Dutschke

Dutschke

Dutschke

Originaltitel: Dutschke – Regie: Stefan Krohmer – Drehbuch: Daniel Nocke – Kamera: Patrick Orth, Bernhard Keller – Schnitt: Boris Gromatzki – Darsteller: Christoph Bach, Pasquale Aleardi, Emily Cox, Matthias Koeberlin, Cornelia Dörr, Annic-Barbara Fenske u.a. – 2009; 90 Minuten

Inhaltsangabe

"Dutschke" ist kein Biopic, sondern ein Dokudrama, in dem Daniel Nocke und Stefan Krohmer den Studentenführer Rudi Dutschke porträtieren. Dabei konzentrieren sie sich auf die Zeit von 1964 bis 1979, vor allem auf die Ereignisse des Jahres 1968. Sie erheben nicht den Anspruch, dass ihre Darstellung in allen Einzelheiten der Wahrheit entspricht, sondern lassen bewusst auch Widersprüche stehen.
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Kritik

In dem Dokudrama "Dutschke" kombinieren Daniel Nocke und Stefan Krohmer nachgespielte Szenen mit Originalaufnahmen und Ausschnitten aus Interviews mit Zeitzeugen. Christoph Bach verkörpert Rudi Dutschke recht überzeugend.
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Das Dokudrama „Dutschke“ beginnt 1964 mit einer von dem Soziologiestudenten Rudi Dutschke (Christoph Bach) angeführten Demonstration gegen den Empfang des kongolesischen Ministerpräsidenten Moïse Tschombé (1919 – 1969) durch Willy Brand (1913 – 1992), den Regierenden Bürgermeister von Berlin.

Bald darauf steht in der Tür von Rudi Dutschkes Kommune in Berlin unerwartet die Amerikanerin Gretchen Klotz (* 1942, gespielt von Emily Cox), die ihn während ihres Theologiestudiums in Deutschland kennenlernte. Sehr zum Missfallen seines politischen Mitstreiters Bernd Rabehl (* 1938, gespielt von Matthias Koeberlin) schickt Rudi Dutschke die naive junge Frau nicht fort, sondern zieht mit ihr zusammen und heiratet sie am 23. März 1966.

Als Rudi Dutschke einen Kommilitonen sucht, der ihm eine Broschüre von Ernesto Che Guevara (1928 – 1967) mit dem Titel „Schaffen wir ein, zwei, drei, viele Vietnam“ übersetzt, lernt er den 1965 aus Chile ausgewanderten Juristen Gaston Salvatore (* 1941, gespielt von Pasquale Aleardi) kennen, der inzwischen an der Freien Universität Berlin Soziologie und Politikwissenschaft studiert. Gaston Salvatore arbeitet mit ihm und Gretchen zusammen, und die beiden Männer werden Freunde.

Bei Demonstrationen gegen den Besuch des persischen Schahs Mohammad Reza Pahlavi (1919 – 1980) am 2. Juni 1967 in Berlin erschießt der Polizist Karl-Heinz Kurras (* 1927) den sechsundzwanzigjährigen Studenten Benno Ohnesorg. Daraufhin radikalisiert sich die APO. Rudi Dutschke, Bernd Rabehl und andere Mitglieder der APO werfen der „Bild“-Zeitung vor, die Atmosphäre herbeigeführt zu haben, in der es dazu kommen konnte, dass ein wehrloser Student aus nächster Nähe getötet wurde.

Durch Reden in Heidelberg und an anderen Universitäten entwickelt Rudi Dutschke sich zum Wortführer der APO und der Studentenbewegung. Mit anderen zusammen organisiert er einen Kongress gegen den Vietnamkrieg, der am 17. und 18. Februar 1968 an der Berliner TU stattfindet.

Der Mailänder Verleger Giangiacomo Feltrinelli (1926 – 1972), der den Vietnam-Kongress mitfinanziert, bringt Rudi Dutschke ein Auto voller Dynamitstangen vorbei und erwartet von ihm einen spektakulären Sprengstoffanschlag. Rudi Dutschke meint jedoch, er werde keine Menschen gefährden, sondern allenfalls Sachen zerstören. Am Ende verstecken er und Gretchen die Dynamitstangen im Kinderwagen, betten ihren kleinen Sohn Hosea Ché darauf und werfen den Sprengstoff unbemerkt in einen Seitenkanal der Spree.

Weil der drei Monate alte Säugling Hosea Ché eine verstopfte Nase hat und weint, fährt Rudi Dutschke am 11. April 1968 mit dem Fahrrad zu einer Berliner Apotheke, um Nasentropfen zu kaufen. Vor dem Eingang kommt ein Fremder auf ihn zu und fragt: „Sind Sie Rudi Dutschke?“ Kaum hat er „ja“ gesagt, schießt ihn der Unbekannte nieder.

Nachdem Rudi Dutschke sich von den Verletzungen erholt hat, verlässt er mit seiner Familie Deutschland und hält sich 1969 einige Zeit in Italien auf. Auf ein Visum für die USA warten Rudi und Gretchen Dutschke vergebens.

Seine erste öffentliche Rede nach dem Attentat hält Rudi Dutschke am 14. Januar 1973 bei einer Demonstration gegen den Vietnamkrieg in Bonn.

Bevor er im Januar 1980 am Gründungskongress der Partei Die Grünen teilnehmen kann, stirbt Rudi Dutschke am 24. Dezember 1979 in Århus unerwartet an einem epileptischen Anfall, einer Spätfolge der Schussverletzungen am Kopf.

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In dem Dokudrama „Dutschke“ kombinieren Daniel Nocke (Drehbuch) und Stefan Krohmer (Regie) nachgespielte Szenen mit Originalaufnahmen und Ausschnitten aus Interviews mit Zeitzeugen. Zu Wort kommen dabei Bernd Rabehl, Gaston Salvatore, Peter Schneider, Claudius Seidel, Helga Reidemeister, Wolfgang Kraushaar, Gretchen Dutschke, Joscha Schmierer und Eberhard Diepgen.

Wie zutreffend das Porträt ist, das Daniel Nocke und Stefan Krohmer von Rudi Dutschke entwerfen, ist umstritten. Möglicherweise wird der Studentenführer zu harmlos und friedliebend dargestellt. Die Filmemacher lassen in „Dutschke“ aber auch bewusst Widersprüche stehen. Beispielsweise zeigen sie in einer gespielten Szene, wie Rudi und Gretchen Dutschke die von Giangiacomo Feltrinelli angeschleppten Dynamitstangen im Kinderwagen entsorgen. Der Politikwissenschaftler Wolfgang Kraushaar (* 1948) weist jedoch im Interview darauf hin, dass wir nicht wissen, was mit dem Sprengstoff wirklich geschah. Amüsant (aber auch ein bisschen billig) sind die Querelen zwischen Bernd Rabehl und Gaston Salvatore. Während der aus Chile stammende Schriftsteller nicht verhehlt, dass er von Bernd Rabehl nichts hält und sich zum heldenhaften Mitkämpfer seines Freundes Rudi Dutschke stilisiert, behauptet der Soziologe, der inzwischen rechtsgerichtete Auffassungen vertritt, Gaston Salvatore habe in der Studentenbewegung kaum eine Rolle gespielt und sei kaum mehr als Rudi Dutschkes Chauffeur gewesen. Nur bei der Organisation des Vietnam-Kongresses habe er mitgeholfen.

Die nachgestellten Szenen sind zwar in blassen Farben gehalten, heben sich aber dennoch deutlich von den schwarz-weißen Dokumentaraufnahmen ab. Christoph Bach verkörpert Rudi Dutschke recht überzeugend.

„Dutschke“ hatte am 30. Juni 1969 auf dem Filmfest München Premiere und wurde am 27. April 2010 erstmals im Fernsehen (ZDF) ausgestrahlt.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2010

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