König Friedrich Wilhelm II. von Preußen

Friedrich Wilhelm II. wurde am 25. September 1744 in Berlin als ältester Sohn von Prinz August Wilhelm von Preußen (1722 – 1758) und Prinzessin Luise Amalie von Braunschweig-Wolfenbüttel geboren.

Wegen seiner eigenen Kinderlosigkeit hatte König Friedrich II. seinen jüngeren Bruder Friedrich Wilhelm offiziell zum Thronfolger ernannt. Durch die Geburt Friedrich Wilhelms II. schien die Thronfolge auch in der nächsten Generation gesichert zu sein. Um die Erziehung des jungen Prinzen kümmerte sich der König deshalb persönlich: Als dreijähriges Kind wurde Friedrich Wilhelm vom Kronprinzenpalais ins Berliner Schloss geholt, und noch im selben Jahr (1747) bestimmte Friedrich der Große den Schweizer Gelehrten Nicolas de Beguelin zum Erzieher seines Neffen. Eine unbeschwerte Kindheit blieb Friedrich Wilhelm verwehrt. Heinrich Adrian Graf von Borcke, der 1751 die Erziehung des königlichen Neffen übernommen hatte, zog 1754 mit ihm nach Sanssouci, in die Residenz Friedrichs des Großen. Weil Friedrich Wilhelm schüchtern war, tat der König alles, um ihn dreister und selbstbewusster zu machen.

Es blieb dem Kind nicht verborgen, dass Friedrich der Große seinen Vater nach dessen Versagen im Siebenjährigen Krieg im Herbst 1757 unehrenhaft aus der Armee entließ. Ein enges Verhältnis hatten die Brüder nie gehabt, nicht zuletzt, weil Friedrich überzeugt war, dass ihm der Vater – der „Soldatenkönig“ Friedrich Wilhelm I. – August Wilhelm vorgezogen hatte. 1757 schlug die Abneigung jedoch in offene Verachtung um.

Im Jahr darauf starb der von Selbstzweifeln geplagte Prinz August Wilhelm im Alter von sechsunddreißig Jahren. Der Titel des Thronfolgers, „Prinz von Preußen“, fiel daraufhin am 14. Dezember 1758 an seinen vierzehnjährigen Sohn Friedrich Wilhelm II.

Ab Mai 1762 gab der König seinem Neffen – der bereits mit vier Jahren offiziell eine Husarenuniform getragen hatte – die Gelegenheit, sich bei der Belagerung der Festung Schweidnitz sowie in der Schlacht von Burkersdorf militärisch zu bewähren, und nach dem Krieg ernannte er ihn zum Kommandeur eines Potsdamer Infanterieregiments.

Am 14. Juli 1765 verheiratete Friedrich der Große seinen zwanzigjährigen Neffen mit Elisabeth Christine, der Tochter von Herzog Karl I. zu Braunschweig-Lüneburg und Friedrichs Schwester Charlotte. Friedrich Wilhelm II. fügte sich zwar dem königlichen Willen, aber von seiner Angetrauten hielt er nichts.

Angetan hatte es ihm stattdessen Wilhelmine Encke (1753 – 1820), die Tochter des Musikers Johann Elias Encke, den Friedrich der Große 1763 in die Hofkapelle berufen hatte. 1764 war das zehnjährige Kind Friedrich Wilhelm zum ersten Mal begegnet. Bis zum seinem Tod blieb er Wilhelmina eng verbunden.

Friedrich Wilhelm II. vergnügte sich zwar selbst mit Geliebten – offizielle Mätressen wie etwa in Versailles gab es in Potsdam nicht –, doch als er von einem Seitensprung seiner Ehefrau erfuhr, ließ er sich am 18. April 1769 von ihr scheiden, und man verbannte sie nach Küstrin. Auf Geheiß seines Onkels vermählte sich Friedrich Wilhelm II. am 14. Juli 1769 mit Prinzessin Friederike Luise von Hessen-Darmstadt.

Am 3. August 1770 brachte Friederike Luise den Stammhalter Friedrich Wilhelm III. zur Welt.

Ungefähr zur gleichen Zeit erlitt Wilhelmina Encke eine Fehlgeburt. Innerhalb von zehn Jahren war sie mindestens fünf Mal von Friedrich Wilhelm II. schwanger, doch nur ein einziges Kind lebte längere Zeit: Marianne (1780 – 1814), die Friedrich der Große 1786 zur Gräfin von der Mark erhob. 1777 überließ der König der Geliebten seines Neffen das Haus des Grafen von Schmettau in Charlottenburg. Der Form halber verheiratete man sie 1782 mit dem Kammerdiener Johann Friedrich Ritz (1755 – 1809).

Am 25. August 1769 hatte Friedrich der Große sich von Friedrich Wilhelm II. zu einem Treffen mit Kaiser Joseph II. in Neiße begleiten lassen und am 3. Oktober 1770 zu einer weiteren Unterredung in Mährisch-Ostrau.

Außerdem schickte er ihn 1780 zu Zarin Katharina der Großen nach St. Petersburg. Doch statt seinen Nachfolger systematisch auf die Regierungsgeschäfte vorzubereiten, begann ihn Friedrich der Große zu diffamieren. Für die Zeit nach seinem Tod prophezeite der König: „Es wird ein lustiges Leben bei Hofe sein. Mein Neffe wird den Schatz verschwenden und die Armee ausarten lassen. Die Weiber werden regieren, und der Staat wird zugrunde gehen.“ (Brigitte Meier: Friedrich Wilhelm II. König von Preußen, Seite 87) Um den Thronfolger zu demütigen, wandte Friedrich der Große seine Gunst demonstrativ seinem Großneffen Friedrich Wilhelm III. zu, der den König verehrte und seinen Vater nur widerwillig respektierte.

Friedrich der Große starb am 17. August 1786. Sein einundvierzigjähriger Neffe folgte ihm, wie vorgesehen, auf den Thron.

Friedrich Wilhelm versuchte mit großer Energie, sich in die Regierungsgeschäfte einzuarbeiten. (a.a.O., Seite 150)

König Friedrich Wilhelm II. verlegte die Residenz von Sanssousi zurück ins Berliner Schloss und ließ die Residenzstadt von klassizistischen Baumeistern wie Carl Gotthard Langhans (1732 – 1808) umgestalten und zum Beispiel das Brandenburger Tor errichten. Der König, der ausgezeichnet Cello spielte, förderte nicht nur die Kunst, sondern auch die Theater und die Musik. Im Gegensatz zu seinem agnostischen Vorgänger, der gemeint hatte, jeder müsse nach seiner Fasson selig werden, bekannte sich Friedrich Wilhelm II., der seit 1781 dem Rosenkreuzerorden angehörte, zur reformatorischen Lehre [Reformation]. Allerdings sicherte er auch den anderen Konfessionen die freie Religionsausübung zu. Zu seiner Verwunderung löste das Religionsedikt vom 9. Juli 1788 eine heftige Debatte aus. Die veranlasste den König dazu, die Zensur wieder zu verschärfen (Zensuredikt 19. Dezember 1788).

Während Friedrich Wilhelm II. noch dabei war, sich einen Überblick über den Verwaltungsapparat des preußischen Staates zu verschaffen, sicherten die Minister ihre Positionen ab.

Das renitente Verhalten einiger Beamter, die sich ihrem Amt stärker als ihrem Monarchen verpflichtet fühlten, und das große Interesse einer aufmerksamen und lautstark debattierenden Öffentlichkeit an der fragwürdigen Regierungsweise des Königs veranlasste den alles andere als selbstsicheren Monarchen immer kompromissloser auf sein „Gottesgnadentum“ zu bestehen. Seit 1786 hatte er sich bemüht, gemeinsam mit den aufgeklärten Beamten Reformen zu initiieren, die Lebenslage seines Volkes zu verbessern, die Einnahmen des Staates zu mehren und dem rechten Glauben eine Bahn zu brechen, und musste nun feststellen, dass viele Reformen im Sumpf der Bürokratie versanken, die Staatskassen sich rasant leerten und der verordnete rechte Glaube den Unmut der aufgeklärten Pfarrer und Bürger hervorrief. (a.a.O., Seite 190f)

Aufgewachsen im Selbstverständnis des preußischen Königshauses und erzogen im Zeitgeist der Aufklärung verfügte Friedrich Wilhelm II. zwar über eine umfassende Allgemeinbildung und eine fundierte künstlerische Ausbildung, aber mit seinen kameralistischen und ökonomischen Kenntnissen konnte er den Anforderungen seiner Zeit nicht gerecht werden. (a.a.O., Seite 199)

Seit ihrer siebten Niederkunft im Jahr 1781 verweigerte sich Friederike Luise ihrem Gemahl im Bett. Friedrich Wilhelm tröstete sich darüber nicht nur mit Wilhelmine Ritz, sondern auch mit anderen Frauen hinweg, etwa mit der Bankierstochter Sophie von Bethmann-Metzlar, der Müllerstochter Wilhelmine Horster und der Tänzerin Sophie Schulzki. Am 26. Mai 1787 schloss er darüber hinaus eine morganatische Ehe mit Elisabeth Amalie („Julie“) von Voß (1766 – 1789), die er im November zur Gräfin von Ingenheim erhob. Sie starb am 25. März 1789, knapp drei Monate nach der Geburt eines Sohnes. Eine zweite morganatische Ehe ging König Friedrich Wilhelm II. am 11. April 1790 mit Sophie Juliane Friedericke Gräfin von Dönhoff (1768 – 1838) ein. Auch sie gebar ihm zwei Kinder.

Kinder von Friedrich Wilhelm II.:

  • Friederike (1767 – 1820; Mutter: Elisabeth von Braunschweig-Wolfenbüttel)
  • Friedrich Wilhelm III. (1770 – 1840; Mutter: Friederike Luise von Hessen-Darmstadt)
  • Wilhelmine (1772 – 1773; Mutter: Friederike Luise von Hessen-Darmstadt)
  • Ludwig (1773 – 1796; Mutter: Friederike Luise von Hessen-Darmstadt)
  • Wilhelmine (1774 – 1837; Mutter: Friederike Luise von Hessen-Darmstadt)
  • namenlos (1777; Mutter: Friederike Luise von Hessen-Darmstadt)
  • Auguste (1780 – 1841; Mutter: Friederike Luise von Hessen-Darmstadt)
  • Heinrich (1781 – 1846; Mutter: Friederike Luise von Hessen-Darmstadt)
  • Gustav Adolf (1789 – 1850; Mutter: Julie von Voß, Gräfin von Ingenheim)
  • Friedrich Wilhelm (1792 – 1850; Mutter: Sophie Gräfin von Dönhoff)
  • Julie (1793 – 1848; Mutter: Sophie Gräfin von Dönhoff)
  • illegitime Kinder mit Wilhelmine Encke-Ritz u. a.

 

Nachdem die Flucht der französischen Königsfamilie vor den Revolutionären im Juni 1791 gescheitert war [Französische Revolution], trafen sich Kaiser Leopold II., König Friedrich Wilhelm II. von Preußen und der sächsische Kurfürst Friedrich August I. vom 25. bis 27. August 1791 im Pillnitzer Schloss bei Dresden und erklärten von Monarch zu Monarch ihre Verbundenheit mit König Ludwig XVI. (Pillnitzer Erklärung). Am 30. Juli 1792 beteiligte sich Friedrich Wilhelm II. an einem Feldzug gegen das revolutionäre Frankreich. Als Augenzeuge der Kanonade von Valmy am 20. September meinte Johann Wolfgang von Goethe: „Von hier und heute geht ein neues Zeitalter aus.“

Seinen ältesten Söhnen Friedrich Wilhelm und Ludwig überließ es der König, sich zwischen Luise und Friederike von Mecklenburg-Strelitz zu entscheiden. Am 21. Dezember 1793 trafen die beiden Bräute in Berlin ein. Friedrich Wilhelm III. vermählte sich am 24. Dezember mit Luise, sein Bruder Ludwig zwei Tage später mit Friederike.

Der Krieg gegen Frankreich wurde für den preußischen König zum Nebenschauplatz, als Russland und Österreich eine zweite Teilung Polens vorbereiteten. Dabei wollte Friedrich Wilhelm II. nicht leer ausgehen. Im Vertrag mit Russland vom 23. Januar 1793 sicherte er sich Danzig, Thorn und Südpreußen. Durch den Aufstand von Tadeusz Kosciuszko (1746 – 1817) in Krakau wurde Friedrich Wilhelms Aufmerksamkeit 1794 erneut nach Polen gelenkt. Russland schlug den Aufstand schließlich nieder und einigte sich mit Preußen und Österreich am 3. Januar 1795 auf einen dritten Teilungsvertrag, bei dem Friedrich Wilhelm II. Masowien, Warschau und Neuostpreußen bekam. Da seit 1791 auch Ansbach und Bayreuth zum preußischen Herrschaftsgebiet gehörten, hatte sich das Staatsgebiet in Friedrich Wilhelms Regierungszeit um mehr als ein Drittel vergrößert, und die Bevölkerungszahl war von 5,4 auf 8,7 Millionen angewachsen.

Die Tragik Friedrich Wilhelms II. besteht eigentlich darin, dass er, als er all seine Kräfte und seine Energie benötigte, um den stark vergrößerten preußischen Staat nunmehr effizienter zu konsolidieren, eben wirklich krank war und keine Kraftreserven mehr hatte. (a.a.O., Seite 250)

Als sich Friedrich Wilhelms Gesundheitszustand verschlechterte, brach Wilhelmine, die am 13. Mai 1795 nach Italien gereist und vom König am 28. April 1796 zur Gräfin von Lichtenau erhoben worden war, ihren Italienaufenthalt ab und eilte nach Berlin zurück. Am 17. September wurde sie offiziell bei Hof eingeführt.

Nun wurde [dem] König unterstellt, mit seiner Verschwendungssucht, seinen protzigen Bauten, seinen Mätressen und seiner Freigebigkeit seinen Günstlingen gegenüber das von Friedrich II. so mühsam zusammengebrachte Staatsvermögen sinnlos verschleudert zu haben. (a.a.O., Seite 251f)

Am 16. November 1797 starb König Friedrich Wilhelm II. Die Gräfin von Lichtenau durfte den Toten nicht mehr sehen. Man stellte sie unter Hausarrest. Obwohl bei der Durchsuchung ihrer Räume nichts Kompromittierendes gefunden wurde, ließ Friedrich Wilhelm III. die ihm verhasste Geliebte seines Vaters nach Glogau bringen und den größten Teil ihres Vermögens konfiszieren.

© Dieter Wunderlich 2007

Brigitte Meier: Friedrich Wilhelm II. König von Preußen

Natalia Ginzburg - So ist es gewesen
Natalia Ginzburg erzählt in "So ist es gewesen" die trostlose Geschichte einer gescheiterten Ehe aus der Sicht der Mörderin und in deren schnörkelloser, aus lakonischen Sätzen zusammengesetzten Sprache. Gerade in der Kargheit der Gestaltung liegt die Kunst Natalia Ginzburgs.
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