Das Hausmädchen

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Das Hausmädchen – Originaltitel: Hanyo – Regie: Im Sang-soo– Drehbuch: Im Sang-soo, Kim Ki-young – Kamera: Lee Hyung Deok – Schnitt: Lee Eun-soo – Musik: Kim Hong Jip – Darsteller: Jeon Do-youn, Lee Jung-jae, Seo Woo, Ahn Seo-hyun, Youn Yuh-jung, Park Ji-young u.a. – 2010; 105 Minuten

Inhaltsangabe

Die in einer mondänen Villa außerhalb von Seoul lebende Familie Goh stellt zusätzlich zur langjährigen Haushälterin ein Hausmädchen ein. Eun-yi ist jung und unerfahren; demütig und beflissen fügt sie sich den Launen der Herrschaft. Als der Hausherr Goh Hoon von seiner Zwillinge erwartenden Ehefrau nicht mehr befriedigt wird, beginnt er mit Eun-yi eine Affäre. Sie wird schwanger. Dass Eun-yi das Kind austrägt, will Hoons Schwiegermutter mit allen Mitteln verhindern ...
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Kritik

"Das Hausmädchen" – ein Remake des Klassikers "Hanyo" von Kim Ki-young – ist eine Mischung aus Sozialsatire, feministischem Drama und Erotikthriller. Im Sang-soo erzählt langsam und unaufgeregt.
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Prolog: Wir befinden uns abends an einer sehr belebten Straßenecke in Seoul. Immer wieder blicken wir zu einer jungen Frau (Park Ju-sun) hinauf, die über ein Balkongeländer geklettert ist und sich offenbar in die Tiefe stürzen will. Schließlich lässt sie sich fallen. Passanten schreien auf. Kurz darauf treffen Rettungskräfte ein. Eun-yi (Jeon Do-youn), die in einer Garküche ganz in der Nähe beschäftigt ist, und eine mit ihr befreundete Kollegin (Hwang Jeong-min) schauen sich nach der Arbeit die mit Kreide aufs Plaster gezeichneten Umrisse der Selbstmörderin an.

Die zur Upper Class zählende südkoreanische Familie Goh bewohnt eine weitläufige Luxusvilla außerhalb von Seoul, mit einem gewaltigen Kronleuchter in der Eingangshalle, einem mehrere Meter breiten Kaminfeuer, Sauna und Hallenbad. Goh Hoon (Lee Jung-jae) und seine Frau Hae-ra (Seo Woo) haben eine vierjährige Tochter – Nami (Ahn Seo-hyun) – und erwarten Zwillinge. Bei ihnen lebt auch Hae-ras Mutter Mi-hee (Park Ji-young) und die Haushälterin Cho Byung-sik (Youn Yuh-jung). Bevor Hoon sich morgens von seinem Chauffeur (Noh Sang-min) und zwei Bodyguards (Jang Soon-kyu, Cho Yong-jae) abholen lässt, spielt er ein paar Minuten auf dem Flügel, und abends lässt er sich teure Rotweine dekantieren.

Als Hae-ra sich wegen der Schwangerschaft kaum noch bewegen kann, erhält Byung-sik den Auftrag, ein Hausmädchen zu suchen. Die Wahl fällt auf Eun-yi. Nami freundet sich rasch mit dem neuen Hausmädchen an. Auch Hae-ra und Byung-sik sind mit Eun-yi zufrieden, denn die junge, unerfahrene Frau ist demütig und beflissen.

Eines Abends bricht die hochschwangere Hae-ra den Koitus mit ihrem Mann vorzeitig ab. Danach taucht Hoon überraschend bei Eun-yi am Bett auf. Er trägt nur eine Schlafanzughose. Großzügig schenkt er dem Hausmädchen ein Glas Rotwein ein. Hoon ist von klein auf gewohnt, alles zu kriegen, was er sich wünscht. Auch das Hausmädchen verweigert sich ihm nicht; Eun-yi fühlt sich durch das Begehren des Hausherrn aufgewertet und lässt sich auf die Affäre ein.

Der verbitterten Haushälterin, deren Sohn gerade zum Staatsanwalt ernannt wurde, bleibt das Verhältnis nicht lange verborgen. Und noch bevor Eun-yi selbst merkt, dass sie schwanger ist, ahnt Byung-sik es beim Anblick der voller gewordenen Brüste. Sie klärt daraufhin Mi-hee über die Untreue ihres Schwiegersohnes auf.

Um die Schwangerschaft abzubrechen, stößt Mi-hee das Hausmädchen auf der Treppe. Eun-yi stolpert, klammert sich an den Kronleuchter, aber als ihre Hände abrutschen, stürzt sie auf den Boden. Im Krankenhaus erfährt Eun-yi, dass sie in der vierten Woche schwanger ist. Ihre Verletzungen sind nicht schwerwiegend, und dem Kind ist nichts passiert.

Nachdem Hae-ra von ihrer Mutter über die inzwischen beendete Affäre ihres Mannes mit dem Hausmädchen und die Schwangerschaft unterrichtet wurde, schleicht sie sich nachts mit einem Golfschläger zu Eun-yi ins Zimmer, um sie zu erschlagen. Aber sie bringt es dann doch nicht fertig, und beim Hinausgehen bemerkt sie, dass Byung-sik sie beobachtete.

Eun-yi will kündigen. Als sie Hae-ra höflich von ihrer Absicht unterrichtet, ohrfeigt diese sie. Mi-hee will die Geburt des Kindes unter allen Umständen verhindern, damit später keine Ansprüche gestellt werden können. Sie legt Eun-yi ein mit Geldscheinen gefülltes Kuvert hin. Das werde sie nach einer Abtreibung bekommen, sagt sie. Dann räumt sie dem verunsicherten Hausmädchen Bedenkzeit ein.

Nami sah, wie das Hausmädchen von ihrer Großmutter auf der Treppe absichtlich gestoßen wurde. Sie sagt es Eun-yi an und warnt sie.

Eun-yi entscheidet sich gegen die Abtreibung. Sie will das Kind austragen.

Hae-ra wird von Zwillingen entbunden.

Eun-yi erkrankt, wird in eine Klinik gebracht wird und verliert ihr Kind. Hoon argwöhnt, dass sie vergiftet wurde, und als er seine Schwiegermutter zur Rede stellt, gibt sie es zu. Zornig schimpft er, dass sie sich an seinem Kind vergangen habe.

Bei einem Besuch im Krankenhaus klärt Byung-sik die Patientin darüber auf, dass sie vergiftet wurde, und Eun-yi sagt ihr, dass Nami gesehen habe, dass ihr Sturz auf der Treppe kein Unfall war.


Wenn Sie noch nicht erfahren möchten, wie es weitergeht,
überspringen Sie bitte vorerst den Rest der Inhaltsangabe.


Nachdem Eun-yi aus dem Krankenhaus entlassen wurde, ertappt Hoon sie eines Nachts beim heimlichen Stillen der Zwillinge.

Byung-sik will nicht länger für die Familie Goh arbeiten: Sie kündigt fristlos.

In diesem Augenblick taucht Eun-yi oben an der Treppe auf, von der sie einige Wochen zuvor gestoßen wurde. Byung-sik rät ihr, mit ihr zusammen das Haus zu verlassen, aber Eun-yi erklärt, sie könne das Leid, das ihr zugefügt wurde, nicht vergessen. Hoon entschuldigt sich und bietet ihr eine großzügige finanzielle Entschädigung an. Aber statt darauf einzugehen, wirft Eun-yi ein Seil über den Kronleuchter, legt sich die Schlinge am anderen Ende um den Hals und springt. Der Kronleuchter gerät ins Pendeln, und Eun-yis Kleid fängt am Kamin Feuer. Byung-sik, Nami, Hoon, Hae-ra und Mi-hee flüchten mit den Zwillingen aus dem brennenden Gebäude.

Epilog: Die Angehörigen der Familie Goh und zwei neue Hausmädchen halten sich im Freien auf. Auf einem auf der Erde ausgebreiteten Teppich haben sie Sessel aufgestellt. Hoon öffnet eine Flasche Champagner, um auf Namis Geburtstag anzustoßen.

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Bei „Das Hausmädchen“ handelt es sich um ein Remake des südkoreanischen Klassikers „Hanyo“ von Kim Ki-young aus dem Jahr 1960.

Originaltitel: Hanyo – Regie: Kim Ki-young – Drehbuch: Kim Ki-young – Kamera: Kim Deok-jin – Schnitt: Oh Young-keun – Musik: Han Sang-gi – Darsteller: Lee Eun-shim, Ju Jeung-nyeo, Kim Jin Kyu, Ahn Sung-kee, Eom Aeng-ran, Kang Seok-je, Ko Seon-ae, Na Jeong-ok u.a. – 1960; 110 Minuten

Im Sang-soo hat allerdings nur die Grundzüge des Plots von Kim Ki-young übernommen und die Perspektive vom Hausherrn aufs Hausmädchen verschoben. Youn Yuh-jung, die in der Neuverfilmung die Haushälterin Cho Byung-sik darstellt, spielte übrigens in Kims inzwischen von Martin Scorsese restauriertem Film die Rolle des Hausmädchens.

„Das Hausmädchen“ ist eine Mischung aus Sozialsatire, feministischem Drama und Erotikthriller. Der Film endet surreal, beginnt jedoch wie eine dokumentarische Sozialstudie. Mit dem Wechsel vom Prolog zum Hauptteil ändert sich der Stil abrupt: Das von einer ruhelosen Handkamera aufgenommene lebhafte Gedränge auf der Straße weicht ruhigen Bildkompositionen. Im Sang-soo erzählt jetzt langsam und unaufgeregt. Sobald das neue Hausmädchen eingestellt ist, verlassen wir die Villa der Familie Goh kaum noch. Und dieses mondäne Gebäude spiegelt mit seiner stylischen Einrichtung und den geometrischen Formen die emotionale Kälte der Familienangehörigen. Die Bilder sind sorgfältig komponiert und ausgeleuchtet, aber die Figuren bleiben bis auf das Hausmädchen plakativ.

Hae-ra blättert in Illustrierten und liest „Das andere Geschlecht“ von Simone de Beauvoir. Hoon spielt Klavier und trinkt erlesene Weine. Wenn Im Sang-soo hinter die kultivierte Fassade der Familie Goh leuchtet, tauchen dekadente Großbürger auf, die Bedienstete nicht als gleichwertige Menschen achten, die es gewohnt sind, sich alle Wünsche erfüllen zu können und glauben, alles mit Geld regeln zu können. Das neue Hausmädchen ist jedoch nicht bereit, sich kaufen zu lassen.

Bei der klassischen Musik, die in „Das Hausmädchen“ zu hören ist, handelt es sich um einige Takte aus zwei Klaviersonaten von Ludwig van Beethoven (Klaviersonate Nr. 26, „Les Adieux“, 1. Satz; Klaviersonate Nr. 17, „Tempest“, 3. Satz) und aus der von Maria Callas gesungenen Arie „La Mamma morta“ aus der Oper „Andrea Chénier“ von Umberto Giordano.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2013

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