Gegen Ende der Nacht

Gegen Ende der Nacht

Gegen Ende der Nacht

Originaltitel: Gegen Ende der Nacht - Regie: Oliver Storz - Drehbuch: Oliver Storz - Kamera: Hans Grimmelmann - Schnitt: Jürgen Lenz - Musik: Werner Fischötter, Billy Gorlt und Karsten Günther - Darsteller: Karoline Eichhorn, Stefan Kurt, Bruno Ganz, Felix Eitner, Ueli Jäggi, Heidy Forster, Patriq Pinheiro, Caroline Ebner u.a. - 1998; 95 Minuten

Inhaltsangabe

Am 22. August 1945 wird eine fünfköpfige Familie regelrecht hingerichtet. Ein Racheakt für Untaten unter dem NS-Regime? Ein jüdisch-amerikanischer Besatzungsoffizier, der die Ermittlungen leitet, vermutet, dass die Tochter der Familie mit der jungen Flüchtlingsfrau Karin verwechselt wurde, die in der Mordnacht nicht zu Hause war. Handelt es sich bei Karin um eine gesuchte KZ-Aufseherin, der sie ähnlich sieht?
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Kritik

In seinem ruhig und eindringlich erzählten Nachkriegsdrama "Gegen Ende der Nacht" setzt Oliver Storz sich sehr differenziert und ohne Klischees mit Konflikten auseinander, wie sie 1945 durch das Zusammentreffen von Schuldigen und Opfern entstanden.
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Als Rudi (Felix Eitner) am 22. August 1945 frühmorgens zur alten Mühle fährt, stößt er im Hof auf den in einer Blutlache liegenden Kadaver des Hundes und im Gebäude auf die Leichen der fünfköpfigen Familie Danner. Tochter Inge (Caroline Ebner) hängt mit dem Kopf nach unten an einem Balken, und auf den Rücken der nackten Toten haben die Täter blutige SS-Runen gemalt.

Entsetzt rennt Rudi fort und holt erst später, als er sich etwas beruhigt hat, sein Fahrrad vom Hof. Rudi war im Krieg desertiert, hatte sich bei der Familie Danner versteckt und arbeitete zuletzt als Knecht für sie. Er und die junge Flüchtlingsfrau Karin Katte (Karoline Eichhorn) aus Schlesien wären in der Mordnacht auch in der Mühle gewesen, wenn sie nicht auf dem benachbarten Hof geschlafen hätten, wo sie für ein paar Tage der erkrankten Bäuerin Lina (Heidy Forster) helfen.

Dave Gladbaker (Stefan Kurt), ein Offizier des amerikanischen Militärgeheimdienstes CIC, erhält die Meldung über den fünffachen Mord, während er gerade den früheren Polizeiinspektor Walter Fehleisen (Bruno Ganz) nach sechs Wochen Haft zum ersten Mal verhört. Weil Fehleisen sich im Gegensatz zu Dave in der Gegend auskennt, soll er den Besatzungsoffizier zum Tatort begleiten.

Dort trifft kurz nach ihnen auch Karin ein, die – durch das verstörte Verhalten des debilen Knechts beunruhigt – nach den Danners schauen wollte. Dave nimmt sie in seinem Jeep zum Verhör mit. Von Fehleisen weiß er, dass die Toten anständige Leute waren, ihre Ermordung also kein Racheakt von Denunzierten oder Zwangsarbeitern gewesen sein kann. Aber vielleicht hatten es die Täter auf Karin abgesehen und sie mit Inge verwechselt? Als Karin vor deren Leiche stand, zeigte sie keinerlei Reaktion. Wo lernt man so viel Selbstbeherrschung? Darauf angesprochen, antwortet Karin, sie sei drei Jahre lang als Krankenschwester in einem Frontlazarett an der Ostfront gewesen.

Fehleisen, der inzwischen freigelassen wurde, stöbert Rudi in einer Höhle auf, in der dieser sich versteckt. Dort hat er eine Kiste mit Schusswaffen und Handgranaten, aber auch ein Foto von Karin, in die er verliebt ist. Darauf ist sie mit einem SS-Offizier abgebildet. Auf der Rückseite bemerkt Fehleisen den Stempel eines Fotostudios in Lublin. Als er Dave das Foto bringt, findet dieser seinen Verdacht bestätigt, zumal Karin leugnete, jemals in Lublin gewesen zu sein. War sie eine der Aufseherinnen im Vernichtungslager Majdanek? Vielleicht die gesuchte Gerda Korte, der sie ähnlich sieht?

Dave ist hin- und hergerissen zwischen seinen Gefühlen, denn er hat sich in Karin verliebt, versucht aber objektiv zu bleiben und die Wahrheit herauszufinden. Im Zivilberuf ist er Rechtsanwalt in New York. Seine jüdischen Eltern hatten in Deutschland gelebt und waren in einem Vernichtungslager umgekommen. Gehörte die Frau, die er liebt, zu den Mördern seiner Eltern?

Karin hat es anfangs darauf angelegt, Dave zu irritieren und zu verführen. Beispielsweise schwamm sie nackt im See und als sie aus dem Wasser kam, forderte sie ihn zwar auf, wegzusehen, aber dann sagte sie, er könne sich wieder umdrehen, obwohl sie noch nicht mehr als ein kurzes, dünnes Hemdchen angezogen hatte. Inzwischen liebt sie ihn jedoch ernsthaft.

Wenn Sie noch nicht erfahren möchten, wie es weitergeht,
überspringen Sie bitte vorerst den Rest der Inhaltsangabe.

Schließlich gestehen Dave und Karin sich ihre Liebe und gehen miteinander ins Bett. Mitten in der Nacht wacht Dave auf und stellt fest, dass Karin in einer Zimmerecke kauert. Sie gesteht ihm, in Lublin als Krankenschwester bei einem Straßenbaukommando gewesen zu sein. Als die zuständige, aber morphiumsüchtige Ärztin ausfiel, sprang sie ein und selektierte aus einem Transport von tausend KZ-Häftlingen dreihundert arbeitsfähige aus, obwohl sie wusste, dass sie damit die anderen siebenhundert direkt in die Gaskammern schickte. Wenn sie es nicht getan hätte, sagt Karin, wären sie bei der harten Arbeit gestorben. Traurig konstatiert sie: „Die Nacht geht zu Ende und mehr Zeit ist nicht für uns.“ Dave weiß nicht, was er tun soll. Wenn er seine Pflicht tut und sie verhaftet, wird man sie nach Polen ausliefern. Das möchte er nicht. Karin nimmt ihm die Entscheidung ab: Sie zieht sich an, bewaffnet sich heimlich mit seiner Pistole und geht fort. Die kurz darauf eingeleitete Suchaktion bleibt ergebnislos.

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In seinem ruhig und eindringlich erzählten Nachkriegsdrama „Gegen Ende der Nacht“ setzt Oliver Storz sich sehr differenziert und ohne Klischees damit auseinander, wie 1945 Schuldige und Opfer aufeinandertrafen. Wenn es dabei zu bestialischen Racheakten kam, machten sich die Opfer ebenso schuldig wie ihre früheren Peiniger. „Gegen Ende der Nacht“ veranschaulicht das ebenso wie eine andere Konstellation: Ein jüdisch-amerikanischer Besatzungsoffizier, dessen Eltern von den Nationalsozialisten umgebracht worden waren, verliebt sich ausgerechnet in eine Frau, die er aufgrund von Indizien als Holocaust-Täterin verdächtigen muss. Dieser Konflikt wird in „Gegen Ende der Nacht“ ebenso einprägsam dargestellt wie die Zerrissenheit der Frau, die schuldig geworden ist, sich aber beispielsweise auch um eine kranke Nachbarin kümmert, weiterleben will und deshalb auf die Erfüllung ihrer Liebe verzichten muss.

Stefan Kurt und Karoline Eichhorn spielen ihre Begegnung so verhalten, dass sie wenigen kurzen Eruptionen um so erschreckender ausbrechen. Wie Hass und Misstrauen in Liebe umschlagen, Begehren in Gewalt, Abstoßung und Anziehung abrupt wechseln, das spiegelt sich in Blicken, in beinahe unbewegten Gesichtern, in einem kleinen Abwenden, einem stummen Erstarren […]
Oliver Storz schafft Figuren, die so widersprüchlich sind wie im Leben und genügend Liebenswürdigkeit entwickeln, dass ihr Schicksal nicht gleichgültig lassen kann.
(Mechthild Zschau in „Süddeutsche Zeitung“, 2. Mai 1998)

Für „Gegen Ende der Nacht“ gab es vier Grimme-Preise: einen für die Regie von Oliver Storz und je einen für die drei hervorragenden Hauptdarsteller Karoline Eichhorn, Stefan Kurt und Bruno Ganz.

Bei „Gegen Ende der Nacht“ handelt es sich um den ersten Teil einer Trilogie über die Nachkriegszeit, die Oliver Storz mit „Drei Schwestern made in Germany“ und „Die Frau, die im Wald verschwand“ abschloss.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2005

Oliver Storz: Drei Schwestern made in Germany
Oliver Storz: Die Frau, die im Wald verschwand

Elly Beinhorn - Alleinflug. Mein Leben
Sprachlich ist "Alleinflug. Mein Leben" kein Meisterwerk, aber die Darstellung ist sehr lebendig und fesselnd, schnörkellos und humorvoll. Beim Lesen spürt man die Begeisterungsfähigkeit der berühmten Fliegerin Elly Beinhorn.
Alleinflug. Mein Leben

Elly Beinhorn

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