Lawrence von Arabien

Lawrence von Arabien

Lawrence von Arabien

Lawrence von Arabien - Originaltitel: Lawrence of Arabia - Regie: David Lean - Drehbuch: Robert Bolt, nach der Autobiografie "Die sieben Säulen der Weisheit" von T. E. Lawrence - Kamera: Fred A. Young - Schnitt: Anne Coates - Musik: Maurice Jarre - Darsteller: Peter O'Toole, Alec Guinness, Anthony Quinn, Jack Hawkins, José Ferrer, Anthony Quale, Claude Rains, Arthur Kennedy, Omar Sharif u.a. - 1962; 220 Minuten

Inhaltsangabe

Der britische Offizier Thomas Edward Lawrence wird im Ersten Weltkrieg zum militärischen Geheimdienst in Kairo versetzt. Die Briten kämpfen gegen die mit den Deutschen verbündeten Türken. T. E. Lawrence gewinnt das Vertrauen von Prinz Faisal und anderen arabischen Scheichs. Er überredet sie zu einem Aufstand gegen das Osmanische Reich, aber sie denken darüber hinaus und erstreben ein panarabisches Großreich, das den Interessen der Briten widerspricht …
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Kritik

Auch wenn bei Lawrence von Arabien durch die bereits zu seinen Lebzeiten begonnene Legendenbildung Fakten und Mythen kaum zu unterscheiden sind, haben Robert Bolt und David Lean den Versuch unternommen, den Charakter der widersprüchlichen Persönlichkeit auszuleuchten.
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Am 13. Mai 1935 verunglückt Thomas Edward Lawrence in Clands Nill (Dorset), als er mit seinem Motorrad zwei Radfahrern ausweicht, die ihm auf der falschen Seite entgegenkommen. Sechs Tag später erliegt er seinen Verletzungen. Nach der Begräbnisfeier in der St. Paul’s Cathedral in London äußern einige Teilnehmer unterschiedliche Ansichten über „Lawrence von Arabien“, aber es stellt sich heraus, dass ihn niemand richtig gekannt hat, auch die Männer nicht, die mit ihm zusammen im Orient waren.

Der sechsundzwanzigjährige britische Archäologe und Leutnant Thomas Edward Lawrence (Peter O’Toole) war im Dezember 1914 zum militärischen Geheimdienst in Kairo versetzt worden und sollte dort Landkarten des Vorderen Orients anfertigen. Im gerade ausgebrochenen Ersten Weltkrieg kämpften die Briten gegen die mit den Deutschen verbündeten Türken und hätten gern einen Aufstand der Araber gegen das angeschlagene Osmanische Reich angezettelt.

Lawrence freundete sich mit Sherif Ali Ibn El Kharisch (Omar Sharif) an und gewann das Vertrauen von Prinz Faisal (Alec Guinness), dem dritten Sohn des mächtigen Haschimiden-Scherifs Hussein Ibn Ali von Mekka. Unter seiner charismatischen Führung verbündeten sich arabische Stämme 1916 gegen die Türken. Ein wichtiges Ziel des Aufstands war die Hafenstadt Akaba. Die Türken hatten dort zwar Kanonen postiert und sich auf einen Angriff vom Roten Meer aus vorbereitet, aber mit einem aus dem Landesinneren auftauchenden Feind rechneten sie nicht, denn dort dehnt sich die Wüste aus. Gerade deshalb schlug Lawrence diesen Weg 1917 mit fünfzig Freiwilligen ein. Vor Akaba gewann er auch noch Auda Abu Tayi (Anthony Quinn), den Führer der als Banditen verrufenen Howeitat, für das tollkühne Unternehmen.

Nach der gelungenen Vertreibung der Türken aus Akaba im Juli 1917 wurde es für „Lawrence von Arabien“ immer schwieriger, sich zwischen den Interessen seiner Regierung und den Plänen der aufgrund seiner Initiative miteinander verbündeten arabischen Stammesführer zu entscheiden: Er wusste, dass die Erfolge des arabischen Aufstands Faisals Hoffnungen auf ein Königreich von der arabischen Halbinsel bis Mesopotamien, Syrien, Palästina und Transjordanien verstärkt hatten, die Regierungen in London und Paris jedoch ein panarabisches Großreich unter allen Umständen verhindern wollten.

Bei einer Erkundungsmission griffen ihn die Türken in Deraa auf, und der Kommandant Hadjim Bey (José Ferrer) erkannte ihn trotz seiner arabischen Verkleidung. Lawrence von Arabien wurde in der Gefangenschaft gefoltert, bevor er fliehen konnte.

Im Herbst 1918 eroberten die verbündeten Araber auch Damaskus. Unter dem Jubel der Bevölkerung zogen Lawrence von Arabien und einige Stammesführer in Damaskus ein und begannen damit, die Ordnung wiederherzustellen. Faisal traf am 1. Oktober 1918 in Damaskus ein und bildete drei Tage später eine provisorische Regierung. Aber die Briten ließen die Gründung eines mächtigen arabischen Reiches nicht zu. Damit trat ein, was Lawrence von Arabien befürchtet hatte. Zum Colonel befördert, aber frustriert, reiste er nach England zurück.

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Dem Film „Lawrence of Arabia“ („Lawrence von Arabien“) liegt die 1926 veröffentlichte Autobiografie des britischen Archäologen, Offiziers, Abenteurers und Schriftstellers Thomas Edward Lawrence zugrunde: „The Seven Pillars of Wisdom“ ( „Die sieben Säulen der Weisheit“, Leipzig 1936).

Die Schlachtszenen sind zwar atemberaubend, aber der Schwerpunkt liegt auf der psychologischen Entwicklung des Protagonisten. Auch wenn bei Lawrence von Arabien durch die bereits zu seinen Lebzeiten begonnene Legendenbildung Fakten und Mythen kaum zu unterscheiden sind, haben Robert Bolt (Drehbuch) und David Lean (Regie) den Versuch unternommen, den Charakter der widersprüchlichen Persönlichkeit auszuleuchten. „Lawrence von Arabien“ ist keine unkritische Heldenglorifizierung, sondern Peter O’Toole spielt mal einen politisch engagierten charismatischen Führer, dann wieder einen blindwütigen, größenwahnsinnigen Rächer oder einen eitlen Homosexuellen mit einer Neigung zum Masochismus, der unter seiner Veranlagung leidet und verletzlich wirkt. Außerdem werden die Kolonialmächte angeprangert, die nach dem Ersten Weltkrieg im Nahen Osten unter Missachtung berechtigter Bestrebungen der Araber willkürliche Grenzen zogen, die nur ihren eigenen Machtinteressen dienten.

Im Aufbau folgt „Lawrence von Arabien“ einem klassischen Schema: Dem großartigen Aufstieg folgt in der zweiten Hälfte der tiefe Fall.

Es gibt wohl kaum einen anderen Kinofilm, der die Weite und Einsamkeit, Romantik und Erhabenheit der Wüste in so eindrucksvollen Bildern wiedergibt, wie dieser von Freddie Young auf 70 mm („Super Panavision 70“) gedrehte Monumentalfilm. Entscheidenden Anteil an der grandiosen Atmosphäre hat auch die Filmmusik von Maurice Jarre.

Eine Besonderheit des Films „Lawrence von Arabien“ besteht auch darin, dass auf weibliche Sprechrollen ausnahmslos verzichtet wurde.

„Lawrence von Arabien“ wurde mit sieben „Oscars“ ausgezeichnet: Bester Film, Regie (David Lean), Kamera (Fred A. Young), Schnitt (Anne Coates), Musik (Maurice Jarre), Ausstattung (John Box, John Stoll, Dario Simoni) und Ton (John Cox). Nominiert hatte man „Lawrence von Arabien“ außerdem in den Kategorien Drehbuch (Robert Bolt), männliche Hauptrolle (Peter O’Toole) und männliche Nebenrolle (Omar Sharif).

Nachdem „Lawrence von Arabien“ im Lauf der Zeit mehrmals umgeschnitten und zumeist in einer um eine halbe Stunde gekürzten Version gezeigt worden war, kam 1990 eine von Richard A. Harris rekonstruierte, ca. 222 Minuten lange Fassung ins Kino.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2006

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