Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran

Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran

Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran

Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran - Originaltitel: Monsieur Ibrahim et les Fleurs du Coran - Regie: François Dupeyron - Drehbuch: François Dupeyron und Eric-Emmanuel Schmitt, nach dem Roman "Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran" von Eric-Emmanuel Schmitt - Kamera: Rémy Chevrin - Schnitt: Dominique Faysse - Darsteller: Omar Sharif, Pierre Boulanger, Gilbert Melki, Isabelle Renauld, Lola Naymark, Anne Suarez, Mata Gabin, Céline Samie, Isabelle Adjani u.a. - 2003; 95 Minuten

Inhaltsangabe

Ein Vierzehnähriger, der jeden Tag für sich und seinen Vater das Abendessen zubereiten muss, kauft die Zutaten in dem kleinen Geschäft von Monsieur Ibrahim ein. Allmählich entwickelt sich zwischen dem jungen Pariser Juden und dem lebensweisen alten Muslim aus der Türkei eine enge Freundschaft ...

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Kritik

Die Parabel wirbt für Tolerenz in einer multikulturellen Gesellschaft. Stärker als die Erzählung "Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran" betont die Verfilmung außerdem die Bedeutung einer positiven Einstellung zum Leben abseits von der Hektik westlicher Industriegesellschaften.
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Handlung:

Paris, Anfang der Sechzigerjahre. Der vierzehn Jahre alte Moses Schmitt (Pierre Boulanger) lebt mit seinem vergrämten Vater (Gilbert Melki) in einer kleinen Wohnung in der Rue Bleue in Paris. Der Vater hält Moses immer wieder vor, dass er ihm seinen erstgeborenen Sohn Popol vorgezogen hätte, aber mit dem sei seine Frau kurz nach der Geburt von Moses auf und davon gegangen.

Während der Vater tagsüber in irgendeiner Kanzlei als kleiner Anwalt arbeitet und kaum genug Geld für den Lebensunterhalt verdient, muss der Junge nach dem Schulbesuch das Abendessen zubereiten. Die Zutaten kauft er um die Ecke, im Laden eines alten Mannes, den alle im Viertel nur den Araber nennen. Eigentlich ist der Ladenbesitzer jedoch kein Araber, sondern Türke, heißt Ibrahim Deneji (Omar Sharif) und erklärt Moses, dass „Araber“ in seiner Branche bedeutet: „Von acht bis vierundzwanzig Uhr geöffnet, auch am Sonntag.“

Vom Fenster der Wohnung aus beobachtet Moses die Prostituierten, die auf der Straße flanieren und auf Freier warten. Eines Tages zerschlägt er sein Sparschwein, wechselt die Münzen bei Monsieur Ibrahim in Scheine um und spricht eine der Dirnen an. Zuerst beachtet sie ihn gar nicht, dann schickt sie ihn fort. Erst nach einer Weile ist die freundliche junge Sylvie (Anne Suarez) bereit, ihn für 35 Francs – sein gesamtes Vermögen – ein paar Minuten lang mit in ihr Bett zu nehmen.

Als sein Vater ihn verdächtigt, Geld unterschlagen zu haben, und deshalb eine genaue Buchführung über das Haushaltsgeld verlangt, beginnt Moses, im Laden von Monsieur Ibrahim Konserven zu stehlen, um jeden Tag ein paar Francs vom Haushaltsgeld abzweigen zu können, denn er spart für seinen nächsten Besuch bei den Straßenmädchen.

Eines Tages wird in der Rue Bleue ein Film mit einem Star (Isabelle Adjani) gedreht. Die Filmschauspielerin kauft sich im Laden von Monsieur Ibrahim eine Flasche Wasser, für die er fünf Francs verlangt. Üblicherweise kostet sie sehr viel weniger. Moses ist fassungslos, aber Monsieur Ibrahim erklärt ihm ungerührt: „Tja, nun, mein Kleiner, irgendwie muss ich doch all die Büchsen wieder reinkriegen, die du mir mopst.“

Monsieur Ibrahim rät Momo, seinem Vater Katzenfutter als schmackhafte Pastete, aufgebackenes statt frisches Baguette und gepanschten Rotwein vorzusetzen. Und er fordert seinen jungen jüdischen Freund dazu auf, nicht immer so ernst zu schauen, sondern auch einmal fröhlich zu lächeln. Momo probiert es. Es funktioniert bei seiner Lehrerin; auch die Straßenmädchen werden zugänglicher. Nur bei seinem Vater nimmt seine Charmeoffensive keinen guten Ausgang: Der vermutet, Moses habe etwas angestellt, schaut ihn sich genauer an und stellt fest, dass er eine Zahnspange bräuchte.

Ein paar Tage später eröffnet er seinem Sohn, dass er entlassen wurde. „Jetzt heißt es, den Gürtel enger schnallen!“ Als Momo am nächsten Tag von der Schule heimkommt, findet er einen Abschiedsbrief seines Vaters vor: „… es tut mir Leid, ich bin weg. Ich kann einfach kein richtiger Vater sein …“ – Moses versucht zu verheimlichen, dass er allein ist und kauft weiter für zwei ein.

Nachdem Momo seine ersten Erfahrungen bei Prostituierten gesammelt hat, macht er Myriam (Lola Naymark) den Hof. Die Dreizehnjährige wohnt mit ihren Eltern in der Parterrewohnung des Mietshauses. Nach einem ersten Kuss am Ufer der Seine glaubt Momo, die große Liebe gefunden zu haben – aber dann ertappt er Myriam mit einem älteren Jungen, und als er sie zur Rede stellt, macht sie ihm klar, dass sie nichts mehr von ihm wissen will.

Drei Monate später überbringen zwei Polizisten Momo die Nachricht, dass sein Vater sich in der Nähe von Marseille vor einen Zug geworfen hat. Die Identifizierung der Leiche übernimmt Monsieur Ibrahim für ihn.

Während Momo dabei ist, die dunklen Wände der Wohnung weiß zu tünchen, taucht seine Mutter (Isabelle Renauld) auf und fragt nach ihrem Sohn Moses. Da behauptet er, er heiße Momo, und das sei die Abkürzung von Mohammed. „Moses ist weg, Madame. Als er ging, sagte er, er wolle seinen Bruder suchen.“ Aber seine Mutter hat nur einen einzigen Sohn, und der heißt Moses. Da erst begreift Momo, dass es Popol nur in der Fantasie seines Vaters gab.

Monsieur Ibrahim adoptiert Momo. Er will mit ihm in die Türkei fahren, ihm zeigen, wo er herkommt und seinen Freund Abdullah wiedersehen. Für diesen Zweck kauft er ein rotes Cabriolet. Als es ans Fahren geht, flunkert er Momo vor, er habe vergessen, wie es geht; die Wagen seien damals auch anders gewesen. „Sagen Sie, Monsieur Ibrahim, die Autos, in denen Sie gelernt haben, die wurden nicht von Pferden gezogen, oder?“ – „Nein, Momo, von Eseln.“

Nachdem Monsieur Ibrahim mit großen Schwierigkeiten den Führerschein gemacht hat, fahren sie durch die Schweiz, durch Albanien und Griechenland in die Türkei. Sie kommen durch Kappadokien, und in Konya zeigt Monsieur Ibrahim seinem Adoptivsohn die tanzenden Derwische. In einer verkarsteten ostanatolischen Gebirgslandschaft bittet er Momo, auszusteigen und auf ihn zu warten. Das letzte Stück wolle er zunächst allein zurücklegen, denn er wisse nicht, was ihn nach so vielen Jahren in seinem Geburtsdorf erwarte.

Von den hier lebenden Kindern verfolgt, wandert Momo herum. Plötzlich nähert sich ein Motorradfahrer und nimmt ihn mit in das Dorf: Monsieur Ibrahim hat sich mit seinem roten Cabrio überschlagen und liegt schwer verletzt in einer der Lehmhütten. „Hier ist die Reise zu Ende“, erklärt er Momo und stirbt ruhig und gelassen.

Nach dem Tod seines Adoptivvaters kehrt Momo nach Paris zurück. Monsieur Ibrahim hat ihn als Alleinerben eingesetzt. Er übernimmt den Laden in der Rue Bleue und wird zum „Araber“ an der Ecke. Als er im Alter von dreißig Jahren (jetzt dargestellt von Eric Caravaca) beobachtet, wie ein Schuljunge Konserven stiehlt, lässt er ihn lächelnd gewähren …

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Ein alter Muslim aus Anatolien wird zum Freund und Adoptivvater eines jungen Pariser Juden: Die Parabel wirbt für Tolerenz in einer multikulturellen Gesellschaft. „Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran“ ist aber auch ein Plädoyer für eine positive Einstellung zum Leben abseits von der Hektik westlicher Industriegesellschaften.

Für sich genommen, ist der Kinofilm „Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran“ von François Dupeyron eine rührende Komödie in liebevoll eingerichteten Kulissen. Aber im Vergleich zur literarischen Vorlage> von Eric-Emmanuel Schmitt („Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran“) vermisst man die von der einfachen Sprache des jugendlichen Ich-Erzählers hervorgerufene zauberhafte Atmosphäre. Was die Verfilmung dann doch sehenswert macht, ist die überzeugende Verkörperung des weisen Monsieur Ibrahim durch den einundsiebzig Jahre alten Omar Sharif.

Musikalisch untermalt wurde der Film „Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran“ durch Songs von Chuck Berry („Sweet Little Sixteen“), Bruce Channel („Hey Baby“), Max Freedman und James E. Myers („Rock Around the Clock“), Bobby Hebb („Sunny“), Domingo Samudio („Wooly Bully“) und Timmy Thomas („Why Can’t We Live Together“).

Weitere Bücher bzw. Verfilmungen über allein gelassene Kinder:

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2004

Eric-Emmanuel Schmitt: Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran

Keigo Higashino - Böse Absichten
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