Anatole France


Anatole France hieß eigentlich Jacques-Anatole Thibault. Am 16. April 1844 wurde er in Paris geboren, und zwar als Sohn des Buchhändlers François-Noël Thibault, der auf den An- und Verkauf von Büchern und Karikaturen über die Französische Revolution spezialisiert war. Anatole besuchte das Institut Sainte-Marie und das Collège Stanislas. Ab 1867 verdiente er seinen Lebensunterhalt als Lektor im Verlag Alphonse Lemerre. Mit neunundzwanzig Jahren veröffentlichte Thibault, der sich als Schriftsteller „Anatole France“ nannte, seine erste Gedichtsammlung („Les Poèmes Dorés“). 1876 wurde er Mitarbeiter der Bibliothèque du Luxembourg. Fünf Jahre gelang ihm mit seinem ersten Roman – „Die Schuld des Professors Bonnard“ – der internationale Durchbruch als Schriftsteller.

Seit 1888 war Léontine, die Ehefrau von Albert Arman de Caillaret, seine Geliebte; 1893 ließ er sich deshalb von Valérie Guérin de Sauville scheiden. 1897 setzte sich Anatole France, der im Jahr davor in die Académie française aufgenommen worden war, für eine lückenlose Aufklärung der Dreyfus-Affäre ein.

Ein Jahrzehnt später entzog er sich seiner Geliebten durch eine Vortragsreise durch Südamerika – und verliebte sich während der Überfahrt in die Schauspielerin Jeanne Brindeau. Zwar trennte Anatole France sich nach der Rückkehr von Jeanne Brindeau, aber Léontine Arman de Caillaret hatte die Affäre so mitgenommen, dass sie erkrankte und Anfang 1910 starb. Bald darauf begann Anatole France ein Verhältnis mit Emma Laprévotte, einer Zofe seiner verstorbenen Geliebten.

In historischen Romanen wie „Die Götter dürsten“ (1912) plädierte der Agnostiker und Linkssozialist Anatole France für Freiheit, Toleranz und Humanismus. An seiner kritischen Einstellung gegenüber Staat und Kirche ließ er keinen Zweifel.

Im Ersten Weltkrieg zog er sich mit Emma Laprévotte auf den Landsitz La Béchellerie bei Tours zurück. Dort starb Anatole France am 12. Oktober 1924 – drei Jahre nach der Verleihung des Nobelpreises für Literatur.

Anatole France: Bibliografie (Auswahl)

  • Professor Bonnards Schuld (Le crime de Sylvestre Bonnard, 1881)
  • Die Bratküche zur Königin Gänsefuß (La rôtisserie de la Reine Pédauque, 1893)
  • Crainquebille (L’affaire Crainquebille, 1901)
  • Die Insel der Pinguine (L’île des pingouins, 1908)
  • Die Götter dürsten (Les dieux ont soif, 1912)
  • Aufruhr der Engel (La révolte des anges, 1914)

© Dieter Wunderlich 2005

Anatole France: Die Götter dürsten

Cynthia d'Aprix Sweeney - Das Nest
Obwohl Cynthia D'Aprix Sweeney die Familiengeschichte mit zusätzlichen Figuren, Handlungssträngen und Mi­nia­turen spickt, behält sie alles unter Kontrolle. Geschickt wechselt sie die Perspektive. Man kann "Das Nest" als Satire lesen. Auf jeden Fall ist es eine unterhaltsame Lektüre.
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