"Great Eastern"


Am 3. November 1857 – wenige Jahre nachdem der 1851 gebaute Klipper „Flying Cloud“ in 89 Tagen von New York um Südamerika herum nach San Francisco gesegelt war und damit einen neuen Geschwindigkeitsrekord aufgestellt hatte – fanden sich Tausende von Schaulustigen auf der Isle of Dogs bei London ein, um beim Stapellauf des damals größten Schiffs der Welt zuzusehen.

Gebaut worden war es von Isambard Kingdom Brunel, einem Ingenieur aus Bristol, auf einer Werft in Millwall auf der Isle of Dogs. Brunel hatte zunächst mit John Scott Russell zusammengearbeitet, sich jedoch nach einiger Zeit mit ihm überworfen und von ihm getrennt.

Die Außenwände des 211 m langen und 25 m breiten Schiffs (18 915 BRT) bestanden aus Stahl, und der Rumpf war doppelwandig. Als einziges Schiff der Welt verfügte es über fünf Schornsteine. Der Antrieb erfolgte nicht nur über eine Schiffsschraube, sondern zugleich über zwei Schaufelräder. 15 000 t Kohle – eine Menge, die für eine Erdumrundung gereicht hätte – konnten gebunkert werden.

Außerdem bestand die Möglichkeit, an sechs Masten Segel aufzuziehen. An Bord war Platz für 4000 Passagiere.

Bei der Schiffstaufe, die angeblich mit Wasser statt mit einer Flasche Champagner stattfand, erhielt der Dampfer den unheimlichen Namen „Leviathan“. Weil das Schiff länger als die Themse breit war, musste es bei Flut seitwärts zu Wasser gelassen werden. Beim ersten Versuch riss eine Kette, und ein Arbeiter wurde von einer rotierenden Winde tödlich verletzt. Weil sich die „Leviathan“ zu drehen begann, statt parallel zum Flussufer ins Wasser zu rutschen, musste der Stapellauf abgebrochen werden. Er fand erst ein paar Wochen später statt.

Inzwischen hatte die „Leviathan“ sowohl die Werft als auch die Reederei in den Ruin getrieben.

Isambard K. Brunel erlag im Alter von 57 Jahren einem Schlaganfall.

Bei einer Probefahrt explodierte ein Kessel und es brach ein verheerender Brand aus, bei dem zehn Menschen ums Leben kamen. Auch nachdem man den Namen des Schiffs von „Leviathan“ in „Great Eastern“ geändert hatte, rissen die Unglücksfälle nicht ab. Bei der ersten Atlantiküberquerung von Southampton nach New York wurde der Kapitän im Hafen von dem riesigen Passagierdampfer zerquetscht. Im September 1861 riss eine Welle die Schaufelräder ab. Ein dreiviertel Jahr später schürfte die „Great Eastern“ bei New York über ein Riff und wurde auf einer Länge von 30 m aufgerissen.

Nur wenige Unerschrockene buchten danach noch Überfahrten auf der „Great Eastern“.

Schließlich ließen die Eigner – die inzwischen mehrfach gewechselt hatten – die Salons und Kabinen sowie einen Schornstein der „Great Eastern“ herausreißen und das Schiff zum Kabelleger umbauen. Der stach am 23. Juli 1865 erstmals in See. Der erste Versuch, ein Transatlantikkabel zu verlegen, missglückte, aber genau ein Jahr später, im Juli 1866, gelang der Mannschaft der „Great Eastern“ das Vorhaben.

Jules Verne und sein Bruder Paul reisten 1867 an Bord der „Great Eastern“ von Liverpool nach New York.

Im August 1888 wurde die „Great Eastern“ abgewrackt. Dabei stieß man zwischen den doppelten Wänden des Bugs auf menschliche Knochen. Sie stammten offenbar von zwei Arbeitern, die während des Schiffsbaus spurlos verschwunden waren.

2003 veröffentlichte John Griesemer den Roman „Signal & Noise“ (deutsch: „Rausch“) über die Verlegung der ersten Transatlantikkabel und die „Great Eastern“.

© Dieter Wunderlich 2006

Transatlantikkabel
John Griesemer: Rausch

Stefanie Bachstein - Du hättest leben können
"Du hättest leben können" ist kein abstrakter, sondern ein szenisch umgesetzter Bericht, in dem eine um ihr Kind trauernde Mutter differenziert und ohne Larmoyanz das Gefühlschaos darstellt, in dem sie sich zurechtfinden muss. Gleichzeitig untersucht sie die strukturellen Mängel im Umgang mit ärztlichen Kunstfehlern und fordert Verbesserungen.
Du hättest leben können

Stefanie Bachstein

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