Suffragette

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Suffragette. Taten statt Worte – Originaltitel: Suffragette – Regie: Sarah Gavron – Drehbuch: Abi Morgan – Kamera: Edu Grau – Schnitt: Barney Pilling – Musik: Alexandre Desplat – Darsteller: Carey Mulligan, Helena Bonham Carter, Meryl Streep, Natalie Press, Anne-Marie Duff, Romola Garai, Ben Whishaw, Brendan Gleeson, Samuel West, Geoff Bell, Adrian Schiller u.a. – 2015; 105 Minuten

Inhaltsangabe

Die Wäscherin Maud Watts kommt 1912 über eine Kollegin mit den Suffragetten in Kontakt. Ihr um seinen Ruf besorgter Ehemann wirft sie hinaus und gibt den kleinen Sohn zur Adoption frei. Der Film endet mit einer wahren Begebenheit: Beim English Derby 1913 in Epsom springt die Suffragette Emily Davison vor das galoppierende Pferd des Königs. Sie stirbt an ihren Verletzungen, hat damit jedoch der Forderung nach dem Frauenwahlrecht öffentliche Aufmerksamkeit gesichert ...
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Kritik

"Suffragette. Taten statt Worte" wirkt trotz der aufwühlenden historischen Tatsachen unerwartet tröge. Abi Morgan und Sarah Gavron gelingt es nicht, die Zuschauer emotional mitzureißen. Sie versuchen aber auch nicht, die Dynamik der Frauenbewegung auszuleuchten.
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Die 24-jährige Wäscherin Maud Watts (Carey Mulligan) lebt 1912 mit ihrem in derselben Wäscherei arbeitenden Ehemann Sonny (Ben Whishaw) und ihrem kleinen Sohn George (Adam Michael Dodd) in einer kleinen Wohnung in London. Als sie vier Jahre alt war, starb ihre Mutter durch einen Unfall in der Wäscherei, in der Maud drei Jahre später ebenfalls zu arbeiten anfing. Wer ihr Vater ist, weiß sie nicht.

Bei einer Zeugenanhörung vor einem vom Innenminister David Lloyd George (Adrian Schiller) geleiteten parlamentarischen Untersuchungsausschuss lässt Maud sich von Alice Haughton (Romola Garai), der Ehefrau eines Abgeordneten, dazu überreden, für ihre bei Demonstrationen verletzte, zu den Suffragetten gehörende Kollegin Violet Miller (Anne-Marie Duff) einzuspringen. Dadurch kommt Maud erstmals mit der Women’s Social and Political Union (WASP) in Berührung. Die Hoffnung der Frauen auf eine Änderung des Wahlrechts zu ihren Gunsten erfüllt sich allerdings nicht. Bei der Verkündung des Ergebnisses der politischen Beratungen protestieren die Suffragetten, und Maud wird mit anderen Frauen zusammen auf der Straße festgenommen.

Nach ihrer Freilassung verspricht sie ihrem um seinen Ruf besorgten Ehemann, sich von den Suffragetten fernzuhalten.

Als jedoch die Suffragetten-Anführerin Emmeline Pankhurst (Meryl Streep) einige Zeit später eine Rede hält, steht Maud unter den Zuhörerinnen. Die Veranstaltung wird von der Polizei aufgelöst. Inspektor Arthur Steed (Brendan Gleeson) lässt Maud nicht verhaften, sondern von zwei Wachtmeistern nach Hause bringen. Das hält er für wirkungsvoller. Tatsächlich wirft Sonny Watts seine Frau hinaus.

Am nächsten Tag wird Maud von Norman Taylor (Geoff Bell), ihrem Vorgesetzten in der Wäscherei, fristlos entlassen. Kurz zuvor ertappte sie ihn mit einer minderjährigen Wäscherin in flagranti. Weil sie Norman Taylor in ihrem Zorn zum Abschied das heiße Bügeleisen auf die Hand drückt, nimmt die Polizei sie ein paar Minuten später erneut fest. Inspektor Steed glaubt, sie für Spitzeldienste in der Suffragetten-Bewegung gewinnen zu können, aber nach einer Bedenkzeit weist sie seinen Vorschlag zurück.

Mehrmals gelingt es Maud, ihren Sohn heimlich auf dem Spielplatz oder anderswo abzupassen. Als sie ihm zum Geburtstag gratulieren möchte, trifft sie Sonny und George mit einem fremden Ehepaar an und erfährt, dass es sich um die Adoptiveltern des Kindes handelt. Verzweifelt beschwört sie den kleinen Jungen, niemals zu vergessen, dass sie seine Mutter sei.

Um mehr öffentliche Aufmerksamkeit für ihr Anliegen – die Einführung des Frauenwahlrechts – zu erzwingen, führen die Suffragetten Sprengstoffanschläge auf Briefkästen durch. Die Apothekerin Edith Ellyn (Helena Bonham Carter) bereitet die Chemikalien dafür vor und erstellt die Einsatzpläne. Ihr Ehemann Hugh Ellyn (Finbar Lynch) unterstützt sie dabei.

Er fährt sie und Maud auch zum leer stehenden Landhaus eines Politikers. Die Suffragetten wollen keine Menschen verletzen oder gar töten, aber bei dem Anschlag kommt beinahe eine Haushälterin ums Leben, die ebenso unerwartet wie unbemerkt zurückkam, weil sie etwas vergessen hatte.

Maud, Edith und andere wegen des letzten Bombenattentats verhaftete Suffragetten führen im Gefängnis einen Hungerstreik durch. Nach ein paar Tagen werden sie zwangsernährt. Um keine Märtyrerinnen zu schaffen, lässt die Regierung die Frauen schließlich frei.

Als Nächstes planen Edith Ellyn, Maud Watts und Emily Davison (Natalie Press), beim English Derby am 4. Juni 1913 in Epsom ein Transparent mit ihrer Forderung in die Kameras zu halten. Hugh Ellyn sperrt seine seit dem Hungerstreik herzkranke Frau in einer Kammer ein, weil er befürchtet, dass sie die Aufregung nicht überleben würde. Maud und Emily gelingt es nicht, bei dem Derby an König Georg V. heranzukommen. Um ihr Vorhaben nicht aufgeben zu müssen, springt Emily Davison kurz entschlossen mit dem Transparent auf die Galopprennbahn, vor das Pferd des Königs. Ross und Reiter stürzen, die Suffragette wird tödlich verletzt. Das verschafft der Bewegung endlich die öffentliche Aufmerksamkeit, die erforderlich ist, um von der Politik ernst genommen zu werden.

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Abi Morgan (Drehbuch) und Sarah Gavron (Regie) setzen den Suffragetten mit ihrem Historienfilm ein Denkmal. Im Mittelpunkt von „Suffragette. Taten statt Worte“ steht nicht die berühmte Frauenrechtlerin Emmeline Pankhurst, sondern die fiktive Wäscherin Maud Watts – eine besser geeignete Identifikationsfigur. Dennoch endet der Film mit einer wahren Begebenheit: Beim English Derby am 4. Juni 1913 in Epsom sprang die 40-jährige Suffragette Emily Wilding Davison auf die Galopprennbahn, brachte das Pferd des Königs zum Sturz und wurde dabei so schwer verletzt, dass sie am 8. Juni im Epsom College Hospital starb. Auf ihrem Grabstein auf dem Friedhof St Mary’s in Morpeth steht: „Deeds, Not Words“ (Taten statt Worte).

Die Darsteller sind hochkarätig, und wir werden mit großem Aufwand in die damalige Zeit versetzt. „Suffragette. Taten statt Worte“ wirkt trotz der aufwühlenden historischen Tatsachen unerwartet tröge. Abi Morgan und Sarah Gavron gelingt es nicht, die Zuschauer emotional mitzureißen. Sie versuchen aber auch nicht, die Dynamik der Frauenbewegung auszuleuchten. Wir erfahren nur sehr wenig darüber.

Der Steidl-Verlag nutzte die Aufmerksamkeit durch den Kinofilm für eine Neuauflage der Autobiografie von Emmeline Pankhurst: „Suffragette. Die Geschichte meines Lebens“. Die Originalausgabe war 1914 unter dem Titel „My Own Story“ erschienen („Ein Leben für die Rechte der Frauen“, Übersetzung: Agnes S. Fabian und Hellmut Roemer, 1996).

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2016

Emmeline Pankhurst (kurze Biografie)

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