Gewalt in der Ehe


Weil es schwierig ist, Umfragen zu einem Tabu-Thema wie Gewalt in der Ehe bzw. häusliche Gewalt durchzuführen, gibt es keine verlässlichen Angaben darüber, wieviele Frauen von ihren Ehemännern bzw. Lebenspartnern geschlagen oder vergewaltigt werden. Dazu kommt, dass schätzungsweise nur eine von 20 misshandelten Frauen Anzeige erstattet. Es passiert auch, dass Frauen ihre Männer verprügeln, aber dabei handelt es sich um Ausnahmeerscheinungen. Die Kinder von Eltern, zwischen denen es zu Gewalttätigkeiten kommt, sind selbst dann Opfer, wenn sie nicht selbst geschlagen werden, denn das hilflose Zusehen

bei häuslicher Gewalt kann psychische Störungen verursachen.

Eine im Juni 2001 veröffentlichte, in Frankreich durchgeführte Studie über Gewalt in der Ehe kam zu dem Ergebnis, dass 10 Prozent der Frauen durchschnittlich einmal im Monat Opfer von Gewalttaten ihres Ehemanns oder Partners wurden. An den Folgen der Verletzungen starben 72 Frauen pro Jahr. Bemerkenswert ist, dass es sich bei der Mehrzahl der Gewalttäter nicht um Angehörige des Prekariats handelte, sondern in zwei Dritteln der Fälle um besser verdienende Angestellte. Ein anderes Vorurteil wurde allerdings bestätigt: 70 Prozent der Gewalttaten wurden von alkoholisierten Männern begangen.

Paare und Familien, die mehr oder weniger isoliert leben, scheinen besonders gefährdet zu sein. Bei den Gewalttätern handelt es sich häufig um Männer mit einem negativen Selbstbild; Mangel an Selbstbewusstsein und Versagensängste spielen eine Rolle. Durch Gewalt in der Ehe kompensieren Männer Frustrationen und Minderwertigkeitskomplexe, denn wenn sie ihre Frauen schlagen oder vergewaltigen, erleben sie sich als männlich und stärker als andere. Zu Gewalt neigen auch Männer, die sich verbal nur unzureichend ausdrücken können, besonders, wenn ihre Frauen ihnen bei verbalen Auseinandersetzungen überlegen sind.

Frauenhäuser, in denen Opfer von ehelicher Gewalt Zuflucht finden, sind besonders in Skandinavien verbreitet.

In Österreich ist die Polizei befugt, gewalttätigen Ehemännern das Betreten ihrer Wohnung für zehn Tage zu verbieten.

In Deutschland arbeitet die „Berliner Interventionszentrale bei häuslicher Gewalt“ bzw. der Verein „Berliner Initiative gegen Gewalt an Frauen“ (BIG) „an der Entwicklung, Veränderung und Verbesserung von Maßnahmen und Strategien gegen häusliche Gewalt gegenüber Frauen und ihren Kindern auf struktureller und politischer Ebene“.

Körperliche Übergriffe in der Ehe bzw. Partnerschaft sind nicht die einzige Form von häuslicher Gewalt. Häufiger sind psychische Varianten: Demütigung, Beschimpfung, Einschüchterung, Drohung, Nötigung, Verbot, Bevormundung, Kontrolle, Stalking. Zusätzlich kann ökonomischer Druck ausgeübt werden.

Romane und Spielfilme zum Thema „Gewalt in der Ehe“:

© Dieter Wunderlich 2008

Gewalt gegen Frauen

Martin Mosebach - Eine lange Nacht
"Eine lange Nacht" ist eine Art ironischer Bildungsroman. Die Figuren sind Alltagsmenschen, die Ereignisse unspektakulär. Statt einen Spannungsbogen aufzubauen, reiht Martin Mosebach auf kunstvolle – mitunter ermüdende – Weise Episoden aneinander.
Eine lange Nacht

Martin Mosebach

Eine lange Nacht

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