Tod eines Keilers

Tod eines Keilers

Tod eines Keilers

Originaltitel: Tod eines Keilers – Regie: Urs Egger – Drehbuch: Nils-Morten Osburg, nach dem Roman "Der Keiler" von Felix Mettler – Kamera: Martin Fuhrer – Schnitt: Oliver Neumann – Musik: Nellis du Biel und Ina Siefert – Darsteller: Joachim Król, Friedrich von Thun, Hanspeter Müller-Drossaart, Hans-Michael Rehberg, Stefan Kurt, Lale Yavas, Martin Rapold, Michael Finger, Maria Casals, Charlotte Schwab, Robert Hunger-Bühler, Herbert Leiser u.a. – 2006; 90Minuten

Inhaltsangabe

Bei einer Jagd erhob sich ein weidwunder Keiler mit letzter Kraft, um den Schützen anzugreifen. Wie dieser Keiler versucht Gottfried Binder die Ungerechtigkeit zu beseitigen, die seiner Meinung nach darin besteht, dass sein schikanöser, eine Zigarette nach der anderen qualmender Chef gesund ist, während er in Kürze an Lungenkrebs sterben wird, obwohl er nie in seinem Leben geraucht hat. Dabei schreckt Binder nicht vor einem Mord zurück – und löst damit eine Kette von Ereignissen aus ...
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Kritik

Bei "Tod eines Keilers" handelt sich um eine Mischung aus Groteske, Thriller und Tragikomödie. Urs Egger und Nils-Morten Osburg erzählen die sorgfältig aufgebaute und von starken Darstellern getragene Geschichte bedächtig und unspektakulär.
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Nach einer schweren Lungenoperation kehrt der verwitwete Präparator Gottfried Binder (Joachim Król) an seinen Arbeitsplatz in der Pathologie des Universitätskrankenhauses in Zürich zurück, obwohl er in zwei Wochen ohnehin pensioniert wird und der sarkastische Abteilungschef, Dr. Horst Götze (Stefan Kurt), die Mitarbeiter schikaniert. Von der liebenswürdigen Doktorandin Pat Wyss (Lale Yavas) erbittet Binder seinen Befund und erfährt auf diese Weise, dass er nur noch wenige Monate zu leben hat. Das Scheusal Götze qualmt wie ein Schlot und ist kerngesund, während Binder nie in seinem Leben geraucht hat und an Lungenkrebs sterben wird – das findet der Kranke ungerecht.

Binders Kollege Alfons Zimmerli (Michael Finger) gesteht, dass er Götze am liebsten umbringen würde. Kurz darauf kommt es zwischen dem Klinikchef und Dr. Götze im Treppenhaus zu einer heftigen Auseinandersetzung, in deren Verlauf sich Professor Charles Bernbeck (Friedrich von Thun) zu einer ähnlichen Bemerkung hinreißen lässt. Das bringt Binder auf den Gedanken, wie er die Gerechtigkeit wieder herstellen könnte.

Den Weg zu seiner Wohnung einige Straßen weiter ging [Binder] mechanisch, gedankenverloren, bis das durchdringende Quietschen eines Wagens ihn aufschreckte. Eine hässliche Schimpftirade begleitete ihn zurück auf das Trottoir. Leicht verstört versuchte er, seine Gedanken, die ihn seine Umwelt hatten vergessen lassen, wieder zu ordnen. Alles drehte sich nun um die Idee, die sich aus dem Gespräch mit Pat Wyss entwickelt hatte, um diese Idee, die seinem Problem einen neuen Aspekt verlieh. Die tödliche Krankheit war für einen andern bestimmt gewesen. Und [Binder] brauchte nicht zu suchen, für wen. Nein, er wüsste nicht, wer anders es sein könnte.
Seit fünf Jahren war er diesem Mann ausgeliefert. Ein Stellenwechsel war nicht mehr in Frage gekommen. Fünf Jahre lang hatte Götze ihn schikaniert, ihm Dinge aufgetragen, die er unmöglich termingerecht erledigen konnte, hatte gegebene Aufträge plötzlich bestritten und ihn beim Widerspruch der mangelnden Subordination bezichtigt. Und dann hatte Götze geraucht, unablässig geraucht, Zigarette um Zigarette inhaliert, hatte ihm manchmal den Rauch ins Gesicht geblasen. Mit voller Absicht, legte sich [Binder] zurecht. Auf diese Weise musste Götze den Krankheitskeim auf ihn übertragen haben, nachdem er ihm zuvor schon die Widerstandskraft geraubt hatte. Und später, als die Krankheit zum Ausbruch gekommen war, als ihm ein Tumorknoten entfernt werden musste, war es Götze, der die Diagnose gestellt, gleichsam das Urteil gesprochen hatte, bewusst ein hartes Urteil. Ein Todesurteil. (Felix Mettler: „Der Keiler“. Ammann Verlag, Zürich 1990, Seite 46f. Im Roman heißt der Protagonist „Sonder“ statt „Binder“.)

Bernbeck ist inzwischen so vergesslich geworden, dass er seine Schlüssel ständig verlegt. Deshalb sperrt er sein Büro nicht mehr ab, wenn er abends nach Hause geht. Binder weiß das und kennt auch die exotische Waffensammlung im Büro des Klinikchefs.

Als das Personal zur jährlichen Betriebsfeier auf eine Hütte am Rüthliberg fährt, bittet Binder darum, aus gesundheitlichen Gründen fernbleiben zu dürfen. An dem Abend, an dem die Kollegen feiern, bleibt Binder länger im Krankenhaus, geht zwischendurch bei Wachmann Steinbach (Herbert Leiser) vorbei, holt dann ein Blasrohr, Pfeile und indianisches Gift aus Bernbecks Büro und fährt zur Berghütte hinauf. Hinter einem Holzstoß lauert er auf Götze, der angekündigt hatte, er werde sich verspäten. Als ihn eine Frau (Alice Bruengger) bemerkt, die ihren Hund ausführt, tut Binder so, als uriniere er. Mit seiner gesamten verbliebenen Lungenkraft schießt er Götze einen vergifteten Pfeil ins Gesäß. Der Pathologe bricht zusammen. Ein Jogger nähert sich. Binder prüft die Kofferhauben der geparkten Fahrzeuge. Eine ist nicht verschlossen. Binder zerrt sein Opfer zu dem Wagen – es ist der des Klinikchefs – und hebt ihn in den Kofferraum, doch Götze kommt noch einmal zu sich und wehrt sich – bis Binder eine der vollen Weinflaschen nimmt, die er im Kofferraum findet, und den verhassten Arzt damit erschlägt. Rechtzeitig zur Fernsehübertragung eines Fußballspiels ist Binder wieder zurück in der Klinik und setzt sich zu Steinbach, damit dieser glaubt, er sei die ganze Zeit über da gewesen.

Am nächsten Tag steht eine Vorlesung Professor Bernbecks an der Universität auf dem Plan. Weil Götze nicht auftaucht, nimmt der Klinikchef kurzerhand Binder als Assistenten im Wagen mit – und findet im Kofferraum die Leiche. Ohne ein Wort darüber zu verlieren, hält Bernbeck seine Vorlesung, schickt Binder dann mit der Straßenbahn zur Klinik zurück und fährt selbst zu dem mit ihm befreundeten Professor Eugen Rusterholz (Hans-Michael Rehberg), der ihm hilft, die Leiche in einen Fluss zu werfen und den Wagen nach Osteuropa zu verschieben, bevor die Polizei verdächtige Spuren darin finden könnte. Bernbeck, der unter zeitweiligen Amnesien leidet, befürchtet nämlich, er könnte Götze nach dem heftigen Streit im Treppenhaus umgebracht haben, ohne sich daran zu erinnern.

Binder kauft sich ein One-Way-Ticket nach Afrika. Kurz vor seinem Tod will er einen Traum seiner verstorbenen Frau verwirklichen und den Kilimandscharo besteigen.

Nachdem die Leiche angeschwemmt wurde, ermitteln die Kommissare Korak (Hanspeter Müller-Drossaart) und Robert Manz (Martin Rapold). Im Krankenhaus erfahren sie, dass Berneck – der seinen Wagen als gestohlen meldet – eine heftige Auseinandersetzung mit Götze hatte, kurz bevor dieser ermordet wurde. Bei der Autopsie bemerkt die Pathologin Dr. Pölcher (Charlotte Schwab) einen Einstich am Gesäß des Toten. Das bringt Korak und Manz auf den Gedanken, sich die Waffensammlung des Professors näher anzuschauen und vor allem das Blasrohr auf Spuren untersuchen zu lassen.

Am Parkplatz vor der Hütte am Rüthliberg entdecken die Kommissare Scherben einer Rotweinflasche. Diese Spur führt zu Professor Rusterholz, der ein paar Kisten des teuren Weines gekauft und einen Teil davon seinem Freund Bernbeck abgegeben hatte. Als sich herausstellt, dass Rusterholz seinem Kollegen zu Dank verpflichtet ist, weil er vor einigen Jahren wegen fahrlässiger Tötung vor Gericht stand, aber aufgrund eines Gefälligkeitsgutachtens von Bernbeck freigesprochen wurde, glauben Korak und Manz, Götze könnte die beiden Professoren erpresst haben. Vielleicht haben Bernbeck und Rusterholz ihn deshalb umgebracht.

Während einer Befragung durch Kommissar Korak erzählt Binder, wieso er hinkt. Bei einer Jagd hatte er auf einen Keiler geschossen, aber nicht das Herz, sondern die Lunge des Tiers zerfetzt. Binder war gestürzt und hatte sich so am Knie verletzt, dass er nicht mehr aufstehen konnte, obwohl er sah, wie sich der weidwunde Keiler mit letzter Kraft erhob und auf ihn zukam – bis er unmittelbar vor ihm tot zusammenbrach.

Wenn Sie noch nicht erfahren möchten, wie es weitergeht,
überspringen Sie bitte vorerst den Rest der Inhaltsangabe.

Um den Mordverdacht im Fall Götze von sich abzulenken, plant Rusterholz, Bernbeck zu töten und es wie einen Suizid aussehen zu lassen. Seine tief gläubige Ehefrau Maria (María Casal) bekommt die Vorbereitungen mit und warnt Bernbeck heimlich. Als Bernbeck von Rusterholz zum Essen eingeladen wird, steckt er ein Fläschchen Gift ein. Davon träufelt er dem Gastgeber heimlich etwas in den Wein, aber Rusterholz will nichts mehr trinken und führt Bernbeck ins Gästezimmer, wo er zuvor die Glühbirne der Deckenleuchte unbrauchbar gemacht hatte. Als Bernbeck auf eine Klappleiter steigt, um die Birne zu wechseln, wirft Rusterholz ihm eine an der Lampe befestigte Schlinge um den Hals und stößt die Leiter um. Selbstgefällig kehrt er zur Tafel zurück und trinkt sein Glas Wein aus.

Als Korak sich noch einmal auf dem Parkplatz am Rüthliberg umsieht, kommt eine Frau mit Hund vorbei, die auf Fragen des Kriminalbeamten angibt, während des Festes in der Hütte einen hinkenden Mann im Freien gesehen zu haben. Binder! Korak eilt zum Flughafen und kommt gerade noch rechtzeitig, um Binder aufzuhalten. Pat Wyss, die sich von ihrem Kollegen verabschieden wollte, ist entsetzt, als sie begreift, dass der Todkranke mit ins Polizeipräsidium kommen soll, damit sein Speichel mit den Spuren am Blasrohr des Klinikchefs verglichen werden können. Da eilt Robert Manz herbei, um seinem Kollegen mitzuteilen, dass man die Leichen der Professoren Bernbeck und Rusterholz gefunden hat. Damit, meint Manz, sei der Fall wohl gelöst. Korak widerspricht ihm nicht, obwohl er es besser weiß, und Pat Wyss drängt Binder, endlich zu seinem Flugzeug zu gehen.

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Das Drehbuch für den von Urs Egger inszenierten Fernsehfilm „Tod eines Keilers“ schrieb Nils-Mortens Osburg nach dem Roman „Der Keiler“ von Felix Mettler. Es handelt sich um eine aberwitzige Mischung aus Groteske, Thriller und Tragikomödie. Die Geschichte mit ihren überraschenden Wendungen wird bedächtig erzählt, und die Filmemacher haben durch einen sorgfältigen Aufbau in der Tradition von Alfred Hitchcock darauf geachtet, dass alles, was gezeigt wird, seine Bedeutung hat. Getragen wird „Tod eines Keilers“ vor allem auch von starken Schauspielern wie Joachim Król, Friedrich von Thun, Hans-Michael Rehberg, Stefan Kurt u. a.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2006

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