Themroc

Themroc

Themroc

Originaltitel: Themroc – Regie: Claude Faraldo – Drehbuch: Claude Faraldo – Kamera: Jean-Marc Ripert – Schnitt: Noun Serra – Musik: Harald Maury – Darsteller: Michel Piccoli, Jeanne Herviale, Béatrice Romand, Francesca Romana Coluzzi, Marilù Tolo, Patrick Dewaere, Miou-Miou u.a. – 1973; 105 Minuten

Inhaltsangabe

Jeden Morgen fährt der Anstreicher Themroc zur Arbeit. Immer der gleiche Trott. Als er entlassen wird, mauert er zu Hause die Tür seines Zimmers zu, zertrümmert mit einem Vorschlaghammer die Außenwand und wirft die Einrichtung hinaus. Seine Schwester, mit der er ein inzestuöses Verhältnis hat, gesellt sich zu ihm. Eine Nachbarin macht es Themroc nach. Vergeblich versucht die Polizei, die Ordnung wiederherzustellen ...
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Kritik

"Themroc" ist eine absurde Gesellschaftssatire, die ohne Dialoge auskommt. Mit einer originelle Grundidee und vielen aberwitzigen Einfällen sorgt Claude Faraldo bei Zuschauern mit schwarzem Humor für gute Unterhaltung.
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Jeden Tag, wenn der Anstreicher Themroc (Michel Piccoli) um 6 Uhr bei seinem Frühstück sitzt, kommt seine Mutter (Jeanne Herviale) herein, zeigt mahnend auf die Uhr und geht auf die Toilette, deren Zugang sich vor Themrocs Augen befindet. Nach ihr tritt auch Themrocs Schwester (Béatrice Romand) aus. Bevor er aufbricht, schleicht er sich ins Zimmer seiner Schwester, die wieder eingeschlafen ist und nackt im Bett liegt. Lüstern betrachtet und beriecht er ihren Körper.

Mit dem Fahrrad fahren Themroc und ein Kollege – der das Gleichgewicht nicht halten kann und sich deshalb bei Themroc anlehnen muss – zur Metro-Station und von dort weiter zu ihrer Arbeitsstelle, wie viele andere auch. Jeden Morgen der gleiche Trott. Deprimierend. Freude macht nur der Anblick von schönen Frauenbeinen in Miniröcken auf den Treppen der Metrostation.

Als Themroc von einem Gerüst aus durchs Fenster ins Büro des Vizedirektors starrt, auf dessen Schreibtisch eine aufregende Sekretärin (Marilù Tolo) mit hochgerutschtem Rock sitzt, wird er auf der Stelle entlassen.

Zu Hause zieht seine Schwester erst ihren Morgenmantel ein wenig auf, bevor sie ihm die Tür öffnet. Entrüstet versucht die Mutter, die entblößte rechte Brust ihrer Tochter wieder zu bedecken, aber Themroc gefällt der Anblick, und er verlässt mit seiner lasziven Schwester die Wohnung. Von einer Baustelle karren sie Bausteine und Zement heran. Damit mauert Themroc die Tür seines Zimmers in der ersten Etage des Mietshauses zu. Dann zertrümmert er mit einem Vorschlaghammer die Außenmauer, wirft die Einrichtung in den Hinterhof und lässt eine Strickleiter hinunter, die nun den einzigen Zugang zu seiner „Höhle“ bildet, in der er mit seiner Schwester ungeniert Inzest treibt.

Eine Nachbarin (Francesca Romana Coluzzi) klettert zu Themroc hinauf und gibt sich ihm hin. Zurück in ihrer Wohnung, greift sie ebenfalls beherzt zum Vorschlaghammer und ahmt Themrocs Beispiel nach, während ihr schüchterner Mann zögernd mit einem Hämmerchen zu helfen versucht.

Polizisten rücken an, können aber nichts gegen den in diesem Hinterhof ausgebrochenen Anarchismus unternehmen. Auch die Verstärkung, die mit Tränengas-Granaten anrückt, scheitert und zieht erst einmal wieder ab.

In der Nacht macht Themroc in den Straßen Jagd auf Polizisten und erlegt zwei von ihnen. Einen brät er in seiner Höhle am Spieß, den anderen überlässt er der Nachbarin. Die flotte Sekretärin aus der Anstreicherfirma beobachtete Themroc bei der Polizisten-Jagd und gesellt sich zu ihm und seiner Schwester.

Zwei Maurer beginnen unter Polizeischutz damit, die beiden Löcher in den Außenwänden zuzumauern. Themroc, seine Schwester und die Sekretärin schauen einem von ihnen (Patrick Dewaere) belustigt bei der Arbeit zu, ziehen ihm den Kittel aus und bringen ihn dann dazu, alles wieder einzureißen und sich mit ihnen zusammenzutun.

Immer mehr Leute reißen ihre Wände ein. Ein Nachbar, der seit Tagen sein Auto poliert, holt plötzlich einen Vorschlaghammer und zertrümmert in einem Wutanfall das sorgfältig geputzte Fahrzeug.

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„Themroc“ ist eine absurde, aberwitzige Gesellschaftssatire, in der Claude Faraldo auf originelle Weise veranschaulicht, wie dünn die Fassade der Zivilisation ist, mit der wir unsere animalischen Triebe zu bändigen versuchen. Dicht unter der Oberfläche lauert der Wilde, der Barbar, gegen den die Obrigkeit machtlos ist und der keine gesellschaftlichen Konventionen akzeptiert, sondern in einer Art Großstadthöhle die freie Liebe praktiziert, es mit seiner Schwester treibt (Inzest) und zum Frühstück einen nachts erlegten Polizisten grillt (Kannibalismus).

Eine Synchronisation des Films „Themroc“ erübrigt sich, denn es gibt keine übersetzbaren Dialoge, sondern nur in zwei kurzen Szenen eine sinnfreie Kunstsprache ähnlich der Rede Charlie Chaplins in „Der große Diktator“. Ansonsten hustet, knurrt, bellt, grunzt Michel Piccoli in der Titelrolle.

Claude Faraldo lässt keine Langeweile aufkommen; er überrascht immer wieder mit neuen Einfällen. Zuschauer, die über genügend schwarzen Humor verfügen, um sich auf „Themroc“ einzulassen, werden in der anarchischen Komödie bestens unterhalten.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2008

Martin Mosebach - Was davor geschah
Der Aufbau des Romans "Was davor geschah" wirkt elegant und ungezwungen. Statt auf eine mitreißende Handlung setzt Martin Mosebach auf subtile, sprachlich geschliffene Beschreibungen, um die Leser zu fesseln.
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