Helga Schubert

Helga Schubert (der Name ist ein Pseudonym) wurde am 7. Januar 1940 in Berlin als Tochter einer Volkswirtin geboren. Ihr Vater, ein Referendar am Berliner Kammergericht, fiel im Dezember 1941 an der Ostfront. Geheiratet hatten die Eltern wenige Wochen vor dem Beginn des Zweiten Weltkriegs, als die Braut bereits schwanger war.

Die Witwe floh 1944 mit der Tochter von Berlin nach Hinterpommern und im Jahr darauf vor der Roten Armee nach Greifswald zu den Schwiegereltern. Dabei verlor sie ihr gesamtes Hab und Gut. Zurück in Berlin arbeitete die Diplom-Volkswirtin unter anderem als wissenschaftliche Bibliothekarin an der Berliner Akademie der Wissenschaften.

1946 bis 1957 besuchte Helga Schubert sukzessive sieben verschiedene Schulen in Berlin, Forst-Zinna und Potsdam-Babelsberg. Im Alter von 17 Jahren erhielt sie ihr Reifezeugnis. 1958 bis 1963 studierte Helga Schubert Psychologie an der Humboldt-Universität. Danach arbeitete sie als klinische Psychologin, und 1977 bis 1987 engagierte sie sich in der Ausbildung von Gesprächstherapeuten.

In den Sechzigerjahren fing Helga Schubert zu schreiben an: Kinderbücher, Theaterstücke, Hörspiele, Drehbücher. 1976 wurde sie in den Schriftstellerverband der DDR aufgenommen. Von diesem Zeitpunkt an observierte die Stasi die Schriftstellerin wegen des Verdachts auf staatsgefährdende Hetze.

1980 wurde Helga Schubert zu den Tagen der deutschsprachigen Literatur nach Klagenfurt eingeladen (Ingeborg-Bachmann-Preis), aber die DDR-Behörden verweigerten ihr die Reisegenehmigung. 1987 bis 1990 gehörte Helga Schubert dann selbst der Jury des Ingeborg-Bachmann-Preises an.

Ohne Parteizugehörigkeit engagierte sich Helga Schubert in den ersten Monaten nach der Öffnung der Berliner Mauer (Dezember 1989 bis März 1990) als Pressesprecherin des Zentralen Runden Tisches in Ost-Berlin. 1990 erschien ihr Buch „Judasfrauen. Zehn Fallgeschichten weiblicher Denunziation im Dritten Reich“.

1993 wurde Helga Schubert von der Stadt Neumünster mit dem Hans-Fallada-Preis ausgezeichnet.

Helga Schubert ist seit 1976 in zweiter Ehe mit Johannes Helm verheiratet, einem 13 Jahre älteren Künstler, Schriftsteller und emeritierten Professor für Klinische Psychologie. Auf Anregung von Christa Wolf zogen sie nach Neu Meteln bei Schwerin (Künstlerkolonie Drispeth). Ihr 1983 durch ein Feuer zerstörtes Haus ließen sie neu errichten.

2020 wurde die 80-jährige Schriftstellerin erneut nach Klagenfurt eingeladen und gewann mit einer Lesung aus ihrem Manuskript „Vom Aufstehen. Ein Leben in Geschichten“ den Ingeborg-Bachmann-Preis. Im Jahr darauf wurde das inzwischen veröffentlichte Buch für den Preis der Leipziger Buchmesse in der Kategorie Belletristik nominiert.

© Dieter Wunderlich 2022

Helga Schubert: Vom Aufstehen. Ein Leben in Geschichten

Ketil Bjørnstad - Der Fluss
Intensiv und einfühlsam beschäftigt Ketil Bjørnstad sich in "Der Fluss" mit der psychischen Entwicklung des Protagonisten, der – hin- und hergerissen zwischen Trauer, Lust und Karriereziel – seinen Weg sucht.
Der Fluss