Sommer '04

Sommer ’04

Sommer '04

Originaltitel: Sommer '04 – Regie: Stefan Krohmer – Drehbuch: Daniel Nocke – Kamera: Patrick Orth – Schnitt: Gisela Zick – Musik: Ellen McIlwaine – Darsteller: Martina Gedeck, Robert Seeliger, Peter Davor, Svea Lohde, Lucas Kotaranin, Nicole Marischka u.a. – 2006; 95 Minuten

Inhaltsangabe

Miriam verbringt den Sommer '04 mit André, ihrem 15-jährigen Sohn Nils und dessen drei Jahre jüngerer Freundin Livia an der Schlei. Die beiden harmonischen Paarbeziehungen werden gestört, als Livia sich in Bill verliebt, einen dreimal so alten Amerikaner. Während Nils tatenlos zusieht, hält Miriam es für ihre Pflicht, die 12-Jährige zu beschützen. Doch was als Fürsorge beginnt, schlägt bald in Rivalität um ...
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Kritik

In dem von Stefan Krohmer inszenierten Psychodrama "Sommer '04" geht es um Schuld, Liebe und Eifersucht. Die Handlung beginnt idyllisch und schlägt dann in eine Tragödie um.
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Miriam (Martina Gedeck), eine selbstbewusste Frau Anfang vierzig, verbringt den Sommer ’04 mit ihrem Lebensgefährten André (Peter Davor), ihrem gemeinsamen, fünfzehnjährigen Sohn Nils (Lucas Kotaranin) und dessen drei Jahre jüngerer Freundin Livia (Svea Lohde) in einem efeuumrankten Haus an der Schlei. Miriam und André – beide gebildet, modern und liberal – lassen Nils und Livia ihre amourösen Erfahrungen machen, ohne sie mit Warnungen zu nerven.

Eines Tages kommt Nils ohne Livia vom Segeln zurück. André fragt, was los sei. Mundfaul erzählt Nils, dass er und Livia einen Amerikaner kennen gelernt hätten, mit dem Livia nun segeln sei. André macht sich Sorgen um sein Boot und findet das Verhalten seines Sohnes ebenso unverständlich wie verantwortungslos.

Am Abend wird Livia in einem teuren Sportwagen nach Hause gebracht. Sie stellt den Eltern ihren neuen Bekannten vor: Bill (Robert Seeliger) ist achtunddreißig. Sein Vater war zwar Deutscher, aber Bill wuchs in den USA auf und machte dort viel Geld. Als er es nicht mehr aushielt, dass sich alles nur ums Geld dreht, kaufte er sich an der Schlei ein Haus, wo er seit kurzer Zeit einsam wohnt und versucht, wieder mit sich ins Reine zu kommen [Midlife Crisis].

Bill schlägt den beiden Paaren vor, am nächsten Tag gemeinsam segeln zu gehen, aber bis auf die Zwölfjährige sagen alle ab.

Unübersehbar hat Livia sich in den sanften, gut aussehenden Amerikaner verliebt. Nils lässt es tatenlos zu.

Als Livia am nächsten Tag nicht zur vereinbarten Zeit zurückkehrt und in Bills Haus niemand ans Telefon geht, hält Miriam es für ihre Pflicht, anstelle der nach Mexiko gereisten Eltern des Mädchens nach Livia zu sehen: Sie fährt hin. In dem Haus trifft sie nur Bill an. Livia sei nach einem Streit fortgerannt, erklärt er Miriam. Sie sei frustriert, weil er ihr klarmachte, dass er zwar gern mit ihr zusammen sei, aber nicht mit ihr schlafen werde.

André, Miriam, Nils und Livia verabreden sich nun doch mit Bill zu einer gemeinsamen Segelpartie auf zwei Booten. Dabei macht Miriam sich an Bill heran. Sie verführt ihn und geht mehrmals mit ihm ins Bett. Unvermittelt erklärt Bill ihr nach ein paar Tagen, er sei sich über seine Gefühle klar geworden und wisse jetzt, dass er Livia liebe. Deshalb möchte er sich nicht mehr mit Miriam allein treffen. Miriam droht, sie werde ein Liebesverhältnis zwischen ihm und Livia verhindern. Was als Fürsorge für Livia begann, ist in Rivalität umgeschlagen. Zunächst ging es Miriam darum, die Zwölfjährige vor einem unbedachten Schritt zu bewahren, doch inzwischen will sie Livia aus Eifersucht von Bill fernhalten.

Wenn Sie noch nicht erfahren möchten, wie es weitergeht,
überspringen Sie bitte vorerst den Rest der Inhaltsangabe.

Bei einer weiteren gemeinsamen Segelpartie sorgt Miriam dafür, dass sie mit Livia allein auf einem der beiden Boote ist. Obwohl der starke Wind eine Kommunikation erschwert, versucht Miriam, mit Livia zu reden. Dadurch abgelenkt, übersieht Livia, wie das Segel umschlägt und wird vom Querbaum am Kopf getroffen. Kurze Zeit liegt sie ohnmächtig auf den Planken, dann kommt sie wieder zu sich. Obwohl Livia benommen ist und unter Übelkeit leidet, kehrt Miriam nicht um. Erst als Livia zusammenbricht, erkennt sie den Ernst der Lage.

Der Arzt (Michael Benthin) im Krankenhaus kann nur noch den Tod des Mädchens feststellen.

Am Abend packt Miriam ihre Sachen. André sieht schweigend zu und lässt sie gehen. Mit einem Taxi fährt sie zu Bill. Der möchte mit seiner Trauer um Livia lieber allein sein und schickt sie fort. Sie geht zur Bushaltestelle, kehrt dann aber wieder um und lässt sich nicht noch einmal abweisen.

Einige Zeit später sind Bill und Miriam in einem Hotel in einer amerikanischen Großstadt mit Livias Mutter Grietje (Nicole Marischka) und ihrem greisen neuen Lebensgefährten Daniel (Gábor Altorjay) verabredet. Schluchzend liest Grietje aus einem Brief Livias vom 4. August 2004 vor. Das Mädchen, das begriffen hatte, wie es um Bill und Miriam stand, schrieb ihrer Mutter, sie wolle deren Glück nicht im Weg stehen. Ob sie miteinander glücklich seien, möchte Grietje von Bill und Miriam wissen. Sie beteuern es – doch überzeugend wirken sie dabei nicht.

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In dem Psychodrama „Sommer ’04“ von Daniel Nocke (Drehbuch) und Stefan Krohmer (Regie) geht es um Schuld und Egoismus, Liebe und Eifersucht. Die Handlung beginnt mit zwei harmonischen Paarbeziehungen. Die Idylle wird durch das Auftauchen eines Fremden zerstört. Werden die bestehenden Beziehungen daran zerbrechen oder Bestand haben? Diese Frage sorgt für Spannung; ganz allmählich spitzen sich die Konflikte zu, und es kommt zu einer Tragödie. Die Schlussszene wirkt allerdings aufgesetzt.

Krohmer, Jahrgang 1971, entfaltet einen leichthin fließenden, beinahe heiter-beschwingten Bilderbogen aus Atmosphäre und feiner Charakterzeichnung, in den sich allmählich die Konturen einer Tragödie einschreiben. „Sommer ’04“ ist Kammerspiel, Thriller und Generationendrama. In Szene gesetzt mit französischer Eleganz und deutschem Schicksalsernst. Das Tragische kommt wie auf Zehenspitzen daher. Erst nachträglich wird einem das Ungeheuerliche des Geschehens klar: Hier opfert eine vierzigjährige Frau ein zwölfjähriges Mädchen auf dem Altar ihrer als Fürsorge getarnten Egozentrik. (Rainer Gansera, Süddeutsche Zeitung, 19. Oktober 2006)

„Sommer ’04“ ist ganz auf Martina Gedeck zugeschnitten: Mit ihrer nuancenreichen Darstellung dominiert sie in der Besetzung.

Bei den Festspielen in Cannes lief der Film übrigens unter dem Titel „Sommer ’04 an der Schlei“.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2008

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