Die Nacht des Jägers

Die Nacht des Jägers

Die Nacht des Jägers

Die Nacht des Jägers - Originaltitel: The Night of the Hunter - Regie: Charles Laughton - Drehbuch: James Agee, nach dem Roman "Die Nacht des Jägers" von Davis Grubb - Kamera: Stanley Cortez - Schnitt: Robert Golden - Musik: Walter Schumann - Darsteller: Robert Mitchum, Shelley Winters, Lillian Gish, James Gleason, Evelyn Varden, Peter Graves, Don Beddoe, Billy Chapin, Sally Jane Bruce, Gloria Castillo u.a. - 1955; 90 Minuten

Inhaltsangabe

Ein Prediger, der durch Zufall von der nicht entdeckten Beute eines hingerichteten Bankräubers erfuhr, macht sich an dessen Witwe und ihre beiden kleinen Kinder heran, um an das Geld heranzukommen. Die Frau weiß nichts; die Kinder kennen zwar das Versteck, haben aber ihrem Vater geschworen, es nicht zu verraten ...


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Kritik

Der Schauspieler Charles Laughton hat nur ein einziges Mal Regie geführt – aber damit Filmgeschichte geschrieben. "Die Nacht des Jägers" gilt als Klassiker des film noir. Es handelt sich um eine Mischung aus Horrorfilm, Märchengroteske und Psychothriller im Stil des Expressionismus.
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Um seinen beiden Kindern John (Billy Chapin) und Pearl (Sally Jane Bruce) eine bessere Zukunft zu ermöglichen, raubt Ben Harper (Peter Graves) eine Bank aus. Dabei erschießt er zwei Männer. Mit der Polizei auf den Fersen eilt er zu seinem abgelegenen Haus, versteckt die erbeuteten 10 000 Dollar in einer Puppe seiner kleinen Tochter und lässt seinen zehnjährigen Sohn schwören, dass er sich um seine Schwester kümmern, das Versteck niemandem verraten und das Geld erst als Erwachsener für sich und Pearl verwenden wird. Im nächsten Augenblick wird er von den Polizisten überwältigt. Seine Frau Willa (Shelley Winters), die vom Einkaufen nach Hause kommt, sieht gerade noch, wie sie ihn abführen. Ein Gericht verurteilt Ben Harper wegen des zweifachen Raubmordes zum Tod.

Die Zelle, in der er auf die Hinrichtung wartet, teilt er mit Reverend Harry Powell (Robert Mitchum), einem Wahnsinnigen, der sich nicht mehr erinnert, ob er sechs oder zwölf Witwen umgebracht hat, um an ihr Geld zu kommen. Niemand ahnt jedoch, dass er ein Serienmörder ist; im Gefängnis sitzt er nur dreißig Tage lang wegen eines Autodiebstahls. Vergeblich versucht der Prediger, von dem Bankräuber zu erfahren, wo er die Beute versteckt hat. Das Geheimnis nimmt Ben Harper mit ins Grab.

Nach seiner Entlassung sucht der Prediger den Ort auf, in dem Harpers Witwe mit ihren beiden Kindern lebt. Als Gefängnispfarrer sei er bis zum Schluss an der Seite des Verurteilten gewesen, lügt er, aber inzwischen habe er seine Stelle aufgegeben, weil er das Elend im Gefängnis nicht mehr mit ansehen konnte. Willa Harper misstraut Harry Powell, der ihr den Hof macht, denn sie befürchtet, er sei hinter dem versteckten Geld her. Aber er behauptet, Ben Harper habe seine Tat bereut und das Geld deshalb noch vor seiner Verhaftung unter einen Stein am Grund des Flusses gelegt, um es aus der Welt zu schaffen. Obwohl Willa dadurch beruhigt ist, zögert sie, sich so kurz nach dem Tod ihres Mannes wieder zu vermählen. Erst als das befreundete Ehepaar Walt und Icey Spoon (Don Beddoe, Evelyn Varden) sie drängen, nicht länger zu warten, damit die Kinder wieder einen strengen Vater haben, nimmt sie Powells Heiratsantrag an.

In der Hochzeitsnacht tritt Willa erwartungsvoll im Nachthemd ans Bett, aber ihr frisch angetrauter Ehemann predigt ihr, dass die Lust eine Sünde sei. Da nimmt Willa sich vor, so fromm wie Harry zu werden.

Pearl mag ihren Stiefvater, aber John kann ihn nicht ausstehen: „Sie sind nicht mein Vater, und verraten werde ich Ihnen auch nichts …“ Spätestens jetzt weiß Powell, dass die Kinder das Versteck kennen. Während Willas Abwesenheit sperrt er John ein und geht mit Pearl in ein anderes Zimmer. Als Willa zurückkommt, hört sie, wie ihr Ehemann das kleine Mädchen anschreit und nach dem Versteck des Geldes fragt. Er hat sie also von Anfang an angelogen. Abends im Bett, als Willa ihm sagt, sie wisse jetzt, was er vorhabe, aber sie sei froh, durch ihn zu Gott gefunden zu haben, schneidet er ihr die Kehle durch. Dann schleppt er sie ins Auto und versenkt es mit der Leiche im Fluss.

Am nächsten Tag jammert er den Spoons vor, seine Frau habe ihn und die Kinder mitten in der Nacht verlassen und sei mit dem Wagen weggefahren.

Beim Angeln entdeckt der alte, verwitwete Fährmann Birdie Steptoe (James Gleason) die Leiche und das versenkte Auto, aber er wagt es nicht, zur Polizei zu gehen, weil er befürchtet, dass man ihn dann wegen des Mordes verdächtigen könnte. Um sich zu beruhigen, betrinkt er sich.

Die Kinder sind dem Verbrecher nun schutzlos ausgeliefert. John lügt, das Geld sei im Keller versteckt und hofft, mit seiner Schwester fliehen zu können, während der Prediger dort nachsieht. Powell nimmt die Kinder jedoch mit in den Keller und findet rasch heraus, dass John in angelogen hat. Als er den Jungen daraufhin mit einem Messer bedroht, verrät Pearl, dass sich das Geld in der Puppe befindet, die sie ständig bei sich trägt. Da lacht der satanische Prediger, aber John stößt ein Regal um, rennt mit Pearl aus dem Keller und dreht von außen den Schlüssel in der Tür um.

Sie laufen zu „Onkel Birdie“, damit er ihnen hilft, aber der Fährmann liegt volltrunken am Boden. Es bleibt ihnen nichts anderes übrig, als sich in einem alten Kahn auf dem Fluss hinuntertreiben zu lassen.

Powell bringt einen Farmer um, stiehlt dessen Pferd und reitet den Kindern nach. Den Spoons schreibt er kurz, er sei mit den Kindern zu Verwandten gefahren.

Rachel Cooper (Lillian Gish) findet die schlafenden Kinder in dem ans Ufer getriebenen Kahn und nimmt sie bei sich auf. Von ihrem eigenen Sohn hat sie seit langer Zeit nichts mehr gehört, und als Ersatz hat sie ein halbes Dutzend Waisen bei sich aufgenommen. Darunter ist auch die fünfzehnjährige Ruby (Gloria Castillo), die sich heimlich mit Männern herumtreibt, statt in die Nähstunde zu gehen. Als sie es Rachel beichtet und erzählt, ein Prediger habe sie über John und Pearl und sogar deren Puppe ausgefragt, wird die Frau misstrauisch. Als Powell dann auftaucht und behauptet, der Vater der beiden Kinder zu sein, glaubt Rachel ihm zunächst, aber John bestreitet es vehement, und daraufhin jagt Rachel den Prediger fort. Nachts sitzt sie mit einem Gewehr im Schoß auf einem Stuhl und hält Wache. Tatsächlich schleicht der perfide Prediger sich an. Rachel schießt und alarmiert die Polizei.

Als die Polizisten den Verbrecher festnehmen, assoziiert John das mit der Verhaftung seines Vaters, reißt schluchzend die Puppe auf, wirft die hervorquellenden Banknoten auf den am Boden liegenden Mann und schreit, er wolle das Geld nicht haben.

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Der Schauspieler Charles Laughton hat nur ein einziges Mal Regie geführt – aber damit Filmgeschichte geschrieben. Als Vorlage wählte er den 1953 veröffentlichten Roman „Night of the Hunter“ („Die Nacht des Jägers“) von Davis Grubb. „Die Nacht des Jägers“ gilt als Klassiker des film noir und ist eine Mischung aus Horrorfilm (American gothic), Märchengroteske und Psychothriller. Die Bildsprache orientiert sich am Expressionismus des deutschen Kinos der Zwanziger- und Dreißigerjahre; das wird vor allem in einer meisterhaften Szene deutlich, in der die Kinder in ihrem Zimmer den drohenden Schatten des Predigers an der Wand entdecken.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2004

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Bei dem Roman "Das Polykrates-Syndrom" von Antonio Fian handelt es sich um eine originelle Groteske mit vielen witzigen Ideen und zumeist guten Pointen.

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