Las Vegas


Die Glitzerstadt Las Vegas liegt mitten in der Wüste von Nevada am Ort einer früheren Oase. Ausgerechnet die puritanischen Mormonen gründeten dort 1854 eine Siedlung, die sie jedoch nach ein paar Jahren wieder verließen.

An derselben Stelle legte der Goldsucher Octavius D. Gass 1865 eine Ranch an, die er 1882 an das Ehepaar Archibald und Helen Stewart verpfändete. Archibald Stewart wurde zwei Jahre später von einem Farmarbeiter erschossen, aber seine Witwe führte die Rinderfarm zunächst weiter. Erst 1903 verkaufte sie den größten Teil ihres Landes an eine Eisenbahngesellschaft („Salt Lake Los Angeles Railroad“), die das Gelände längs der neuen Bahnlinie von Salt Lake City nach Los Angeles parzellierte und die 1200 so entstandenen Grundstücke am 15. Mai 1905 für 265 000 Dollar ? das Fünffache des Kaufpreises ? an eigens angereiste Interessenten versteigerte. Dieses Ereignis gilt als Gründung der Stadt Las Vegas.

Das erste Hotel, das „Golden Gate Hotel“, wurde 1906 in Las Vegas eröffnet. 1910 verbot die der Staat Nevada das Glücksspiel und neun Jahre später auch den Alkoholausschank (Prohibition).

Als 1931 durch den Bau des Hoover Staudamms fünftausend Arbeiter nach Las Vegas kamen, wurde das Glückspiel wieder zugelassen. (Zwei Jahre später endete auch die Prohibition.) Zur Eröffnung des Hoover Dam durch US-Präsident Franklin Roosevelt kamen 1935 zwanzigtausend Besucher nach Las Vegas. Das 242 Meter hohe Bauwerk staut den Lake Mead auf und liefert den elektrischen Strom für Las Vegas.

1946 eröffnete der aus New York stammende Mafioso Benjamin („Bugsy“) Siegel das „Flamingo“, den Vorläufer aller mit Spielkasinos kombinierten Hotelanlagen in Las Vegas. Weil das wahnwitzige Projekt anfangs nur Verluste einbrachte, erschossen ihn seine Komplizen im Juni 1947 vor seiner Wohnung in Beverly Hills. Die Mafia beerbte Bugsy Siegel und strich die bald vom „Flamingo“ erwirtschafteten Gewinne ein.

Als die Amerikaner zu Beginn der Fünfzigerjahre in der Wüste von Nevada ? gerade einmal hundert Kilometer von Las Vegas entfernt ? Atomtests durchführten, machten die Hoteliers daraus eine weitere Attraktion und stellten Liegestühle auf die Dachterrassen, damit die Gäste die Blitze und Staubwolken der Explosionen bestaunen konnten.

1966 zog der schrullige Milliardär Howard Hughes nach Las Vegas, mietete eine Suite im „Desert Inn“ und begann, Hotels und Kasinos aufzukaufen, und zwar vorwiegend von Strohmännern der Mafia, deren Bosse es an der Zeit fanden, aus ihrem Immobilienbesitz in Las Vegas auszusteigen. Auf Howard Hughes folgte der Investor Jay Sarno, der 1968 das Unterhaltungskasino „Circus, Circus“ gründete. Inzwischen rivalisieren Kirk Kerkorian und Steve Wynn um die Vorherrschaft in Las Vegas.

Für Touristen ist Las Vegas nicht nur als Spielerparadies und wegen der dort in den wedding chapels möglichen Blitzhochzeiten ein attraktives Reiseziel, sondern auch als Ausgangspunkt für Ausflüge zum Grand Canyon, ins Death Valley, zum Red Rock Canyon oder zum Lake Mead bzw. Hoover Staudamm.

Hundert Jahre nach der Gründung ist Las Vegas erfolgreicher denn je. 37 Millionen Touristen kamen 2004 nach Las Vegas. Neun der zehn größten Hotels der Welt stehen in Las Vegas („SZ Magazin“, 16. April 2005); mit über 5000 Zimmern ist das „MGM Grand“ das größte davon. Die mehr als 100 000 Hotelbetten sollen normalerweise zu 90 Prozent belegt sein ?

eine Traumquote, von der die meisten anderen Hotels in der Welt nur träumen. An einem durchschnittlichen Tag landen und starten 800 Flugzeuge auf dem Airport McCarran, der damit zu den zehn größten der Welt gehört. Die Zahl der Bewohner von Las Vegas stieg von 850 000 im Jahr 1990 auf 1,5 Millionen zur Jahrtausendwende; zum Zeitpunkt der Hundertjahrfeier wird sie die 2-Millionen-Grenze überschreiten, und für 2020 rechnet die Stadtverwaltung mit 3 Millionen Einwohnern.

Gewerkschaften sorgten in den Neunzigerjahren dafür, dass die Arbeiter und Angestellten der Hotels und Kasinos gut verdienen und sich Eigenheime leisten können. Las Vegas ist auch längst keine schmuddelige „Sin City“ mehr: Beispielsweise gilt das 156 Meter hohe Hotel „Wynn Las Vegas“ mit 2700 Gästezimmern, das Steve Wynn am 28. April 2005 eröffnete, mit 2,5 Milliarden Dollar Baukosten als das teuerste Hotelgebäude der Welt, und seine Attraktion ist weder ein regelmäßiger Vulkanausbruch im Garten wie im „The Mirage“, eine Piratenschlacht wie vor dem Hotel „Treasure Island“ oder eine Fontänen-Show wie vor dem „Bellagio“, sondern eine Kunstsammlung, deren Wert auf 300 Millionen Dollar geschätzt wird.

2004 wurde das „Las Vegas Monorail“ in Betrieb genommen, ein öffentliches Verkehrsmittel, das die Hotels und Spielkasinos entlang des „Strip“ miteinander verbindet.

Zur Hundertjahrfeier (centennial) am 15. Mai 2005 gehörte eine 15 mal 31 Meter große und 59 Tonnen schwere Torte im Cashman-Center von Las Vegas.

Berühmte Hotelkasinos in Las Vegas: Flamingo (1946), Sahara (1952), Tropicana (1957), Stardust (1958), Caesars Palace (1966), Circus, Circus (1968), The Mirage (1989), Excalibur (1990), The Luxor (1993), Treasure Island (1993), MGM Grand (1994), Monte Carlo (1996), Stratosphere Las Vegas (1996), New York New York (1997), Bellagio (1998), Aladdin Las Vegas (1966 / 2000), Wynn Las Vegas (2005).

Literatur über Las Vegas

  • Sally Denton und Roger Morris: Las Vegas. Geld. Macht. Politik (Übersetzung: Petra Post und Andrea von Struve, Zweitausendeins, Frankfurt/M 2005, 580 Seiten, 26.90 ?)

© Dieter Wunderlich 2005

Bugsy Siegel (Kurzbiografie)
Wayne Kramer: The Cooler. Alles auf Liebe
Barry Levinson: Bugsy
Martin Scorsese: Casino
Steven Soderbergh: Ocean’s Eleven
Steven Soderbergh: Ocean’s Thirteen
Mike Figgis: Leaving Las Vegas
Adrian Lyne: Ein unmoralisches Angebot

Lizzie Doron - Das Schweigen meiner Mutter
Der kunstvoll aufgebaute Roman "Das Schweigen meiner Mutter" ver­an­schau­licht, wie das Leid der Shoah-Überlebenden die Generation ihrer Kinder prägte. Lizzie Doron erzählt leise, ohne Pathos und Effekt­hascherei.
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