Die Lehrerin

Die Lehrerin

Die Lehrerin

Originaltitel: Die Lehrerin – Regie: Tim Trageser – Drehbuch: Laila Stieler – Kamera: Eckhard Jansen – Schnitt: Gisela Castronari – Musik: Andreas Weidinger – Darsteller: Anna Loos, Meret Becker, Axel Prahl, Oskar Bökelmann, Max Goppelt, Christina Große, Tobias Lehmann, Ramona Libnow, Martin Neuhaus, Julius Nitschkoff, Christina Schaller, Sanne Schnapp, Nicoline Schubert u.a. – 2011; 90 Minuten

Inhaltsangabe

Eigentlich wollte die Lehrerin Andrea kündigen, aber als die mit ihr befreundete Kollegin Katja nach dem Amoklauf eines Schülers im Koma liegt, übernimmt sie deren Klasse. Allmählich gewinnt sie das Vertrauen der traumatisierten Jugendlichen. Jeden Tag besucht sie Katja im Krankenhaus und monologisiert über Erlebnisse in der Schule. Dass Katja wahrscheinlich nicht mehr aufwachen wird, verdrängt sie. Der Schulpsychologe merkt, wie schwer es Andrea fällt, sich nach dem Schock neu zurechtzufinden ...
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Kritik

In dem Film geht es nicht um den Amokläufer, sondern um eine von Anna Loos eindrucksvoll gespielte Lehrerin, die sich nach dem traumatischen Erlebnis neu zurechtfinden muss. Tim Trageser verzichtet auf jede Effekthascherei.
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In der Theodor-Fontane-Realschule beginnt nach den Sommerferien wieder der Unterricht. Die Biologielehrerin Andrea Liebnitz (Anna Loos) hat ihr Kündigungsschreiben mitgebracht: Nach fünfzehn Jahren fühlt sie sich ausgebrannt [Burn-out-Syndrom]. Im Treppenhaus erzählt sie es der mit ihr befreundeten Kollegin Katja (Meret Becker). Die junge, lebenslustige und unkonventionelle Lehrerin möchte Andrea in der Mittagspause umstimmen und bittet sie, mit der Kündigung noch zu warten. Katja hat einen Plattenspieler unter dem Arm, denn sie will ihrer Klasse Songs von Janis Joplin vorspielen. Eigentlich steht ihre Klasse erst in der fünften Stunde bei ihr auf dem Plan; in der ersten Stunde ist Biologieunterricht bei Andrea vorgesehen. Aber damit Katja den Plattenspieler nicht weiter herumschleppen muss, tauschen die beiden Lehrerinnen die Klassen für die erste und die fünfte Stunde.

Der Unterricht hat gerade begonnen. Da hört Andrea einen Knall. Sie schaut ins Treppenhaus. Auch die anderen Lehrkräfte kommen aus den Türen. In Katjas Klasse sind Schreie zu hören. Dann noch ein Schuss. Kinder drängen in Panik aus dem Klassenzimmer. Andrea erkennt den Schüler Justin. Er hat eine Pistole in der Hand. Sie dreht sich auf der Treppe um und drängt die Schüler, die ihr gefolgt sind, nach oben. Nachdem sie sich im Klassenzimmer verbarrikadiert haben, alarmiert Andrea die Polizei.

Ein Großaufgebot schwer bewaffneter Polizisten verhaftet den Täter und räumt die Schule.

Katja wurde von einem Schuss getroffen. Man bringt sie ins Krankenhaus. Dort liegt sie im Wachkoma.

Einige Tage nach dem Amoklauf hält die überforderte Schulleiterin Conny Peschke (Ramona Kunze Libnow) eine Lehrerkonferenz ab, bei der sie Herrn Weininger (Axel Prahl) vorstellt, den Chef einer Gruppe von Psychologen, die sich um Lehrer, Schüler und Eltern kümmern werden. Wie soll es weitergehen? Conny Peschke schlägt vor, Katjas Klasse aufzuteilen, sieht aber rasch ein, dass das für die traumatisierten Schülerinnen und Schüler nicht gut wäre. Andrea, die ihr Kündigungsschreiben noch nicht abgegeben hat, soll die Klasse kommissarisch übernehmen. Widerstrebend erklärt sie sich damit einverstanden. Sie glaubt, es Katja schuldig zu sein.

Entsetzte und zugleich ratlose Eltern greifen die Schulleiterin und die Lehrer mit Vorwürfen an. Aufgebracht setzt Andrea sich zur Wehr.

Jeden Tag sitzt sie bei Katja am Krankenbett. Die Ärztin (Sanne Schnapp) ermutigt sie, der Patientin von den Erlebnissen in der Schule zu berichten, auch wenn Katja nicht erkennbar darauf reagiert.

Andrea überredet die Schulleiterin, ihr ein Stück des Parkplatzes zu überlassen, damit sie mit Katjas Klasse einen Schulgarten anlegen kann. Damit verwirklicht sie eine Idee, von der Katja ihr erzählt hatte.

Allmählich gewinnt die Lehrerin das Vertrauen der Schülerinnen und Schüler. Sie erfährt, dass der Außenseiter Justin unglücklich in seine Mitschülerin Lisa verliebt war und mit keinem in der Klasse bis auf Mark zurechtkam. Die anderen mobbten ihn. Beim Amoklauf schoss er nicht auf die Lehrerin, sondern auf seinen Peiniger Nico. Katja warf sich dazwischen.

Jasmin (Alicia Seyding), eine der Schülerinnen in Katjas Klasse, ist schwanger. Andrea gibt ihr zu bedenken, wie schwierig es mit einem Kind sein würde, den Schulabschluss zu schaffen. Aber Jasmin will das Kind weder abtreiben noch zur Adoption freigeben. Obwohl sie erst vierzehn ist, hat sie sich vorgenommen, es mit ihrem vier Jahre älteren Freund zusammen aufzuziehen.

Bei ihren Monologen am Krankenbett stellt Andrea sich immer wieder vor, dass Katja die Augen öffnet und mit ihr redet. Sie glaubt, Katja werde eines Tages wieder aus dem Koma erwachen. Als sie dann unvermittelt vor dem leeren Bett steht und die Ärztin ihr mitteilt, dass Katja gestorben ist, kann sie es kaum fassen.

Zu Hause schluckt sie eine Hand voll Schlaftabletten. Dem Psychologen Weininger ist nicht entgangen, dass Andrea die Realität zum Teil verdrängte. Gerade noch rechtzeitig drückt er die Türe ein und rettet Andrea. Nachdem sie sich von dem Selbstmordversuch erholt hat, bringt er sie in ein Erholungsheim am Meer und kümmert sich dort um sie.

Nach einigen Wochen kommt Andrea mit neuem Lebensmut in die Schule zurück. Das Kündigungsschreiben hat sie zerrissen und weggeworfen.

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In dem Fernsehfilm „Die Lehrerin“ von Laila Stieler (Drehbuch) und Tim Trageser (Regie) geht es nicht um den Amokläufer, sondern um die Auswirkungen der Gewalttat. Im Zentrum steht eine Lehrerin, die sich nach dem traumatischen Erlebnis neu zurechtfinden muss.

Tim Trageser verzichtet auf jede Effekthascherei. Die Tat selbst zeigt er gar nicht. Umso intensiver beschäftigt sich der Film „Die Lehrerin“ mit der von Anna Loos eindrucksvoll gespielten Protagonistin Andrea Liebnitz. Gegenstände erinnern sie an fröhliche Erlebnisse, die sie mit ihrer jüngeren Kollegin Katja hatte, bevor diese bei dem Amoklauf schwer verletzt wurde. Diese Erinnerungen sehen wir als Rückblenden. Am Krankenbett stellt Andrea sich vor, dass die Koma-Patientin aufsteht, herumgeht und mit ihr spricht. Dass Tim Trageser das zeigt, als wäre es real, irritiert den Zuschauer. Davon abgesehen, ist „Die Lehrerin“ eine ergreifende psychologische Studie.

Die Dreharbeiten fanden im Herbst 2010 statt.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2011

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