Freunde

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Freunde

Originaltitel: Freunde - Regie: Martin Eigler - Drehbuch: Sönke Lars Neuwöhner und Martin Eigler - Kamera: Michael Mieke - Schnitt: Dirk Grau - Musik: Johannes Kobilke, Moe Jaksch und Tom Reiss - Darsteller: Benno Fürmann, Erdal Yildiz, Christiane Paul, Michael Gwisdek, Irene Kugler, Erhan Emre, Susanne Bormann, Dennis Habedank, Patricia Kubick, Harum Somun - 2000; 103 Minuten

Inhaltsangabe

Nach einer stürmischen Jugend in Berlin-Kreuzberg ging Nils zur Polizei. Tayfun, der einmal sein bester Freund gewesen war, machte eine Verbrecherkarriere. Eines Tages stehen sie sich gegenüber, und Nils gerät in einen unlösbaren Konflikt.
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Kritik

Mit seinem Debüt "Freunde" ist Martin Eigler ein atmosphärisch dichter Großstadtthriller gelungen, ein packendes Drama über Liebe und Freundschaft, Verrat und Loyalität.
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Nils (Benno Fürmann), Tayfun (Erdal Yildiz) und Caro (Christiane Paul) waren als Kinder und Heranwachsende unzertrennlich. Auch als Nils und Caro ein Paar wurden, blieb die Freundschaft bestehen. Erst durch Caros Entscheidung für Tayfun zerbrach die Beziehung zwischen den drei jungen Menschen. Nils wollte Ordnung in sein Leben bringen und wurde Polizist. Tayfun eröffnete eine Kneipe in Berlin-Kreuzberg.

Sechs Jahre später hört Nils von einer geplanten Drogen-Razzia in Tayfuns Kneipe. Da flammt die Wut über die Niederlage von damals wieder auf: Er meldet sich für das Kommando, denn er will dabei sein, wenn sein früherer Nebenbuhler verhaftet wird. Doch als Tayfun von den Polizisten überwältigt am Boden liegt, vergisst Nils seinen Hass, und um seinen ehemaligen Freund zu schützen, steckt er heimlich einige Päckchen Heroin ein, die er in einem Versteck hinter der Theke gefunden hat.

Seine Kollegen haben Verdacht geschöpft und melden es. Bei einer Hausdurchsuchung in Nils‘ Wohnung findet die Polizei einen Teil des Heroins. Er wird offiziell vom Dienst suspendiert, aber sein Vorgesetzter Schenk (Michael Gwisdek) sorgt dafür, dass er verdeckt weiterarbeitet, denn um Tayfuns Bande überführen zu können, benötigt er Nils als V-Mann.

Tayfun dankt Nils für die Hilfe bei der Razzia, und gegen den Rat seiner misstrauischen Kumpane lässt er die alte Freundschaft wieder aufleben. Anfangs glaubt Nils noch, Tayfun habe das Heroin für einen Kumpel versteckt, aber er merkt bald, dass Tayfun der Anführer einer Bande ist, die Geschäfte, Kneipen und Autowerkstätten ausraubt.

Tayfun kümmert sich um seinen jüngeren Bruder Tuncay (Erhan Emre), und der holt sich Rat von ihm, wie er die Bardame Miriam (Susanne Bormann) am besten von seiner Liebe überzeugen könne. Als Tuncay bei einem Raubüberfall angeschossen wird und im Krankenhaus wieder aufwacht, ist Tayfun sehr besorgt um ihn.

Nils liefert Schenk nicht mehr Informationen als er unbedingt muss und achtet besonders darauf, keine Hinweise auf Tayfuns kriminelle Machenschaften zu liefern. Aber Schenk hat auch noch andere Ermittlungsbeamte auf den Bandenchef angesetzt.

Als Tayfun Verdacht schöpft, zwingt er Nils, bei einem seiner Überfälle mitzumachen. Dieser Schritt dient aber auch dazu, die Kumpane zu beruhigen.

Durch das Auftauchen von Nils fühlt Caro sich verunsichert: Sie ist jetzt Tayfuns Geliebte, aber ihre Gefühle für Nils sind nicht ganz erloschen. Nils lebt inzwischen mit der fast zwanzig Jahre älteren Rebekka (Irene Kugler) zusammen, die er bei einem Polizeieinsatz kennen gelernt hat, nachdem sie wegen ihrer chronischen Schlaflosigkeit zu viele Tabletten geschluckt hatte. Rebekka spürt ebenso wie Tayfun, dass die Liebe zwischen Nils und Caro neu entsteht, und sie unternimmt einen Selbstmordversuch.

Schenk setzt Nils unter Druck, damit er regelmäßig Berichte über die Aktivitäten von Tayfuns Bande erhält. Als er genügend Beweismaterial gesammelt hat, versteckt sich ein Polizeikommando in Nils‘ Wohnung, um dort auf Tayfun zu warten. Zuerst kommt Caro. Nils flüstert ihr zu, sie solle Tayfun warnen: Er dürfe auf keinen Fall hierher kommen. Aber es ist zu spät. Tayfun steht in der Tür. Die Polizisten führen ihn ab. Nils nimmt die Patronen aus seiner Pistole und läuft hinterher. Im Korridor richtet er seine Waffe auf die Polizisten. Nach mehreren Warnungen wird er erschossen. Caro wirft sich über den Sterbenden. Tayfun schaut mit traurigen Augen zurück.

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Martin Eigler (*1964) studierte von 1985 bis 1991 Germanistik, Philosophie und Theaterwissenschaft und ab 1992 an der Deutschen Film- und Fernsehakademie in Berlin. Seine Abschlussarbeit ist der Spielfilm „Freunde“.

Nach einer stürmischen Jugend in Berlin-Kreuzberg ging Nils zur Polizei. Tayfun, der einmal sein bester Freund gewesen war, machte eine Verbrecherkarriere. Nils steht also für Ordnung, Tayfun (!) verkörpert die Zerstörung: Zuerst nahm er Nils die Freundin Caro weg, jetzt handeln er und seine Kumpane mit Heroin und rauben nicht nur Kneipen und Geschäfte aus, sondern verwüsten dabei auch mit Baseballschlägern die Einrichtung. Plötzlich werden Nils, Caro und Tayfun mit der Vergangenheit konfroniert. Gerade weil Nils seinem ehemaligen Freund bei einer Razzia helfen will, kann er von seinem Vorgesetzten gezwungen werden, als verdeckter Ermittler Material gegen Tayfuns Bande zu sammeln. Vergeblich versucht Nils, in diesem Konflikt unschuldig zu bleiben. (Selbst das Wasser in seiner Badewanne ist trüb und schmutzig.) Parallel dazu lebt die Liebe zwischen ihm und Caro wieder auf, die seine Beziehung mit Rebekka zerstört.

Den Schluss hat Martin Eigler von „Der eiskalte Engel“ abgeguckt. Das wirkt nicht besonders originell, kann aber auch als Hommage an Jean-Pierre Melville verstanden werden.

Obwohl die Polizei bei Nils eine größere Menge Heroin gefunden hat, von der bekannt ist, dass sie aus Tayfuns Kneipe stammt, wird keiner der beiden festgenommen, weil Nils erst noch als verdeckter Ermittler weiteres Belastungsmaterial zusammentragen soll. Das ist nicht glaubhaft. Davon abgesehen, ist Martin Eigler mit „Freunde“ ein atmosphärisch dichter Großstadtthriller gelungen, ein packendes Drama über Liebe und Freundschaft, Verrat und Loyalität — hervorragend gespielt von Erdal Yildiz, Benno Fürmann und Christiane Paul.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2002

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