Holocaust / Shoah

Unter dem Begriff „Holocaust“ (von holokautoma, griechisch: vollständig verbrennen, Brandopfer) versteht man den Genozid an den Juden im „Dritten Reich“, also ihre von den Nationalsozialisten als „Endlösung“ bezeichnete Ausrottung. Schätzungsweise sechs Millionen Menschen kamen dabei ums Leben. In Deutschland wurde der Begriff 1979 durch die Ausstrahlung des vierteiligen amerikanischen Fernsehfilms „Holocaust. Die Geschichte der Familie Weiss“ gebräuchlich (Regie: Marvin J. Chomsky, 1978). Viele Juden bevorzugen allerdings das hebräische Wort „Shoah“ als Bezeichnung für den Völkermord.

Vor dem Angriff auf die Sowjetunion sorgte Hitler dafür, dass auch hinter der neuen Ostfront ein ähnlicher Kompetenz-Wirrwarr wie in Berlin entstand: Heinrich Himmler erhielt am 13. März 1941 Sonderaufgaben, „die sich aus dem endgültig auszutragenden Kampf zweier entgegengesetzter politischer Systeme ergeben“ . Die SS sei dabei auch nicht an Weisungen der Wehrmacht gebunden, versicherte Göring am 26. März. Den Reichsmarschall beauftragte Hitler am 13. Mai, das eroberte Land für die deutsche Wirtschaft auszubeuten. Alfred Rosenberg war seit 20. April für die „zentrale Bearbeitung der Fragen des osteuropäischen Raumes“ zuständig, und noch bevor er am 17. Juli zum „Reichsminister für die besetzten Ostgebiete“ ernannt wurde, konstatierte Generalstabschef Franz Halder: „Das Heer kann nicht mit allen Aufgaben belastet werden, daher Zusammenarbeit mit Reichsführer-SS in polizeilicher, dem Reichsmarschall in wirtschaftlicher und dem Reichsleiter Rosenberg in politischer Hinsicht.“

Die von Heinrich Himmler und Reinhard Heydrich im Krieg gegen Polen aufgestellten „Einsatzgruppen der Sicherheitspolizei und des SD“ erhielten 1941 die Aufgabe, kommunistische Funktionäre aufzuspüren und umzubringen. Von Anfang an erschossen sie auch Juden, Sinti und Roma. Mitglieder der Erschießungskommandos verhöhnten ihre noch lebenden Opfer: Sie zündeten jüdischen Männern feixend die Vollbärte an oder zwangen sie, wie zum Gebet niederzuknien, wobei sie ihnen die Kopfbedeckungen herunterschlugen. Die Fotos, die sie dabei knipsten, schickten sie mit hämischen Kommentaren an ihre Familien zu Hause.

Die Juden in der am 19. September 1941 von Deutschen eingenommenen Stadt Kiew wurden nach angeblichen Sabotageakten durch Plakate aufgefordert, am 29. September zum Güterbahnhof der Stadt zu kommen. Von dort trieben Mitglieder einer Einsatzgruppe 33 771 Männer, Frauen und Kinder zu der nahe gelegenen Schlucht von Babij Jar (Babi Yar) und forderten sie auf, Wertsachen, Gepäck, Mäntel, Schuhe, Kleidung und Wäsche abzulegen. Nackt mussten die Juden weitergehen bis zu einem Abgrund, wo SS-Männer sie mit Genickschüssen töteten. Zwei Tage lang dauerten die Erschießungen. Mehr als hundert Lastwagenladungen Kleidung wurden für die NS-Wohlfahrt abtransportiert. Um Spuren zu beseitigen, sprengten Pioniereinheiten der Wehrmacht anschließend die Felswände der Schlucht.

Reinhard Heydrich hatte sich am 31. Juli 1941 von Göring beauftragen lassen, „alle erforderlichen Vorbereitungen […] für eine Gesamtlösung der Judenfrage im deutschen Einflussgebiet in Europa“ zu treffen und „in Bälde einen Gesamtentwurf über die […] Vorausmaßnahmen zur Durchführung der angestrebten Endlösung der Judenfrage vorzulegen“.

Wegen des japanischen Überfalls auf Pearl Harbor verschob er eine geheime Konferenz, zu der er am 29. November eingeladen hatte, vom 9. Dezember 1941 auf den 20. Januar 1942. Sie fand in der Interpol-Dienststelle am Wannsee statt (Wannsee-Konferenz). Heydrich teilte den dreizehn anwesenden Staatssekretären und SS-Offizieren eingangs mit, der Reichsmarschall habe ihn zum „Beauftragten für die Vorbereitung der Endlösung der europäischen Judenfrage“ ernannt. Zweck der Besprechung sei es, zur Vorbereitung des von Göring verlangten Gesamtkonzepts „Klarheit in grundsätzlichen Fragen zu schaffen“. Dann präsentierte er seine Vorstellungen und schlug vor, die Juden aus allen besetzten europäischen Ländern nach Osten zu deportieren, arbeitsunfähige Juden sofort und die übrigen durch Zwangsarbeit umzubringen. Auf elf Millionen schätzte er die Zahl der zu Tötenden.

Das Projekt eines Judenreservats auf Madagaskar wird damit endgültig zu den Akten gelegt. Die systematischen Deportationen von West nach Ost beginnen.

Niemand sorgt eifriger für die Entfernung der Juden aus deutschen Städten als der Berliner Gauleiter. Bereits am 20. August 1941 meinte Goebbels: „Das öffentliche Leben in Berlin muss schleunigst von ihnen [den Juden] gereinigt werden […] Berlin muss eine judenreine Stadt werden […] Sie [die Juden] verderben nicht nur das Straßenbild, sondern auch die Stimmung […] Wir müssen an dies[es] Problem ohne jede Sentimentalität herangehen […] Ich habe den Kampf gegen das Judentum in Berlin im Jahre 1926 aufgenommen, und es wird mein Ehrgeiz sein, nicht zu ruhen und nicht zu rasten, bis der letzte Jude Berlin verlassen hat.“ Auf seine Veranlassung hin müssen alle Juden in Deutschland seit 19. September 1941 in der Öffentlichkeit einen auf die linke Brustseite der Kleidung genähten handtellergroßen, gelben, sechszackigen Stoffstern tragen.

Da sich das in der Wannsee-Konferenz angekündigte Umsiedlungs- und Tötungsprogramm ohne einen Sieg über die Sowjetunion nicht verwirklichen lässt, wissen die örtlichen Machthaber im „Generalgouvernement“ bald nicht mehr, wo sie die unaufhörlich aus dem „Altreich“ herantransportierten Menschen unterbringen sollen. Überzeugt davon, dass die Juden ohnehin vernichtet werden müssen, suchen sie nach Tötungsmethoden, die effizienter sind als die von den Einsatzgruppen der SS praktizierten Massenerschießungen.

Die Tötung von Menschen durch Kohlenmonoxid in hermetisch abgedichteten Lkw-Aufbauten wurde seit November 1939 in Polen erprobt. Zu Versuchszwecken sperrte Dr. Albert Gottlob Widmann, ein Beauftragter des Kriminaltechnischen Instituts des Reichssicherheitshauptamts, im September 1941 geisteskranke Russen in einen Bunker bei Minsk und zündete im Inneren einen Sprengsatz. Blutüberströmt krochen einige der Opfer noch ins Freie. Erst eine zweite Sprengung tötete auch sie. Zur gleichen Zeit wurden im Lager Auschwitz zwischen Krakau und Kattowitz sowjetische Kriegsgefangene versuchsweise mit dem blausäurehaltigen Schädlingsbekämpfungsmittel „Zyklon B“ umgebracht.

Im März 1942 beginnt man in Auschwitz mit fabrikmäßigen Vergasungen. Lagerkommandant Rudolf Höß atmet auf: „Nun hatten wir das Gas und auch den Vorgang entdeckt. – Mir graute immer vor den Erschießungen, wenn ich an die Massen, an die Frauen und Kinder dachte […] Nun war ich doch beruhigt, dass uns allen diese Blutbäder erspart bleiben sollten, dass auch die Opfer bis zum letzten Moment geschont werden konnten.“ Und voller Selbstmitleid stöhnt er: „Nichts ist wohl schwerer, als über dieses kalt, mitleidlos, ohne Erbarmen hinwegschreiten zu müssen.“

Goebbels notiert am 27. März 1942 in seinem Tagebuch: „Es wird hier ein ziemlich barbarisches und nicht näher zu beschreibendes Verfahren angewandt, und von den Juden selbst bleibt nicht mehr viel übrig. Im Großen kann man wohl feststellen, dass 60 % davon liquidiert werden müssen […] An den Juden wird ein Strafgericht vollzogen, das zwar barbarisch ist, das sie aber vollauf verdient haben […] Man darf in diesen Dingen keine Sentimentalität obwalten lassen […] Es ist ein Kampf auf Leben und Tod zwischen der arischen Rasse und dem jüdischen Bazillus. Keine andere Regierung und kein anderes Regime konnte die Kraft aufbringen, diese Frage generell zu lösen. Auch hier ist der Führer der unentwegte Vorkämpfer und Wortführer einer radikalen Lösung.“

Am 22. Juli 1942 beginnen die Deutschen mit der Räumung des Warschauer Ghettos, in dem hinter einer 18 Kilometer langen und 3 Meter hohen Mauer mehr als 400 000 Juden eingesperrt sind.

In Güterwaggons zusammengepfercht werden auch die Juden aus dem „Altreich“, aus Holland, Frankreich und anderen besetzten Staaten in die Vernichtungslager im „Generalgouvernement“ gefahren. Wer zum Beispiel in Auschwitz lebend ankommt, wird an der lagereigenen Bahnrampe einer Kolonne zugeteilt. Währenddessen spielt ein aus weiblichen Häftlingen in weißen Blusen und marineblauen Röcken zusammengestelltes Orchester Operettenmelodien. Die Menschen müssen sich ausziehen, Schmuck, Brillen und Prothesen ablegen; den Frauen und Mädchen werden die Haare abgeschnitten. In den angeblichen Duschräumen, die jeweils 2000 Personen aufnehmen können, blicken einige der nackten Männer, Frauen und Kinder bang zu den Brauseköpfen hoch, aus denen kein Wasser tropft; andere stellen fest, dass im Boden keine Abflussrinnen sind. Sobald das Gas einströmt, schieben und stoßen sich die kreischenden Opfer in Panik, aber es gibt keinen Ausgang. Zwanzig Minuten dauert es, bis alle tot sind. Andere Häftlinge, die mit Gasmasken, Gummistiefeln und Wasserschläuchen ausgerüstet sind, öffnen das Tor, zerren die Leichen heraus. „Zwei Dutzend Arbeiter sind mit den Mündern beschäftigt, die sie mit Hilfe von Eisenhaken öffnen. ‚Gold nach links, ohne Gold nach rechts!‘ – Andere kontrollieren After und Geschlechtsteile auf Geld und Brillanten, Gold usw.“ Dann werden die Leichenberge im Krematorium verbrannt.

Rudolf Höß meint: „Unser System ist so furchtbar, dass die Welt es für unmöglich halten wird […] Selbst wenn es einem Juden gelingen sollte, von Auschwitz zu entfliehen und der Welt alles Gesehene mitzuteilen, so werden
sie ihn doch nur für einen fantastischen Lügner halten.“

Bücher über den Holocaust:

Filme über den Holocaust:

Hans-Dieter Otto - "Im Namen des Irrtums!"
"Im Namen des Irrtums!" ist alles andere als ein verstaubtes Fachbuch; es handelt sich vielmehr um eine Art Lesebuch, ein Sammelsurium haarsträubender, erschütternder Fehlurteile in Mordprozessen.
„Im Namen des Irrtums!“

Hans-Dieter Otto

"Im Namen des Irrtums!"

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