Der Traum vom Fliegen

Heißluftballons

Der dreiundzwanzigjährige brasilianische Jesuitenpater Bartolomeu Lourenco de Gusmão, der in Coimbra studiert hatte, durfte im August 1709 in einem Saal des Palastes in Lissabon vor dem portugiesischen König einen 50 cm großen Heißluftballon fliegen lassen. Beim ersten Versuch stieg er ein wenig empor, fing dann aber Feuer. Zwei Tage später gelang das Experiment. Bernadino de Sousa Pereira hielt die Szene auf einem Ölgemälde fest.

Die französischen Papierfabrikanten Joseph Michel und Jacques Etienne de Montgolfier (1740 – 1810; 1745 – 1799) ließen 1782 ein mit Heißluft gefülltes Seidensäckchen 300 m hoch und eineinhalb Kilometer weit fliegen. Am 5. Juni 1783 erhob sich vom Marktplatz ihres Heimatortes Annonay im Massif Central ein Heißluftballon bis in eine Höhe von 1800 m. Der Ballon umschloss 600 Kubikmeter Luft, war aus Leinwand gefertigt, mit steifem Papier ausgekleidet und mit einem Hanfnetz überzogen. König Ludwig XVI. und Marie Antoinette gehörten zu den angeblich 130 000 staunenden Zuschauern, die beobachteten wie die Gebrüder de Montgolfier am 19. September 1783 vom Hof des Versailler Schlosses aus erneut einen Heißluftballon aufsteigen ließen. Dieses Mal waren ein Hahn, eine Ente und ein Schaf an Bord.

In einer „Montgolfière“ schwebte am 15. Oktober 1783 der französische Physiker Jean-François Pilâtre de Rozier ? durch Halteseile gesichert ? vier Minuten lang 26 m hoch über dem Boden. Am 21. November 1783 bestiegen Jean-François Pilâtre de Rozier und François Marquis d’Arlandes im Park des Jagdschlosses Muette bei Paris eine Montgolfière mit einem Ballonvolumen von 2000 Kubikmetern. Auf einem Drahtgitter unterhalb der Ballonöffnung brannten sie ein Strohfeuer ab. Die heiße Luft sorgte für den nötigen Auftrieb und hielt den Ballon 25 Minuten lang in der Luft; in bis zu 1000 m Höhe flogen sie in den 8 km entfernten Ort Butte-aux-Cailles.

Gasballons

Henry Cavendish hatte 1766 herausgefunden, dass Wasserstoff eine geringere Dichte als Luft aufweist. Deshalb vermutete der britische Arzt und Chemiker Joseph Black, dass ein mit diesem Gas gefüllter Ballon emporsteigt.

Der französische Physikprofessor Jacques-Alexandre César Charles probierte es aus und ließ am 27. August 1783 einen mit Gummilösung imprägnierten Wasserstoff-Ballon aus Seide bis auf 1000 m steigen. Als er 42 Minuten später in dem 22 km entfernten Dorf Gonesse niederging, glaubten die Bauern, das Ungetüm totschlagen und in Fetzen reißen zu müssen. Nicolas-Louis Robert und der Erfinder selbst unternahmen am 1. Dezember desselben Jahres die erste bemannte Fahrt in einer „Charlière“.

Wilhelmine Reichard

Der Traum vom Fliegen

Einer griechischen Sage zufolge gab es in Knossos ein Labyrinth, in dem der Minotaurus auf seine Opfer lauerte, bis ihn der Athener Theseus tötete und mit Hilfe des Fadens, den Ariadne ihm mitgegeben hatte, wieder aus dem Labyrinth herausfand. Daidalos, der Architekt des Labyrinths, der zusammen mit seinem Sohn Ikaros eingesperrt gewesen war, hatte es auf andere Weise geschafft, aus dem Labyrinth zu entkommen: Der hatte Flügel aus Federn und Wachs angefertigt und das Fliegen erfunden. Weil Ikaros nicht auf die Warnungen seines Vaters hörte und höher hinauf wollte, geriet er zu nah an die Sonne, seine Flügel schmolzen, und er stürzte ins Meer. Traurig landete Daidalos in Sizilien.

Der Ingenieur, Erfinder und Naturforscher, Kunsthistoriker, Architekt, Bildhauer und Maler Leonardo da Vinci (1452 – 1519) studierte den Vogelflug und entwarf aufgrund seiner so gewonnenen Erkenntnisse Fluggeräte.

Auf dem Papier entwarf Melchior Bauer um 1765 einen hölzernen Flugapparat mit kleinen vertikalen Schlagflügeln und großen, starren, mit Seide bespannten Tragflächen. Dieser Entwurf wurde im Frühjahr 1921 in einem Archiv in Greiz südwestlich von Zwickau entdeckt.

Vor den Augen des bayrischen Königs und zahlreicher Zuschauer sprang Albrecht-Ludwig Berblinger (1770 – 1829) am 31. Mai 1811 von einem eigens für diesen Zweck errichteten Gerüst auf der Ulmer Adlerbastei. Mit Hilfe seiner hölzernen Schwingen wollte er im Gleitflug die Donau überqueren. Doch seine Kraft reichte nicht aus, um die Flügel zu halten; sie klappten nach oben, und er stürzte in die Donau. Daraufhin wurde der „Schneider von Ulm“ mit Schimpf und Schande aus seiner Heimatstadt vertrieben.

Erst Otto Lilienthal (1848 – 1896) gelang es, den Traum vom Fliegen zu verwirklichen. Wie Leonardo da Vinci studierte er zunächst den Vogelflug, zog daraus seine Schlussfolgerungen für den Gleitflug (Otto Lilienthal: Der Vogelflug als Grundlage der Fliegekunst. Ein Beitrag zur Systematik der Flugtechnik, 1889), ließ dann 1894 im Süden von Berlin, in Lichterfelde, 1894 einen Hügel aufschütten und begann mit praktischen Experimenten. Nach zweitausend Gleitflugversuchen, bei denen er bis zu 300 m weit durch die Luft glitt, starb er am 10. August 1896 an den Folgen einer Verletzung, die er sich bei einem Absturz in den Stöllner Bergen zugezogen hatte.

Luftschiff

Ein Ballon treibt mit dem Wind und kann nicht gesteuert werden, weil er sich relativ zu der ihn umgebenden Luft nicht bewegt. Deshalb stattete der französische Ingenieur Henry Jacques Giffard einen spindelförmigen Gasballon nicht nur mit einem Segel zum Lenken aus, sondern auch mit einer Luftschraube, die von einer selbstkonstruierten und in der Gondel eingebauten Dampfmaschine angetrieben wurde. Damit flog er am 24. September 1852 von Paris nach Trappes.

Zwanzig Jahre später verwendete Paul Hänlein statt der Dampfmaschine einen Gasmotor. Einen Elektromotor setzten 1883 Albert und Gaston Tissandier ein.

Mit der Konstruktion eines „lenkbaren Luftzuges“ beschäftigte sich auch Ferdinand Graf von Zeppelin (1838 – 1917) nach seiner Entlassung aus dem aktiven Militärdienst im Jahr 1891. Am 31. August 1895 ließ er seine Idee patentieren. Zusammen mit Theodor Kober baute er einen starren Flugkörper mit einem Aluminiumskelett.

1897 beobachtete Ferdinand Graf von Zeppelin auf dem Tempelhofer Feld in Berlin, wie David Schwarz mit einem starren Luftschiff aufstieg. Nach diesem Vorbild konstruierte er drei Jahre später ein Luftschiff mit einem Aluminiumskelett. Am 2. Juli 1900 stieg das 128 m lange, mit 11 000 Kubikmeter Wasserstoff gefüllte und von zwei Motoren mit je 10,5 Kilowatt Leistung angetriebene „LZ-1“ erstmals bis in eine Höhe von 400 m auf. Eine Viertelstunde später versagte die Steuerung, und bei der daraufhin eingeleiteten Landung wäre das Luftschiff beinahe zerbrochen. Nach weiteren enttäuschenden Flugversuchen wurde „LZ-1“ verschrottet. Die eigens zur Finanzierung des Projekts gegründete Gesellschaft zur Förderung der Luftschifffahrt löste sich auf.

Mit einem Prallluftschiff versuchte es August von Parseval am 26. Mai 1906 in Berlin-Tegel, aber die Konstruktion bewährte sich nicht ? während Graf von Zeppelin im selben Jahr mit „LZ-3“ der Durchbruch gelang.

“ LZ-4″ ließ Graf von Zeppelin für militärische Zwecke bauen, aber bevor es übergeben werden konnte, riss am 5. August 1908 eine Gewitterbö das bei Echterdingen in der Nähe von Stuttgart vertäute Luftschiff los, und es explodierte. Um dem populären Grafen die Weiterarbeit zu ermöglichen, riefen Zeitungen zu Spenden auf. Mit diesem Geld gründete der Industrielle Alfred Colsman die Luftschiffbau Zeppelin GmbH.

Ferdinand Graf Zeppelin selbst zog sich zurück. Er starb am 8. März 1917 in Berlin.

Motorflug

Am 14. August 1901 führte erstmals ein Mensch einen Motorflug aus: der sechs Jahre vorher in die Vereinigten Staaten von Amerika ausgewanderte Deutsche Gustav Whitehead flog in Bridgeport (New York) mit einem Eindecker in 12 m Höhe 900 m weit.

Das erste steuerbare Motorflugzeug meldeten Wilbur und Orville Wright (1867 – 1912; 1871 – 1948) am 23. März 1902 zum Patent an. Am 17. Dezember 1903 führten sie in den Sanddünen bei Kitty Hawk in North Carolina den Doppeldecker „Flyer-I“ vor. Die Maschine erlaubte allerdings nur sehr kurze Flüge. 30 Minuten lang blieb der 1905 gebaute „Flyer-III“ in der Luft, und im August 1908 führte Wilbur Wright europäischen Fachleuten die Höhen- und Seitensteuerung eines weiter verbesserten Flugzeugs vor. Die Berliner konnten 1909 einen Wright-Doppeldecker auf dem Tempelhofer Feld bestaunen.

Elly Beinhorn
Amelia Earhart
Howard Hughes

Literatur über Flugzeuge

  • Wolfgang Metzger und Andrea Erne: Alles über Flugzeuge
    (Ravensburger Buchverlag, 2002)

© Dieter Wunderlich 2004

Waldtraut Lewin - Federico
Der Aufbau des Romans "Federico" wirkt literarisch überambitioniert. Ein pathetischer und mystischer Gestus überdeckt denn auch die farbigen, kraftvoll geschilderten Szenen.
Federico

Waldtraut Lewin

Federico

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