Ein todsicherer Plan

Ein todsicherer Plan

Ein todsicherer Plan

Originaltitel: Ein todsicherer Plan – Regie: Roland Suso Richter – Drehbuch: Holger Karsten Schmidt – Kamera: Jürgen Carle, Christoph Schmitz – Schnitt: Isabelle Allgeier – Musik: Ulrich Reuter – Darsteller: Richy Müller, Martin Butzke, Julia Brendler, Michaela Caspar, Frederick Lau, Claudia Eisinger, Christian Beermann, Sebastian Gerold, Rainer Furch, Anke Sevenich u.a. – 2014; 90 Minuten

Inhaltsangabe

Der Schreiner Klaus Roth kann die von der Bank erhöhten Zinsen für seinen Kredit nicht mehr bezahlen. In seiner Verzweiflung will er sich durch einen Überfall auf die Bank das für eine Weiterführung des Betriebs erforderliche Geld beschaffen. Doch bei dem Überfall, den er mit einem früheren Mitarbeiter zusammen durchführt, den er entlassen musste, geht alles schief. Statt unerkannt mit der Beute zu entkommen, nehmen die beiden Täter die in der Bank Anwesenden als Geiseln und verschanzen sich, während ein SEK der Polizei in Stellung geht ...
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Kritik

"Ein todsicherer Plan", eine spannende Mischung aus Thriller und Drama, veranschaulicht die Gruppendynamik der Bankräuber und ihrer Geiseln ebenso wie die Prozesse, die zwischen der Polizei und den Tätern ablaufen.
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Klaus Roth (Richy Müller) muss seine Schreinerei in der baden-württembergischen Kleinstadt Ladenburg schließen, weil er die von der Bank angehobenen Zinsen für seinen Kredit nicht mehr aufbringen kann. Seinen Mitarbeitern musste er bereits vor einiger Zeit kündigen. Der 51-jährige Schreiner rechnet damit, dass als nächstes sein Haus versteigert wird, in dem er mit seiner Ehefrau Anne (Anke Sevenich) und der kleinen Tochter Ira wohnt.

In dieser verzweifelten Lage plant er mit Achim Buchert (Martin Butzke) einen Überfall auf einen Geldtransporter. Buchert war nach seinem Afghanistan-Einsatz unehrenhaft aus der Bundeswehr entlassen worden. Roth hatte ihn eingestellt und ihm eine Chance geben wollen, aber dann konnte er sich keine Mitarbeiter mehr leisten. Zuletzt arbeitete der frühere Oberleutnant als Briefträger.

Nachdem Klaus Roth sich zu Hause von Frau und Kind verabschiedet hat, geht er zu dem vor der örtlichen Zweigstelle der HKM-Bank geparkten Auto, in dem Buchert bereits auf ihn wartet. Hinter dem Lenkrad sitzt allerdings nicht Pit, wie erwartet, sondern ein Fremder. Pit sei krank geworden und Christoph („Chris“) Müller (Wojo van Brouwer) für ihn eingesprungen, erklärt Buchert. Roth gefällt die Änderung nicht und er will die Aktion verschieben. Aber Buchert ist entschlossen, den Überfall notfalls alleine durchzuziehen. Und da fährt auch schon der Geldtransporter vor. Buchert zieht sich die Maske übers Gesicht, packt sein automatisches Gewehr und springt aus dem Auto. Zögernd folgt Roth ihm mit einem Revolver in der Hand.

Einer der Geldboten schießt auf Roth. Dank der Splitterweste, die er trägt, kommt er mit einer Prellung davon. Roth und Müller drängen den Mann in die Bank, brüllen „Überfall“ und verlangen, dass die Geldkassette geöffnet wird. Sie enthält jedoch nicht einmal 1000 Euro. Eine größere Geldsumme ist erst für den nächsten Tag avisiert.

Währenddessen versucht Müller zu fliehen, aber der zweite Geldbote blockiert mit dem Transporter die Straße. Müller steigt aus und rennt zu Fuß weiter, aber der Geldbote holt ihn ein und überwältigt ihn. Kurz darauf wird Müller von der Polizei verhaftet.

Als Roth und Buchert mit der lächerlichen Beute aus der Bank kommen, ist das Fluchtauto nicht mehr da. Sie kehren um und lassen sich von Martin Huttenlocher (Christian Beermann), dem Filialleiter, die Schlüssel für dessen Wagen geben. Aber es ist zu spät: Ein Streifenwagen nähert sich mit Sirene und Blaulicht. Weil Roth und Buchert nicht mehr wegkönnen, gehen sie zurück in die Bank und nehmen sowohl die Angestellten als auch den Geldboten als Geiseln. Ihre Hoffnung, doch noch unerkannt zu entkommen, verflüchtigt sich, als sie Chris Müller auf dem Handy anrufen, der örtliche Polizeichef Michael Witt (Rainer Furch) sich meldet und fragt, ob er mit Roth oder Buchert spreche. Auf diese Weise erfahren die Bankräuber, dass ihr Komplize festgenommen wurde und ihre Namen verraten hat. Sie nehmen ihre Masken ab.

Als Nächstes lassen sie sich die Banknoten aus dem Geldautomaten und dem Tresor aushändigen, aber die mögliche Beute wird dadurch nicht sehr viel größer.

Roth will aufgeben. Buchert weist ihn jedoch darauf hin, dass sie mit mindestens sechs Jahren Haft rechnen müssten und Roth danach wahrscheinlich keine Familie mehr habe. Daraufhin geht Roth vor die Türe, um mit Michael Witt zu verhandeln, dessen Haustüre er schreinerte. Während die beiden noch auf der Straße miteinander reden, trifft ein Sondereinsatzkommando ein, und Roth zieht sich wieder ins Gebäude zurück.

Kurz nach dem SEK kommt Alexandra Beck (Julia Brendler) vom Landeskriminalamt Baden-Württemberg nach Ladenburg, reißt die Leitung der Polizeioperation an sich und richtet ihre Einsatzzentrale im Café gegenüber der Bank ein. Witt, der von zwei ebenso verzweifelten wie überforderten Tätern ausgeht, würde auf weitere Gespräche setzen, zumal er erkannt hat, dass Roth unter Umständen zur Aufgabe bereit wäre. Aber die LKA-Beamtin hält vor allem Buchert für gefährlich, denn sie hat bereits herausgefunden, dass er bei der Bundeswehr zum Sprengstoffexperten ausgebildet wurde. Seine Einheit in Afghanistan „bestand aus acht Männern, zwei davon haben überlebt. Der eine ist völlig traumatisiert, der andere ist Joachim Buchert: gedrillt, ausgebildet, gut an der Waffe, erfahren mit Sprengstoff, taktisches Geschick“.

Tatsächlich hat Buchert die Tiefgarage der Bank bereits mit einer Sprengfalle gegen die Erstürmung gesichert.

Roth will wissen, warum ihm die Bank den Geldhahn zudrehte. Gisela Rilling (Michaela Caspar) und die anderen Bankangestellten erklären ihm, dass die Zentrale der HKM durch missglückte Börsenspekulationen in Schieflage geriet und vom Bankhaus Mortex übernommen wurde. Der neue Eigentümer verschärfte die Kreditrichtlinien nicht nur, sondern ließ sich auch alle mit Immobilien gesicherten Kredite überschreiben. Dann trieb Mortex im Rahmen der Vereinbarungen die Zinsen hoch, und zwar in der Hoffnung, günstig in den Besitz der Immobilien zu kommen.

Es stellt sich heraus, dass der verheiratete Filialleiter Martin Huttenlocher eine Affäre mit der Bankangestellten Miriam Lohe (Claudia Eisinger) hatte, die im Verlauf der Geiselnahme allerdings seine Feigheit erkennt und ihm jetzt ihren Kollegen Sascha Schmidt (Frederick Lau) vorzieht.

Buchert verlangt den Abzug des SEK, drückt Sascha Schmidt gegen die Fensterscheibe und droht damit, ihn zu erschießen. Alexandra Beck lässt sich davon nicht beeindrucken, und Buchert bringt es tatsächlich nicht fertig, den wehrlosen Mann zu töten.

Dann fällt Buchert eine vor dem Nachbarhaus geparkte Limousine auf und er argwöhnt, dass die Insassen vom SEK sind und einen Angriff vorbereiten. Als Buchert dies am Telefon anspricht, behauptet Beck, es handele sich um eine nicht mit ihr abgesprochene Aktion. Sie ordnet an, dass zwei der drei Männer das Auto verlassen und versichert dann Buchert, es sei niemand mehr in dem Fahrzeug. Daraufhin tritt Buchert mit dem automatischen Gewehr kurz vor die Tür und durchlöchert die Karosserie mit einem Gewehrsalve, denn er glaubt, dass die LKA-Beamtin ihn zu täuschen versuchte. Tatsächlich kippt ein schwer verletzter Mann aus dem angeblich leeren Auto.

Erst nach diesem Zwischenfall verlangt Alexandra Beck von Simon Rost (Dieter Gring), dass er mit dem von ihm angeführten Sondereinsatzkommando abrückt. Allerdings bleiben zwei Männer auf dem Dach des Bankgebäudes zurück. Gerade als Beck als Gegenleistung für den angeblich vollständigen Abzug des SEK die Freilassung einer Geisel verlangt, entdecken die Bankräuber die Männer auf dem Dach. Trotzdem lässt Roth die Bankangestellte Gisela Rilling frei.

Aus dem Fernsehen erfährt Anne Roth von dem Banküberfall ihres Mannes. Reporter dringen ins Haus ein und bedrängen sie mit Fragen. Anne Roth wirft sie hinaus und fährt mit der Tochter zur Bank. Klaus Roth geht zu ihnen hinaus, redet kurz mit seiner Tochter und erklärt seiner Frau, er habe etwas ins Lot bringen wollen aber einen schweren Fehler gemacht. Es sei ihm nur um Gerechtigkeit gegangen, beteuert er. Als er zurückgeht, versucht einer der Reporter mit in die Bank zu gelangen, um die Täter vor Ort exklusiv zu interviewen, aber es gelingt ihm nicht: Roth drängt ihn ab.

Alexandra Beck versucht, von Anne Roth mehr über deren Ehemann zu erfahren. Anne hält trotz allem zu ihm. Sie bedauert es, dass ihr Vater dem ungeliebten Schwiegersohn nicht aus der finanziellen Klemme half und versteht Klaus‘ Beweggründe. Sie bittet die Einsatzleiterin, ihrer kleinen Tochter nicht den Vater zu nehmen.

Die LKA-Beamtin ist von der Notwendigkeit einer Erstürmung der Bank überzeugt. Sie telefoniert mit Simon Rost und fordert ihn auf, mit dem SEK unauffällig zurückzukommen.

Währenddessen bringt Buchert die Bankangestellte Miriam Lohe und den Geldboten Martin Klein (Sebastian Gerold) zur Toilette, die sich im Untergeschoss befindet. Klein, der unbemerkt ein herumliegendes Messer eingesteckt hat, greift plötzlich den Bankräuber an und sticht ihn in den Hals. Im nächsten Augenblick schlägt Buchert ihn zu Boden. Miriam Lohe nutzt die Gelegenheit und rennt los. Damit sie nicht gegen den quer durch die Tiefgarage gespannten Stolperdraht läuft und die vorbereitete Sprengung auslöst, schießt Buchert sie nieder.


Wenn Sie noch nicht erfahren möchten, wie es weitergeht,
überspringen Sie bitte vorerst den Rest der Inhaltsangabe.


Roth fordert einen Notarzt für die drei Verletzten an, und Beck schickt die für solche Einsätze geschulte LKA-Beamtin Paula Knaus (Dijana Grilc) als angebliche Krankenschwester mit dem Arzt in die Bank.

Der Notarzt hält es für notwendig, dass Miriam Lohe und Martin Klein im Krankenhaus behandelt werden. Roth ist einverstanden, verlangt aber, dass die vermeintliche Krankenschwester zum Ausgleich bleibt. Das ist ganz im Sinne der Einsatzleiterin, die veranlasst, dass vom Dach aus eine Glock für Paula Knaus im Lüftungsrohr der Banktoilette deponiert wird.

Sie sichert Roth eine unblutige Lösung zu und geht zum Schein auf dessen Forderung ein: 1,5 Millionen Euro, Fluchtauto und freier Abzug in einem vollgetankten, in Mannheim bereitgestellten Privatjet. Sie lässt eine Limousine vor der Bank abstellen und behauptet, das Geld liege im Flugzeug bereit. Roth erklärt ihr, dass Buchert mit zwei Geiseln losfahren werde. Er selbst will mit den restlichen Geiseln in der Bank bleiben, bis Buchert in Sicherheit ist und sich dann freiwillig stellen. Weil er davon ausgeht, dass der angebotene Wagen präpariert wurde, verlangt er einen anderen.

Dann bringt er die angebliche Krankenschwester zur Toilette, ohne zu ahnen, dass sie sich dort bewaffnet. Sobald Paula Knaus mit einem kleinen Sender ein Zeichen gegeben hat, erteilt Alexandra Beck den Einsatzbefehl. Eine Sprengung reißt die Zimmerdecke in der Bank auf, SEK-Männer seilen sich ab, und bevor die beiden Bankräuber begreifen, was geschieht, werden sie von Paula Knaus erschossen.

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„Ein todsicherer Plan“ ist eine Mischung aus Thriller und Drama. Im Mittelpunkt steht ein Schreiner, der seinen Betrieb trotz seines Fleißes schließen muss, als die Bank aufgrund von missglückten Börsenspekulationen in Schieflage gerät und nun Kreditnehmer wie ihn absichtlich in Schwierigkeiten bringt, um günstig in den Besitz der als Sicherheiten angegebenen Immobilien zu kommen. Diese Dichotomie von böser Bank und bravem Handwerker wirkt etwas klischeehaft, und die Kapitalismuskritik ist zu simpel. Aber „Ein todsicherer Plan“ zeigt, wohin die Verzweiflung den Schreiner Klaus Roth treibt, der den Glauben an die Gerechtigkeit verloren hat und einen Bankraub als Ausgleich bzw. Selbstjustiz plant. Abgesehen vom kriminellen Akt des Banküberfalls und der Geiselnahme versucht Klaus Roth ein anständiger Mensch zu bleiben. Die Geiseln behandelt er so rücksichtsvoll wie möglich, und an seinen Teil der Abmachungen mit der Einsatzleitung hält er sich. Doch er hat die Konfrontation mit einem unmenschlichen Polizeiapparat heraufbeschworen, der in „Ein todsicherer Plan“ ausgerechnet von zwei Frauen repräsentiert wird: der gnadenlos falsch spielenden Einsatzleiterin und einer gefühllos handelnden SEK-Angehörigen.

Obendrein tangieren Holger Karsten Schmidt (Drehbuch) und Roland Suso Richter (Regie) in „Ein todsicherer Plan“ Themen wie die Rolle der sensationsgierigen Medien (Gladbecker Geiseldrama, August 1988) und die Traumatisierung von Bundeswehrsoldaten durch Afghanistan-Einsätze.

Der Fernsehfilm ist nicht nur spannend, sondern auch interessant, weil Holger Karsten Schmidt und Roland Suso Richter die Gruppendynamik der Bankräuber und ihrer Geiseln ebenso veranschaulichen wie die Prozesse, die zwischen der Polizei und den Tätern ablaufen.

Die Handlung entwickeln sie stringent und im Wechsel zwischen der Perspektive der Polizei und der Bankräuber. Für Emotionen sorgt dabei vor allem das Schicksal des übervorteilten und aus der Spur geratenen Schreiners. In Kitsch kippt „Ein todsicherer Plan“ nur um, als der Schreiner seiner kleinen Tochter während der Geiselnahme erklärt, er habe einen Fehler gemacht und werde dafür jetzt wie ein unfolgsames Kind bestraft.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2014

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