Eye in the Sky

Eye in the Sky

Eye in the Sky

Eye in the Sky – Originaltitel: Eye in the Sky – Regie: Gavin Hood – Drehbuch: Guy Hibbert – Kamera: Haris Zambarloukos – Schnitt: Megan Gill – Musik: Paul Hepker, Mark Kilian – Darsteller: Helen Mirren, Aaron Paul, Alan Rickman, Barkhad Abdi, Jeremy Northam, Iain Glen, Phoebe Fox, Armaan Haggio, Aisha Takow, Richard McCabe, Carl Beukes, Kim Engelbrecht, Gavin Hood u.a. – 2015; 100 Minuten

Inhaltsangabe

Eine Gruppe von Terroristen soll in Nairobi festgenommen werden. Colonel Katherine Powell in London leitet die von kenianischen Militärs durchgeführte Operation. Eine von Nevada aus ge­steuer­te Drohne liefert Bilder, und auf Hawaii stehen Experten bereit, um die ob­ser­vier­ten Personen zu identifizieren. Als sich herausstellt, dass die Islamisten Selbstmordanschläge vor­be­reiten, halten die Militärs einen sofortigen Drohnenangriff für erforderlich ...
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Kritik

In dem ebenso ernsten wie span­nen­den Thriller-Drama "Eye in the Sky" beleuchtet Gavin Hood das brisante Thema Drohnen-Angriffe, und zwar am Beispiel eines Dilemmas, bei dem zwischen einer schrecklichen und einer noch schrecklicheren Ent­schei­dung gewählt werden muss.
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Nachdem ein Informant britischer und kanadischer Geheimdienste von der al-Shabaab in Kenia ermordet wurde, erhält Colonel Katherine Powell (Helen Mirren) den Auftrag, eine zu der Terrormiliz gehörende Gruppe in Nairobi fest­nehmen zu lassen. Während sie die Operation mit ihren Experten im Permanent Joint Headquarter im Londoner Stadtteil Northwood befehligt, überwachen der General Frank Benson (Alan Rickman), der Verteidigungsminister Brian Woodale (Jeremy Northam), der Generalstaatsanwalt George Matherson (Richard McCabe) und die Staatssekretärin Angela Northman (Monica Dolan) die Operation in einem Cabinet Office Briefing Room in London (COBRA-Meeting). Die Drohne, mit der das Haus beobachtet wird, in dem sich die Terroristen aufhalten, wird von der Creech Air Force Base nordwestlich von Las Vegas gesteuert, und auf der Joint Base Pearl Harbor-Hickam auf Hawaii stehen Spezialisten der US-Streitkräfte bereit, um die Zielpersonen mit elektronischen Programmen zu identifizieren. Den Zugriff sollen kenianische Einsatzkräfte durchführen, die sich unter dem Kommando von Sergeant Mushtaq Saddiq (Babou Ceesay) in einer Lagerhalle nahe des überwachten Hauses der Terroristen darauf vorbereiten. Außerdem sitzt der Agent Jama Farah (Barkhad Abdi) in einem Lieferwagen vor dem Haus und steuert einen Ornithopter, eine Aufklärungs-Drohne, die von weitem wie ein Singvogel aussieht.

Zwei Männer und eine vollverschleierte Frau verlassen das observierte Haus und fahren mit einem Auto weg. Jama Farah folgt dem Pkw zunächst mit dem Lieferwagen, aber als die Terroristen ein von der al-Shabaab kontrolliertes Stadtgebiet erreichen, wird das zu gefährlich. Die US-Drohne, eine MQ-9 Reaper, zeigt, wie die Terroristen aussteigen und wieder ein Haus betreten. Trotz des Risikos nähert Jama Farah sich zu Fuß dem Areal. Er tarnt sich als Straßenverkäufer von Plastikeimern und schickt eine als fliegender Käfer getarnte Mini-Drohne ins Gebäude.

Die Aufnahmen aus dem Inneren ermöglichen es den Experten in Hawaii, die verschleierte Frau als Susan Helen Danford alias Ayesha Al-Hady (Lex King) zu identifizieren. Bei der zum Islam konvertierten Britin handelt es sich um eine der meistgesuchten Terroristinnen der Welt. Auf einem Tisch liegen zwei Sprengstoff­westen bereit, und ein als Osman Abade (Ma Mohamed) identifizierter Mann fängt gerade an, eine Videobotschaft von sich aufzunehmen. Augenscheinlich ist er einer der beiden Terroristen, die sich auf Selbstmordanschläge vorbereiten. In dem von der al-Shabaab kontrollierten Stadtteil ist eine Festnahme der Terroristen unmöglich. Um die unmittelbar bevorstehenden Selbstmordattentate zu verhindern, bleibt nur ein Luftschlag.

Weil Colonel Katherine Powell bisher nur den Befehl für eine Festnahme der Terroristen hat, wendet sie sich an Frank Benson. Der General teilt ihre Ein­schätzung, dass unverzüglich eine der beiden Luft-Boden-Raketen der US-Drohne auf das Haus der Terroristen in Nairobi abgefeuert werden müsse. Aber Angela Northman protestiert wegen der unvermeidbaren Opfer unter Unbeteiligten, die sich zufällig in der Nähe des Hauses aufhalten, und der Verteidigungsminister Brian Woodale will keine Entscheidung ohne den Außenminister James Willett (Iain Glen) treffen. Der befindet sich auf einer Dienstreise in Singapur und leidet unter Durchfall. James Willett befürchtet negative Schlagzeilen nach einem Drohnen­angriff in Kenia und will erst einmal das Einverständnis seines US-Kollegen Ken Stanitzke (Michael O’Keefe). Der spielt zu diesem Zeitpunkt in Peking mit Chinesen Ping-Pong, fühlt sich gestört und hält die Frage für überflüssig, sobald er erfahren hat, dass sich unter den Terroristen eine der meistgesuchten Frauen der Welt befindet und es darum geht, zwei Selbstmordanschläge zu verhindern: Selbst­verständlich sei er mit dem Abschuss einer AGM-114 Hellfire einverstanden, lässt er ausrichten.

Endlich kann Katherine Powell den Angriffsbefehl erteilen. Die Durchführung obliegt Leutnant Steve Watts (Aaron Paul) und seiner Kameradin Carrie Gershon (Phoebe Fox) auf der Creech Air Force Base in Nevada. In dem Augenblick, in dem Steve Watts den Auslöser drücken will, taucht auf dem Bildschirm ein kleines Mädchen in unmittelbarer Nähe des Hauses auf.

Als Zuschauer wissen wir, dass es sich um Alia (Aisha Takow) handelt, die Tochter von Musa Mo’Allim (Armaan Haggio) und seiner Frau Fatima (Faisa Hassan). Sie wohnen im Nachbarhaus. Musa Mo’Allim repariert Fahrräder und unterrichtet seine Tochter beispielsweise in Mathematik, obwohl er das in diesem von Islamisten kontrollierten Bezirk verheimlichen muss. Fatima Mo’Allim hat Fladen gebacken, die Alia nun auf der Straße verkaufen soll.

Weil die Explosion der Luft-Boden-Rakete das Mädchen wahrscheinlich töten würde, weigert Steve Watts sich, sie abzuschießen, solange sich das Kind vor Ort befindet.

Jama Farah geht los und kauft das ganze Brot, damit das Mädchen nach Hause geht. Aber das fällt den schwer bewaffneten Wachen auf. Jama Farah flieht und versteckt sich unter einem Auto. Alia sammelt die am Boden verstreuten Fladen auf und bietet sie erneut an.

Colonel Katherine Powell und General Frank Benson weisen die Politiker und den Generalstaatsanwalt darauf hin, dass die Zahl der Opfer durch die unmittelbar bevorstehenden Selbstmordanschläge weitaus größer sein würde. Angela Northman meint dagegen, die Wirkung von Medienberichten über ein bei einem Drohnenangriff getötetes Mädchen wäre verheerend. Da ziehe sie Meldungen über Terroranschläge in Kenia vor.

In der neuen Situation will sich Verteidigungsminister Brian Woodale beim Premierminister rückversichern. Der wird in Straßburg erreicht, trifft jedoch keine klare Entscheidung, sondern lässt mitteilen, dass er im Fall des geplanten Drohnenangriffs eine Minimierung des Kollateralschadens verlange.

Der Akku der Käfer-Drohne ist leer. Die letzten Bilder zeigen, wie Osman Abade eine der Sprengstoffwesten angelegt wird.


Wenn Sie noch nicht erfahren möchten, wie es weitergeht,
überspringen Sie bitte vorerst den Rest der Inhaltsangabe.


Um die Anschläge doch noch verhindern zu können, lässt Katherine Powell die wahrscheinlichen Kollateralschäden für suboptimale Einschlagpunkte an dem Haus berechnen, bis der Experte das Risiko einer tödlichen Verletzung des Mädchens auf 45 Prozent schätzt. Daraufhin erhält Steve Watts erneut den Befehl zum Angriff, und er drückt den roten Knopf. Bis zum Einschlag bleiben 50 Sekunden.

Da rennt ein kleiner Junge (Abdilatief Takow) ins Bild. Jama Farah hat ihn losgeschickt, mit dem Auftrag, dem Mädchen alle Fladen abzukaufen. Gerade noch rechtzeitig verlässt der kleine Afrikaner die Gefahrenzone.

Die Zerstörung ist gewaltig, weil die Sprengstoffwesten durch den Einschlag der Luft-Boden-Rakete ebenfalls explodieren. Alia liegt schwer verletzt auf der Straße, aber sie bewegt sich noch. Die Experten in Hawaii identifizieren die Leichen in den Trümmern des Hauses auf Nahaufnahmen der Reaper. Als Katherine Powell sieht, dass Susan Helen Danford noch lebt, befiehlt sie den Abschuss der zweiten Hellfire.

Während diese im Anflug ist, rennt Musa Mo’Allim zu seiner Tochter auf die Straße.

Die Druckwelle der Detonation wirft ihn um, aber er kommt mit leichten Verletzungen davon. Er hält einen Jeep an und bringt Alia ins Krankenhaus. Aber die Ärzte können nichts mehr für sie tun.

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In dem Thriller-Drama „Eye in the Sky“ beschäftigt sich der südafrikanische Regisseur Gavin Hood mit dem brisanten Thema Drohnen-Angriffe. Es ist unheimlich, wie beim Einsatz einer von Nevada aus gesteuerten Drohne über Kenia Einrichtungen auf verschiedenen Kontinenten zusammenarbeiten. „Eye in the Sky“ veranschaulicht die Frage, ob der Tod eines Kindes bewusst in Kauf genommen werden darf, wenn ein Selbstmordattentäter, der wahrscheinlich zahlreiche Menschen mit in den Tod reißen würde, nur durch einen Drohnen-Angriff zu stoppen ist. Während Militärs jedes Zögern für falsch halten, versuchen die britischen Politiker sich abzusichern. Eine Staatssekretärin äußert sogar die Meinung, Medienberichte über Terroranschläge in Kenia seien besser als Bilder von einem durch eine US-Rakete getöteten Kind. Abgesehen von den Spitzen gegen bedenkenlose amerikanische Minister und feige britische Politiker bleibt Gavin Hood in „Eye in the Sky“ dicht an der Realität. Wir sehen, wie innerhalb von Minuten schwerwiegende Entscheidungen getroffen werden müssen, und wir begreifen, dass es in dem Dilemma weder richtig noch falsch gibt, sondern nur die Wahl zwischen einem schrecklichen und einem noch schrecklicheren Szenario.

Obwohl sich die Handlung großenteils in geschlossenen Räumen abspielt und dabei lediglich diskutierende, um Entscheidungen ringende Personen zu sehen sind, ist „Eye in the Sky“ nicht nur ein ernster und eindrucksvoller, sondern auch ein außergewöhnlich spannender Thriller mit einer dichten Atmosphäre. Das ist nicht zuletzt den überzeugenden Schauspielerin zu verdanken, beispielsweise Helen Mirren, Aaron Paul und Carrie Gershon.

Vorbild für die Filmfigur Susan Helen Danford ist Samantha Louise Lewthwaite. Sie wurde am 5. Dezember 1983 in der nordirischen Stadt Banbridge als Tochter englischer Eltern geboren. Ihr Vater Andrew Lewthwaite diente bei der Britischen Armee und arbeitete dann als Lastwagenfahrer in Nordirland, bevor die Familie nach Aylesbury in der englischen Grafschaft Buckinghamshire zog. 1994 trennten die Eltern sich. Im Alter von 17 Jahren konvertierte Samantha Lewthwaite zum Islam und nannte sich von da an Sherafiyah. Im Oktober 2002 heiratete sie in Aylesbury den aus Jamaika stammenden Teppichleger Germaine Maurice Lindsay (1985 – 2005), der sich als Moslem Asmantara oder Abdullah Shaheed Jamal nannte. Am 7. Juli 2005 starb Germaine Lindsay als Selbstmordattentäter bei dem Terroranschlag in der Londoner Tube. 26 Menschen riss er mit in den Tod. Er hinterließ seine im achten Monat schwangere Ehefrau und ein 14 Monate altes Kind. Samantha Lewthwaite beteuerte zwar, nichts von dem geplanten Terroranschlag gewusst zu haben, aber dabei dürfte es sich um eine Schutzbehauptung gehandelt haben. 2009 gebar sie ein drittes, und im Jahr darauf in Johannesburg ein viertes Kind. Vermutlich reiste sie 2011 dreimal mit einem südafrikanischen Pass auf den Namen Natalie Webb von Tansania nach Kenia ein und schloss sich den somalischen al-Shabaab-Milizen an. Die Islamistin wird verdächtigt, an dem Anschlag am 24. Juni 2012 während der Fernseh­über­tragung eines Fußballspiels auf die Jericho-Bar in Mombasa beteiligt gewesen zu sein, bei der drei Menschen ums Leben kamen und 25 weitere verletzt wurden. Mit dem Überfall der al-Shabaab auf das Westgate-Einkaufszentrum in Nairobi am 21. September 2013 könnte sie ebenso zu tun gehabt haben wie mit dem Terror­anschlag am 2. April 2015 auf das staatliche University College in der nord­kenianischen Stadt Garissa mit 152 Toten. Sie wurde damals für die Vertraute des al-Shabaab-Anführers Ahmad Umar gehalten. Samantha Lewthwaite gilt als eine der meistgesuchten Frauen der Welt. Gerüchten zufolge könnte sie bereits tot sein.

Ursprünglich war „Eye in the Sky“ als Fernsehfilm geplant, und man dachte an Oliver Hirschbiegel als Regisseur. Schließlich drehte Gavin Hood (* 1963) in seiner Heimat Südafrika von September bis November 2014 einen Kinofilm. Weil sich die Sets an verschiedenen Orten des Landes befanden, trafen Helen Mirren, Alan Rickman, Aaron Paul und Barkhad Abdi kein einziges Mal zusammen.

Der Regisseur Gavin Hood ist in „Eye in the Sky“ als Colonel Ed Walsh zu sehen, also als Vorgesetzter von Steve Watts und Carrie Gershon.

Alan Rickman starb am 14. Januar 2016, einige Wochen vor seinem 70. Geburtstag, an den Folgen eines Pankreastumors.

Aus unbekannten Gründen schaffte es der hervorragende Film nicht in die deutschen Kinos. Seit 16. September 2016 gibt es die deutschsprachige Version von „Eye in the Sky“ auf DVD.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2016

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