Der Schneider von Panama

Der Schneider von Panama

Der Schneider von Panama

Der Schneider von Panama - Originaltitel: The Tailor of Panama - Regie: John Boorman - Drehbuch: John Boorman, Andrew Davies und John le Carré, nach dem Roman "Der Schneider von Panama" von John le Carré - Kamera: Philippe Rousselot - Schnitt: Ron Davis - Musik: Shaun Davey - Darsteller: Pierce Brosnan, Geoffrey Rush, Jamie Lee Curtis, Leonor Varelan, Catherine McCormack, Brendan Gleeson, Harold Pinter u.a. - 2001; 120 Minuten

Inhaltsangabe

Ein ebenso gutmütiger wie fantasievoller Herrenschneider in Panama City wird von einem aalglatten britischen Agenten dazu erpresst, Insiderinformationen zu liefern. In seiner Verzweiflung erfindet er eine panamaische Untergrundorganisation – und löst damit eine US-Invasion aus, die im letzten Augenblick gerade noch abgesagt werden kann.
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Kritik

In seinem Roman "Der Schneider von Panama" prangert John le Carré die Geheimdienste als gefährliche Lügen- und Legendenproduzenten an. Bei seiner Verfilmung lässt John Boorman sich viel Zeit mit der Entwicklung der Charaktere und steigert erst gegen Ende zu das Tempo.
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Weil der britische Geheimagent Andrew Osnard (Pierce Brosnan) dem spanischen Außenminister die Geliebte ausspannte, wird er nach Panama strafversetzt.

Unter den in Panama lebenden Briten stößt er auf Harry Pendel (Geoffrey Rush), den Inhaber der Schneiderei Pendel & Braithwaite, der auch für den Staatspräsidenten arbeitet und mit einer Amerikanerin namens Louisa (Jamie Lee Curtis) verheiratet ist, die in leitender Funktion bei der Kanalgesellschaft beschäftigt ist. Osnard stellt fest, dass es sich bei dem vornehmen Herrenschneider um einen Hochstapler handelt, der sein Handwerk nicht von Braithwaite in London lernte, wie er behauptet, sondern im Gefängnis. Er hatte nämlich ein Lager seines Onkels Benny (Harold Pinter) angezündet, damit dieser die Versicherungssumme kassieren konnte. Außerdem findet Osnard heraus, dass Pendel überschuldet ist und seine Frau – von deren Erbschaft er eine unrentable Farm kaufte – nichts davon wissen darf. Damit erpresst Osnard den gutmütigen Schneider, der ihm Insiderinformationen verschaffen soll. Pendel sträubt sich zunächst, sieht dann aber ein, dass er keine andere Wahl hat und hofft darauf, mit den Honoraren für die „Spionagetätigkeit“ seine Schulden bezahlen zu können. Nur seine Empfangsdame Marta (Leonor Varelan), die unter dem Regime von General Noriega zur Opposition gehört hatte und deshalb so zusammengeschlagen worden war, dass ihr Gesicht entstellt ist, warnt Pendel vor dem Fremden, dessen Augen ihr nicht gefallen.

Beim britischen Botschafter und dessen Stellvertreter stößt Osnard auf Misstrauen, aber die Botschaftsangehörige Francesca (Catherine McCormack), die sich kühl und beherrscht gibt, lässt sich ohne Wissen ihrer Vorgesetzten auf eine leidenschaftliche Affäre mit ihm ein.

Pendel führt Osnard in den exklusivsten Club Panamas ein. Es bleibt ihm jedoch nicht viel Zeit, seinen Gast mit einflussreichen Herren bekannt zu machen, denn er muss seinen betrunkenen, herumkrakeelenden Freund Mickie Abraxas (Brendan Gleeson) nach Hause fahren. Als Osnard frustriert schimpft, er solle ihm keine Verlierertypen zeigen, sondern die erfolgreichen Leute von heute und morgen, wendet Pendel leise ein, er solle Mickie nicht unterschätzen: Der Mann gehöre zur „stillen Opposition“, einer gegen das Regime gerichteten Untergrundbewegung, die dabei sei, für zehn Millionen Dollar Waffen zu besorgen.

Nach einer Anprobe beim Präsidenten, der gerade von einigen Staatsbesuchen in Asien zurückkehrte, erzählt Pendel dem britischen Agenten, es gebe Pläne, den Kanal an Japan oder einen der beiden chinesischen Staaten zu verkaufen. Osnard meldet das seinen Vorgesetzten. Weil man Beweise von ihm verlangt, bringt er Pendel dazu, nachts heimlich Akten seiner Ehefrau zu fotografieren, aber bei den Papieren handelt es sich nur um allgemein zugängliche Statistiken.

Als der britische Geheimdienst die US-Regierung über den angeblich bevorstehenden Aufstand in Panama unterrichtet, sieht der General, der am 31. Dezember 1999 bei der Rückgabe des Kanals an Panama die abziehenden US-Truppen befehligte, eine Gelegenheit, sich für die Schmach zu revanchieren. Man ist bereit, den Verschwörern -zig Millionen Dollar zur Verfügung stellen.

Wenn Sie noch nicht erfahren möchten, wie es weitergeht,
überspringen Sie bitte vorerst den Rest der Inhaltsangabe.

Mickie Abraxas, den die britischen und amerikanischen Geheimdienste aufgrund von Osnards Berichten zum Anführer der Untergrundbewegung in Panama stilisieren, gehörte zusammen mit seinem Freund Harry Pendel unter General Noriega tatsächlich zur illegalen Opposition. Überwältigt und festgehalten von Schergen des Regimes mussten er und Pendel hilflos mit ansehen, wie Marta zusammengeschlagen wurde. Seither will Mickie nichts mehr mit Politik zu tun haben und ist dem Alkohol verfallen. Als der panamaische Geheimdienst – der auf die konspirativen Treffen Pendels mit Osnard aufmerksam geworden ist – Mickie verhört, befürchtet er den Beginn einer erneuten Verfolgung und erschießt sich. In Washington heißt es, er sei von einem Killerkommando des Staatspräsidenten ermordet worden.

Während Osnards Vorgesetzter noch in Panama City ist, um der Untergrundorganisation die Millionen zu überbringen, werden Invasionstruppen der USA in Marsch gesetzt. Osnard eilt mit die beiden Geldtaschen zum Flughafen. Der ist zwar bereits von Militärs abgeriegelt, aber der britische Botschafter verhilft ihm als Gegenleistung für einen Teil der Millionen zu einem Platz in einer Privatmaschine. Louisa Pendel deckt im letzten Augenblick die Machenschaften ihres Mannes auf, und die panamaische Regierung bringt die US-Regierung durch die Richtigstellung dazu, die anfliegenden Hubschraubergeschwader zurückzuholen.

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Graham Greenes Roman „Unser Mann in Havanna“ (1958) inspirierte John le Carré zu dem Agententhriller „The Tailor of Panama“ (1996; deutsch: „Der Schneider von Panama“, 1997). Während jedoch der „Mann in Havanna“ mit seinen erfundenen Geheimdienstinformationen Erfolg hat, weil seine Vorgesetzten einfältig und inkompetent sind, durchschauen in John le Carrés Geschichte einige entscheidende Leute den Schwindel – und ziehen ihre eigenen Vorteile daraus. Auf diese Weise prangert John le Carré die Geheimdienste als gefährliche Lügen- und Legendenproduzenten an – was durch die Begründung des Golfkriegs von 2003 mit angeblichen Massenvernichtungswaffen des irakischen Regimes wieder eine neue Brisanz gewonnen hat. Das gilt auch für die Darstellung, dass führende Militärs in den USA auf eine Gelegenheit lauern, in ein anderes Land einmarschieren zu können.

John le Carré (eigentlich: David John Moore Cornwell) wurde 1931 in Poole, Dorset, geboren. Nach dem Germanistikstudium in Bern und Oxford unterrichtete er von 1956 bis 1958 in Eton und arbeitete dann für den britischen Geheimdienst. 1961 erschien sein erster Roman („Schatten von gestern“). Weltbekannt wurde er zwei Jahre später durch „Der Spion, der aus der Kälte kam“. Seine Spionageromane kreisen um die Brüchigkeit politischer Ordnungen und moralischer Normen.

In seinem Roman „Der Schneider von Panama“ geht es um eine angebliche Verschwörergruppe, die verhindern will, dass die USA den Panama-Kanal 1999 nicht zurückgeben. Weil der Film – anders als die literarische Vorlage – erst nach der Übergabe des Kanals spielt, musste die Handlung entsprechend modifiziert werden.

In einer der besten Szenen ist der Herrenschneider Harry Pendel zu sehen, wie er den Schnitt für ein Jackett flink mit Kreide auf Tuch zeichnet. Die Ordnung des komplizierten Schnitts kontrastiert mit dem Chaos um ihn herum, in dem es ihm nicht einmal gelingt, die Schulden seiner Kunden einzutreiben.

„Der Schneider von Panama“ ist eine Satire auf das Genre der Agententhriller und zugleich eine Tragikomödie, in der nicht der aalglatte Geheimdienstagent, sondern der gutmütige Herrenschneider im Mittelpunkt steht. John Boorman lässt sich viel Zeit, die Charaktere und die Geschichte zu entwickeln; erst gegen Ende zu steigert er das Tempo. Wie der ebenfalls nach einem Roman von John le Carré gedrehte Film „Das Russland-Haus“ kommt auch „Der Schneider von Panama“ ohne spektakuläre Actionszenen aus.

Nach Dreharbeiten in Panama entstanden die Innenaufnahmen in den Ardmore Studios bei Dublin.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2004

Chris Silberer - Korbleger
62 flott erzählte Kapitel mit einer Fülle kurzer Szenen sorgen für spannende Unterhaltung, auch wenn nicht alle Sequenzen der Handlung des Kriminalromans "Korbleger" von Chris Silberer glaubwürdig sind.
Korbleger

Chris Silberer

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