The Revenant

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The Revenant. Der Rückkehrer – Originaltitel: The Revenant – Regie: Alejandro González Iñárritu – Drehbuch: Mark L. Smith, Alejandro G. Iñárritu, nach dem Tatsachenroman "The Revenant. A Novel of Revenge" von Michael Punke – Kamera: Emmanuel Lubezki – Schnitt: Stephen Mirrione – Musik: Carsten Nicolai alias Alva Noto, Ryûichi Sakamoto, Bryce Dessner – Darsteller: Leonardo DiCaprio, Tom Hardy, Domhnall Gleeson, Will Poulter, Forrest Goodluck, Paul Anderson, Kristoffer Joner, Joshua Burge u.a. – 2015; 155 Minuten

Inhaltsangabe

Der Trapper Hugh Glass und sein halb­india­nischer Sohn Hawk gehören um 1823 zur Expedition einer Pelz­handels­gesell­schaft. Nachdem zwei Drittel der Männer bei einem Angriff der Arikaree getötet wurden, brechen die Überlebenden zu einem Fort auf. Eine Grizzlybärin fällt Glass an. Auf den verschneiten Bergpfaden ist es un­mög­lich ist, den Schwer­verletzten mit­zu­nehmen. Der Captain lässt deshalb drei Männer bei dem vermeintlich Sterbenden zurück ...
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Kritik

"The Revenant. Der Rückkehrer" ist eine von Alejandro G. Iñárritu insze­nierte Mischung aus Western, Thriller, Rache- und Überlebensdrama. Die Geschichte ist nicht besonders komplex, aber durch überwältigende Bilder von Naturgewalten wirkt sie bedeutungsschwer.
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Der Trapper Hugh Glass (Leonardo DiCaprio) und sein Sohn Hawk (Forrest Goodluck) gehören um 1823 zur inneramerikanischen Expedition einer Pelzhandelsgesellschaft (Rocky Mountain Fur Company). Hawks Mutter, eine Pawnee, wurde ermordet.

Arikaree, die nach der von Franzosen entführten Häuptlingstochter Powaqa (Melaw Nakehk’o) suchen, überfallen die Expedition. Captain Andrew Henry (Domhnall Gleeson) und seine Männer wehren sich, aber die Indianer sind in der Übermacht. Nur einem Drittel der Trapper gelingt die Flucht mit einem Boot, und auch das nur, indem sie auf den größten Teil der erbeuteten Felle verzichten. Weil die Arikaree das Boot am Ufer verfolgen, rät Hugh Glass dazu, es aufzugeben, die Ladung zu verstecken und sich auf den allerdings viel längeren und beschwerlicheren Landweg zum Fort zu machen. John Fitzgerald (Tom Hardy) protestiert, aber der Captain folgt Hugh Glass‘ Rat.

Während Hugh Glass allein den Weg erkundet, wird er von einer Grizzlybärin angefallen, die ihre Jungen beschützen will. Obwohl er bereits schwer verletzt ist, gelingt es Glass beim dritten Angriff der Bestie, sie mit einem Messer zu töten. Dabei stürzt er über einen Abhang hinunter und der schwere Kadaver auf ihn.

Seine Kameraden bergen ihn. Nachdem sie seine Wunden notdürftig versorgt haben, fertigen sie eine Trage für ihn, aber auf verschneiten Bergpfaden geben sie den Versuch auf, ihn bis ins Fort mitzunehmen. Andrew Henry lässt Hugh Glass ein Tuch über die Augen legen, bevor er die Pistole hebt, um ihm den Gnadenschuss zu geben. Im letzten Augenblick hält Hawk ihn davon ab, seinen Vater zu töten. Daraufhin ordnet der Captain an, dass Hawk, John Fitzgerald und der junge Trapper Jim Bridger (Will Poulter) bei dem Schwerverletzten zurückbleiben und ihn nach dem bald zu erwartenden Tod begraben.

Als John Fitzgerald in dem gefrorenen Boden mühsam ein Grab ausgehoben hat, atmet Hugh Glass noch immer. Um endlich weiterziehen zu können, versucht Fitzgerald ihn zu ersticken. Hawk reißt ihn zurück – und wird vor den Augen seines auf der Trage angeschnallten Vaters von Fitzgerald erstochen. Der Mörder schafft die Leiche beiseite und tut später gegenüber dem ahnungslosen Jim Bridger so, als sei Hawk von sich aus verschwunden. Außerdem behauptet er, 30 Arikaree gesehen zu haben. Mit dieser Lüge täuscht er dem unerfahrenen Kameraden vor, sie müssten sich in Sicherheit bringen. Er zerrt Hugh Glass in das Grab, wirft mit den Händen ein wenig Erde auf ihn und marschiert los. Jim Bridger folgt ihm, nachdem er dem halb begrabenen Schwerverletzten seine Feldflasche hingelegt hat.

Hugh Glass robbt aus dem Grab zur Leiche seines Sohnes. Er schleppt sich zum Flussufer und versteckt sich dort in einer Höhle. Als er von Arikaree entdeckt wird, überlässt er sich dem reißenden Fluss und entkommt. Schließlich stößt er auf das Lagerfeuer eines Pawnee. Er heißt Hikuc (Arthur RedCloud). Sioux haben seine Angehörigen ermordet. Hikuc nimmt Hugh Glass auf seinem Pferd mit, versorgt die Wunden mit Heilkräutern, und während ein Schneesturm aufzieht, fällt er ein paar Bäume, um eine Notunterkunft bauen zu können.

Im Fiebertraum trifft Hugh Glass seinen Sohn Hawk in den Ruinen einer mit Fresken bemalten Kirche.

Am nächsten Morgen hängt Hikuc tot am Ast eines Baumes. Ermordet wurde er von den französischen Trappern, die auch die Häuptlingstochter Powaqa entführt haben. In ihrem Lager entdeckt Hugh Glass das Pferd des Pawnee. Als einer der Männer, den die anderen Toussaint (Fabrice Adde) rufen, Powaqa gegen einen Baumstamm drückt und sie vergewaltigt, überfällt ihn Hugh Glass und entwaffnet ihn. Dadurch verhilft er der Frau zur Flucht, und er selbst galoppiert auf Hikucs Pferd davon.

Kurze Zeit später wird Hugh Glass auf einem Hochplateau von einer Indianerhorde gejagt. Im wilden Ritt stürzt er mit dem Pferd über das Kliff in den Abgrund. Nur der Reiter überlebt, weil er in eine hohe Tanne geschleudert wird, deren Zweige den Sturz abfedern. Um Schutz vor einem aufziehenden Schneesturm zu finden, schneidet er den Bauch des Tierkadavers auf, entfernt die Innereien und legt sich in den noch einige Zeit wärmenden Tierkörper.


Wenn Sie noch nicht erfahren möchten, wie es weitergeht,
überspringen Sie bitte vorerst den Rest der Inhaltsangabe.


Inzwischen treffen John Fitzgerald und Jim Bridger im Fort ein. Fitzgerald berichtet Captain Andrew Henry, sie hätten Hugh Glass befehlsgemäß begraben und ein Kreuz aufgestellt. Hawk sei verschwunden. Andrew Henry zahlt John Fitzgerald die vereinbarte Sonderprämie und legt auch Jim Bridger ein paar Scheine hin, aber der Junge, der zu Fitzgeralds Lügen geschwiegen hat, nimmt das Geld nicht.

Die Gruppe der französischen Trapper wird von Indianern aufgerieben. Ein Überlebender schlägt sich bis ins Fort durch und bittet dort um Hilfe. Weil er behauptet, einen anderen einzelnen Mann gesehen zu haben, stellt der Captain rasch einen Suchtrupp zusammen.

John Fitzgerald bleibt im Lager. Ihm ist nicht entgangen, dass es sich bei der Feldflasche des Franzosen um die handelt, die Jim Bridger an Hugh Glass‘ Grab zurückgelassen hatte.

Bei dem Gesuchten handelt es sich um Hugh Glass. John Fitzgerald hat also gelogen! Aber Andrew Henry kann nur noch Jim Bridger einsperren lassen; John Fitzgerald ist mit dem Geld aus dem Tresor geflohen.

Hugh Glass berichtet dem Captain, was geschah und auch, dass John Fitzgerald seinen Sohn ermordete.

Trotz seiner Verletzungen besteht Hugh Glass darauf, den Captain auf der Suche nach dem Verbrecher zu begleiten.

Kurz nachdem sie sich an einem Waldstück getrennt haben, wird Andrew Henry von John Fitzgerald erschossen. Hugh Glass hört den Schuss, reitet hin und birgt den Toten. Der in einem Hinterhalt lauernde Verbrecher beobachtet schließlich einen Reiter und ein mitgeführtes zweites Pferd, über dessen Rücken der Körper eines Mannes hängt. Er schießt und nähert sich dem vom Pferd Gestürzten. Zu spät erkennt er, dass es sich um den toten Captain handelt, der von einem Ast im Rücken gestützt im Sattel saß. Hugh Glass, der sich quer über das andere Pferd gelegt hat, schießt, trifft John Fitzgerald aber nicht tödlich. Der Rächer greift den Mörder mit einem Beil an, und der wehrt sich mit einem Messer. Am nahen Flussufer kommt es zu einem Kampf auf Leben und Tod. Zynisch meint John Fitzgerald, das bisschen Rache bringe Hawk auch nicht zurück. Da besinnt sich Hugh Glass, und statt seinen Gegner zu töten, schiebt er ihn ins reißende Wasser.

Ein Stück weiter unten am Fluss stehen Powaqa, ihr Vater und einige andere Arikaree. Sie fischen John Fitzgerald aus dem Wasser und töten ihn. Dann überqueren sie die Furt und reiten wortlos an Hugh Glass vorbei.

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Der Film „The Revenant. Der Rückkehrer“ über den Trapper Hugh Glass basiert auf dem 2002 von Michael Punke veröffentlichten Tatsachenroman „The Revenant. A Novel of Revenge“ / „Der Totgeglaubte. Eine wahre Geschichte“ (Übersetzung: Ulrike Wasel, Klaus Timmermann). Allerdings weichen Mark L. Smith und Alejandro G. Iñárritu an mehreren Stellen von der literarischen Vorlage ab.

„The Revenant. Der Rückkehrer“ ist eine Mischung aus Western, Thriller, Rache- und Überlebensdrama. Alejandro González Iñárritu geht es vor allem um das Thema Rache:

Ja, Hugh Glass will den Menschen töten, der seinen Sohn auf dem Gewissen hat. Das treibt ihn an. Aber er begegnet auch einem Menschen, der ihn von seinem Rachebedürfnis heilen kann: einem Indianer. Mein Film ist keine Sammlung psychologischer Rezepte, er zeigt vielmehr, dass es sich lohnt, das Konzept der Rache zu reflektieren, infrage zu stellen. Gerade in diesen Zeiten. Wie viele Palästinenser, Israelis, Syrer haben ihre Söhne oder Töchter verloren? Wer so etwas nicht durchlebt hat, kann nicht erahnen, was das heißt. Wie viele Eltern in Syrien, in Beirut oder in Paris haben Rachegefühle oder kämpfen damit? Es ist das Bestreben nach Rache, das uns in den Abgrund reißt. Bisher konnten wir diese Kettenreaktion des Wahnsinns nicht durchbrechen. (Alejandro González Iñárritu im Interview mit Katja Nicodemus, „Die Zeit“, 2/2016)

Hugh Glass‘ Rache richtet sich gegen John Fitzgerald, einen gewissenlosen Egoisten und fanatischen Indianer-Hasser, der Hugh Glass‘ Sohn ermordete und ihn selbst halb tot in der Wildnis liegen ließ. Wuchtiger als der Konflikt der beiden Todfeinde ist der existenzielle Kampf gegen die Natur, den Hugh Glass ums nackte Überleben führt. Dabei übertreibt Alejandro González Iñárritu allerdings so, dass einige Szenen unglaubwürdig werden. Die in „The Revenant. Der Rückkehrer“ erzählte Geschichte ist nicht besonders komplex, aber durch überwältigende Bilder von Naturgewalten wirkt sie bedeutungsschwer, und Alejandro González Iñárritu präsentiert die Grausamkeiten denn auch wie im heiligen Zorn. Zu den Höhepunkten von „The Revenant. Der Rückkehrer“ zählt zweifellos die Szene, in der Hugh Glass von einem Grizzlybären angegriffen wird. Da glaubt man als Zuschauer, den Atem der Bestie zu riechen und die Tatzenhiebe zu spüren.

Die außerordentlich strapaziösen Dreharbeiten für „The Revenant. Der Rückkehrer“ fanden von Oktober 2014 bis August 2015 in Kanada, den USA und in Argentinien statt.

Der Regisseur Alejandro González Iñárritu, der Hauptdarsteller Leonardo DiCaprio und der Kameramann Emmanuel Lubezki wurden mit „Oscars“ ausgezeichnet. Nominiert hatte man „The Revenant. Der Rückkehrer“ außerdem in den Kategorien Bester Film, Bester Nebendarsteller (Tom Hardy), Bester Schnitt (Stephen Mirrione), Bestes Szenenbild (Jack Fisk, Hamish Purdy), Bestes Kostümdesign (Jacqueline West), Bestes Make-up und Beste Frisuren (Siân Grigg, Duncan Jarman, Robert A. Pandini), Beste visuelle Effekte (Richard McBride, Matt Shumway, Jason Smith, Cameron Waldbauer), Bester Ton (Jon Taylor, Frank A. Montaño, Randy Thom, Chris Duesterdiek) und Bester Tonschnitt (Martín Hernández, Lon Bender).

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2016

Hugh Glass (kurze Biografie)

Alejandro González Iñárritu: Amores Perros
Alejandro González Iñárritu: 21 Gramm
Alejandro González Iñárritu: Babel
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oder (Die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit)

Peter Prange - Die Philosophin
Die Romanfiguren Sophie Volland, Diderot, d'Alembert, Le Bréton, Rousseau, Madame de Pompadour, Sartine, de Malesherbes hat es tatsächlich gegeben; Peter Prange bettet in "Die Philosophin" historische Fakten in eine fulminante, atemberaubende Geschichte ein und vermittelt auf spannende Weise Grundgedanken der Aufklärung.
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