Erster Weltkrieg: Naher Osten


Der Weg von Berlin nach Konstantinopel war frei. Die Deutsche Reichsbahn richtete eine regelmäßige Zugverbindung zwischen den beiden Metropolen ein: Am Morgen des 14. Januar 1916 fuhr der erste Balkanexpress in Berlin ab; über Dresden, Prag, Wien, Budapest, Belgrad, Sofia erreichte er am Abend des übernächsten Tages Konstantinopel.

Am 29. April 1916 kapitulierte das britische Expeditionskorps in Mesopotamien, und zehntausend Briten gerieten in türkische Kriegsgefangenschaft. Colmar Freiherr von der Goltz („Goltz-Pascha“, 1843 – 1916) hatte die siegreiche 6. türkische Armee kommandiert, bis er am 19. April an Fleckfieber gestorben war.

Trotz der Niederlage verständigten sich die Briten heimlich mit den Franzosen darüber, die osmanischen Territorien im Nahen Osten in eine britische und eine französische Interessensphäre aufzuteilen (Sykes-Picot-Abkommen, 16. Mai 1916).

Die Engländer wiegelten Araber gegen die osmanische Herrschaft auf und setzten dabei besonders auf die Rivalen Ibn Saud und Husain Ibn Ali.

Das Haus Ibn Saud, das die streng puritanische Auffassung der Wahabiten vertrat, war 1883 aus Zentralarabien vertrieben worden und hatte in Kuweit Zuflucht gefunden. Von dort aus hatte sich Abd Al Asis III. Ibn Saud (1880 – 1953) nach der Jahrhundertwende angeschickt, das zentralarabische Reich seiner Vorfahren zurückzuerobern. Er nahm Ar Rijad und das Emirat Nadschd ein, musste allerdings zunächst die osmanische Suzeränität anerkennen. Die Briten sicherten Ibn Saud am 26. Dezember 1915 vertraglich zu, die Unabhängigkeit seiner Herrschaft zu respektieren.

Husain Ibn Ali (um 1835 – 1931) stammte aus der Haschimiden-Dynastie. Seit 1908 beherrschte er Mekka und das umliegende Land (Hedschas). 1915/16 führte Husain einen Briefwechsel mit Sir Henry McMahon (1862 – 1949), dem britischen Hochkommissar in Ägypten,

über einen gemeinsamen Kampf gegen die Osmanen und die britische Anerkennung seiner vollen Souveränität. Im Mai 1916 knüpfte ein britischer Geheimdienstagent Kontakte mit ihm an: Thomas Edward Lawrence („Lawrence von Arabien“, 1888 – 1935). Der britische Archäologe hatte sich von 1912 bis zum Ausbruch des Krieges an verschiedenen Ausgrabungen im Nahen Osten beteiligt und war dann in den Dienst des britischen „Arab Bureau“ in Kairo getreten. Er befreundete sich mit Faisal I. Ibn Husain (1883 – 1933), dem dritten Sohn des Haschimiden-Herrschers, und kämpfte mit diesem gegen die osmanische Herrschaft in Arabien. Husain Ibn Ali beanspruchte ab Ende 1916 den Titel eines „Königs der arabischen Länder“.

Fortsetzung

© Dieter Wunderlich 2006

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