1).

„The American“ dreht sich um einen einsamen, von George Clooney gespielten Profikiller, dessen Vorgeschichte im Dunkeln bleibt. Für diesen Mann könnten Gefühle tödlich sein; um zu überleben und die Kontrolle zu behalten darf er sich nicht auf persönliche Beziehungen einlassen. Aber er sehnt sich nach einem anderen Leben, in dem Emotionen und Freundschaften möglich sind. Wird es ihm gelingen, sich von seiner kriminellen Vergangenheit zu lösen?

Wir erfahren mit einer Ausnahme nicht, wer die Hintermänner der auf Jack alias Edward angesetzten Killer sind, und warum er ausgeschaltet werden soll, bleibt ebenfalls unklar. Dadurch betonen Rowan Joffe und Anton Corbijn die Sinnlosigkeit der Aktivitäten, mit der sie möglicherweise auf die Entfremdung der Arbeiter von ihrer Tätigkeit schlechthin anspielen, denn der Protagonist in dem Thriller-Melodram „The American“ wird als präzise arbeitender Handwerker dargestellt.

Die Figuren bleiben Klischees: der geheimnisvolle Auftraggeber, der innerlich zerrissene einsame Profikiller, die mörderische Femme fatale und die heilige Hure, die auch noch Clara heißt. Originell ist an „The American“ eigentlich nur, dass Rowan Joffe und Anton Corbijn bei einem Plot über einen von Unbekannten gejagten Auftragsmörder weniger auf eine spannende, aktionsreiche Handlung als auf eine schwermütige, auch von der Getragenheit der Erzählung evozierte Atmosphäre setzen.

Der Niederländer Anton Corbijn (1955) ist Fotograf und sammelte seine ersten Regie-Erfahrungen mit Musikvideos. Aber in „The American“ halten er und sein Kameramann Martin Ruhe sich optisch sehr zurück.

Bei dem Film, der in „The American“ auf dem Bildschirm eines Fernsehgeräts zu sehen ist, handelt es sich um „Spiel mir das Lied vom Tod“. Als der Protagonist allein in einem Café sitzt, erklingt der Song „Tu vuò fà l’americano“ von Renato Carosone und Nisa Salerno. Im Pfarrhaus läuft eine Platte mit einer Aufnahme aus der Oper „Madame Butterfly“ von Giacomo Puccini.

Die Dreharbeiten dauerten von Ende September bis November 2009. Die in Schweden spielenden Szenen entstanden nicht in Dalarna, sondern in Östersund. In Italien drehte das Team in Rom, Castel del Monte und in Sulmona.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2013

Anton Corbijn: A Most Wanted Man

I. J. Kay - Nördlich der Mondberge
I. J. Kay entwickelt in "Nördlich der Mondberge" keine lineare Handlung, sondern präsentiert ein Stakkato von durch­einander­gewirbelten Fragmenten. Nach und nach ergibt sich daraus das Bild einer Ich-Erzählerin in drei verschiedenen Lebens­abschnitten: als Kind, mit 21 und mit Anfang 30.
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I. J. Kay

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