Die fremde Familie

Die fremde Familie

Die fremde Familie

Originaltitel: Die fremde Familie – Regie: Stefan Krohmer – Drehbuch: Daniel Nocke – Kamera: Benedict Neuenfels – Schnitt: Boris Gromatzki – Musik: Carsten Meyer – Darsteller: Katja Riemann, Thomas Sarbacher, Fritz Schediwy, Katja Nesytowa, Stephan Luca, Jan Messutat, Jean-Yves Berteloot u.a. – 2011; 90 Minuten

Inhaltsangabe

Als Robert nach einem Schlaganfall halbseitig gelähmt bleibt, beschließt seine Tochter Ira, ihn zu Hause zu pflegen. Als Pflegerin beschäftigen sie und ihr Ehemann Marquard die bulgarische Studentin Elisaveta. Entsetzt erlebt Ira, dass der Vater ihren Halbbruder Bernd kommen lässt und ihm statt ihr die Auflösung seines Haushalts anvertraut. Die Belastungsprobe zerbricht nicht nur Iras idealistische Vorstellungen von häuslicher Pflege ...
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Kritik

Das Familiendrama "Die fremde Familie" von Stefan Krohmer fesselt anfangs durch Stringenz und Realitätsnähe. In der zweiten Hälfte zerfleddert die Geschichte.
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Als der achtzigjährige Robert Stamm (Fritz Schediwy) nach einem zweiten Schlaganfall halbseitig gelähmt und auf einen Rollstuhl angewiesen ist, überlegen seine Tochter Ira (Katja Riemann) und sein Schwiegersohn Marquard Wolfens (Thomas Sarbacher), in welches Pflegeheim sie ihn bringen können. Aber die zumutbaren sind für die Dolmetscherin und den Berufsberater unerschwinglich, und Robert behauptet, kein Geld mehr zu besitzen. Deshalb besteht Ira darauf, ihren Vater zu Hause selbst zu pflegen, obwohl sie häufig verreisen muss.

Von einem Pfleger (Jan Messutat) lässt sie sich zeigen, was zu tun ist. Dann richten sie und Marquard ihre Wohnung behindertengerecht ein. Das Zimmer ihres inzwischen in den USA studierenden Sohnes räumen sie für Robert aus, und in Iras Arbeitszimmer soll die Pflegerin schlafen, die sie beschäftigen wollen, eine Studentin aus Bulgarien, Elisaveta Kolarova (Katja Nesytowa). Dass es sich um Schwarzarbeit handelt, verheimlichen die Wolfens, nicht nur, weil es strafbar ist, sondern auch, weil Marquard sich für ein Landtagsmandat bewirbt und ein solches Fehlverhalten seine politische Karriere gleich wieder beenden würde.

Der sture Greis will stattdessen weiter in seiner eigenen Wohnung leben, aber das lässt Ira nicht zu. Deshalb beauftragt er Bernd Stamm (Stephan Luca), seinen Sohn aus zweiter Ehe, mit der Auflösung seines Haushalts. Ira ist entsetzt, denn ihr Halbbruder hat sich nie viel um den Vater gekümmert, obwohl er noch immer von dessen finanzieller Unterstützung lebt.

Bernd reist an, räumt mit Eliavetas Hilfe die Wohnung aus und kauft sich dann eine Matratze, um in den leeren Räumen übernachten zu können.

Ira beobachtet ebenso eifersüchtig wie verärgert, dass Robert, Bernd und Elisaveta sich gut verstehen, während sich ihre Hoffnung auf eine Wiederannäherung an ihren Vater nicht erfüllt. Bernd und Elisaveta werden sogar ein Paar.

Während eines Kongresses, zu dem Ira den Italiener Giardini (Karl Knaup) begleitet, lässt sie sich auf eine Affäre mit dem Franzosen Brailly (Jean-Yves Berteloot) ein. Marquard ruft an: Elisaveta übergoss Robert versehentlich mit kochendem Wasser. Ira kommt vorzeitig nach Hause.

Sie und Marquard ertragen die Situation nicht länger. Elisaveta sei der Belastung nicht gewachsen, behaupten sie und beenden das illegale Arbeitsverhältnis.

Als Ira ihrem Mann den Seitensprung beichtet, wird es Marquard endgültig zu viel: Er zieht ins Hotel.

Daraufhin schlägt Bernd seiner Halbschwester vor, er könne statt Marquard bei ihr wohnen und sich zusammen mit Elisaveta um die Pflege des Vaters kümmern.

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„Die fremde Familie“ ist ein Familiendrama von Daniel Nocke (Drehbuch) und Stefan Krohmer (Regie). Es dreht sich um häusliche Pflege in einer Patchwork-Familie. Die idealistischen Vorstellungen von Ira und Marquard Wolfens zerbrechen in der Belastungsprobe ebenso wie ihre Selbsttäuschungen und ihre Ehe. Umgekehrt renkt sich das lange Jahre gestörte Verhältnis zwischen Ira und ihrem Halbbruder Bernd ein, als er die Verantwortung für die Pflege des Vaters übernimmt.

„Die fremde Familie“ fesselt anfangs durch Stringenz und Realitätsnähe. In der zweiten Hälfte, wenn die längst vorhersehbare Liebesgeschichte zwischen Bernd und Elisaveta beginnt, zerfleddert die Geschichte. Einige Szenen sind klischeehaft, andere (wie zum Beispiel Iras Seitensprung) zu wenig vorbereitet, und die Figur Bernd Stamm wirkt fast wie eine Karikatur.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2011

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