Gefährliche Gefühle

Gefährliche Gefühle

Gefährliche Gefühle

Originaltitel: Gefährliche Gefühle – Regie: Martin Enlen – Drehbuch: Henriette Piper – Kamera: Philipp Timme – Schnitt: Monika Abspacher – Musik: Dieter Schleip – Darsteller: Katharina Böhm, Harald Krassnitzer, Monica Bleibtreu, Jasmin Schwiers, Marion Mitterhammer, Christel Peters, Stefan Gubser, Theresia Karner, Johanna Lindinger, Gabi Mitternöckler, Erich Röder, Frank Röth, Haavard Seeböck u.a. – 2003; 90 Minuten

Inhaltsangabe

Valentin betrog seine Ehefrau Brigitte mit der Hebamme Andrea Berger. Brigitte ist schwanger. Während eines Schneesturms setzen vorzeitig die Wehen ein. Valentin ist mit der Bergwacht im Einsatz. Brigittes Mutter Veronika telefoniert, doch bei dem Wetter kann kein Arzt ins Dorf kommen. Es bleibt nur die verhasste Hebamme. Brigitte stirbt. Entschlossen rettet Andrea das Kind mit einem Kaiserschnitt. Veronika zeigt Andrea an und behauptet, sie habe Brigitte ermordet, um Valentin zu bekommen ...
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Kritik

Eine mitreißende Handlung und hervorragende schauspielerische Leistungen machen das Melodram "Gefährliche Gefühle" sehenswert. Im Mittelpunkt steht eine starke, eigenständige Frau mit Zivilcourage.
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Im Dorf wissen alle, dass der Hotelier Valentin Eigner (Harald Krassnitzer) seine Ehefrau Brigitte (Marion Mitterhammer) mit der Hebamme Andrea Berger (Katharina Böhm) betrügt. Die beiden kennen sich seit der Schulzeit. Später war Valentin Andreas erste Liebe, und sie seine erste Freundin. Nach fünf Jahren zerbrach ihre Beziehung. Andrea ging nach Südafrika, und Valentin heiratete Brigitte Seiler. Er wohnt mit seiner Frau, der zwanzigjährigen Tochter Katharina (Jasmin Schwiers) und seiner verwitweten Schwiegermutter Veronika Seiler (Monica Bleibtreu) im Hotel „Wildspitz“. Vor einiger Zeit kehrte Andrea aus Afrika zurück und zog zu ihrer Großmutter Margret (Christel Peters), die am Rand des Dorfes einen kleinen Bergbauernhof besitzt. Die Liebe zwischen Andrea und Valentin flammte wieder auf, zumal es in der Ehe der Eigners längst kriselte. Als Brigitte noch einmal schwanger wurde, beschlossen sie, ihre Beziehung zu beenden, aber es fällt ihnen schwer, voneinander loszukommen.

Trotz ihrer Schwangerschaft unternimmt Brigitte mit ihrer Tochter eine Schlittenfahrt. In ihrem Übermut treibt Katharina die Huskies zu sehr an, und in einer Kurve kippt der Schlitten um. Brigitte prallt auf den Boden auf, hat sich jedoch nicht ernsthaft verletzt. Kurz darauf sehen sie Andrea und Valentin. Die beiden haben offenbar miteinander geredet, und bevor sie in ihre Autos steigen, verabschieden sie sich mit einem Kuss.

In dieser Nacht zieht ein Schneesturm auf. Valentin muss mit der Bergwacht ausrücken. Bei Brigitte setzen vorzeitig die Wehen ein. Ihre Mutter telefoniert mit Ärzten in Innsbruck, aber sie können wegen des Wetters nicht ins Dorf kommen. In ihrer Verzweiflung ruft Veronika gegen den Willen ihrer Tochter die Hebamme an. Andrea kämpft sich zum Hotel durch, und als Brigitte die Schmerzen nicht mehr aushält, lässt sie sich widerstrebend von ihrer Rivalin untersuchen, während Veronika ihr die Hand hält. Weil der Muttermund noch kaum geöffnet ist, schlägt Andrea vor, ein wehenhemmendes Mittel zu injizieren, doch bevor sie die Spritze aufgezogen hat, verliert die achtundunddreißig Jahre alte Schwangere das Bewusstsein. Sofort beginnt Andrea mit Wiederbelebungsversuchen. Das Puls- und Blutdruckmessgerät zeigt Null an. Brigittes Pupillen reagieren nicht mehr auf Licht. Nach kurzer Zeit gibt Andrea die Wiederbelebungsversuche auf und hört die Herztöne des Fötus ab. Er scheint gesund zu sein. Ruhig und bestimmt fragt die Hebamme die Mutter der Toten, ob sie das Kind holen solle. In Afrika assistierte sie häufig bei Kaiserschnitten; daher weiß sie, was zu tun ist. Veronika ist kaum in der Lage, eine Entscheidung zu treffen. Schließlich gibt sie Andreas Drängen nach: Das Kind soll gerettet werden.

Als Katharina, die in ihrem Zimmer Kopfhörer aufgesetzt und Musik gehört hat, weil sie die Schreie ihrer Mutter nicht mehr hören konnte, hereinkommt, kniet ihre Großmutter vor der Toten, und Andrea wiegt ein gesundes Mädchen in den Armen.

Erst am Morgen kommt Valentin von seinem Einsatz zurück, und der Notarzt (Günter Lieder) trifft mit dem Hubschrauber ein. Veronika berichtet, was geschah und behauptet, Brigitte habe gezuckt, als Andrea sie aufschnitt. Der Notarzt verständigt daraufhin die Polizei.

Die Innsbrucker Kommissarin Inge Gärtner (Theresia Karner) sucht Andrea an deren Arbeitsplatz im Krankenhaus auf und teilt ihr mit, dass gegen sie wegen eines Tötungsdelikts ermittelt wird. Andrea kann es nicht fassen und verweigert die Aussage. Der Chefarzt Dr. Heerweg (Frank Röth) will auf keinen Fall, dass seine Klinik durch die Hebamme in Verruf kommt und stellt Andrea deshalb vor die Wahl, entweder Urlaub zu nehmen oder von ihm suspendiert zu werden.

Inzwischen ist Veronika überzeugt, dass Andrea ihre Tochter ermordete, um Valentin endlich haben zu können. Ihr Schwiegersohn kann sie nicht davon abhalten, die Hebamme anzuzeigen. Seine Tochter glaubt der Großmutter und wirft ihm vor, die Mutter wegen seiner Untreue auf dem Gewissen zu haben.

Inge Gärtner kommt erneut ins Dorf und nimmt mit dem Polizisten Huber (Josef Griesser) zusammen Andrea fest. Man bringt sie nach Innsbruck in Untersuchungshaft.

Valentin besucht sie dort. Als er hört, dass die örtliche Leiterin des Verbandes der Hebammen (Johanna Lindinger) Andrea einen Anwalt (Oliver Bäßler) besorgt hat, atmet er auf, denn wenn er sich um den Rechtsbeistand hätte kümmern müssen, wäre vielleicht der Eindruck einer Komplizenschaft entstanden. Andrea begreift, dass er von ihr abrückt und vor allem um seinen eigenen Ruf besorgt ist.

Der Rechtsanwalt erreicht nach kurzer Zeit, dass seine Mandantin bis zur Hauptverhandlung freigelassen wird.

Obwohl Andrea weiß, dass ihre Teilnahme an der Trauerfeier für Brigitte unerwünscht ist, geht sie in die Kirche. Die Dorfbewohner verhindern, dass sie sich setzt. Sie muss an der Türe stehenbleiben. Die Ansprache des Pfarrers (Haavard Seeböck) klingt in ihren Ohren wie eine Anklage gegen sie. Andrea verlässt fluchtartig die Kirche.

Die starke Frau ist verunsichert. Lebte Brigtte vielleicht doch noch? Brach sie die Wiederbelebungsversuche zu früh ab? Immerhin erinnert sie sich, so etwas wie Triumph empfunden zu haben, als Veronika und Brigitte ausgerechnet auf ihre Hilfe angewiesen waren. „Habe ich sie unbewusst sterben lassen wollen?“

Wenn Sie noch nicht erfahren möchten, wie es weitergeht,
überspringen Sie bitte vorerst den Rest der Inhaltsangabe.

Bei der Verhandlung vor dem Bezirksgericht in Innsbruck tritt Veronika Seiler als Nebenklägerin auf. Sie erinnert sich im Zeugenstand daran, dass Brigitte nicht nur zuckte, als Andrea zu schneiden begann, sondern auch noch die Augen aufriss. Der Staatsanwalt (Stefan Gubser) unterstellt Andrea, ihre Rivalin getötet zu haben, um deren Ehemann für sich zu bekommen. Der medizinische Sachverständige erklärt, dass Hämatome an der Hüfte der Toten auf einen Sturz schließen lassen, der vermutlich die vorzeitigen Wehen auslöste. Ob die Schwangere an einem Aneurysma im Gehirn oder am Kaiserschnitt starb, könne er nicht sagen. Dr. Heerweg bezeichnet Andrea als eigenwillig und anmaßend. Die Krankenschwester Linda (Gabi Mitternöckler) dagegen schildert die Hebamme als kompetent und fürsorglich. Als Andrea behauptet, vor dem Eingriff Veronikas Erlaubnis eingeholt zu haben, schreit diese, sie habe „nein“ geantwortet. Da weist der Verteidiger darauf hin, dass Andreas Frage „soll das Kind auch noch sterben?“ gelautet habe.

Der Staatsanwalt plädiert auf zwei Jahre Haft und lebenslanges Berufsverbot, der Verteidiger beantragt einen Freispruch. Das Urteil soll in der nächsten Sitzung verkündet werden.

Valentin holt seine kleine Tochter aus dem Krankenhaus. Katharina, die sich inzwischen vorwirft, den Schlittenunfall verursacht zu haben und schuld am Tod ihrer Mutter zu sein, weil diese aufgrund des Unfalls während des Schneesturms einen Arzt gebräucht hätte, umsorgt den Säugling zusammen mit ihrem Vater. Veronika hält sich dagegen fern von dem Kind. Ihr geht durch den Kopf, was Andreas Großmutter im Waschraum des Gerichts zu ihr sagte. Margret meinte, sie könne ihrer kleinen Enkelin nicht in die Augen sehen, wenn sie im Zusammenhang mit ihrer Geburt gelogen habe.

Bevor der Richter (Erich Röder) das Urteil verkündet, bittet Veronika unerwartet noch einmal ums Wort. Sie erklärt, nicht mehr sicher zu sein, ob Brigitte zuckte oder die Augen öffnete. Die Bilder könnten auch aus ihren Albträumen nach dem schrecklichen Ereignis stammen.

Die Angeklagte wird aus Mangel an Beweisen freigesprochen. Aber der Richter weist darauf hin, dass die Gesellschaft mutige Menschen braucht, die beherzt handeln, ohne vor dem Risiko zurückzuschrecken, dass sie dabei auch Fehler machen können.

Andrea geht erneut nach Südafrika.

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In dem Melodram „Gefährliche Gefühle“ geht es um Liebe und Verblendung, Schuld und Verantwortung. Im Mittelpunkt steht eine starke, eigenständige Frau mit Zivilcourage, die durch die Angriffe gegen sie verunsichert wird. Nebenbei zeigen Henriette Piper (Drehbuch) und Martin Enlen (Regie), wie eine Dorfgemeinschaft einen Menschen aufgrund von Gerüchten rücksichtslos ausgegrenzt. Auch wenn der Plot ein wenig konstruiert wirkt, sind die einzelnen Wendungen im Drehbuch klug vorbereitet, und die Handlung reißt mit. Hervorzuheben sind die schauspielerischen Leistungen, vor allem von Monica Bleibtreu und Katharina Böhm.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2010

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