Das rote Eichhörnchen

Das rote Eichhörnchen

Das rote Eichhörnchen

Das rote Eichhörnchen - Originaltitel: La ardilla roja - Regie: Julio Medem - Drehbuch: Julio Medem - Kamera: Gonzalo Berridi - Schnitt: María Elena Sáinz de Rozas - Musik: Alberto Iglesias - Darsteller: Nancho Novo, Emma Suárez, María Barranco, Karra Elejalde, Carmelo Gómez, Christina Marcos, Helena Irureta, Mónica Molina, Susana García u.a. - 1993; 110 Minuten

Inhaltsangabe

Gerade als der Rockmusiker Jota sich von einer Brücke stürzen will, weil seine Freundin ihn verlassen hat, bricht unweit von ihm eine Motorradfahrerin durchs Geländer. Sie überlebt ohne nennenswerte Verletzungen, aber sie hat durch den Unfall ihr Gedächtnis verloren. Im Krankenhaus wird angenommen, Jota sei ihr Freund und habe mit auf dem Motorrad gesessen. Weil kein Ausweis bei ihr gefunden wird, soll er die erforderlichen Angaben zu ihrer Person machen. Da erfindet Jota einen Namen und eine Biografie für sie ...
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Kritik

Der Film "Das rote Eichhörnchen" von Julio Medem ist ein originelles Vexierspiel mit Elementen aus Melodram, Psychothriller und Komödie sowie vielen bizarren, surrealen Einfällen.

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Jota (Nancho Novo) steht nachts bei San Sebastian auf einer Brücke am Meer und will sich das Leben nehmen, weil ihn seine Freundin Eli (Susana García Díez) verlassen hat, aber er scheut vor dem Sprung zurück. Während er mit sich hadert, kommt eine junge Motorradfahrerin (Emma Suárez) von der Straße ab und durchbricht das Brückengeländer. Glücklicherweise stürzt sie nicht über den Klippen ab, sondern noch über dem Strand, wo der Sand den Aufprall dämpft. Sie bleibt auf dem Rücken liegen. Jota rennt hin und redet mit ihr. Nach kurzer Zeit treffen die von einem Anwohner herbeigerufenen Sanitäter ein, die annehmen, Jota habe mit auf dem Motorrad gesessen. Im Krankenhaus stellt sich heraus, dass die Frau unverletzt ist, sich jedoch aufgrund einer retrograden Amnesie weder an ihren Namen noch an Ereignisse vor dem Unfall erinnern kann. Jota soll dem Arzt Salvador (Chete Lera) Angaben über seine vermeintliche Freundin machen, die keinen Ausweis bei sich hat. Er behauptet, sie heiße Elisa („Lisa“), wohne seit vier Jahren bei ihm und sei eine arbeitslose Schuhverkäuferin. Dann geht er zu der Patientin, sagt ihr das Gleiche und küsst sie zärtlich auf den Mund.

Lisa soll einige Tage in der Klinik bleiben. Als Jota sie besucht, bittet ihn eine auf die Behandlung von Amnesien spezialisierte Psychiaterin (Ana Gracia), anschließend zu ihr ins Büro zu kommen, denn sie möchte mehr über Lisa erfahren. Stattdessen nimmt er Lisa mit aus dem Krankenhaus. Draußen steht ein neues Motorrad. Er erzählt Lisa, sie hätten vorgehabt, Urlaub zu machen, und das sollten sie jetzt auch tun, damit Lisa sich erholen kann. Sie fahren zu einem Campingplatz an einem See, der „La ardilla roja“ („Das rote Eichhörnchen“) heißt und bauen dort ihr Zelt auf. Lisa versucht, Jota über ihre Vergangenheit auszufragen, aber er lügt, der Arzt habe ihm geraten, ihr nichts zu erzählen, denn sie müsse sich selbst wieder an früher erinnern. Über sich berichtet er nur, dass er Musiker sei und früher die Rockband „Las moscas“ geleitet habe.

Die Nachbarn auf dem Campingplatz heißen Antón (Karra Elejalde) und Carmen (María Barranco). Sie haben ihre Tochter Cristina (Ane Sanchez) bei sich, und übers Wochenende holt Antón – der sein Geld als Taxifahrer verdient – auch seinen Sohn Alberto (Eneko Irizar). Cristina spielt mit Ana (Sarai Noceda), der Tochter von Begoña (Elena Irureta), deren Zelt ebenfalls in der Nähe steht. Begoñas Ehemann kam bei einem Verkehrsunfall ums Leben, und sie versucht nun, einen anderen Mann kennen zu lernen. Deshalb ist sie froh, dass Carmen sich um Ana kümmert.

Alberto spielt mit seiner Schwester und tut so, als hypnotisiere er sie. Dann versucht der Schuljunge es bei Lisa. In Trance sagt sie, sie heiße Sofia Puentes und sei mit einem Mann namens Félix verheiratet.

Kurz darauf heißt es im Radio, dass eine Fünfundzwanzigjährige mit dem Namen Sofia Puentes vermisst werde. Jota erklärt Antón und Carmen, Lisa sei früher verheiratet gewesen, aber die Ehe sei längst geschieden worden. Um sich an ihr zu rächen, gebe ihr Exmann jedes Jahr an ihrem Hochzeitstag eine Suchanzeige auf. Das sei nichts anderes als Stalking.

Von einer Telefonzelle aus ruft Jota heimlich die angegebene Nummer an und teilt Félix (Carmelo Gómez) mit, er sei mit Sofia zusammen. Félix wurde bereits von Antón darüber informiert, dass Sofia auf dem Campingplatz „Das rote Eichhörnchen“ zu finden sei. Er ist seit sechs Jahren mit ihr verheiratet, aber vor einem Monat verließ sie ihn.

Kurze Zeit später taucht Félix auf dem Campingplatz auf. Sofia flüchtet auf dem Motorrad. Félix verfolgt sie mit seinem Auto, und Jota springt zu ihm auf den Beifahrersitz. Auf der Uferstraße verliert Félix die Kontrolle über den Wagen. Sie schießen über den Abhang hinaus in den See.

Wenn Sie noch nicht erfahren möchten, wie es weitergeht,
überspringen Sie bitte vorerst den Rest der Inhaltsangabe.

Einen Monat später gibt Jota, der sich aus dem untergegangenen Fahrzeug befreien konnte, in der nächtlichen Radiosendung „Leben und Tod“ eine Suchmeldung nach Lisa auf. Und er geht noch einmal zu dem Arzt Salvador ins Krankenhaus. Von Salvador, bei dem es sich um Sofias Bruder handelt, erfährt er, dass Félix, der bei dem Unfall ertrank, vier Menschen totgefahren und Fahrerflucht begangen hatte. Sofia habe die Amnesie nur vorgetäuscht, sagt Salvador, um mit Jota zu spielen. Sie arbeite jetzt im Zoo von Madrid.

Dort überrascht Jota sie im Eichhörnchen-Gehege …

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Ein Lebensmüder denkt sich für eine verunglückte Motorradfahrerin, von der er glaubt, dass sie ihr Gedächtnis verloren hat, eine Biografie aus und verschafft sich dadurch die Gelegenheit für einen eigenen Neuanfang. „Das rote Eichhörnchen“ ist ein originelles Vexierspiel mit Elementen aus Melodram, Psychothriller und Komödie sowie vielen bizarren, surrealen Einfällen.

„Das rote Eichhörnchen“ ist der zweite abendfüllende Kinofilm des spanischen Regisseurs Julio Medem (*1958). Sein Debütfilm hieß „Vacas. Kühe“ (1991).

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2006

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