Ernst Röhm


Im April 1924, kurz bevor er von Innsbruck nach Venedig reist, meldet sich Hermann Göring noch einmal in seiner Eigenschaft als SA-Chef zu Wort. Doch aus dem Exil kann er die SA nicht wirklich führen. Deshalb befördert Hitler im Mai seinen vor wenigen Wochen aus der Haft entlassenen Mitstreiter Ernst Röhm (1887 – 1934) in dieses Amt.

Von dem stämmigen Haudegen, dessen Gesicht durch zwei Schussverletzungen entstellt ist, erwartet Hitler bei der Neuorganisation der Partei im Frühjahr 1925, dass er die SA wieder zu einer straff organisierten und eng mit der NSDAP verbundenen Kampftruppe formiert. Ernst Röhm hat andere Vorstellungen: Er möchte einen selbstständigen Wehrverband aufbauen und gewissermaßen als Generalissimus neben den Parteichef treten. Der ist jedoch nicht bereit, die Führung der „Bewegung“ mit jemand zu teilen und beantwortet die schriftlichen Vorschläge seines Duz-Freundes nicht einmal. Daraufhin tritt Röhm von seinen Ämtern zurück und verdient seinen Lebensunterhalt mit Gelegenheitsarbeiten, bis er 1928 als Militärberater nach Bolivien geht.

Nach dem sensationellen Erfolg der NSDAP bei der Reichstagswahl am 14. September 1930 übernimmt Hitler selbst das Amt des Obersten SA-Führers, ruft seinen ehemaligen Freund Ernst Röhm aus Bolivien zurück und ernennt den „kleinen dicken Mann mit dem zerschossenen, stets leicht geröteten Gesicht“, der Zivilisten generell für „Drückeberger, Deserteure und Schieber“ hält, am 5. Januar 1931 zum „Stabschef der SA“. Vier Wochen später betont Hitler wegen der Gerüchte über Röhms Homosexualität, die SA sei keine „moralische Anstalt“, sondern „ein Verband rauer Kämpfer“.

Anfang 1934 ist die SA mit zwei bis drei Millionen Männern zwanzigmal so stark wie die Reichswehr, und Ernst Röhm träumt bereits davon, die Reichswehr in die SA zu integrieren: „Der graue Fels muss in der braunen Flut untergehen.“ Hermann Göring und Heinrich Himmler,

die nicht zulassen wollen, dass Röhm sich neben Hitler als zweitstärkster Mann etabliert, drängen darauf, gegen die SA loszuschlagen. Hitler befiehlt Ernst Röhm und den anderen SA-Führern, sich am 30. Juni in Bad Wiessee zu versammeln, fliegt mit Goebbels nach München und leitet persönlich die Festnahme von Ernst Röhm und seinen Männern. Göring und Himmler, die Hitler und Goebbels am späten Abend auf dem Flugplatz Berlin-Tempelhof empfangen, überzeugen den zögernden „Führer“, dass Ernst Röhm die Aktion nicht überleben darf.

Theodor Eicke, der Kommandant des Konzentrationslagers Dachau, fährt am 1. Juli 1934 mit zwei Untergebenen zum Gefängnis in München-Stadelheim und lässt sich zu der Zelle bringen, in die Ernst Röhm gesperrt wurde. Eicke legt dem abgesetzten Chef der SA eine Pistole auf den Tisch und zieht sich wieder zurück. Eine Viertelstunde wartet er. Als dann immer noch kein Schuss zu hören ist, stößt er die Zellentür auf und erschießt Ernst Röhm.

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© Dieter Wunderlich 2007

Quelle:
Dieter Wunderlich: Göring und Goebbels. Eine Doppelbiografie
Verlag F. Pustet, Regensburg 2002

Die Zerschlagung der SA. „Röhm-Putsch“ 1934

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