Für eine Handvoll Dollar

Für eine Handvoll Dollar

Für eine Handvoll Dollar

Für eine Handvoll Dollar - Originaltitel: Per un pugno di dollari - Regie: Sergio Leone - Drehbuch: Sergio Leone, Victor Andrés Catena, A. Bonzzoni, Jaime Comas Gil, Duccio Tessari u.a. - Kamera: Massimo Dallamano und Federico G. Larraya - Schnitt: Roberto Cinquini und Alfonso Santacana - Musik: Ennio Morricone alias Leo Nichols - Darsteller: Clint Eastwood, Marianne Koch, Gian Maria Volonté, Wolfgang Lukschy, José Calvo, Sieghardt Rupp, Antonio Prieto, Margarita Lozano, Daniel Martín, Benito Stefanelli, Bruno Carotenuto, Joseph Egger, Mario Brega, Aldo Sambrell u.a. - 1964; 90 Minuten

Inhaltsangabe

Ein abgerissener, wortkarger Fremder namens Joe reitet in die heruntergekommene Kleinstadt San Miguel an der mexikanisch-texanischen Grenze, die von zwei konkurrierenden Banden beherrscht wird. Um an "eine Handvoll Dollar" zu kommen, spielt Joe die Banden gegeneinander aus, und als nach einem blutigen Bandenkrieg keiner der Banditen mehr am Leben ist, zieht er weiter.
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Kritik

Mit "Für eine Handvoll Dollar" revolutionierte Sergio Leone das Western-Genre: Sein sarkastischer Held ist nicht mehr der Gute, der am Ende über das Böse siegt, sondern selbst nur an "einer Handvoll Dollar" interessiert.
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Ein abgerissener, wortkarger Fremder namens Joe (Clint Eastwood) kommt auf einem Maulesel in die mexikanische Kleinstadt San Miguel geritten. Während er an einem Dorfbrunnen am Stadtrand Wasser trinkt, beobachtet er, wie ein kleiner Junge von ein paar grölenden Männern mit Schüssen davon gejagt wird. Dann kommt ihm ein auf einen Esel gebundener Toter entgegen, der ein Schild mit der Aufschrift „Adios Amigo“ auf dem Rücken trägt. Der Glöckner, der gerade die Totenglocke läutete, begrüßt den Ankömmling und erklärt ihm: „Man ist hier entweder reich oder tot.“ In der Hauptstraße schießen ein paar Männer Joes Maultier zwischen die Hinterbeine, sodass es vor Schreck durchgeht.

Silvanito (José Calvo), der Wirt des Saloons, rät Joe, die Stadt gleich wieder zu verlassen, wenn ihm sein Leben lieb ist. Hier werde jeden Tag einer beerdigt, die meisten Frauen seien Witwen und außer dem Sargschreiner Piripero (Joseph Egger) arbeite in San Miguel niemand. Die Stadt unweit der Grenze zu Texas wird von zwei konkurrierenden Banden beherrscht: Die mexikanischen Brüder Rojo schmuggeln Schnaps, und bei dem aus den USA stammenden Sheriff John Baxter (Wolfgang Lukschy) und dessen Bande handelt es sich um Waffenschieber.

Nachdem Joe sich vom Balkon aus umgesehen hat, geht er auf die Straße und erklärt den Männern, die ihn mit Schüssen empfingen, er habe ihren Scherz durchaus als solchen aufgefasst, aber sein Esel verstehe leider keinen Spaß, sei jetzt sehr verärgert und bestehe auf einer Entschuldigung. Die vier Männer aus Baxters Bande greifen zu ihren Waffen – und liegen im nächsten Augenblick tot am Boden.

Damit hat Joe bewiesen, dass er mutig ist und vorzüglich schießen kann. Um den offenbar gefährlichen Mann auf die eigene Seite zu ziehen, heuert Don Miguel Rojo (Antonio Prieto) ihn für hundert Dollar an. Esteban Rojo (Sieghardt Rupp) ist entsetzt, als er davon erfährt und wirft seinem Bruder vor, das Problem hätte man billiger lösen können – durch einen Schuss in den Rücken –, aber Don Miguel überzeugt ihn, dass Joe das Geld wert sei.

Am Abend trifft ein von einer Kavallerieeinheit scharf bewachter Goldtransport in San Miguel ein. Als die Soldaten am nächsten Morgen weiterziehen, beobachten Joe und Silvanito aus einem Versteck, wie sie am Rio Bravo von Ramón Rojo (Gian Maria Volonté) und dessen Bande mit einem Maschinengewehr überfallen und ausnahmslos getötet werden.

Weil mit einer staatlichen Untersuchung des Goldraubs zu rechnen ist, möchte Ramón erst einmal Ruhe in San Miguel herstellen und lädt deshalb die Baxters zu einem Versöhnungsessen ein.

Da gibt Joe seine hundert Dollar zurück und verlässt die Rojos.

Nachts holen er und Silvanito heimlich zwei der toten Soldaten und lehnen die Leichen auf dem Friedhof so gegen einen Grabstein, dass es aussieht, als ob sie schliefen. Dann erzählt er dem Ehepaar John und Consuelo Baxter (Margarita Lozano) für 500 Dollar, zwei der Soldaten hätten das Massakeer überlebt und könnten als Zeugen gegen die Rojos aussagen. Die Baxters reiten sofort los und treffen am Friedhof auf die Rojos, denen Joe ebenfalls die Nachricht von zwei überlebenden Soldaten zukommen ließ. Während die verfeindeten Banden am Friedhof in einen heftigen Schusswechsel geraten, sucht Joe im Keller der Rojos nach dem Gold. Gerade als er es findet, kommt jemand über die Treppe herunter. Joe springt um eine Mauerecke und schlägt sofort zu. Dann erst merkt er, dass es nicht ein Mann, sondern eine attraktive Frau ist: Marisol (Marianne Koch), die Mutter des Kindes, das von den Banditen traktiert wurde, als Joe am Brunnen stand. Ihr Ehemann hat sie zusammen mit seinem Haus beim Pokern an Ramón Rojo verloren. Joe trägt die Ohnmächtige zu Consuelo Baxter und kassiert auch dafür wieder „eine Handvoll Dollar“.

Am nächsten Morgen wird Marisol gegen den von den Rojos gefangenen Antonio Baxter (Bruno Carotenuto) ausgetauscht. Ramón lässt Marisol in ein abgelegenes Haus bringen und dort von seinen Männern bewachen. Joe erschießt die Wachen, befreit Marisol, gibt ihr das ganze Geld, das er bisher in San Miguel bekommen hat – mehr hat er nicht –, und schickt sie zusammen mit ihrem Ehemann und ihrem Sohn fort. Die Rojo-Brüder haben die Schüsse gehört und finden die toten Wachen. Sie nehmen an, die Baxters hätten Marisol befreit. Als sie auf Joe stoßen, vermuten sie, dass er den Baxters half und versuchen, aus ihm herauszuprügeln, wo Marisol ist.

Obwohl er nur noch kriechen kann, gelingt es Joe durch einen Trick, zu fliehen. Während die Rojos nun Silvanito zusammenschlagen, um herauszubekommen, wo Joe ist, lässt dieser sich von Piripero in einem Sarg aus der Stadt schmuggeln.

Aus Rache beginnen die Rojos einen regelrechten Krieg gegen die Baxters und zünden ihnen die Häuser an. John Baxter ergibt sich und schwört, er werde die Stadt mit seinen Leuten verlassen, aber die Rojos erschießen ihn ebenso wie seine Frau. Sie hören erst auf, als von Baxters Bande niemand mehr am Leben ist.

Wenn Sie noch nicht erfahren möchten, wie es weitergeht,
überspringen Sie bitte vorerst den Rest der Inhaltsangabe.

In einem Versteck erholt Joe sich von seinen Verletzungen und verfeinert seine Schießkunst noch weiter.

Als der Sargschreiner ihm dann mitteilt, dass die Banditen Silvanito vor dem Saloon an den Armen aufgehängt haben, um Joes Versteck aus ihm herauszuprügeln, geht er in die Stadt. Er sprengt eine Stange Dynamit und tritt dann aus dem Rauch hervor. Ramón stellt sich ihm mit vier Männern in den Weg, aber es dauert kaum länger als eine Sekunde, dann liegt Ramóns Gewehr neben den Leichen seiner Männer am Boden. Joe durchschießt den Strick, an dem Silvanito hängt. Dann wirft er seinen Revolver weg und fordert Ramón auf, das Gewehr aufzuheben und zu schießen, während er selbst nach seinem Revolver greift. Um den Bruchteil einer Sekunde ist Joe schneller als Ramón. Als er vorsichtig auf den Erschossenen zugeht, zielt ein Heckenschütze auf ihn, aber der wird von Silvanito bemerkt und erschossen.

Das geraubte Gold soll der Regierung zurückgegeben werden. Doch bevor die Regierungsdelegation nach San Miguel kommt, reitet Joe weiter.

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1961 kam der Fim „Yoyimbo. Der Leibwächter“ von Akiro Kurosawa ins Kino. Die Handlung spielt im 19. Jahrhundert in Japan. Der heruntergekommene Samurai Sanjuro (Toshirô Mifune) sucht Arbeit und kommt an einen Ort, wo sich die Banden des Fabrikanten Tokuemon (Takashi Shimura) und des Händlers Tazaemon (Kamatari Fujiwara) bekämpfen. Beide versuchen, Sanjuro als yoyimbo (Leibwächter) zu gewinnen, aber der Zyniker spielt sie gegeneinander aus. Nachdem sich die Banden gegenseitig vernichtet haben, zieht Sanjuro weiter.

Originaltitel: Yoyimbo – Regie: Akiro Kurosawa – Drehbuch: Ryuzo Kikushima und Akiro Kurosawa – Kamera: Kazuo Miyagawa – Schnitt: Akira Kurosawa – Musik: Masaru Satô – Darsteller: Toshirô Mifune, Eijiro Tono, Kamatari Fujiwara, Takashi Shimura, Tatsuya Nakadai, Yôko Tsukasa, Isuzu Yamada u.a. – 1961; 110 Minuten

Fast zur gleichen Zeit – und von „Yoyimbo“ dazu angeregt – drehte John Sturges in Hollywood den Western „Die glorreichen Sieben“. Der Revolverheld Chris (Yul Brynner) wird von den Bewohnern eines jeweils zur Erntezeit von einer Räuberbande überfallenen mexikanischen Dorfes angeheuert.

Originaltitel: The Magnificent Seven – Regie: John Sturges – Drehbuch: William Roberts, Walter Bernstein und Walter Newman – Kamera: Charles Lang jr. – Schnitt: Ferris Webster – Musik: Elmer Bernstein – Darsteller: Yul Brynner, Steve McQueen, Horst Buchholz, Eli Wallach, Charles Bronson, Robert Vaughan, Brad Dexter, James Coburn, Rosenda Monteros u.a. – 1960; 130 Minunten

Nach dem Vorbild von „Yoyimbo“ und „Die glorreichen Sieben“ drehte Sergio Leone 1964 mit einem kleinen Budget und dem damals noch unbekannten Clint Eastwood als Hauptdarsteller in Spanien den Western „Für eine Handvoll Dollar“.

Sergio Leone brach dabei mit dem Genre des Western bzw. Edelwestern, in dem der Wilde Westen romantisch und ethisch verklärt wurde. Sein sarkastischer Held ist nicht mehr der Gute, der am Ende über das Böse siegt, sondern selbst nur an „einer Handvoll Dollar“ interessiert. (Dass er Marisol befreit, deutet allerdings darauf hin, dass er auch andere Charakterzüge hat.) Es gibt keine edlen Helden mehr, und dementsprechend spielt „Für eine Handvoll Dollar“ in den Kulissen einer heruntergekommenen Grenzstadt, statt – wie so viele klassische Western – in den grandiosen Landschaften des Monument Valley.

Obwohl man den Stilwillen Sergio Leones bereits in Ansätzen erkennt, hat „Für eine Handvoll Dollar“ noch nicht die Klasse etwa von „Spiel mir das Lied vom Tod“. Aber mit diesem ersten Italowestern setzte Sergio Leone in der Filmgeschichte einen Meilenstein, denn mit seiner Abkehr vom Schema Gut gegen Böse revolutionierte er nicht nur das Western-Genre.

Weil die Testvorführungen entmutigend waren, versteckten einige der Filmemacher sich zunächst hinter Pseudonymen: Bob Robertson (Sergio Leone), Johnny Wels (Gian Maria Volonté), Jack Dalmas (Massimo Dallamano), Bob Quintle (Roberto Cinquini). Ohne Werbung lief „Für eine Handvoll Dollar“ in Florenz an – und wurde durch Kritiken und Mundpropaganda zu einem Überraschungserfolg. Die spöttisch gemeinte Bezeichnung „Spaghettiwestern“ entwickelte sich gewissermaßen zu einem Qualitätssiegel.

Zusammen mit „Für ein paar Dollar mehr“ (1965) und „Zwei glorreiche Halunken“ (1966) bildet „Für eine Handvoll Dollar“ die „Dollar-Trilogie“ von Sergio Leone.

Für ein paar Dollar mehr – Originaltitel: Per qualche dollaro in più – Regie: Sergio Leone – Drehbuch: Fulvio Morsella, Sergio Leone, Luciano Vincenzoni u.a. – Kamera: Massimo Dallamano – Schnitt: Adriana Novelli – Musik: Ennio Morricone – Darsteller: Clint Eastwood, Lee Van Cleef, Gian Maria Volonté, Mara Krupp, Luigi Pistilli, Klaus Kinski, Joseph Egger, Panos Papadopulos, Benito Stefanelli, Roberto Camardiel, Aldo Sambrell, Luis Rodríguez, Tomás Blanco, Lorenzo Robledo, Sergio Mendizábal, Dante Maggio, Diana Rabito, Giovanni Tarallo, Mario Meniconi, Mario Brega u.a. – 1965; 130 Minuten

Unter dem Titel „Last Man Standing“ drehte Walter Hill ein Remake von „Für eine Handvoll Dollar.“

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2005

Sergio Leone: Zwei glorreiche Halunken
Sergio Leone: Spiel mir das Lied vom Tod
Sergio Leone: Es war einmal in Amerika

Wolfgang Herrndorf - Sand
Mit dem Roman "Sand" parodiert Wolfgang Herrndorf das Genre des Agententhrillers. Lesenswert ist "Sand" nicht wegen der grotesken, episodenhaften Handlung, sondern aufgrund der sprachlichen Virtuosität des Autors.
Sand

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