Mathilde Franziska Anneke


Nach der Geburt ihres ersten Kindes ließ Mathilde Franziska von Tabouillot sich scheiden, obwohl allein erziehende Mütter von der Gesellschaft damals geächtet wurden. Mit Fritz Anneke, ihrem zweiten Mann, beteiligte sich die aus dem Ruhrgebiet stammende Journalistin und Schriftstellerin an der revolutionären Bewegung von 1848/49 und floh nach dem gescheiterten Aufruhr in die USA. Dort gründete sie eine Mädchenschule und engagierte sich an führender Stelle in der Frauenbewegung.


Mathilde Franziska Anneke:
Ehefrau eines trunksüchtigen Weinhändlers

Leseprobe aus
Dieter Wunderlich: WageMutige Frauen. 16 Porträts aus drei Jahrhunderten
Verlag Friedrich Pustet, Regensburg 2004 / Piper Taschenbuch, München 2008 (5. Auflage: 2011)

Bald nach der Eheschließung wird Mathilde von ihrem Mann zum ersten Mal misshandelt [Gewalt in der Ehe]. Auch als sie schwanger ist, schlägt er sie, wenn er zu viel getrunken hat [Alkoholkrankheit]. Sie hält die ständige Angst zwar kaum aus, wartet jedoch ab, bis sie am 27. November 1837 von ihrer Tochter entbunden worden ist.

Dieter Wunderlich: WageMutige Frauen © Piper Verlag 2008

Im Dezember trennt sie sich von Alfred von Tabouillot, zieht mit dem Baby Johanna (»Fanny«) nach Wesel und reicht beim Kreisgericht in Duisburg die Scheidung ein. Mathilde muss jahrelang mit der Unsicherheit über den Ausgang des Verfahrens leben und zugleich damit fertig werden, dass sie von gutbürgerlichen Damen gemieden wird. Eine Ehescheidung ist zwar in der Rheinprovinz aufgrund des von Napoleon eingeführten Code civil rechtlich möglich, doch allein erziehende Mütter gelten als anstößig. Ihre Klage wird abgewiesen. Das Oberlandesgericht Hamm schließt sich diesem Urteil an, weil die Klägerin eigenmächtig ihren Mann verließ und auch während des Gerichtsverfahrens nicht zu ihm zurückkehrte. Als Mathilde erklärt, sie wage sich »aus Besorgnis vor neuen Tätlichkeiten« nicht mehr in die Nähe ihres Ehemanns, sanktioniert das Gericht endlich die Scheidung, befindet aber beide Partner für schuldig. Die Revision, die Mathilde gegen dieses in ihren Augen ungerechte Urteil einlegt, verschlimmert ihre Situation, denn das Geheime Obertribunal in Berlin gibt ihr 1843 wegen »böslicher Verlassung« des Ehemanns die Alleinschuld. Damit ist der Rechtsweg ausgeschöpft. Ihr einziger Trost am Ende dieser aufreibenden Auseinandersetzung ist, dass man ihr wenigstens das Kind lässt. In einem Brief schreibt sie später: »Nach dem Ausgang eines unglücklichen Scheidungsprozesses meiner ersten Ehe, worin ich ein Opfer der preußischen Justiz wurde, war ich zum Bewusstsein gekommen und zur Erkenntnis, dass die Lage der Frauen eine absurde und der Entwürdigung der Menschheit gleichbedeutende sei.«

Quelle: Dieter Wunderlich, WageMutige Frauen. 16 Porträts aus drei Jahrhunderten
© Pustet Verlag, Regensburg 2004
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