Solo Sunny

Solo Sunny

Solo Sunny

Originaltitel: Solo Sunny – Regie: Konrad Wolf, Wolfgang Kohlhaase – Drehbuch: Wolfgang Kohlhaase, Dieter Wolf – Kamera: Eberhard Geick – Schnitt: Evelyn Carow – Musik: Günther Fischer – Darsteller: Renate Krößner, Alexander Lang, Dieter Montag, Heide Kipp, Klaus Brasch, Hansjürgen Hürrig, Harald Warmbrunn, Olaf Mierau, Ursula Braun u.a. – 1980; 100 Minuten

Inhaltsangabe

Über Sunny, eine unangepasste junge Frau in Ostberlin, beschweren sich die Nachbarn. Weil sie von einer Karriere als Schlagersängerin träumt, kündigt sie ihre Stelle als Fabrikarbeiterin und schließt sich einer drittklassigen Gruppe an, die durch die Provinz tingelt. Die Wirklichkeit ist deprimierend. Als sie sich von ihrem neuen Freund trennt und von der Gruppe hinausgeworfen wird, ist sie erst einmal ganz unten ...
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Kritik

Konrad Wolf und Wolfgang Kohlhaase kritisieren in "Solo Sunny" die Bevormundung des Einzelnen durch den Staat und die Spießergesellschaft.

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„Sunny“ (Renate Krößner) heißt eigentlich Ingrid Sommer und wohnt in einem Mietshaus am Prenzlauer Berg in Berlin. Nachbarn beschweren sich über sie bei der Polizei, weil sie laut Musik hört, wechselnde Männerbekanntschaften hat und die Tauben auf ihrem Fenstersims nicht verscheucht. Der Taxifahrer Harry (Dieter Montag) umwirbt sie, aber Sunny hält ihn auf Distanz, denn er ist ihr zu pragmatisch und prahlt mit seinem Verdienst. Sie kündigt ihre Stelle als Fabrikarbeiterin und schließt sich als Schlagersängerin der drittklassigen Band „Die Tornados“ an, die im Rahmen des Programms „Kunterbunt und immer rund“ einer vom Conférencier Hubert (Hansjürgen Hürrig) geführten Gruppe auftritt und erfolglos durch die Provinz der DDR tingelt.

An der Theke eines Kleinstadthotels fragt der angetrunkene Saxophonist Norbert (Klaus Brasch) Sunny unverblümt, ob sie mit ihm „bumsen“ würde. Sunny lässt ihn abblitzen. Daraufhin wendet er sich einer anderen Frau zu – und erhält von deren Freund einen kräftigen Kinnhaken. Weil er mit der aufgeplatzten Lippe bis auf weiteres nicht mehr blasen kann, engagiert die Band einen Ersatzmann: Ralph (Alexander Lang) spielt nicht nur Saxophon, sondern ist Philosoph und schreibt für Zeitungen.

Weil Sunny während der Rückfahrt merkt, dass sie ihre Wohnungsschlüssel verloren hat, übernachtet sie bei Ralph. Sie werden ein Paar.

Hubert wirft Sunny nach einem Streit hinaus und engagiert eine neue Sängerin. Sunny sucht daraufhin Zuflucht bei Ralph – und ertappt ihn mit einer anderen Frau im Bett. Am nächsten Tag kommt er zu ihr, um sich zu entschuldigen. Sunny versöhnt sich scheinbar mit ihm, doch als er am anderen Morgen neben ihr aufwacht, entdeckt er ein Küchenmesser im Bett, und sie gibt ohne weiteres zu, dass sie ihn erstochen hätte, wenn sie nicht zuerst eingeschlafen wäre.

Verständnis findet Sunny bei Christine (Heide Kipp), einer früheren Arbeitskollegin, mit der sie befreundet ist. In deren Wohnung versucht sie sich mit einer Handvoll Schlaftabletten das Leben zu nehmen [Suizid], aber sie wird rechtzeitig entdeckt und ins Krankenhaus gebracht.

Nach ihrer Genesung kehrt sie in die Fabrik zurück, aber dort hält sie es nicht lange aus. Sie ruft Harry an und erfüllt ihm den Wunsch, mit ihr nach Leipzig fahren. Im Hotelbett bringt sie es allerdings nicht fertig, ihm etwas vorzumachen und mit ihm zu schlafen.

Am nächsten Tag meldet sie sich auf die Anzeige einer Nachwuchsband, die eine Sängerin sucht und wird genommen.

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„Solo Sunny“ ist kein politisch konformer Film, denn er handelt von einer jungen Arbeiterin, die sich weigert, die gesellschaftlichen Rollenerwartungen zu erfüllen und sich in den tristen DDR-Alltag einzufügen. Sie träumt von einer Karriere als Schlagersängerin. Aber die Wirklichkeit ist deprimierend. Konrad Wolf und Wolfgang Kohlhaase kritisieren in „Solo Sunny“ die Bevormundung des Einzelnen durch den Staat und die Spießergesellschaft. Das Wort „Solo“ bezieht sich nicht nur auf Sunnys Bühnenauftritte, sondern auch auf ihre Einsamkeit.

Das Vorbild für die Filmfigur Sunny, deren Charakter und Identitätssuche in „Solo Sunny“ differenziert herausgearbeitet werden, war Sanije Torka (* 1944). Es ist also kein Zufall, dass die Namen Sunny und Sanije ähnlich klingen. Sanije Torka wuchs in Kinderheimen der DDR auf, erlernte den Beruf der Schlosserin und wurde dann Schauspielerin. Als Nachtklubsängerin tingelte sie durch die Provinz der DDR. Nach der Wiedervereinigung arbeitete sie drei Jahre lang als Altenpflegerin.

Sanije war all das, was man in der DDR nicht sein sollte: hemmunglos, wild, ungebärdig. Sie war die Film-Sunny hoch drei. (Jutta Voigt)

Eine unangepasste Person wie Sanije Torka durfte zu DDR-Zeiten nicht im Vor- oder Abspann des Films erwähnt werden. Stattdessen wird dort eine Beraterin namens Jutta Voigt aufgeführt. Die Journalistin hatte 1976 ein Gespräch mit Sanije Torka geführt, das Interview aber nicht veröffentlichen dürfen. Gut dreißig Jahre später drehte die Regisseurin Alexandra Czok über Sanije Torka ein Dokuporträt.

Originaltitel: Solo für Sanije – Regie: Alexandra Czok – Drehbuch: Alexandra Czok – Kamera: Jakobine Motz – Schnitt: Gudrun Steinbrück – Mitwirkende: Sanije Torka – 2009; 80 Minuten

„Solo Sunny“ ist der letzte Kinofilm des Regisseurs Konrad Wolf. Er starb am 7. März 1982 im Alter von 56 Jahren.

Die Rolle des Musikers Norbert wird von Klaus Brasch gespielt, dem Sohn des ehemaligen stellvertretenden DDR-Kulturministers Horst Brasch (1922 – 1989) und Bruder der Schriftsteller Thomas Brasch (1945 – 2001) und Peter Brasch (1955 – 2001). Er starb am 3. Februar 1980, zwanzig Tage vor seinem 30. Geburtstag, vermutlich an einem Gemisch aus Alkohol und Medikamenten.

Den Soundtrack für „Solo Sunny“ komponierte Günther Fischer (* 1944) zusammen mit der Jazzsängerin Regine Dobberschütz (* 1956), die Renate Krößner doubelt.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2010

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