Abschied. Brechts letzter Sommer

Abschied. Brechts letzter Sommer

Abschied. Brechts letzter Sommer

Originaltitel: Abschied. Brechts letzter Sommer – Regie: Jan Schütte – Drehbuch: Klaus Pohl – Kamera: Edward Klosinski – Schnitt: Renate Merck – Musik: John Cale – Darsteller: Josef Bierbichler, Monica Bleibtreu, Jeanette Hain, Margit Rogall, Elfriede Irall, Rena Zednikowa, Samuel Fintzi, Birgitt Minichmayr, Tilman Günther, Paul Herwig, Claudius Freyer u.a. - 2000; 90 Minuten

Inhaltsangabe

1956 verbringt der 58-jährige Bert Brecht einige Zeit in seinem Ferienhaus am Schermützelsee nördlich von Berlin. Es wird sein letzter Sommer sein. Brecht fühlt sich krank und erschöpft. Seine Ehefrau Helene Weigel schirmt ihn vor Störungen ab. Außer ihr, der Tochter Barbara und der Assistentin Elisabeth Hauptmann umkreisen den Egomanen Ruth Berlau und Käthe Reichel, Wolfgang Harich und Isot Kilian. In diesem Gefolge brodelt es vor Rivalitäten und Eifersüchteleien ...
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Kritik

"Abschied. Brechts letzter Sommer" ist ein stilles, bedächtiges und wenig schmeichelhaftes Porträt des Dichters Bertolt Brecht in seinen letzten Lebenstagen. Sehenswert ist der Film vor allem wegen der hervorragenden Darsteller.
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1956 verbringt der achtundfünfzigjährige Bertolt Brecht (Josef Bierbichler) einige Zeit in seinem idyllisch gelegenen Ferienhaus am Schermützelsee bei Buckow nördlich von Berlin. Es wird sein letzter Sommer sein.

Bertolt Brecht ist mit Vorbereitungen für die kommende Theatersaison beschäftigt und schreibt Gedichte, aber seit einem halben Jahr fühlt er sich krank und angeschlagen, entkräftet und erschöpft. Damit er in Ruhe arbeiten kann, erwartet er von seiner ebenso mürrischen wie wachsamen Ehefrau Helene Weigel (Monica Bleibtreu), dass sie ihn vor Störungen abschirmt. Aber das ist nicht einfach, denn außer ihr, der fünfundzwanzigjährigen Tochter Barbara (Birgitt Minichmayr) und der Assistentin Elisabeth Hauptmann (Elfriede Irall) umkreisen den Egomanen dessen frühere Geliebte Ruth Berlau (Margit Rogall) und seine jüngste Eroberung, die attraktive und freizügige Schauspielerin Käthe Reichel (Jeanette Hain), der regimekritische Philosoph Wolfgang Harich (Samuel Fintzi) und dessen junge Frau Isot Kilian (Rena Zednikowa), mit der Bertolt Brecht ebenfalls ein Verhältnis hatte. In diesem Gefolge brodelt es vor Rivalitäten und Eifersüchteleien. Bertolt Brecht fällt es schwer, für Ordnung zu sorgen und den sich gegenseitig belauernden Frauen ihre Rollen zuzuteilen. Ohne die unauffällige Unterstützung von Helene Weigel würde ein Chaos ausbrechen.

Heimlich verbrennt Barbara die stinkende alte Mütze ihres Vaters, die ihre Mutter nicht mehr riechen mag. Am nächsten Morgen beschwert Bertolt Brecht sich darüber, dass er sie nicht finden kann. Immer wieder kommt er darauf zurück.

Am meisten geht ihm Ruth Berlau auf die Nerven, eine gealterte Hysterikerin, die sich nicht damit abfinden will, dass ihr früherer Geliebter vor längerer Zeit anfing, jüngere Frauen wie Käthe Reichel zu begehren.

Eine massive Störung droht, als zwei Stasi-Offiziere in Bertolt Brechts Feriendomizil auftauchen und Helene Weigel die Verhaftung von Wolfgang Harich ankündigen. Weil Harich und Walter Janka, der Herausgeber Bertolt Brechts beim Aufbau-Verlag, durchgreifende politische Reformen gefordert und Walter Ulbricht kritisiert haben, sollen sie festgenommen werden. Helene Weigel überredet die Beamten, mit der Verhaftung bis nach Bertolt Brechts Abreise zu warten, denn sie befürchtet, dass ihn der Skandal zu sehr aufregen würde. Damit ihr Mann keinen Verdacht schöpft, verzichtet Helene Weigel auch darauf, Wolfgang Harich zu warnen.

Wütende Auseinandersetzungen gibt es noch einmal zwischen den Frauen über die Frage, wer bei der Rückfahrt nach Berlin mit Bertolt Brecht im Wagen sitzen darf. Am Ende sind es Helene Weigel und Käthe Reichel.

Drei Tage nach der Rückkehr stirbt der Achtundfünfzigjährige.

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Bertolt Brecht erlag am 14. August 1956 in Berlin einem Herzinfarkt. Kurz zuvor verbrachte der Dichter noch einige Zeit in seinem idyllisch gelegenen Ferienhaus am Schermützelsee bei Buckow nördlich von Berlin. Klaus Pohl (Drehbuch) und Jan Schütte (Regie) haben sich überlegt, wie die letzten Tage Bertolt Brechts vor seiner Rückreise nach Berlin ausgesehen haben könnten. Bei ihrem Film „Abschied. Brechts letzter Sommer“ kam es ihnen nicht auf historische Genauigkeit kann. Beispielsweise war Bertolt Brecht sehr viel schmächtiger als Josef Bierbichler, und Wolfgang Harich wurde nicht im August, sondern erst am 29. November 1956 verhaftet und zu einer zehnjährigen Haftstrafe verurteilt. Klaus Pohl und Jan Schütte ging es weniger um die Fakten, als um ein psychologisches Porträt des eigenwilligen Dichters Bertolt Brecht in seinen letzten Lebenstagen. Ihr Bild ist allerdings wenig schmeichelhaft.

Der große Brecht ist ein schwacher, harmoniebedürftiger Mann geworden. Er steckt noch immer voller Widersprüche, berührend in seiner Hilflosigkeit, monströs in seiner Egozentrik und ergreifend in seiner Ratlosigkeit. (H. G. Pflaum in Süddeutsche Zeitung, 15. September 2000)

„Abschied. Brechts letzter Sommer“ ist ein stilles, bedächtiges und melancholisches Psychogramm. Sehenswert ist der Film vor allem wegen der hervorragenden Darsteller, allen voran Monica Bleibtreu und Josef Bierbichler.

Die Dreharbeiten fanden auf einem stillgelegten Campingplatz bei Szczecinek in Polen statt.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2006

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