Hintergrundinformationen zu Buchtipps & Filmtipps von Dieter Wunderlich |
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Günter Grass* 1927 / Biografie |
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Mein Vater ist der typische opportunistische Mitläufer gewesen.
Am 10. November 1944 wurde Günter Grass zur Waffen-SS einberufen und zum Panzerschützen ausgebildet (10. SS-Panzer-Division "Jörg von Frundsberg"). Nach einer Verwundung am 20. April 1945 geriet er am 8. Mai in amerikanische Gefangenschaft.
Wenn Künstlers Hand eine Zeitlang gesucht hat, doch leer blieb oder Gefundendem nicht geschickt genug war, schimpft Künstlers Mund über Inhalte, und Künstlers Kopf erinnert sich ureigenster, formaler Fähigkeiten und Qualitäten. "Es kommt nicht auf das Was an, nur auf das Wie. Der Inhalt stört nur, ist Konzession, fürs Publikum, die Kunst will die Form an sich, die Kunst ist zeitlos, muss Raum und Zeit überwinden, hat schon überwunden, nur die im Osten, die machen noch auf sozialen Realismus. Wir aber [...] sind uns selbst voraus, der Flug unserer Ideen sprengt tagtäglich und von Berufs wegen alle lästigen Formate." – Was kann man nicht alles machen, wenn man Fantasie hat. Neue Perspektiven, Konstellationen, Strukturen, Aspekte, Akzente; und alles noch nie dagewesen. Die Maler entdecken die Fläche (als hätte Raffael Löcher in die Leinwand gebohrt), die Lyriker verweisen auf ihr Unterbewusstsein und träumen, wenn auch literarisch ergiebig, nicht ohne Angst, selbst in diesem Metaphereldorado zum Epigonen werden zu können oder, was noch schlimmer wäre, von epigonalen Traum- und Unterbewusstseinsräubern ausgeplündert zu werden. Überambitionierte stilistische Experimente belustigten Günter Grass ebenfalls:
Man kann eine Geschichte in der Mitte beginnen und vorwärts wie rückwärts kühn ausschreitend Verwirrung anstiften. Man kann sich modern geben, alle Zeiten, Entfernungen wegstreichen und hinterher verkünden oder verkünden lassen, man habe endlich und in letzter Stunde das Raum-Zeit-Problem gelöst. Man kann auch ganz zu Anfang behaupten, es sei heutzutage unmöglich einen Roman zu schreiben, dann aber, sozusagen hinter dem eigenen Rücken, einen kräftigen Knüller hinlegen, um schließlich als letztmöglicher Romanschreiber dazustehn. Günter Grass misstraute Ideologien und Fanatikern zutiefst.
Ich bin ein Gegner der Revolution. Ich scheue Opfer, die jeweils in ihrem Namen gebracht werden müssen. Ich scheue ihre übermenschlichen Zielsetzungen, ihre absoluten Ansprüche, ihre inhumane Intoleranz. (Günter Grass: Denkzettel) Nachdem er 1961 Willy Brandt persönlich kennen gelernt hatte, engagierte Günter Grass sich ab 1965 in mehreren Wahlkämpfen für die SPD – nicht als überzeugter Anhänger (Parteimitglied war er von 1982 bis 1993), sondern um "das kleinere Übel" zu fördern. Immer wieder äußerte er sich zu politischen Themen. Er wollte nicht zulassen, dass seine Generation sich als Opfer der Nationalsozialisten darstellte. Hitler als Dämon und das deutsche Volk verführt – diese These ist falsch, abgrundtief verlogen und falsch, und wirkt doch bis heute nach in Formulierungen wie, es seien im Namen der Deutschen Verbrechen begangen worden. Mir kam es darauf an zu zeigen, dass alles am helllichten Tag geschehen ist. (Günter Grass, zit. Heinrich Vormweg, a. a. O., Seite 48) Als die Berliner Akademie der Künste eine Solidaritätsveranstaltung für Salman Rushdie abgelehnt hatte, trat er 1989 aus. (Neun Jahre später wurde er erneut Mitglied der Akademie der Künste.) Nach dem überraschenden Zusammenbruch des DDR-Regimes setzte er sich 1990 in Zeitungsartikeln dafür ein, Ostdeutschland nicht kurzerhand anzuschließen, sondern die beiden Teile Deutschlands schrittweise zusammenwachsen zu lassen.
Günter Grass ist zur moralischen Instanz, zur politischen Institution geworden [...] Jede der reflexhaften Anfeindungen, die den Schriftsteller im Zeitalter eines gewandelten Intellektuellenbildes erreichen, bestätigt die öffentliche Rolle dieses notorischen Einmischers und Querdenkers.
Zu einem Eklat kam es im Sommer 1995, als sein Roman "Ein weites Feld" von Marcel Reich-Ranicki in einer "Spiegel"-Titelstory verrissen wurde – "'Mein lieber Günter Grass ..." Marcel Reich-Ranicki über das Scheitern eines großen Schriftstellers" (Der Spiegel, 21. August 1995) – und sich die meisten Literaturkritiker dem Verdikt eifrig anschlossen. Literatur über Günter Grass
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© Dieter Wunderlich 2005 - 2008
Heinrich Vormweg: Günter Grass |