Kinder der Nacht

Kinder der Nacht

Kinder der Nacht

Originaltitel: Kinder der Nacht - Regie: Nina Grosse - Drehbuch: Harald Göckeritz, nach einer Idee von Nina Grosse - Kamera: Hans-Jörg Allgeier - Schnitt: Katrin Eplinius - Musik: Joe Mubare - Darsteller: Natalia Wörner, Herbert Knaup, Matthias Paul, Max Herbrechter, Tatja Seibt, Joachim Bliese, Martin Umbach, Sarah Bihler, Markus Balaz u.a. - 1996; 90 Minuten

Inhaltsangabe

Meret ist eine junge Frau, die gerade geheiratet hat, mit ihrem Mann David eine Familie zu gründen beabsichtigt und deren berufliche Karriere vielversprechend ist. Doch als ihr Bruder bei der Hochzeitsfeier nach zehn Jahren wieder auftaucht, wird sie von der Vergangenheit eingeholt: Die inzestuöse Leidenschaft der Geschwister füreinander ist stärker als die Liebe zu David und das Tabu der Gesellschaft.
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Kritik

"Kinder der Nacht" ist ein spannender, durchdachter, von Nina Grosse mit viel Einfühlungsvermögen und glaubwürdigen Darstellern inszenierter Fernsehfilm.
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Die junge Psychologin Meret (Natalia Wörner) betreut in einer Klinik die Patienten vor den von Professor Welsch (Martin Umbach) durchgeführten Herztransplantationen. Welsch wird in Kürze einem Ruf nach London folgen und hätte Meret auch dort gern in seinem Team.

Meret bittet sich eine Bedenkzeit aus und heiratet erst einmal ihren zehn Jahre älteren Freund David (Herbert Knaup), einen Restaurator. Bei der Hochzeitsfeier auf dem herrschaftlichen Anwesen der Brauteltern am See taucht unerwartet ihr jüngerer Bruder Boris (Matthias Paul) auf, den sie seit zehn Jahren nicht gesehen hat. Der Pop-Musiker kommt aus den USA und will ein paar Tage bleiben, um über Plattenverträge zu verhandeln. David wundert sich, denn Meret hat ihm nie etwas von einem Bruder erzählt. Seltsam ist auch, dass Boris seinen Eltern Lisa (Tatja Seibt) und Alexander (Joachim Bliese) zur Begrüßung nicht einmal die Hand gibt, geschweige denn sie umarmt. Dann erzählt Boris auch noch vor allen Leuten, als Kinder hätten er und Meret geplant, die Eltern zu ermorden. Sie wollten ihnen ein Schlafmittel in den Campari mischen, sie dann mit dem Kahn auf den See hinausrudern und ertränken.

Als Meret am Tag nach der Hochzeit in ihrer bereits ausgeräumten Wohnung die letzten Sachen in Umzugkartons verpackt, taucht Boris auf und fragt sie, ob er hier übernachten könne. Plötzlich reißen Bruder und Schwester sich gegenseitig die Kleider vom Leib und fallen übereinander her.

Erschrocken über den Vorfall, drängt Meret ihren Mann, für ein paar Tage mit ihr nach Genua zu verreisen, obwohl sie eigentlich in der Klinik einen neuen Herzpatienten (Max Herbrechter) präoperativ betreuen müsste: Sie will Boris aus dem Weg gehen und hofft, dass er nicht mehr da ist, wenn sie wieder zurück sind. Den Anhänger, den Boris ihr zur Hochzeit schenkte, nimmt sie ab, und als David danach fragt, behauptet sie, das Schmuckstück verloren zu haben.

Unter dem Vorwand, noch in der Klinik zu tun zu haben, geht Meret am Abend nach der Rückkehr noch einmal aus dem Haus. In ihrer früheren Wohnung stellt sie fest, dass Boris‘ Sachen noch da sind. Sie findet ihn in einer Disko. Angeblich will sie ihm nur klarmachen, dass er die Wohnung räumen müsse, aber dann tanzt sie mit ihm, und sie fahren mit dem Auto zum See, baden und legen sich nackt nebeneinander auf den Bootssteg, der zum Anwesen ihrer Eltern gehört – so, wie sie es als Kinder gemacht hatten.

Heimlich treffen sie sich auch weiterhin. Sie erinnern sich, wie sie sich gemeinsam die Pulsadern aufschnitten, sich dann aber doch besannen und die Wunden verbanden.

Einige Zeit später stellt Meret fest, dass sie schwanger ist, aber sie weiß nicht, ob Boris oder David der Vater des ungeborenen Kindes ist. David freut sich riesig, und zur Feier der Neuigkeit gehen sie mit Freunden zusammen aus. Dabei treffen sie zufällig auf Boris, der in einem Lokal Klavier spielt. Auf diese Weise erfährt auch er von der Schwangerschaft seiner Schwester.

Am nächsten Tag wartet Boris im Treppenhaus auf sie und will wissen, ob das Kind von ihm ist. Es kommt zu einer lautstarken Szene. Durch den Lärm wird David in der Wohnung aufmerksam, aber er sieht nur noch, wie seine Frau mit ihrem Bruder zum Auto geht und wegfährt. Misstrauisch öffnet er eine Schachtel, in der Meret Erinnerungsstücke aufbewahrt – und findet darin den angeblich verlorenen Anhänger. Als Meret später zurückkommt, stellt er sie zur Rede, aber sie tut so, als habe sie das Hochzeitsgeschenk im Hotelzimmer in Genua wiedergefunden.

Der von Meret betreute Patient stirbt nach der Herztransplantation. Das geht ihr sehr nah.

Wenn Sie noch nicht erfahren möchten, wie es weitergeht,
überspringen Sie bitte vorerst den Rest der Inhaltsangabe.

David belauscht ein Telefongespräch, bei dem Meret sich mit jemandem in ihrer alten Wohnung verabredet. Zur vereinbarten Zeit fährt er ebenfalls hin und sieht von der Straße aus Meret am Fenster. Offenbar redet sie mit jemandem. Boris!? Er rennt die Treppe hinauf, aber bevor er die Etage erreicht, fährt Meret mit einem Interessenten, der die Wohnung besichtigte, im Aufzug hinunter. Vergeblich hämmert David an die Tür. Er sucht seine Schwiegereltern auf und erfährt von Alexander, dass Meret und Boris nach der Pubertät drei Jahre lang miteinander schliefen, bevor die Eltern etwas merkten. Daraufhin wurde Boris auf ein Internat in England geschickt. Meret blieb bei den Eltern und litt lange unter der Trennung. Entsetzt stürzt David aus dem Haus.

Zu Hause schlägt er Meret ins Gesicht und will wissen, von wem das Kind ist.

Meret, die sich zunächst auf das Kind gefreut hatte, lässt nun eine Abtreibung vornehmen.

Sie ist nachts bei ihrem Bruder, als David auftaucht und sie anfleht, mit ihm nach Hause zu kommen. Unvermittelt greift er Boris an, aber der jüngere Mann weicht ihm behände aus. Als David nach einem herumliegenden Messer greift, packt Meret einen schweren Aschenbecher und schlägt ihn damit von hinten nieder. David ist sofort tot. Das Geschwisterpaar fährt den Toten im Schutz der Dunkelheit mit dem Wagen zum Seegrundstück der Eltern, rudert ihn auf den See hinaus und kippt ihn ins Wasser. Dann ziehen Boris und Meret sich aus, werfen die Kleidungsstücke fort und schwimmen zum Ufer.

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Meret ist eine junge Frau, die gerade geheiratet hat, mit ihrem Mann David eine Familie zu gründen beabsichtigt und deren berufliche Karriere vielversprechend ist. Doch als ihr Bruder bei der Hochzeitsfeier nach zehn Jahren wieder auftaucht, wird sie von der Vergangenheit eingeholt: Die inzestuöse Leidenschaft der Geschwister füreinander ist stärker als die Liebe zu David und das Tabu der Gesellschaft. „Manchmal denke ich, ich müßte zwei Leben haben“, klagt Meret.

„Kinder der Nacht“ ist ein spannender, durchdachter, von Nina Grosse mit viel Einfühlungsvermögen und glaubwürdigen Darstellern inszenierter Fernsehfilm.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2005

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