Willkommen in Wellville

Willkommen in Wellville

Willkommen in Wellville

Willkommen in Wellville - Originaltitel: The Road to Wellville - Regie: Alan Parker - Drehbuch: Alan Parker, nach dem Roman "Willkommen in Wellville" von Tom Coraghessan Boyle - Kamera: Peter Biziou - Schnitt: Gerry Hambling - Musik: Rachel Portman - Darsteller: Anthony Hopkins, Bridget Fonda, Matthew Broderick, John Cusack, Dana Carvey, Michael Lerner, Colm Meaney, John Neville, Lara Flynn Boyle, Traci Lind, Camryn Manheim, Roy Brocksmith, Norbert Weisser, Carole Shelley, Marshall Efron, Michael Goodwin, Jacob Reynolds, Monica Parker u.a. - 1994; 115 Minuten

Inhaltsangabe

Eleanor Lightbody reist mit ihrem magenkranken Ehemann William 1907 in das Luxus-Sanatorium "Battle Creek", wo der verschrobene Dr. John H. Kellogg die Patienten mit obskuren Methoden behandelt und ihnen erklärt, dass Sex und Fleischessen krank machen. Sein missratener Adoptivsohn George wird derweil Geschäftspartner eines angehenden Fabrikanten, der eine neue Sorte Cornflakes auf den Markt bringen möchte.
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Kritik

Alan Parker verfilmte den Roman "Willkommen in Wellville" von T. C. Boyle. Es handelt sich um eine überdrehte Groteske, eine ungezügelte Satire auf den Fitness- und Gesundheitswahn. Im Mittelpunkt steht die skurrile Karikatur des missionarischen Weltverbesserers Dr. John H. Kellogg.
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Dr. John Harvey Kellogg (Anthony Hopkins) nennt sich selbst einen „Kreuzfahrer für das naturgebundene Leben“. Er erfand nicht nur Cornflakes, Erdnussbutter und rund fünfundsiebzig weitere gesunde Lebensmittel auf Pflanzenbasis, sondern eröffnete auch 1876 in den Wäldern von Michigan das Luxus-Sanatorium „Battle Creek“, in dem er seine bizarren Ideen mit missionarischem Eifer verwirklicht. Gegen die Zivilisationskrankheit „Autointoxikation“ verordnet Kellogg seinen Patienten sexuelle Enthaltsamkeit sowie den Verzicht auf Nikotin, Alkohol und den Genuss von Fleisch. Die Gesundheit hängt seiner Meinung nach vor allem von einer funktionierenden Verdauung ab. Viele reiche Amerikaner glauben ihm und pilgern alljährlich zum Sanatorium „Battle Creek“, um sich dort durch tägliche Parafin-Einläufe entschlacken zu lassen.

In einem Interview sagt Dr. Kellogg zu den Journalisten: „Jeder saftige Bissen Fleisch ist belebt und wimmelt von denselbem Schmutz, den wir auch im Kadaver einer toten Ratte finden […] Ein Würstchen ist ein unverdaulicher Ballon, gefüllt mit von Tuberkulose befallenem, verwesendem Rindfleisch […] Ich selbst habe so manchen reuigen Fleischfresser gesehen, dessen Körper von Harnsäure und Selbstzweifeln erfüllt war und dessen Seele auf einem Ozean vergifteten Schleims dahintrieb, der unaufhörlich gegen die Wände seines Körpers brandete.“

1907 ist auch das Ehepaar Lightbody unter den Patienten und Kurgästen. Eleanor Lightbody (Bridget Fonda) hat ihren skeptischen Gatten William ( Matthew Broderick) mitgebracht, damit er in „Battle Creek“ von seinem Magenleiden geheilt wird. Bei dem Versuch, Will mit dem Wundermittel eines Quacksalbers von der Trunksucht zu befreien, der er nach der Totgeburt ihres Kindes verfallen war, hatte ihn Eleanor nämlich unbeabsichtigt opiumsüchtig gemacht, und nun kann er nichts anderes mehr zu sich nehmen als Toast und Wasser. Dr. Kellogg glaubt bereits bei der Begrüßung, die Schwere der Erkrankung des neuen Patienten zu erkennen, und er lässt ihn von Schwester Graves (Traci Lind) im Rollstuhl aufs Zimmer bringen, das nicht einmal im selben Stockwerk wie das seiner Frau liegt, denn Dr. Kellogg will selbst Ehepaare von sexuellen Aktivitäten abhalten. Will muss nicht nur die täglichen Paraffineinläufe über sich ergehen lassen, sondern zum Beispiel auch Elektroschocks im Sitzbad zur Unterdrückung der Libido. Einmal kommen dabei der Pfleger und ein anderer Patient ums Leben. Seltsamerweise glaubt Will seit seiner Ankunft fortwährend, nackte Frauen zu sehen und hat beinahe eine Dauererektion. Dazu kommt noch, dass ihn die leichenblasse Patientin Ida Muntz (Lara Flynn Boyle) mehrmals in ihr Bett lockt, zuletzt am Tag vor ihrem Tod.

Währenddessen folgt Eleanor dem Rat einer anderen Patientin und vertraut sich der neuartigen Behandlung des deutschstämmigen Arztes Dr. Spitzvogel (Norbert Weisser) an, der durch eine angeblich von ihm erfundene Unterleibsmassage vollkommene Entspannung verspricht.

Bei einem Ausflug in ein Gasthaus trifft Will zufällig Charles Ossining (John Cusack) wieder, den er und Eleanor während der Anreise im Speisewagen kennen gelernt hatten. Charles erzählt Will, er sei dabei, eine Fabrik aufzubauen, sein Geschäftspartner Goodloe Bender (Michael Lerner) habe jedoch das von Charles‘ Tante stammende Startkapital beim Kartenspiel verloren. Will ist gern bereit, in das geplante Unternehmen zu investieren.

Mit dem Geld macht Charles sich erneut an die Unternehmensgründung. Und er beteiligt daran auch George Kellogg (Dana Carvey), eines der vierzig Adoptivkinder von Dr. John Harvey Kellogg. George ist zwar ein missratener Sohn und völlig verwahrlost, aber Charles verspricht sich viel davon, den berühmten Namen Kellogg in der Werbung verwenden zu können. Weil aber nicht einmal Schweine eine der fünfundzwanzig versuchsweise hergestellten Mischungen fressen, verfallen die Geschäftspartner auf die Idee, Cornflakes aus dem Lager von Dr. Kellogg zu stehlen, in ihren eigenen Schachteln zu verpacken und dieses Produkt zu verkaufen.

Überraschend trifft Charles‘ Tante, Mrs. Hookstratten (Carole Shelley), zu einem Kuraufenthalt in „Battle Creek“ ein und will auch die von ihrem Geld gebaute Fabrik besichtigen. (Charles sei gar nicht ihr richtiger Neffe, verrät sie Dr. Kellogg, sondern der uneheliche Sohn eines ihrer früheren Hausmädchen.)

Goodloe Bender macht sich aus dem Staub, ohne seine Hotelrechnung zu begleichen. Charles muss dafür aufkommen und wird in der Hotelhalle auch noch von zwei Anwälten erwartet, die ihm eine Unterlassungsklage gegen die Verwendung des Namens Kellogg überreichen.

Inzwischen macht Will mit der attraktiven Schwester Graves einen Bootsausflug. Nach dem Ablegen besinnt er sich jedoch, dass er seine Frau liebt, steigt aus und stakst durch das flache Wasser an Land. Im Wald ertappt er Dr. Spitzvogel, der seine Behandlungsmethode gerade bei einigen Damen – darunter Eleanor – ausprobiert.

Zur gleichen Zeit legt George Kellogg im Sanatorium seines Adoptivvaters Feuer. Personal und Patienten fliehen in Panik. „Battle Creek“ brennt bis auf die Grundmauern nieder.

Charles wurde verhaftet. Aber der Wagen, mit dem er ins Gefängnis gebracht werden soll, kollidiert mit dem Feuerwerkauto, und Charles entkommt aus dem Wrack.

Dr. John Harvey Kellogg baut sein Sanatorium neu auf. Als er am 14. Dezember 1943 einer Reihe von Journalisten durch einen Kopfsprung vom Dreimeterbrett ins Wasser demonstrieren möchte, wie gesund und sportlich er trotz seines Alters noch sei, erliegt er mitten im Sprung einem Herzinfarkt.

Will und Eleanor Lightbody versöhnen sich und haben vier Töchter.

Charles Ossining kommt auf die Idee, eine Limonade mit dem Extrakt von Coca-Blättern herzustellen und unter der Marke „Cola Kane“ zu vermarkten. Damit verdient er ein Vermögen.

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Alan Parker verfilmte den 1993 veröffentlichten Roman „Willkommen in Wellville“ (Übersetzung: Anette Grube) von Tom Coraghessan Boyle. Zwei Handlungsstränge sind in der Geschichte verwoben: Das Ehepaar Lightbody reist zu einem Kuraufenthalt bzw. einer Therapie in das berühmte Luxus-Sanatorium des schrulligen Dr. John Harvey Kellogg. Währenddessen versucht ein junger Mann – Charles Ossining –, mit einem windigen Geschäftspartner und Kellogs Adoptivsohn George eine Fabrik für Cornflakes zu gründen.

„Willkommen in Wellville“ ist eine Groteske, eine überdrehte Satire auf den Fitness- und Gesundheitswahn. Im Mittelpunkt steht die skurrile Karikatur des missionarischen Weltverbesserers Dr. John Harvey Kellogg (1852 – 1943), der 1894 zusammen mit seinem Bruder Will Keith Kellogg die Cornflakes erfand. (1906 gründete Will Keith Kellogg die „Battle Creek Toasted Corn Flake Company“.) Mit Dr. John H. Kellogg nehmen Tom Coraghessan Boyle und Alan Parker zugleich die Unterdrückung menschlicher Bedürfnisse im Allgemeinen und der Sexualität im Besonderen aufs Korn. In dem zum Teil derben, jedoch insgesamt recht unterhaltsamen Klamauk beweist Anthony Hopkins mit einer bravourösen schauspielerischen Leistung seine Vielseitigkeit.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2005

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Minette Walters

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