Ein toter Bruder

Ein toter Bruder

Ein toter Bruder

Originaltitel: Ein toter Bruder - Regie: Stefan Krohmer - Drehbuch: Daniel Nocke - Kamera: Gunnar Fuß - Schnitt: Stefan Krumbiegel – Musik: Stefan Will - Darsteller: Marie Bäumer, Thomas Dannenmann, Michael Rotschopf, Valerie Koch, Katharina Spiering, Steffen Münster, Joana Schümer, Oliver Mommsen, Oliver Schultz-Berndt u.a. - 2005; 85 Minuten

Inhaltsangabe

Der arbeitslose Journalist Jakob und seine Lebensgefährtin Annette besuchen eine Party des erfolgreichen Politikers und Bauunternehmers Arved in dessen Villa, die auf Klippen an der Ostsee steht. Annette erschrickt, als sie Arveds auf einen Rollstuhl angewiesene Ehefrau Diana erblickt, denn bei dem Unfall, durch den Diana querschnittgelähmt wurde, starb ihr Bruder. Das geschah vor 26 Jahren. Damals waren sie noch Kinder, aber Annette hat das Trauma noch immer nicht verarbeitet ...
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Kritik

Die Handlung findet innerhalb weniger Stunden auf einer Party statt. Wie bei einem Theaterstück kommt es besonders auf die Dialoge und die Figurenzeichnung an. Beides ist in dem spannenden Thrillerdrama "Ein toter Bruder" sehr gut gelungen.

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Zur Zehn-Jahres-Feier des gemeinsamen Universitätsabschlusses lädt der erfolgreiche Politiker und Bauunternehmer Arved (Michael Rotschopf) einige Kommilitonen von damals in seine Villa an der Ostsee ein, darunter auch den arbeitslosen Journalisten Jakob (Thomas Dannenmann) und dessen Lebensgefährtin Annette (Marie Bäumer). Für die beiden hat er auch bereits eine Wohnung in der Nähe ausgesucht, denn Jakob soll in seinem Unternehmen Karriere machen und für Annette will er auch noch einen lukrativen Job besorgen. Das kam überraschend, denn die Kommilitonen haben sich zehn Jahre lang nicht gesehen, und Jakob versagte sogar als Lokalreporter.

Als Annette Arveds auf einen Rollstuhl angewiesene Ehefrau Diana (Valerie Koch) erblickt, will sie die Party sofort wieder verlassen. Vor sechsundzwanzig Jahren – damals waren sie noch Kinder – holperte Annettes Bruder zusammen mit Diana vor Annettes Augen in einem ausrangierten Ponywagen mit defekten Bremsen über einen Abhang hinunter. Beim Überqueren einer Straße kollidierten sie mit einem Lastwagen. Der Junge starb an einem Genickbruch. Diana überlebte querschnittgelähmt, verfolgte Annette jahrelang hasserfüllt mit Vorwürfen und die hat das Kindheitstrauma noch immer nicht verarbeitet. Annette fürchtet sich deshalb vor einem Wiedersehen.

Jakob überredet Annette zum Bleiben, und als sie von Arved erfährt, dass Diana die Party verlassen hat und zu den Klippen hinausgefahren ist, wo sie mitunter Stunden allein verbringt, beschließt sie, sich der Konfrontation zu stellen und geht hin. Diana gibt zu, Annettes Bruder damals zu der Todesfahrt überredet zu haben. „Er wollte noch abspringen, aber ich hielt ihn fest.“ Ihr Hass richtet sich inzwischen nicht mehr gegen Annette, sondern gegen ihren Mann. Sie behauptet, Arved schlafe fortwährend mit anderen Frauen, sei als Politiker korrupt und als Bauunternehmer betrügerisch. Nur aus Image-Gründen habe er sie geheiratet. Das Mitleid anderer mit ihm und seiner gelähmten Frau könne er gut für seine Zwecke gebrauchen. Inzwischen habe Diana Belastungsmaterial gegen ihn gesammelt, aber er ahne, dass sie ihm gefährlich werden könnte und wolle sie deshalb ermorden. Die Party veranstalte er nur, damit der Mordverdacht auf Annette fällt, denn er weiß von der Feindschaft der beiden Frauen.

Zurück in der Villa, erzählt Annette ihrem Lebensgefährten, was sie gerade erfuhr. Jakob hält das für abstrus, aber er hilft Annette bei der Suche nach dem von Diana versteckten Belastungsmaterial. Tatsächlich finden sie die Mappe an der von Diana angegebenen Stelle in einem Abstellraum. Eine Abrechnung scheint Arveds betrügerische Machenschaften zu beweisen, und ein Liebesbrief an ihn untermauert Dianas Vorwurf der Untreue. Um auch die übrigen Dokumente anzuschauen, fehlt Jakob und Annette die Zeit.

Jakob will selbst mit Diana reden, doch als er mit Annette zu den Klippen kommt, sehen sie ihre Leiche zusammen mit dem zertrümmerten Rollstuhl tief unten am Wasser liegen. War Dianas Furcht vor einem Mordanschlag ihres Mannes begründet? Jakob und Diana laufen zurück, um die Unterlagen an sich zu nehmen, damit zur Polizei zu gehen und Arved anzuzeigen. Die Mappe ist nicht mehr da. Das ist für Jakob der Beweis, dass Diana sich nicht selbst von den Klippen stürzte, sondern ermordet wurde.

Da Arved weiß, dass Annette bei Diana an den Klippen war und man ihren Hass auf Diana als Motiv werten könnte, glaubt Jakob, Arved mit neuem Belastungsmaterial unter Druck setzen zu müssen. Noch in der Nacht ruft er Journalistenkollegen an und drängt sie, über Arveds Geschäfte zu recherchieren. Heimlich schaltet er einen PC in der Villa ein und lässt sich Unterlagen mailen.

Währenddessen ertappt Annette den Gastgeber mit der früheren Kommilitonin Birte (Katharina Spiering) beim Liebesspiel in einem der Zimmer.

Wenn Sie noch nicht erfahren möchten, wie es weitergeht,
überspringen Sie bitte vorerst den Rest der Inhaltsangabe.

Nachdem die anderen Partygäste sich verabschiedet haben, wendet Jakob sich an Arved. Arved beteuert, er könne es nicht glauben, dass Diana tot unter den Klippen liege. Das hält Jakob für eine Lüge und er rät Arved, gegenüber der Polizei von einem Selbstmord seiner Frau auszugehen, statt den Verdacht auf Annette zu lenken. Andernfalls werde er für vernichtende Zeitungsartikel gegen den Politiker und Unternehmer sorgen. Arved ist oder spielt verwirrt und drückt Jakob ein Kuvert mit 10 000 Euro in die Hand. Jakob nimmt es, geht mit Annette zum Auto und fährt los.

Unterwegs tanken sie. Während Annette an der Kasse bezahlt, sucht Jakob ein Tempo in ihrer Umhängetasche – und stößt dabei auf die Mappe mit dem Belastungsmaterial. Da weiß er, dass Arved am Tod seiner Frau unschuldig ist …

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In dem von Daniel Nocke geschriebenen und von Stefan Krohmer inszenierten Fernsehfilm „Ein toter Bruder“ geht es vor allem um Hass und Schuld. Gedreht wurde ausschließlich nachts, denn die gesamte Handlung findet innerhalb weniger Stunden auf einer Party statt. Wie bei einem Theaterstück kommt es besonders auf die Dialoge und die Figurenzeichnung an. Beides ist in dem spannenden Thrillerdrama „Ein toter Bruder“ sehr gut gelungen.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2005

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